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Nebenwerk: 'Reiseführer für die letzte Reise' ONLINE LESEN
'Reiseführer für die letzte Reise'
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(ISBN 97 8375 2811 131)


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Kapitel 7.2.: Das Cool-Down-Programm (Reisevorbereitungen)

Im Zoo werden die Tiere etwa doppelt so alt wie in der Freiheit - die Ursache ist Genügsamkeit und Gelassenheit. Wir Menschen jedoch neigen dazu, unsere Bewusstheit mit Alkohol zu reduzieren, das Bewusstsein so scheinbar zu betäuben, wenn drückende Sorgen negative Gefühle in uns auslösen oder aber unser Gehirn von einem 'anstrengenden Tag' erschöpft ist. Das Denken ist dann durch dessen Ermüdung erschwert.

Wir spüren diese Einschränkung genau, und würden daher den Erholungs-Schlaf einleiten wollen. Doch lässt dies zum einen unser Lebenswandel häufig nicht zu - es ist vielleicht erst 19 Uhr, und wer geht dann schon zu Bett. Zum anderen möchte man sich jetzt endlich beispielsweise nach einem harten fremdbestimmten Arbeitstag im Beruf selbst bestimmen - naheliegend ist das Amüsieren. Also wird eine kleine Privatparty inszeniert, bei Alleinstehenden auch mit sich selbst - in einer Bar oder zu Hause, beispielsweise mit einem guten Film, dazu ein paar Drinks und etwas knabbern. Wenn unsere der Entspannung dienenden Freizeithandlungen allerdings keine Gefühle in uns wecken, bleibt dies - gleich ob allein oder in Gesellschaft - eine trostlose Angelegenheit. Denn Fernsehen und Alkohol allein betäuben den Geist. Und je älter wir werden, je emotional abgeklärter wir sind, desto trostloser im wahrsten Sinne des Wortes sind unsere so verlebten Abende.

Für die in einem harten Arbeitsalltag stehenden gibt es jedoch kaum eine Lösung - sie sind am Ende des Arbeitstages einfach zu erschöpft, um sich in einer kontemplativen Stimmung mit erbaulichen Dingen der Literatur oder Kunst zu befassen. Auch die Wochenend- und Urlaubszeit wird dann oft als Ausgleich zur Fremdbestimmung selbstbestimmt mit Tätigkeiten und Events angefüllt, und so bleibt ihnen in diesem Teufelskreis des nicht zur Ruhe Kommens nichts als die mit den Jahren immer schaler werdenden kleinen Vergnügungen, die sie sich selbst bereiten.

Eine alte chinesische Weisheit sagt: "Unter allem, was die Dinge endet und die Dinge anfängt, gibt es nichts Herrlicheres als das Stillhalten". Auch der Buddhismus lehrt das Stillhalten als das höchste Ziel, weil

Weniger ist mehr - weniger Verrichtungen, weniger Aufregung, weniger Bedürfnisse, weniger Ansprüche. Ein Weg, einen ruhigen ausgeglichenen Zustand mit einer immateriellen, nicht machtorientierten Grund-Einstellung wieder zu erreichen, den wir einst als kleines Kind empfunden haben und der schon wegen der Abwesenheit aller Aggressionen erstrebenswert ist, ist der des in sich Gehens, einer Art Alltagsmeditation. In ihr ziehen wir uns auf uns selbst zurück, nicht nur innerlich, was durch Lesen und Ruhen, dem Aufspüren des eigenen Rhythmus geschehen kann, sondern auch äußerlich, indem wir jede Berieselung mit Hintergrundgeräuschen, also jede Ablenkung vermeiden.

Wir leben beständig in Sichtweite der Hölle - die Nachrichten, alle Medien halten uns kontinuierlich über das dortige Geschehen auf dem Laufenden. Es ist ein faszinierendes Spektakel der Lügen und Täuschungen in Politik und Wirtschaft, gelegentlich auch in Dorfgemeinschaften und Familien. Wir jedoch haben nichts davon, ständig in die Hölle, in die Negativität zu blicken, da es uns unmöglich ist, die hiesigen Verhältnisse zu bessern. Nur in unserem eigenen, meist nicht von Reportern und Kameras begleiteten Handlungen können wir dem Anderen ein Engel oder ein Teufel sein. Denn letztlich entscheidet der Charakter darüber, ob jemand gut oder schlecht handelt.

Wenden wir also den Blick ab von dem erbärmlichen Schauspiel dieses Lebenssystems, welches sich in Krimis und Thrillern wiederholt, und wenden ihn hin zur Wahrheit und Selbstlosigkeit. Je mehr wir das Positive fokussieren, desto stärker wird unser Geist, ohne das Negative zu ignorieren. Letzteres verliert nur an Einfluss auf unser Denken und handeln.

So ein Weg der Abwendung vom Negativen und der Hinwendung zum Positiven kann also dadurch begonnen werden, dass man sich zunächst daran gewöhnt, keine Sekundärinformationen aus Nachrichten, politische Reportagen und Katastrophenmeldungen mehr zu verfolgen. Statt dessen sich den wenigen Inhalten der Medien zuwendet, die aufbauend sind oder die Erweiterung des Erkenntnishorizontes unterstützen. Hierzu können Reportagen über wissenschaftliche Untersuchungen genauso gehören wie solche über Nachbarschaftsstreitigkeiten, weil wir auch hierdurch eine Kenntnis von der Verfassung der durchschnittlichen menschlichen Natur bekommen und ohne selbst involviert zu sein diese unvoreingenommen studieren können.

Die Primärinformationen, welche uns unsere körperlichen Sinne liefern, sind alles, was wir brauchen. Denn nur in diesem unmittelbaren Bereich haben wir direkten Einfluss auf das Geschehen, können an unserer Werterfüllung und die der anderen arbeiten.

Tagträume und Musik können zum 'zur Ruhe kommen' durchaus hilfreich sein, weil sie das Bewusstsein von der Notwendigkeit des ständigen Auseinandersetzens mit der physischen Welt für eine Weile abnabeln. Der Buddhismus favorisiert zwar die Aufmerksamkeit auf einen jeden Augenblick der physischen Existenz, geht dabei jedoch von ungleich ruhigeren Lebensumständen aus.

Wenn ich mir selbst Zuhause nicht genug sein kann, bin ich mir nirgendwo genug. Deshalb muss ich mein Zuhause gegebenenfalls auf Kosten von Reisen und Vergnügungen so einrichten, dass es mich befriedigt. Sowohl in Florida als auch auf Madagaskar und selbst künftig auf dem Mars kochen die Menschen nur mit Wasser, kann man nicht wirklich neue Erkenntnisse gewinnen. Nur die Erscheinung des physischen Lebenssystems, die anzutreffenden Lebensformen sowie die Gebräuche der Menschen differieren.

Es ist also ein zur Ruhe kommen in einer beschaulichen Lernumgebung vonnöten, die keineswegs so langweilig ist, wie es hier erscheinen mag. Denn anstelle des Ärgerns und Sorgens tritt ein Nachdenken über alle Dinge, was bei jeder auch noch so kleinen Erkenntnis mit einer tief aus dem Innern kommenden Heiterkeit belohnt wird. Es ist schön, mit sich selbst in diese angenehme Verfassung zu kommen, nicht in unserer Informationshölle darauf wartend, einen solchen ausgeglichenen Zustand erst nach dem Ableben zu erreichen. Denn auch im Leben stehend haben wir die freie Wahl, etwas an uns heran kommen zu lassen und zu assimilieren oder es durch äußere Gesten oder auch innerlich abzublocken.

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