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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 3.3.: Verantwortung in Beziehungen (Bewusstsein und Verantwortung)

Die Reduzierung von Liebesbeziehungen auf zwei Personen im juristischen Konstrukt einer Ehe ist in unserer Gesellschaft ein für Lebensgemeinschaften und Nachkommen-Absicherung sinnvolle Übereinkunft. Sie schafft ein Umfeld, in dem sich Kinder weniger störanfällig entwickeln können. Wenn die Liebe nicht solange hält, wie es braucht, um Kinder großzuziehen, wird sie häufig im gegenseitigen Einverständnis imitiert. Oder man trennt sich.

Die tiefe Liebe tritt jedoch in der Regel nur einmal im Leben auf und kommt dann meist ungelegen, so dass sie in der Regel verpasst und verloren wird. Aber die Sehnsucht nach solch einer innigen großen Verbundenheit lässt den Willen zur dauerhaften Zweisamkeit aufkommen.

In den meisten pseudo-romantischen Verbindungen ist jedoch der Wunsch der Vater des Gedankens; der Wunsch, in der physischen Welt der Erscheinungen wenigstens eine wahre Liebe zu leben und diese nach Außen, der Gesellschaft gegenüber, Anerkennung heischend zu präsentieren. Und wenn dieser Wunsch in beiden Beteiligten besteht, wird zwar geheiratet, doch letztendlich weitergesucht, weil man das innerste Selbst nicht auf Dauer täuschen kann. Denn sobald sich der Wille auf andere Gegenstände des Interesses fokussiert, sobald er von der vorgetäuschten Zweisamkeit abgelenkt ist, ist diese vergessen, ähnlich wie ein Schwindler sich nur schwerlich alle seine Lügen merken kann.

Da sich annehmlich nur in den seltensten Fällen zwei Liebende zu einer innigen Bindung zusammengefunden haben, sind die Vielzahl anderer Bindungen einem gigantischen Theaterspiel ähnlich, in dem nahezu jeder jeden betrügt und hintergeht, sich selbst eingeschlossen. Denn in dem Maße, wie wir andere täuschen, täuschen wir uns selbst.

Gelingt es jedoch, eine tiefe Liebe zu erleben, ist der Neid und das Unverständnis der anderen unausweichlich, denn die nur aus eigener Anschauung urteilende Masse versteht nicht, was dort geschieht, ahnt jedoch, das dies der Idealzustand einer Beziehung sein könnte, von dem sie so weit entfernt ist. Das so viele Menschen so weit vom Ideal einer gelebten Liebe entfernt sind ist auch daran abzulesen, dass Liebeslieder, romantische Filme und Bücher so nachgefragt sind; man könnte sagen, es besteht eine große Nachfrage nach Glück. Denn wäre die Masse in einer idealen Beziehung, wäre sie, frei nach Schopenhauer, darüber ganz beruhigt und ohne weitere Sehnsucht.

Was ist dann also falsch am Ehebruch, dem Versuch, dem Ideal näher zu kommen? Wahrscheinlich gar nichts, solange keine Kinder im Spiel sind, die in dem meist fruchtlosen Bemühen der Erwachsenen um eine ideale Verbindung und Seelenfrieden zu Druckmitteln und Seelentröstern verkommen, wodurch in deren Seele, dem Bewusstsein der Kinder, mehr Schaden angerichtet wird, als bei der auch innigsten neuen Verbindung an Zufriedenheit gewonnen würde. Wir wollen erwachsen sein? Gut, dann wollen wir uns auch dort so benehmen, wo es anstrengend ist - im Bereich der Verantwortung für andere. Denn die anderen, das sind letztlich wir selbst, wir haben uns in unseren Kindern neu erschaffen und sollten stets überlegen, wie wir aufwachsen wollten, wären wir das Kind in unserer Familie.

Denn das Leben findet nicht nur heute statt. Wir nehmen jeden Gedanken mit in das Jenseits, in die Zeit danach, und müssen lernen, dass dann gar nichts vorbei ist, man sich nicht einfach so aus der Verantwortung stehlen kann. Das wir eine über das Leben hinausgehende Verantwortung auch für uns tragen. Das Leben mag vielleicht als Projekt anzusehen sein, aber es ist zunächst einmal alles, was wir haben, wenn wir denn sterben.

Und da wir, wenn ein physisches Leben erst einmal verlassen ist, nichts mehr so einfach regeln können, ist der wohl am glücklichsten, der zu Lebzeiten geregelt hat, der Ordnung in sein Leben, seine Gedanken und Glaubenssätze gebracht hat. Und dazu gehört auch das Folgende: Wenn wir unsere Eltern oder Kinder ablehnen, dann lehnen wir in gewisser Weise uns selbst ab, leugnen Aspekte unseres Selbst. Im ersten Fall lehnen wir ab, wie wir sein könnten, weil wir in der Regel einem Elternteil aufgrund unserer Anlagen ähnlich sind. Wir entscheiden allerdings frei, was wir aus unseren Anlagen machen. Im zweiten Fall lehnen wir ab, was wir selbst einmal waren, bevor wir uns selbstgewählten Zwängen gefügt haben.

Das, was Eltern vermitteln und vorleben, ist das Gerüst, an dem sich Kinder in ihren Leben entlang hangeln. In der Jugend erproben sie Handlungsalternativen, stoßen auf Widerstände und Grenzen und lernen damit viel über das Leben und ihre Stellung in der Welt. Und letztendlich, dass vieles, was die Alten sagten, so falsch nicht war.

Diese Übernahme von Verantwortung für sich selbst lässt sich über alles Seiende erweitern: Wenn wir einem Penner einen Tritt geben, treten wir einen Komplementär-Aspekt unserer eigenen Existenz, einen Bestandteil unseres umfassenderen Selbst; wenn wir andere verleugnen, verleugnen wir im Grunde uns selbst und unsere Seele; wenn wir andere lieben, lieben wir uns selbst und unsere Seele. Dies ist kein Paradoxon des Bewusstseins, sondern nur Zeichen der komplexen Vernetzung alles Seienden und soll nicht bedeuten, dass wir andere, die uns schaden wollen, lieben müssen. Im günstigsten Fall wünschen wir ihnen nicht Böses und ignorieren sie, so gut es geht. Meek beschreibt es so:

"Durch die Lebensschule hier in dieser Welt werden wir empfindsamer und uns des Mitgefühls für andere immer bewusster [...] Durch das Verständnis für unseren eigenen geistigen Weg erkennen wir, dass wir kein Recht haben, einen anderen Menschen zu verurteilen, denn wir kennen den gegenwärtigen Stand seiner spirituellen Reife nicht [...] Wir haben genug mit uns selbst zu tun und sollten alle Aufmerksamkeit auf unsere eigenen Handlungen und Gedanken lenken. Wir brauchen nicht auf andere zu zeigen." [Lit 123]

Meek bringt es hiermit auf den Punkt. Drangsalierungen, Gewalttaten, Ausnutzung und Übergriffe gibt es nur durch spirituell Uninformierte, die jedoch über ihre Lebenserfahrungen früher oder später zu Erkenntnissen kommen, die sie letztlich ihr Einssein mit allem Seienden fühlen lassen. Roberts ergänzt, dass jeder in seinem Handeln glaubt, ein gutes und sinnvolles Ziel zu verfolgen, welches seine Entscheidungen rechtfertigt.

Wir alle sind Lernende, können uns irgendwo auf dieser Skala spiritueller Informiertheit einzuordnen, denn hätten wir alles verstanden, wären physische Lebenszyklen obsolet. Jeder, der beispielsweise noch irgendwie tiefen Groll gegen andere hegt oder welcher der Ignoranz, Arroganz, dem Stolz, Hass, der Gier, dem Neid, der Unterdrückung anderer Lebewesen, dem Missbrauch von Macht, Lügen, Betrügen, Täuschen, Stärke-Missbrauch, der Selbstsucht, der falschen und schädlichen Propaganda sowie Abneigung überhaupt verfallen ist, hat noch Lektionen vor sich.

So sind spirituell Uninformiertere als wir selbst zu respektieren, ihr Gebaren zu ertragen. Lehnen wir sie ab, lehnen wir Aspekte unseres größeren Selbst ab. Das beste ist, ein gutes Beispiel vorzuleben und ihnen ansonsten emotionslos zu begegnen, denn was man emotional liebt oder hasst, zieht man in seinem Erfahrungsbereich. Gleiches zieht gleiches an, und so können wir an unseren Konflikten und uns widerfahrenden Ereignissen ungefähr abschätzen, wo wir in unserer spirituellen Entwicklung stehen. Wenngleich es Lebenszyklen gibt, die zum zur Ruhe kommen nach schwerwiegenden Erfahrungen bewusst konfliktfrei angelegt sind. Am Ende sollten wir sein wie freundliche Kinder: Liebend, wohlwollend, wertschätzend, frei von Dogmen und verengten Geisteshaltungen.

Die physische Welt der Erscheinungen ist nach Ingrisch ein Aspekt des über allem stehenden Geistes, in dem ein jedes Wachbewusstsein ein Bestandteil dieses Ganzen ist, und so sei alles mit allem verbunden. Selbst Dinge und Gegenstände sind nach ihrer wie auch nach Roberts, Schopenhauers und Plancks Auffassung aus dem Stoff des Geistes gewebt und im Physischen nur eine sekundäre Erscheinung. So äußerte sich also auch der Physiker Prof. Max Planck, Begründer der Quantenphysik, anlässlich eines Vortrags im Gelehrtenkongress in Florenz im Jahr 1930, was zeigt, dass Physik und Metaphysik heute Seite an Seite forschen:

"Meine Herren, als Physiker, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie widmete, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses:

Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält.

Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt [...] so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche - denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht - , sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre.

Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott. 

Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie."

Dinge, Gegenstände und Räume sind auch nach Ingrisch und Roberts Ausdruck geistiger Zustände. Orte sind Codes und alle Biographien sind Teile einer umfassenden Biographie. Alles Gewesene und Künftige ist im Grunde gegenwärtig. Man kann sich vor Verfehlungen nicht drücken, denn die reelle Zeit (Fn. S.47) des physischen Lebenssystems trennt nur scheinbar. Ebenso ist positives Handeln immer nachwirkend, weil es analog dem Negativen stets gegenwärtig ist.

Die Zeit als Parameter, als physikalische Eigenschaft des Universums, hat auf tieferen Bewusstseinsebenen keine Bedeutung. Auf unserer Ebene der physischen Projektionen dient sie nur der bewussten Sortierung von infolge kausal verbunden erscheinenden Ereignissen.

Das ursprüngliche Selbst - der Geist der Wesenheit- plant gemeinsam mit dem persönlichen Selbst die Rahmenbedingungen der ansonsten nicht determinierten Zukunft, aber auch anteilig andere Menschen betreffende, zentrale Ereignisse. Man einigt sich also innerhalb eines Wahrscheinlichkeitssystems (vgl. Bd. zero) auf bevorstehende Erfahrungen und mehr oder weniger auf gemeinsam akzeptierte kollektive Ereignisse. Wir sind damit genau das, wofür wir uns vor und in diesem physischen Leben in der Welt der Erscheinungen entschieden haben. Und alles, was sonst noch ist, was uns widerfährt und um uns herum geschieht, ist Teil unseres erweiterten Selbsts als nicht abtrennbarer Bestandteil.

Schillers Philosophie des 'Leben und leben lassen' aus Wallensteins Lager kann somit wohl als die klügste angesehen werden, weil sie den eigenen Willen knapp hält, den anderen ihre Freiheit des Handelns lässt, diese nicht bedrängt und damit Toleranz ausdrückt, die wir dadurch zurückerhalten, weil freie Geister in freiwilligen Bindungen am befreitesten von Last und Kummer sind.

Der Wirtschaftsexperte Dirk Müller weist uns den Weg, basierend auf Erfahrungen der Vergangenheit. In Griechenlands Hochkultur zu Platos Zeiten war die Arbeit Sache der Sklaven, der Frauen und Kinder. So konnten die Männer ihren Interessen nachgehen, unter anderem für philosophische, mathematische und anderen Fragestellungen. Natürlich tat sich nicht jedes männliche Mitglied hervor, aber es reichte, um noch heute von deren Erkenntnissen zu zehren. Hätten die Frauen völlig freie Muße zur Verfügung gehabt, das Ergebnis wäre ähnlich gewesen. [Lit 224]

In der idealen Gesellschaft nun steht es jedem seiner Mitglieder frei, sich - vom Kampf ums Überleben befreit - mit seinen Interessen zu beschäftigen. In dieser Hinsicht wäre ein wohlgemerkt bedingungsloses Grundeinkommen ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Eine Notwendigkeit ist es ohnehin in den bevorstehenden Zeiten wegbrechender Berufe und Arbeitsplätze, will man den sozialen Frieden wahren1. Müller nimmt an, dass ein bedingungsloses monatliches Grundeinkommen dem Staat und damit dem Steuerzahler nur etwa 60 Prozent mehr kosten würde als die derzeitigen Ausgaben für Soziales. [Lit 224]

Umgekehrt sind diejenigen nicht zu beneiden, die weder mit freier Muße leben noch andere so leben lassen wollen, deren ausgeprägter Wille sie an das Physische übermäßig bindet. Sie dürften es schwerer haben, nach dem Ableben einen einfachen Übergang in bessere Zustände zu erfahren. Denn schlussendlich fallen alle endlichen Gegensätze im Unendlichen mit Gott zusammen. So kann es nicht schaden, das Bewusstsein schon zu Lebzeiten auf eine alles wertschätzende Grundhaltung einzustimmen.

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