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ZITAT: Der Ehebruch Jungverheirateter ist ein f... (s.u.)

Themen: Liebe & Beziehungen, Aus dem Alltag, Soziales & Umwelt, Spekulanten & Co, Politik & Wirtschaft, Medien & Autoren-Zeugs und Überheblichkeit & Irrtümer


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1350 Zeitkritische Zitate & kleine Weisheiten
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Themen: Liebe & Beziehungen, Aus dem Alltag, Soziales & Umwelt, Spekulanten & Co, Politik & Wirtschaft, Medien & Autoren-Zeugs und Überheblichkeit & Irrtümer

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ISBN 9783743137820

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Der Ehebruch Jungverheirateter ist ein flittrig beschwingtes Desaster, ein Phönix aus heißer Asche, die Offenbarung, dass man falsch gewählt, einen das Leben verschlingenden Irrtum begangen hat. Hilfe, Hilfe, es ist nicht zu spät, die Babys kennen kaum ihren Vater, die Hochzeitsgeschenke sind noch ohne Narben, der Fehler kann ungeschehen gemacht werden, ein anderer Gefährte kann gewählt und das als Drache erscheinende Universum kann geschlagen werden. Morde, Entführungen und andere Hirngespinste huschen aus der hektischen Umgebung dieser Spezies in die Zeitungsspalten. Der Ehebruch der hoffnungslos Verheirateten, der Paare in den Dreißigern mit nur langsam größer werdenden Kindern und nur langsam kleiner werdenden Hypotheken, ist eine schwerfälligere, häuslichere Kreatur, ein Lasttier, in der Tat, denn dieser Ehebruch dient dem Zweck, das Unabänderliche erträglich zu machen. Der Flirt beim Wohltätigkeitsball, die in ein Firmentelefon gestotterte Einladung zum Lunch, das Treffen mittags im Motel, ohne einen Augenblick die Uhrzeit zu vergessen, die geschmuggelten Briefe, das schmerzliche und sensible Auseinandergehen - das sind Eheriten, Ferien für die Verfolgten, doch werden sie ergreifenderweise oft nicht als solche verstanden von den Beteiligten, die sich gegenseitig mit Vorwürfen geißeln, während sie gleichzeitig einander als Sandsäcke gegen die Überschwemmung ihrer Heime in Position zerren. Der Ehebruch derer, die in den Vierzigern sind, erlangt wieder eine gewisse Unbeschwertheit, eine windspielartige Ausgelassenheit und ein pfauenhaftes Glänzen. Kinder gehen aus dem Haus, Eltern sterben, Geld verliert an Wert. Nichts ist so schwierig, wie es einst schien. Launen werden Anlass zur Trennung (der letzte Dessertteller zerbrochen, das letzte unerträgliche Zigarrenbrandloch im Sessel) oder die Ehen werden durch Kapitulation verlängert. das Rennen zwischen Freiheit und Erschöpfung ist entschieden. Und dann gibt es im religiösen Sinne keinen Ehebruch mehr, so wie es zwischen Schulkindern oder Sklaven oder den über jedes Abrechnen erhabenen Reichen keinen Ehebruch gibt.

John Updike (1932-2009), US-amerikanischer Autor, in 'Der Sonntagsmonat (A month of sundays)


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