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Heimwerker

Anleitung Selbstbau-Regenwassernutzungsanlage mit Zisterne oder Kunststoff-Erdtank

Detaillierte Beschreibung zur Erstellung einer Regenwassernutzungsanlage mit wasserundurchläßiger Zisterne im Selbstbau

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Achtung: Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der hier gegebenen Hinweise wird keine Gewähr oder Haftung übernommen. Sie basieren auf Erfahrungen von Nicht-Fachleuten. Bevor Sie diese aufgreifen, klären Sie vor der Anwendung der hier gegebenen Informationen mit Fachleuten ab, ob Ihnen daraus Nachteile entstehen können. Den Herstelleranweisungen verwendeter Produkte ist unabhängig von den nachfolgenden Ausführungen zu folgen. Auch stellen die Aussagen zu Rechtslagen keine Rechtsberatung dar, sondern spiegeln nur eine persönliche Meinung des Verfassers wieder, welche falsch sein kann.


1. Genehmigungen und Auflagen des örtlichen Wasserversorgers

Das beschriebene Objekt befindet sich in Schleswig-Holstein, doch ist es in Absprache mit Ihrem Wasserversorger auch in anderen Bundesländern zulässig, Regenwasser für die Garten- und Hausbewässerung zu sammeln. Klären Sie vor Beginn der Arbeiten Auflagen, Abgaben und Genehmigungen.



2. Benötigtes Material

2.1 Der Wasserspeicher: Sickergrube, Kunststofftank oder Betonringe?

Als Zisterne bezeichne ich zur einfacheren Beschreibung sowohl einen gewählten Regenwasser-Erdtank als auch eine für die Sammlung von Regenwasser nutzbare ehemalige überdachte Sickergrube. Das benötigte Volumen richtet sich weniger nach dem Bedarf und damit dem angenommenen künftigen Verbrauch als nach der vorhandenen Dachfläche. Denn mit der Dachung eines Reihenhauses bekämen Sie einen 7000 Liter (= 7 Kubikmeter) Tank niemals voll. Dort reichten 3000 Liter Speichervolumen völlig aus. Haben Sie dagegen eine relativ große Dachfläche, sollte das Speichervolumen wenigstens 7000 Liter betragen. Denn es gibt immer wieder wochenlange Trockenzeiten, in denen Ihr Garten vom Zisternenwasser zehren muss. Und selbst 7000 Liter sind nach gut vier trockenen Wochen verbraucht, wenn Sie täglich wässern.

  • Ansicht einer unverputzten und daher wasserdurchlässigen Zisterne.
    Unverputzte Sickergrube mit Lehmboden - beruhigter Einlauf hinten links. Der frühere Sickergruben-Einlauf oben rechts ist verschlossen. Heute verläuft das hier unter der Decke geführte Zulaufrohr zur Reduzierung der Bruchgefahr am Boden der Zisterne und führt von dort mittels Bögen in den Einlauftopf.
    Wenn Sie einen Kunststofftank im Garten vergraben, entfernen Sie einen möglicherweise mitgelieferten Filtereinsatz und setzen Sie einen beruhigten Einlauf (Quelltopf) hinein.
  • Eine gemauerte ehemalige Sickergrube ist meist unverputzt und dadurch extrem wasserdurchlässig. Diese muss wie unten beschrieben abgedichtet werden, um nicht täglich über 70 Prozent des Speicherinhalts über die Wände zu verlieren. Ein Kunststoff-Regenwasserspeicher ist sicherlich die handwerklich einfachere Lösung - nur will dieser eingegraben sein und auf die Schönheit der Ausführung kommt es beim Verputzen und Verfliesen in der Zisterne nicht an. Auch entsteht an Wänden und Boden der Zisterne mit hoher Wahrscheinlichkeit nach wenigen Wochen ein das Wasser reinhaltendes Bakterienklima - ob sich dies an den Wänden und Boden eines Kunststofftanks ebenso entwickelt, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise würde das Einbringen von Beton in dessen Bodenbereich die Entstehung eines selbstreinigenden Bakterienklimas begünstigen - dies ist nur eine Idee, probiert hatte ich es nicht. Wegen der häufiger Versickerungsverluste kann übrigens eine automatische Trinkwasser-Nachspeisung für den Speicher extrem teuer kommen. Es geht auch ohne, wie Sie im Laufe der folgenden Beschreibungen noch sehen werden.
  • Von übereinandergesetzten Betonringen als Wasserspeicher rate ich ab - die entsprechenden Foren sind voll mit den Anfragen von Leuten, die diese offenbar nicht dicht bekommen. Meist beginnen die Verbindungsstellen der Ringe gerade nach Ablauf der Garantiezeit durchlässig zu werden. Und dann hätten Sie das gleiche Problem wie in der Zisterne - nur dass Sie aufgrund der Rundungen nicht fliesen können.

2.2 Der beruhigte Einlauf: Quelltopf oder Rohrbogen?

Der Quelltopf aus PE bremst die Fallgeschwindigkeit des zulaufenden Wassers stark ab und läßt es nach allen Seiten in den Wasserspeicher einströmen, wodurch die Bodensedimente kaum aufgewirbelt werden. Dieses Rewalux-Produkt ist nicht ganz billig - wer sparen möchte, kann es durch ein T-Stück und zwei Bögen ersetzen. Dann fließt das Wasser ersatzweise in das T-Stück und wird über die beiden mit der Öffnung nach oben zeigenden Bögen in zwei Richtungen geteilt in die Zisterne geführt.

Das einfließende sauerstoffhaltige Wasser fließt also in beiden Varianten strömungsberuhigt in den unteren Speicherbereich ein und wird nach dem durchströmen des gesamten Speichers an der gegenüberliegenden Seite über eine Pumpe entnommen - dies ist für den vollständigen Wasseraustausch bedeutsam. So spielt eine Sauerstoffdurchmischung eine wichtige Rolle für die Wasserqualität.

2.3 Die Wahl der Pumpe: Hauswasserwerk oder Tauchdruckpumpe?

Wegen der Verkeimungsneigung, Erstansaugproblematik und der Erfordernis von Rückschlagventilen und regelmäßiger Filterwechsel bei sogenannten ’Hauswasserautomaten/ Hauswasserwerken’ empfehle ich die ohnehin günstigere Tauchdruckpumpe. Auf einen Regenwasserfilter im Druckteil der Anlage kann dann verzichtet werden - er wäre zudem eher ein Risiko für die Wasserqualität. Als Hersteller bevorzuge ich wegen erwiesener Zuverlässigkeit den hier schon viel zu häufig erwähnten Versender.

Mit ’Erstansaugproblematik’ meine ich das aufwendige erste Ansaugen von Wasser respektive die erste manuelle Befüllung des Schlauchs bei preiswerten und daher nicht selbst ansaugenden Geräten.

2.4 Der Regenwasserfilter: Bitte kein Sieb verwenden!

Ansicht der Anschlüsse des Wasserfilters.
Ganz links: Zulauf in den Filter, direkt darunter (nicht sichtbar) Ableitung in die Kanalisation; Mitte unten: Abführung des gefilterten Wassers in die Zisterne. Daneben ein (überflüssiger!) überlauf zur Kanalisation.

Als Regenwasserfilter empfehle ich einen REWALUX® WISY Wirbel-Fein-Filter, weil nur dieser sämtlichen Dreck vom Dach automatisch in die Kanalisation weiterleitet und hierdurch den höchsten Wasserertrag bietet. Denn Sie glauben gar nicht, wie viele Tannennadeln, Laub und sonstiger Schiet so vom Dach gespült wird - insbesondere nach längerer Trockenheit. Selbst tote Vögel sollen nach Herstellerangabe hindurchrutschen. Der selbstspülende REWALUX® Edelstahl-Filtereinsatz muss dennoch für optimalen Ertrag wegen seines sehr feinmaschigen Edelstahl-Siebes einmal monatlich im Geschirrspüler gereinigt werden - andernfalls verklebt das Sieb mit der Zeit und würde undurchlässig.

Wenn Ihr Regenwasser dagegen durch ein häufig angebotenes horizontales Sieb wie einen bei Kunststofftanks oft mitgelieferten Filterkorb sickern soll, kommt nach kurzer Zeit kaum noch welches durch. Denn schon bald wäre es verstopft und würde nach wenigen Tagen dasjenige Wasser, welches dennoch durch den Dreck durchsickert, verkeimen. Hier sollte also nicht gespart werden - der richtige Filter erspart Ihnen zudem den Überlauf.

2.5 Der Regenwasser-Zulauf: graue oder orange Rohre?

Im Regenwasserzulauf kommen durchgängig die orangefarbenen 100er KG-Kunststoffrohre zum Einsatz. Ein geringerer Durchmesser führt bei Starkregen zum überlaufen des Regenrinnenablaufs.

Die grauen HT-Abwasserrohre sind zwar ein paar Cent billiger, jedoch nicht frostfest und damit nur für die Nutzung im Haus geeignet.

2.6 Die Druckseite: Kupfer- oder Kunststoffrohre?

Im Haus wird das Regenwasser über eine Kupferrohr zum Außenwasserhahn geführt. Sämtlichen flexiblen Kunststoffdruckschläuchen ist nur eine relativ kurze Haltbarkeit beschieden - und so würde Ihr Keller ohne solide Kupferrohre irgendwann unter Wasser stehen. Die diesen gelegentlich nachgesagte Korrosionsneigung unter Regenwasser konnte ich nicht bestätigen - hierfür ist vielleicht auch die Reinheit des Regenwassers (umgebende Industrien?) entscheidend. Eine Schutzbeschichtung der Kupferrohre kann nach meiner Auffassung auch nicht ausschlaggebend für die Korrosionsbeständigkeit sein, weil an den Verbindungsstellen durch das Weichlöten diese Schutzschicht hinüber sein dürfte.
Wichtiger Hinweis: Das Regenwassernutzungssystem darf an keiner Stelle und auf keinen Fall mit dem Wassersystem Ihres Wasserversorgers verbunden werden. Es besteht die Gefahr einer großflächigen Verkeimung des öffentlichen Rohrnetzes, was zu erheblich Kosten (bis zu mehreren zehntausend Euro) für Reinigung und Entkeimung durch Fachbetriebe führen kann! Daher dürfen ein Außenwasserhahn, eine WC-Spülung oder eine Waschmaschine, welche einmal am Zisternennetz angeschlossen waren, auch nicht mehr an das öffentlichen Netz angeschlossen werden.

2.7 Die Pumpensteuerung: Elektronik oder nicht?

Ein elektronisches Schaltgerät zur automatischen Steuerung der Tauchdruckpumpe ist unverzichtbar. Es startet die Pumpe bei Druckabfall und lässt diese laufen, solange ein Mindestdurchfluss gewährleistet ist - so wird ein ständiges An- und Abschalten der Pumpe bei geringen Durchflussmengen vermieden. Der REWALUX® Pump-Butler hat sich bewährt.

2.8 Die Füllstandsmessung: Füllstandsmesser kaufen oder Inhalt errechnen?

Eine elektronische oder mechanische Füllstandsanzeige ist ungenau (10-Prozent-Schritte) und völlig überflüssig, wenn Sie einen einfachen Regenmesser (Wasserauffangbecher mit Markierungen für Liter je Quadratmeter - oft an einer Stange befestigt) in den Garten stellen und diesen täglich ablesen. über eine kleine Excel-Tabelle können Sie dann einmal täglich auf ein paar Liter genau errechnen, wieviel Zisternenwasser Ihnen noch zur Verfügung steht:

Eine bewährte Formel:

[Die Stellschrauben (Variablen) zur Anpassung an Ihre Dachfläche ist der obige Wert 185, welcher für die Dachfläche steht sowie der ’prozentuale Wasserverlust’, der in einem Kunststofftank = 0 sein sollte, in einer unverputzten Zisterne durchaus 70%, verputzt noch 30% und gefliest etwa 5% betragen könnte. Messen Sie die Wasserstände im Abstand von 24 Stunden, ohne zwischenzeitlich Wasser zu entnehmen. Sie erhalten Sie die Circa-Menge des Wasserverlustes über den folgenden Dreisatz (Beispiel): 90cm Wasserstand Vorabend = 100%, heutiger Wasserstand 50 cm = X. Lösung: 50x100/90 = 55,55%]

Probieren Sie mit den 2 Variablen etwas herum, bis nach jedem Leerpumpen der Zisterne in Ihrer Tabelle ein verbleibender Zisterneninhalt nahe Null steht.

2.9 Weitere Kleinteile

Lot, Lotpaste, Stahlwollröllchen (zum Blankmachen der Kupferrohr-Verbindungsteile), Haushaltsoel (zum Einreiben der KG-Rohr Verbindungsteile vor dem Zusammenfügen), Schellen für Druckschlauch ab Tauchdruckpumpe, Wasserzähler plus übergangsstücke: eines zum Anschlußstutzen des flexiblen Druckschlauch, ein anderes zum übergang zur Kupferleitung, Kunststoffkette zum Aufhängen der Tauchdruckpumpe.



3. Unter anderem benötigtes Werkzeug:

  • Spaten zum Graben & Mischen von Putz & Beton
  • Heißluftfön zum weniger brandgefährlichen Verlöten der Kupferrohre.
  • ggf. Maurerkelle und Glättekelle zum Verputzen
  • ggf. Maurerbottich zum Anmischen von Putz & Beton
  • Wasserwaage zur Kontrolle des Gefälles der Regenwasser-Zuflussrohre und des lotrechten Setzen des Wirbelfeinfilters.
  • Rohrzange und Maulschlüssel (für Wasserzähleranschlüsse), Kreuzschlitzschraubendreher (für Schellen)
  • Bohrmaschine (zum Bohren der Dübellöcher für die Kupferrohrbefestigungen)


4. Reihenfolge der Arbeiten

4.1 Nur bei gemauerter Zisterne

Eventuell muss ein Zugangsschacht mit Abdeckplatte gemauert werden - denn der Zugang zu vielen alten Sickergruben liegt heute meist 50 Zentimeter unter einer Rasenfläche oder anderem Bewuchs. Das ist zeitaufwendig - darum fangen wir damit an.

über eine bakterielle Verseuchung Ihres Regenwassereintrags aufgrund der früheren Nutzung als Schmutzwasser-Sickergrube brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, wenn der Speicherraum schon einige Jahre ungenutzt war und trocken stand. Dann ist die damalige Bakterienkultur längst in diejenige eines normalen Kellerraumes übergegangen. Zudem werden Wand und Boden neu aufgebaut, was einen Einfluss der früheren Nutzung unwahrscheinlich werden lässt.

Wenn Sie also über eine frühere Sickergrube verfügen, dann verputzen Sie zunächst den innenliegenden nackten Stein mit ’Haftputz für Fassaden und Feuchträume’. Dann gießen Sie den gesamten Boden - welcher oft wasserundurchläßig ist, da er aus verdichtetem Lehm besteht - mit fließfähig gehaltenen Beton aus. Selbst, wenn beim Eingießen noch Pfützen auf dem Boden stehen, wird dieser annehmlich im Wasser abbinden und ’trocknen’. Bei dieser Gelegenheit könnten Sie zum sicheren Begehen der Zisterne auch gleich eine kleine Stehleiter mit einbetonieren und ggf. einen Sockel (Höhe 5 Zentimeter reichen = ein flacher Ziegelstein) für die Tauchdruckpumpe setzen (sofern diese keinen Sedimentschutz hat wie diejenigen von REWALUX®).

Der Aufwand für das Fliesen der Wände mit Billig-Kacheln lohnt sich stets dann, wenn durch die Wände Ihrer ehemaligen Sickergrube noch Wasser entweicht. Unsere Sickergrube war erst nach dem Fliesen und Verfugen wasserdicht. Den Boden konnten wir ungefliest belassen, weil unter dem irgendwie immer wasserdurchlässigen Beton eine undurchlässige Lehmschicht vorhanden war. So fliesen Sie also gegebenenfalls die gesamten Wandflächen mit ’Ceresit hochflexiblen Fliesenkleber für kritische Untergründe’. Dieses ist eine Fertigmischung in Säcken, die auch schon Zement enthält. Dieser Kleber ist nach der Verarbeitung relativ wasserundurchlässig, so sollte er die ganze Wandfläche bündig bedecken. Verwenden Sie auf keinen Fall irgendwelche ’Fertige Superkleber’ o.ä. (verschiedene Anbieter) in Kunststoffbehältern, die an die Wand gespachtelt werden. Das Zeug ist sehr teuer, muss zudem entgegen der großspurigen Suggerierung des Aufklebers noch mit Zement vermischt werden (steht manchmal nur mit der Lupe sichtbar im Kleingedruckten) und trocknet in geschlossenen, kaum belüfteten Zisternen fast nicht ab. Wir haben so einen Superkleber ausprobiert und nach der ersten Füllung die Scherben sämtlicher heruntergefallwener Fliesen einsammeln dürfen. Zu guter Letzt Fliesen verfugen, um die letzten Ritzen wasserdicht zu verschließen..

4.2 Gräben für orangefarbenen 100er KG-Kunststoffrohre ausheben

Ansicht der Aussenwand verputzt/unverputzt.
Ursprünglich unverputzten Sockelbereich des Hauses gleich mit abdichten - links sehen Sie rohes Mauerwerk, in der Mitte ist der Sockel bereits verputzt und rechts mit einem Bitumen-Anstrich versehen

Darauf achten, dass vom Fallrohr bis zum Wirbelfeinfilter ein leichtes Gefälle besteht. Es kann ruhig gering, muss jedoch durchgängig sein. Direkt hinter dem Fallrohr und in kritischen, schwer zugänglichen Abschnitten sind T-Stücke mit Verlängerung zum Bodenniveau als Reinigungsöffnung zu empfehlen.

Wenn sie schon einmal dabei sind und der Haussockel noch nicht verputzt und/oder mit einem Bitumenanstrich versehen ist, dann machen Sie das jetzt gleich mit. Später werden Sie vermutlich nie wieder die Motivation aufbringen, um die im korrekten Gefälle verlegten Regenwasserabflussrohre alles wieder aufzugraben.

Wichtiger Hinweis: Beachten Sie beim Ausschachten, dass der Sockel einer Hauswand nur in kleinen Abschnitten freigelegt werden darf, um einen Einsturz der dann nicht mehr durch Erde gestützten Hauswand zu vermeiden. Eine größere Ausschachtung oder das ungesicherte Freilegen des Fundaments kann zu einer einknickenden Kellerwand oder einem einstürzenden Mauergiebel durch fehlende Rückverankerung von Wänden an Decken führen. Auch kommt es durch fehlende Sicherungen wie der Abstützung der Erdseite der Baugrube gegen die Kellerwand immer wieder zu Todesfällen.

4.3 Orange 100er KG-Kunststoffrohre verlegen

Ansicht der Reinigungsöffnung am Fallrohr.
Eine Reinigungsöffnung am Fallrohr.

Das Zusammenschieben der Elemente geht leichter, wenn Sie die Verbindungsstellen zuvor mit etwas Haushaltsoel einreiben.

Die Rohre müssen in hellem Bausand gebettet werden - in Muttererde würden sie beim überfahren oder durch leichte Bodenverschiebungen brechen. Ein durchgängiges Gefälle ist erforderlich - am Wirbelfeinfilter muss das Rohr jedoch wenigstens so tief ankommen, dass der Filter nicht aus dem Bodenniveau herausragt. Dieser lässt sich dagegen fast beliebig tief setzen, weil es den oberen Schacht verlängernde Kunststoffringe zu kaufen gibt.

Weder die gemauerte Zisterne noch ein Kunststofftank benötigen bei dieser Anordnung einen überlauf - Dank des Wirbelfeinfilters läuft einfach nichts mehr in den Tank hinein, wenn dieser voll ist. Und durch die sehr gute Filterung schwimmt auf dem gesammelten Regenwasser auch kein Schmutz, der durch regelmäßiges überlaufen - wie häufig empfohlen - entfernt werden müsste. Diejenigen, welche das empfehlen, haben den falschen Filter für ihren Wasserspeicher gewählt.

4.4 Wirbelfeinfilter setzen

Ansicht des Wirbelfeinfilter bei Regendurchfluss.
Bis mittelstarkem Regen wird zufließendes Wasser komplett durch das Filtersieb in die Zisterne geleitet. Erst Starkregen spült den Filter sauber.

Möglichst in der Mitte der von verschiedenen Seiten zulaufenden Abwasserrohre und nach einer wenigstens 50 Zentimeter langen Geraden des Zulaufs (besser: 1 Meter) den Wirbelfeinfilter so setzen, dass dessen Deckel nicht über Bodenniveau herausragt. Von dort muss es mit Gefälle zur Kanalisation und in die Zisterne gehen können. Die Verbindung zur Kanalisation jetzt ebenfalls herstellen und bis zur Fertigstellung des Tanks den Edelstahl-Filtereinsatz mittels einer aufgeschnittenen Plastiktüte abdecken. Damit wird verhindert, dass Regenwasser in die Zisterne einlaufen kann.

Sehr wichtig: Dieser Filter muss nach Anschluss aller Zu- und Ablaufleitungen absolut lotrecht gesetzt werden, was angesichts der vielen Anschlüsse, deren Stränge auf die Filtereinheit einwirken, nicht einfach ist. Hierfür benötigen Sie eine sehr kurze Wasserwaage. Eine Neigung in seiner Längsachse vermindert die gefilterte Wassermenge erheblich. Bei korrekter Ausrichtung nach Anleitung geht nach meiner Erfahrung außer bei Starkregen sämtliches zugeführtes Regenwasser durch den Filter in die Zisterne. Dies wird durch den Umstand ermöglicht, dass sich der Filter zum einen nach unten hin verjüngt, so dass das Wasser durch seine Schwerkraft in das Sieb geführt wird. Zum anderen wird Regenwasser mit einer Drehbewegung in das Filtergehäuse eingeleitet, wodurch es - diese Drehbewegung weiterführend - das Sieb diagonal mit einer größeren Strecke überläuft und nicht senkrecht.

Es empfiehlt sich zudem zum einen, den Wirbelfeinfilter unten auf eine Gehwegplatte oder ähnliches aufzusetzen, welche auf komprimierten, nicht gelockerten und damit nicht nachgebenden Boden steht. Zum anderen sollte dieser hiernach und noch vor dem Verfüllen mit Sand großzügig einbetoniert werden, weil er sich sonst in den Folgejahren dem Druck der angeschlossenen Leitungen anpasst und seine Neigung verändert. Bei mir führte dies seinerzeit allerdings dazu, dass sich der Filter - zunächst nicht lotgerecht eingebaut - von selbst innerhalb zweier Jahre in die korrekte Lage bewegte. Das kann also, muss aber nicht gutgehen.

4.5 Ggf. Regenwasser-Kunststofferdtank setzen

Bei Verwendung eines Kunststofftanks diesen jetzt nach Anleitung so tief in ein Sandbett setzen, dass der Abgang vom Wirbelfeinfilter mit Gefälle in den Tank geführt und darin in dem beruhigten Einlauf (Quelltopf) münden kann. Wenn es sich um einen länglichen Tank handelt, sollte der Einlauf an das der Pumpe entgegengesetzte Ende gesetzt werden, um eine vollständigen Durchfließung des gespeicherten Wassers mit dem nachkommenden sauerstoffhaltigen Regenwasser zu gewährleisten.

4.6 Beruhigter Einlauf

Selbst in einem picksauberen Wasserspeicher setzen sich mit den Jahren Sedimente ab. Diese würden bei jedem Regenschauer aufgewirbelt, wenn Sie den Zulauf als Wasserfall hineinspritzen lassen. Besser ist eine Herabführung im 100er Rohr bis zum Boden in den nicht billigen, aber wirksamen Rewalux-Einlauftopf. Ersatzweise können Sie den teuren Einlauftopf über dem Boden des Wasserspeichers recht einfach mit zwei 90 Grad-Bögen des 100er Rohres (U-Form) ersetzen.

Der Zulauf sollte, wie auf dem obersten Bild zu sehen ist, in die hinterste, der Entnahmestelle gegenüberliegende Ecke geführt werden. So wird nachfließendes sauerstoffhaltiges Regenwasser auf die sonst nicht durchspülte Seite transportiert. Da zudem auf der dem Einlauf gegenüberliegenden Seite kontinuierlich Wasser abgesaugt wird, erhöht dies die Durchmischung des in der Zisterne gespeicherten Wassers mit Sauerstoff. Dieser ist für die Reinhaltung von entscheidender Bedeutung.

4.7 Druckseite herstellen

Ansicht der wasserdichten Zisterne.
Einbetonierte Stehleiter und Pumpe.

Jetzt die Tauchdruckpumpe an einer Kunststoffkette in den Tank hängen, so dass sie wenigstens 5 cm über dem Boden schwebt und Ablagerungen nicht angesaugt werden. Wenn die Pumpe keinen Sedimentschutz - eine Art Ansaugtopf unter deren Boden - hat, dann stellen Sie einige Ziegelsteine oder ähnliches darunter, um bodennahe Schwebstoffe von der Pumpe fernzuhalten. Denn Klarwasser-Tauchdruckpumpen vertragen auf Dauer nicht das Ansaugen von Sand oder groben Verschmutzungen.

Dann wird der Druckschlauch aus dem Tank oder der Zisterne heraus durch ein im Garten eingegrabenes 100er KG-Kunstoffrohr zum Keller und damit zum Wasserzähler geführt. Die Verlegung des Druckschlauches im unterirdischen KG-Rohr war bei mir frostsicher, wenngleich in harten Wintern die Leitung durchaus einfrieren und möglicherweise platzen kann. Ganz Vorsichtige entleeren den Druckschlauch im Winter - der Garten wird dann ohnehin nicht gewässert. Hinter den Zähler wird die Kupferleitung angeschlossen und zum Außenwasserhahn geführt. Das war’s. Die jeweiligen Verbindungsteile müssen Sie sich selbst im Baumarkt zusammensuchen - denn deren Maß ist abhängig von Ihrem Schlauchdurchmesser, dem Durchmesser des Kupferrohres und der Größe des Zähleranschlußstutzens.



5. Schlussarbeiten

Alles verfüllen, Rasen aussäen, Plastiktüte vom Wirbel-Feinfilter entfernen, Gartenstuhl herausholen, draufsetzen und auf Regen warten. Ist erstmals ausreichend Wasser im Tank, lassen Sie es nach Regenende noch 24 Stunden ruhen, damit sich die aus den Bauarbeiten stammenden Schwebeteilchen am Boden absetzen können und nicht in Ihr Leitungssystem gesaugt werden.



6. Letzte Hinweise

Ansicht des fertigen Zisterneneinstiegs mit Regenwasser-Filter.
Blick auf Wirbelfeinfilter & Zisternenabdeckung. Die Ziegelsteine sollen beim Schließen des Filter-Deckels ein Einklemmen von Gras verhindern

Die Wasserqualität in derart zu Zisternen umgewandelten Sickergruben ist nach drei Wochen durch die bakteriologische Selbstreinigung oft so gut, dass dieses Wasser auch zum Duschen und für eine Waschmaschine verwendet werden könnte. Sprechen Sie hierzu jedoch mit Ihrem örtlichen Wasserversorger, wie die hierbei anfallenden Abwassergebühren berechnet werden. Eventuell böte sich ein weiterer Zähler für das über Dusche und Waschmaschine ins Sielnetz einzuleitende Wasser an. Der Hintergrund ist, dass der Wasserversorger für die Entsorgung des Regenwassers zwar Aufwendungen hat, diese andernfalls nicht vergütet bekäme. Auch ist mir nicht bekannt, in welchen Bundesländern die Nutzung von Regenwasser ausschließlich für den Garten anzeigepflichtig ist. Bitte erkundigen Sie sich vor Beginn der Arbeiten.

Die erste vollständige Füllung der gefliesten Zisterne löst immer einige Bestandteile aus den verwendeten Materialien. So wird das Wasser zu Beginn noch nicht klar sein, selbst wenn es durch die erhöhte Position der Tauchdruckpumpe sandfrei ist. Das gibt sich. Etwas Beschleunigen könnten Sie diesen Prozess, wenn Sie nach dem Ende des Trocknungsprozesses das Zisterneninnere gründlich mit einem Wasserstrahl (keinesfalls Druckreiniger verwenden) abspritzen.

Für das Funktionieren eines selbstreinigenden Bakterienhaushalts in der Zisterne ist ein gewisser Sauerstoffgehalt des Wassers erforderlich. Sollte wegen sehr geringer Wasserzufuhr zuwenig Sauerstoff der Zisterne zugeführt werden, schafft oftmals ein Teichbelüfter wie derjenige von Conrad® zuverlässig Abhilfe. Die Luftschläuche sind bei dem vorstehend verlinkten sowie vielen weiteren Modellen zehn Meter lang, wodurch man diese zusammen mit dem Anschlußkabel der Pumpe in den Keller führen kann. über Nacht etwa sechs Stunden eingeschaltet bei in der Zisterne gut verteilten Zufuhrschläuchen ersetzt der Teichlüfter in regenarmen Zeiten die Durchmischung mit Sauerstoff durch nachfließendes Wasser. Schalten Sie jedoch an heißen Tagen diesen Belüfter nur in der Nacht ein, weil sonst warme Umgebungsluft in die an sich kühle Zisterne gepumpt würde. Denn je kühler es in der Zisterne ist, desto weniger vermehren sich die unerwünschte Bakterien in dem gesammelten Wasser. Daher verbietet sich ein ununterbrochenes Laufenlassen sowie die Sauerstoffzufuhr über warmme Außenluft.

Auch wenn Sie später dunkle Ablagerungen an Wand und Boden Ihrer Zisterne stören, lassen Sie diese möglichst unangetastet. Denn in diesem Sediment und zum geringeren Teil an den Wänden befinden sich diejenigen ’guten’ Bakterien, die Ihr Wasser sauberhalten - also für die Selbstreinigung verantwortlich sind. Würden Sie diesen Belag vollständig entfernen oder gar Desinfektionsmittel einsetzen, funktionierte die Selbstreinigung nicht mehr.

Und denken Sie stets daran, dass das Regenwassernetz an keiner Stelle mit dem Netz des Wasserversorgers verbunden sein darf! So darf auch eine Waschmaschine oder Toilette nicht abwechselnd über Zisterne und Wasserwerk versorgt werden. An modernen Toilettenwasserkästen können jedoch oftmals zwei Schwimmersysteme angeschlossen werden (rechts und links), dann könnte eines an das Zisternensystem, das andere an das Wassernetz Ihres örtlichen Versorgers angeschlossen sein. Erkundigen Sie sich, ob diese Trennung ausreichend ist.

Wenn Sie das Regenwasser auch für WC-Spülung und Waschmaschine nutzen wollen, kämen weitere Aufwendungen in Zuleitungen, Anschlüssen und Geräten hinzu. Billiger als über Ihren Wasserversorger können Sie daher nicht an Wasser guter Qualität kommen.

Und nun wünsche ich viele Freude mit Ihrem teuren Vergnügen.



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