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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 2.1.: Gegenwärtiges, Künftiges und Vergangenes (Bewusstsein und Vorstellung)

Ingrisch stellt fest, dass die biologische Evolution mit einer Evolution der Phantasie, also der Vorstellung, verknüpft ist [Lit 133]. Nach Parmenides existiert für uns nur das, wovon wir eine Vorstellung haben:

"Man kann nicht wissen, was nicht ist - das ist unmöglich -, und es auch nicht benennen; denn nur das, was ist, kann auch bedacht werden [...] Denken und Sein ist dasselbe." [Lit 70]

Und Schopenhauer zitiert Cartesius: "Was nicht ist, hat auch keine Prädikate". Nach Andrews wird uns nie eine Vorstellung, eine Hoffnung, ein Wunsch oder ein Traum gegeben, ohne dass wir auch gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, diese Wirklichkeit werden zu lassen [Lit 125].

Doch tatsächlich geht die Schöpferkraft alles Seienden noch darüber hinaus. Jeder unserer Gedanken wird irgendwo Realität. Wir können nicht nicht schöpferisch sein. Das physische Lebenssystem ist ein Gedanke von All-das-was-ist. All-das-was-ist, der höchste noch mit uns befasste Geist, denkt sich etwas und seine Gedanken werden nicht nur zu Realitäten, sie sind es im Moment des Denkens. Womit wir Schwierigkeiten haben, ist zu erkennen, dass es sich mit unseren Gedanken ebenso verhält. Roberts präzisiert dies im Sinne Parmenides:

"Ihr wisst nicht, wie ihr die Symbole auf dieser Seite [A.d.V. Buchstaben und Worte] in Gedanken übersetzt und sie sodann speichert oder euch aneignet. Da euch die Mechanismen normalen Sprechens auf bewusster Ebene so wenig vertraut sind, nimmt es nicht wunder, dass ihr euch der Lösung von schwierigeren Aufgaben - wie der fortlaufenden Erschaffung eurer physischen Umwelt als einer Kommunikations- und Ausdrucksform - gleichermaßen unbewusst seid." [Lit 175]

Sie führt aus, dass man physische Gegenstände als Ausdruck von Gedanken ebenso sicher hervorbringe wie Worte. Und da wir schon aus der Physik wissen, dass die Grundlage alles physisch Seienden Energie ist, existiert auch jeder Gedanke ausschließlich als energetische Einheit, kann jedoch bei ausreichender Energiedichte in eine bildliche Vorstellung projiziert werden.

Aus all diesem ergibt sich, dass alles, was intensiv bedacht wird und somit in einer Vorstellung existiert, auch ist, somit in irgend einer Realität geschieht. All das, von dem wir eine klare emotionale Vorstellung haben, geschieht uns bereits oder wird uns geschehen - wenn nicht in dieser, dann in einer anderen wahrscheinlichen Realität. Dasjenige, von dem wir nur eine vage Vorstellung haben, wird uns nicht geschehen, jedoch möglicherweise, bei ausreichender emotionaler Intensität, in anderen wahrscheinlichen Realitäten realisiert. So wird das für uns Vorstellbare irgendwo schöpferisch erschaffen. Wir erzeugen Realität. Auf die Art und Weise, wie dies geschieht, gehe ich in den Bänden zero und 2 genauer ein.

Warum sind Erinnerungen so fragmentarisch? Das menschliche Gedächtnis wurde von allen Wesenheiten unserer Spezies dieser Sphäre in bewusster Entscheidung so angelegt, dass es das meiste recht schnell vergisst. Seltene Ausnahmen von Menschen, die sich an jedes Detail ihres Lebens präzise erinnern, zeigen, dass auch ein solches Gedächtnis möglich gewesen wäre. Es wurde nach Roberts nicht gewählt, um den Fokus auf die Gegenwartsmomente zu intensivieren. Ein Wachbewusstsein ließe sich leicht ablenken, wenn es die wahrscheinlichen vergangenen und gar künftigen Ereignisse ebenso plastisch gewahr wäre wie den Gegenwartsmomenten. Sähe es die wahrscheinliche Zukunft klar vor sich, fehlte zudem jeder Antrieb, diese zu erreichen.

Doch unser persönliches Selbst, welches mit der Projektion des Physischen beschäftigt ist, enthält auch einen nach innen gerichteten Bereich. Dieser unterliegt nicht dieser willkürlich gesetzten zeitlichen Abfolge, da Zeit tatsächlich nicht als eine Aneinanderreihung von Augenblicken existiert. Roberts schreibt:

"Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft existieren in einem Jetzt, welches uns unsere Sinne gezwungenermaßen in Segmenten wahrnehmen lassen. Wir nehmen uns in gewisser Hinsicht selbst aus dem [A.d.V.: umfassenderen] Kontext heraus, erfahren in jedem gegebenen Moment nur Teile von uns; wir lesen jeweils immer nur eine Seite unseres Lebens in der Zeit, während wir auf anderer Ebene das ganze Buch auf einmal schreiben und ständig die 'bereits' erlebten Seiten überprüfen und verändern." [Lit 192]

Wir erinnern uns mit diesem eingeschränkten Gedächtnis nur an Dinge und Ereignisse, die assoziativ mit aktuellen Gedanken verbunden sind. Denken wir beispielsweise an eine Herabsetzung, die wir erfahren haben, kommen uns weitere in Erinnerung. Denken wir an eine Reise, die wir mit unseren Eltern gemacht haben, kommen uns leicht weitere in Erinnerung. Und darüber hangelt sich unser Bewusstsein zu weiteren assoziativ verknüpften Vorkommnissen - beispielsweise dem dabei jeweils Erlebten.

Manchmal kommen uns über diese assoziativen Verknüpfungen auch Erinnerungen aus weiteren, im Grunde simultanen Lebenszyklen in Erinnerung. Künstler im Flow-Zustand verarbeiten diese Eindrücke dann in Gemälden oder in Büchern über vergangene oder zukünftige Zeiten.

Das, was wir uns vorstellen können oder nicht, hängt ab von unseren verfestigten Glaubenssätzen und unserem Streben. Unser Bewusstsein filtert alle hiervon abweichenden Vorstellungen automatisch als nicht akzeptiert heraus und lässt nur diejenigen zu, welche unsere Vorurteile bestätigen. In diesem Sinne ist ein jeder mit Scheuklappen unterwegs.

So bleibt auch eine Vorstellung von Armut über den Versuch des absichtlichen Erzeugens einer bislang nicht akzeptierten Vorstellung von Fülle und Reichtum unabänderlich erhalten. Diese von Teilen des persönlichen Selbst zwar gewünschte Vorstellung von Reichtum bliebe dann eine nur schwache und fragmentarische Vorstellung, die erst dann energiereicher würde, wenn das bislang dominierende Ego1 wechselt (vgl. Bd. zero) oder sich für eine andere Sichtweise öffnet.

Die im Band 4 als präkognitive Träume bezeichneten Vorstellungen sind bereits in einer der wahrscheinlichen Zukünfte realisiert - je nach Energiegehalt physisch oder als geistige Vorstufe -, weil wir diese Entwicklung entweder in Erwägung gezogen haben oder diese auf einer starken Wahrscheinlichkeit kollektiv bevorstehen würde. In Träumen wie im Wachzustand akzeptieren und verwerfen wir unablässig Wahrscheinlichkeiten in kleinsten wie großen Entscheidungen. Insofern sind alle unsere Pläne und Vorstellungen nur als wahrscheinliche Zukünfte zu sehen und nicht als ein feststehendes Drehbuch.

Wir haben zwar tatsächlich die weitestmögliche Freiheit in der Realitätsgestaltung, doch akzeptieren wir Ereignisse immer nur auf Basis unserer energetisch stärksten Glaubenssätze und unserer Bestrebungen. So sind wir manches Mal gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die starken Anteilen unseres persönlichen Selbst widerstreben, so wie ein Schauspieler gelegentlich ein Drehbuch für eine Rolle akzeptieren muss, die ihm widerstrebt. Er ist dann gezwungen, diese Rolle zu spielen. Die menschliche Freiheit besteht also in der inneren Abwägung aller Anteile der persönlichen Psyche zum Akzeptieren von Annahmen und Überzeugungen sowie zur Auswahl der Ziele.

Wer sich hierbei dem in klaren Vorstellungen vorliegenden Drehbuch des aktuellen Wahrscheinlichkeitssystems gegen alle aufbauenden und zunehmend verstärkenden Widerstände verweigert, verändert sein Leben. Roberts bezeichnet dieses Grenzen und Freiheiten definierende Drehbuch der inneren geistigen Welt als in Genen und Chromosomen verankerte, lebendige 'Blaupausen' oder auch Arbeitspläne, die der Mensch als Richtlinien verwendet. Daraus bezieht er seine "Theorien, Ideen, Kulturen und Technologien", die er dann in eine physische Projektion übersetzt. [Lit 190] Im Band 4 gebe ich Beispiele. So verlässt man den emersonschen Lebensfaden (vgl. Bd. 4), um sich hiernach in einer besseren oder schlechteren Position wiederzufinden.

Gelegentlich gehen Menschen nachteiligen, durch Dominanz der Bedürfnisse des physischen Körpers beeinflussten Zielen nach. Eine Sexualstraftat wäre nicht denkbar, würde der Mensch sein Mitgefühl auf anderes Seiende ausgeweitet haben. So sollte nicht der Körper den Geist am Nasenring führen, sondern umgekehrt das persönliche Selbst seinen Körper und seine Emotionen an mal langen, mal kurzen Zügeln reiten wie der Reiter sein Pferd. Aber stets sollte es fest im Sattel sitzen.

Auf unserem Lebensweg sind wir nicht die einzigen Schöpfer der physischen wie geistigen Realität. Es ist ein kollektives Projekt, an dem alles Seiende gleichwertig ohne Rangordnung beteiligt ist - vom Sandkorn über die Amöbe bis hin zum Menschen. Entsprechend erhalten wir laufend kollektive Vorstellungen zu allen denkbaren Themenbereichen, die wir ebenso wie unsere eigenen Entwürfe akzeptieren oder verwerfen. So ist nicht nur in der geistigen Welt, sondern auch im Physischen ein jeder genau 'am rechten Ort', mag er auch noch so über die Umstände meckern.

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