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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt'

Lexikon der Metaphysik: 'Fanatismus'


ERWEITERTE AUSGABE NOCH NICHT ALS BUCH ERHÄLTLICH - VORRAUSSICHTLICH AB 2023




Inhaltsverzeichnis

Fanatismus

Fanatismus = Wahrnehmung einer nur auf eigene Ziele verengten Realität unter Ausblendung der Werterfüllung, Herausforderungen, Bedürfnisse und Ziele anderes Seienden. Es besteht eine Nähe zur Infantilität, welche Ausdruck sozialer und/oder emotionaler Unreife ist. Der eigene Wille wird rigoros über den Willen anderes Seienden gestellt und unreflektiert und kompromisslos als allgemeingültig erklärt. Der Fanatiker nimmt an, zu wissen, was am besten für alle ist.

Hierbei gibt es keinen Unterschied zwischen religiösen und politischen Fanatismus. Auch jede Art von Gewalttätigkeit - gleichgültig, für welche Ziele - ist das Ergebnis der mentalen Verengung eines Fanatismus. Dieser beginnt bereits mit der kontinuierlichen Ausblendung der Standpunkte Andersdenkender. Merkmale: Geringe Sachlichkeit und hohe emotionale Intensität in fast jeder Auseinandersetzung, Dialoge werden infolge eher aggressiv geführt, geringe Frustrationstoleranz, Vorschieben subjektiver moralischer Werte.

Fanatiker - auch wenn sie sich plakativ in ein total diverses und super tolerantes Gewand kleiden - ertragen keine inhaltlich abweichende Meinung und lassen ihre Kommunikationskanäle zu Andersdenkenden verkümmern, indem ihre persönlichen Unterbewusstseine alle unerwünschten Informationen herausfiltern. Sie bewegen sich in einer Blase spiritueller wie auch weltlicher Uninformiertheit.

Fanatismus ist in seiner intoleranten Selbstbezogenheit einer der größten Hindernisse für spirituelle Ausweitung in Richtung der Ideale wie u.a. Liebe, Güte, Nachsicht, Mitgefühl, Sorglosigkeit, Kindlichkeit, Anerkennung der Gleichwertigkeit des Bewusstseins alles Seienden, Wertschätzung für alle Schöpfungen, Gewaltfreiheit und Streben nach Frieden, Unterstützung der Werterfüllung alles Seienden, Kooperation mit und Respekt vor allem Seienden einschließlich der nur scheinbar unbelebten Natur.

Fanatiker betrachten also die Realität durch die Scheuklappe ihres Willens unter Ausblendung der Bedürfnisse anderes Seienden. Sie sind derart verengt auf ihren eigenen Fokus, dass sie nichts anderes wahrzunehmen in der Lage sind. Hierdurch neigen sie zu Gewalttaten als letztes Mittel zur Durchsetzung, wenn sich ihr überhöhtes Ziel als nicht realisierbar erweist. Denn sie erlauben sich selbst kein Zugeständnis an abweichende Positionen. Fanatiker finden sich ebenso in angesehenen politischen und gesellschaftlichen Positionen und Ämtern mit Macht und Einfluss wie in sozialen Subkulturen. Manchmal ist der einzelne Fanatiker in der Mitte der Gesellschaft für diese gefährlicher als die fanatische Splittergruppe an deren Rand.

Die Überhöhung der eigenen Position beruht auf der Angst, unterschiedliche Sichtweisen akzeptieren und ihr Ausleben ertragen zu müssen. Doch ist es gerade die enorme Vielfalt der unterschiedlichen Sicht- und Handlungsweisen in allen Bereichen sowie die umfassende Kooperation alles Seienden, die das physische Leben überhaupt erst ermöglichen. Ohne das Tolerieren der Willensfreiheit sowie biologischer und mentaler Vielfalt gäbe es nach Eintönigkeit und Stillstand nur den Zusammenbruch des Systems, wie es an totalitären politischen Gesellschaften wie auch der Biodiversität gut zu beobachten ist. Letztere ist in der Auslöschung, u.a. durch den massiven Pestizideinsatz in der Landwirtschaft.

Aus der selbstgebauten Falle kommt der Fanatiker nur heraus, wenn er es schafft, seine Emotionen mehr und mehr zu kontrollieren und seine starke Ablehnung in ihr Gegenteil, die Liebe zu verwandeln. Damit geht eine Öffnung für anderes Seiendes einher. Fanatiker reagieren auf Abtrünnige besonders hasserfüllt, weil sie tief in sich ihres Irrtums bewusst sind - ein Teil ihres inneren Selbst ist sich der destruktiven Emotionen des äußeren Selbst bewusst. Sie fürchten sich davor, ebenfalls ihr überhöhtes Ziel und damit ihren derzeitigen Lebensinhalt zu verlieren und projizieren ihren inneren Kampf nach außen. Denn das innere Selbst lässt sich nicht vollumfänglich für verengte, destruktive und den Idealen widersprechende Ziele einspannen.

[Siehe auch 'Ideale', 'Liebe', 'Mitgefühl', 'Werterfüllung', 'Frieden', 'Werte-Klima', 'Kooperation', 'Gnadenzustand', 'Gewaltfreiheit', 'Werterfüllung', 'Frieden', 'Krieg', 'Hass', 'Wille', 'Infantilität' und 'Natur']


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