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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 4: Intuition, Träume und außerkörperliche Erfahrungen
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8374 8144 687)


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Kapitel 8.5.: Aktivitäten, die wir als Träume erinnern (Der Schlaf)

Zu den angeborenen Merkmalen des Gehirns der Säugetiere zählt ein umfassendes Gleichgewicht, das während des Schlafs eine totale körperliche Entspannung erlaubt, obgleich das Bewusstsein auf eine 'teilweise schwebende, passive und doch wache' Art und Weise aufrechterhalten wird. Dieser Zustand lässt bewusstes Erleben und bewusste Deutung 'unbewusster' Traumtätigkeit zu.

Jane Roberts (Seth)

Schopenhauer lehrt uns, dass wir "jenen Wahrnehmungen, denen die wache Anschauung auch mittelst Zurücklegung eines Raumes oder einer Zeit nicht nachkommen kann, die objektive Realität wenigstens nicht sogleich und ohne weiteres absprechen". Gemeint sind die verschiedenartigen Träume, welche er genau differenziert sowie das Hellsehen. [Lit 101]

Vollmar stellt nicht die Frage, ob sich geistige und physische Welt beeinflussen, sondern welche die Einfluss ausübende ist und welche die beeinflusste. Er schreibt:

"Dem Schöpfungsmythos der Hinduisten zufolge entsteht die Welt aus einem Traum des Gottes Vishnu, der Brahma, den Welterschaffer, entstehen lässt. Der Traum schafft nach diesem uralten Mythos also Realität, während unsere heutige Zeit der Ansicht zuneigt, dass die Realität des Alltagslebens den Traum schafft." [Lit 172]

Wie Vollmar ist Roberts der Auffassung, dass sich Entstehung, Verlauf und Ereignisse der physischen Welt aus intensivierten, rein geistigen Vorstellungen wie in Träumen herausbilden. Das, was wir als physische Realität wahrnehmen, resultiert hiernach aus den kollektiven Vorstellungen alles Seienden, welche hier im Gegensatz zur geistigen Welt erst mit einem Zeitverzug Realität werden. Roberts gibt uns komprimiert einen tiefen Einblick in das Wesen der Träume, weshalb ich sie im Folgenden ausführlicher zitiere:

"Ihr existiert in der Tat bewusst und auf zusammenhängende, zielbewusste und schöpferische Weise, während euer physischer Leib schläft. Ihr geht dann vielen Beschäftigungen nach, von denen ich gesagt habe, dass sie auch in der Zeit nach dem Tod stattfinden. Dann kehrt ihr einfach den Lichtkegel eures Bewusstseins in eine andere Aktivitätsdimension, eine Dimension, in der ihr euch schon früher ständig bewegt habt. Ebenso wie ihr für eure Wachexistenz ein Gedächtnis besitzt und wie euch für eure täglichen physischen Begegnungen ein gewaltiger Erinnerungsschatz zur Verfügung steht und wie dieses Gedächtnis der Ursprung eures Kontinuitätsgefühls ist, ebenso hat auch euer träumendes Ich einen entsprechend großen Erinnerungsschatz. Wie euer tägliches Leben Kontinuität zeigt, so zeigt auch euer Traumleben Kontinuität. Ein Teil von euch ist sich also einer jeden einzelnen Traumbegegnung und erfahrung bewusst. Träume sind ebenso wenig halluzinatorisch wie euer physisches Leben. Vom Standpunkt eures Traum-Ich aus gesehen träumt euer wachendes, physisches Ich. Ihr seid der Träumer, der von ihm ausgesandt wird, und eure täglichen Erlebnisse sind die Träume, die es träumt." [Lit 175]

Diese Aussage Roberts ist nebenbei einer der wenigen Hinweise darauf, dass Geist mit der Eigenschaft Bewusstsein stets und überall über Gedächtnis verfügt. Erfahrungen in Träumen sind in jeder Hinsicht mindestens so lebendig, gültig und real wie jene im Wachzustand. Denn wir seien im Wachzustand keineswegs voll bewusst [Lit 189]. Sie schreibt weiter zum Verhältnis des geistigen zum physischen Realitätssystem sowie dem Selbstverständnis in Träumen:

"Es stehen somit mehr Informationsquellen zu seiner Verfügung als die im engen Rahmen der [A.d.V.: physischen] Aufführung gegebenen. Jeder Schauspieler weiß dies auch instinktiv, und es sind innerhalb des Schauspiels Ruhepausen eingeplant und vorgesehen, in denen er sich zurückziehen und erholen kann. Während dieser Pausen wird er von seinen inneren Sinnen über seine anderen Rollen [A.d.V.: als parallele Selbst] ins Bild gesetzt, und er erkennt, dass er viel mehr ist als nur das Selbst, das in dem jeweiligen Stück auftritt. Zu diesen Zeiten wird ihm klar, dass er beim Verfassen des Stückes seine Hand im Spiel gehabt hat und ist befreit von den Vereinbarungen, die, während er am Drama aktiv beteiligt ist, bindend für ihn sind. Solche Zeiten fallen natürlich mit euren Schlaf- und Traumzuständen zusammen; doch gibt es auch andere Zeiten, da jeder Schauspieler klar erkennt, dass er von Bühnenstaffage umgeben ist und wo die Erkenntnis plötzlich die scheinbare Realität der Aufführung durchbricht." [Lit 175]

In unserer sekundären physischen Realität träumen wir unser Leben, dass von unserem Selbst initiiert, ausgesucht und betreut wird. Doch interpretiert das Wachbewusstsein nach Roberts Traumerfahrungen in seiner eigenen Begrifflichkeit und Symbolik - und damit in seinen mentalen Begrenzungen:

"Wenn ich in euer System eintrete dann dringe ich in die dreidimensionale Realität ein, und ihr müsst das, was dann geschieht, im Licht eurer eigenen Grundvoraussetzungen deuten. Ebenso dringt jeder von euch im Traumzustand, ob er das nun weiß oder nicht, ohne volle Beteiligung seines normalen, bewussten Selbst in andere Realitätssysteme ein. In eurem subjektiven Erlebnis lasst ihr eure körperliche Existenz hinter euch, und manchmal handelt ihr im Traum mit einer Zielstrebigkeit und einer schöpferischen Authentizität, die ihr im Augenblick des Erwachens vergesst [...] Folglich kann man auch Eindrücke von der unmittelbaren Erfahrung der Seele [A.d.V.: All-das-was-ist] erhalten, wenn man vorübergehend die physischen Sinne abschaltet, indem man sich weigert, sie als Instrumente der Wahrnehmung einzusetzen und statt dessen auf andere Methoden zurückgreift. Nun tut ihr dies zwar bis zu einem gewissen Grade im Traumzustand, aber selbst dann habt ihr die Neigung, Erfahrung in halluzinatorische, physische Kategorien zu übersetzen. Die Mehrzahl der Träume, an die ihr euch erinnert, ist dieser Art." [Lit 175]

Je stärker also ein Mensch an das physische Realitätssystem anhaftet, desto begrenzter sind seine erinnerlichen Traumerfahrungen und die Erkenntnisse, die er hieraus gewinnen kann. Auf der unbewussten Ebene des Tiefschlafs jedoch werden dem völlig passiven Wachbewusstsein hiervon unabhängig tiefe Erkenntnisse vermittelt:

"Auf gewissen Schlafebenen funktioniert die Wahrnehmung der Seele jedoch relativ unbehindert. Dann trinkt ihr, sozusagen, aus der reinen Quelle der Perzeption. Ihr haltet Zwiesprache mit den Tiefen eures eigenen Seins und mit dem Ursprung eurer Kreativität. Da diese Erfahrungen nicht in physische Kategorien übersetzt werden, halten sie nicht bis zum Morgen vor. Ihr erinnert euch ihrer nicht als Träume. Doch können aufgrund der Information, die ihr während dem, was ich die »Tiefenerfahrung« nennen möchte, erhalten habt, noch in derselben Nacht Träume gebildet werden. Diese stellen dann keine annähernden oder genauen Übersetzungen der Erfahrung dar, sondern befinden sich eher auf der Schicht von Traumparabeln, was etwas vollkommen anderes ist." [Lit 175]

Nach Roberts sind unsere Träume individuelle Interpretationen von Geschehnissen in geistigen Realitäten durch das mehr oder minder spirituell entwickelte Wachbewusstsein. Die Traumdarstellung ist damit immer auch eine mehr oder minder große Vereinfachung dessen, was wirklich in der geistigen Welt geschah. Ursprünglich umfassende Erkenntnisse werden in eine dem Erkenntnishorizont des Wachbewusstseins angepasste, vereinfachende Analogie gekleidet und damit seiner stets begrenzten Begrifflichkeit erst zugänglich gemacht. Roberts hebt noch einmal hervor, dass mehrere Schichten des Selbst, Zell- und Unterbewusstsein sowie die Wesenheit, im Schlaf kontaktiert werden:

"Nun gibt es mehrere, scharf umrissene Schlafphasen, und jede dient dem Individuum auf andere Weise. Ihnen entsprechen verschiedene Ebenen des Bewusstseins, der Erkenntnis und der Aktivität. Sie sind von physischen Veränderungen begleitet, und es gibt Veränderungen, die altersbedingt sind." [Lit 175]

Das von Roberts beschriebene Eindringen in andere Realitätssysteme meint unter anderem auch ein Agieren in den geistigen Bewusstseinsenergie-Schichten II und III.

Für das Unterbewusstsein eines lebenden schlafenden Körpers gelten nach ihrer Auffassung die gleichen Bedingungen wie für ein Unterbewusstsein, das momentan nicht in der physischen Welt zentriert ist:

"Viele eurer Erfahrungen sind daher genau die gleichen wie jene nach dem Tode. Ihr könntet mit verstorbenen Freunden oder Verwandten sprechen, der Vergangenheit einen Besuch abstatten, alte Klassenkameraden begrüßen, Straßen hinabgehen, die vor fünfzig Jahren physikalischer Zeit existiert haben, Raum durchwandern, ohne physikalische Zeit dafür zu benötigen, Begegnungen mit Seelenführern haben, unterwiesen werden, andere unterweisen, sinnvolle Arbeiten verrichten, Probleme lösen, halluzinieren." [Lit 175]

Jedoch ist das Traumgeschehen eines Lebenden streng strukturiert und hat für diesen mehr informellen Charakter. Man begibt sich in verschiedene Zustände, fokussiert hierbei höhere Schichten des eigenen Selbst wie auch parallele Aussendungen und parallele Verläufe. Man ist im Traum bewusster als im Wachzustand. Jedoch wird eine psychologische Traumerfahrung oft maskiert und gleichsam in mehreren variierten belebten 'Postkarten' - sprich: Träumen - dargestellt. Nach dem Erwachen erinnert man bestenfalls

Die stufenweise Übersetzung in die Symbolik und Begrifflichkeit des Wachbewusstseins - also in die 'Postkarten' - ist notwendig, um es für Erfahrungen beim Fokussieren anderer Teile seines Selbst - Zell und Unterbewusstsein, Wesenheit, parallele Aussendungen wie auch parallele Selbst - zugänglich zu machen. Verfälschungen oder Verzerrungen sind hierbei unvermeidbar, wenn das Wachbewusstsein tiefgehende Erfahrungen seiner Erkenntnisfähigkeit und seinem Intellekt entsprechend interpretiert - es packt sie daher in vertraute Gewänder. Darüber hinaus können Verfälschungen die Folge einer Zensur des Wachbewusstseins sein. Wenn es bestimmte Themen zum Tabu erklärt, werden sie von ihm auch nicht übersetzt. Viele Verfälschungen, die Zensur und Ignoranz resultieren also aus der Weigerung des Wachbewusstseins, grundlegende metaphysische Erfahrungen als solche anzuerkennen. [Lit 175]

Nach Roberts werden die tiefgehenden Schlaferfahrungen derzeit von Traumlaboratorien nicht erfasst. Sie finden nach Rechtschaffen und Kales offenbar in der vierten Stufe der Tiefschlafphase statt. Diese ist essentiell wichtig zur geistigen Gesundheit - bei kontinuierlicher Störung stirbt der physische Körper binnen weniger Tage - er geht quasi ein. Die Tiefschlafphasen sind bei Schichtarbeitern und unregelmäßigen Einschlafzeiten gestört. Sie scheinen deswegen so essentiell wichtig zu sein, weil zum einen in ihnen nach dem Erwachen nicht erinnerliche Erfahrungen mit anderen Teilen unserer Identität und deren Realitäten gemacht werden. Zum anderen bezieht der Mensch das, was man als Lebensenergie zur Aufrechterhaltung des Körpers bezeichnen könnte, primär in diesem kleinen Zeitfenster. Nicht zuletzt spielt der Tiefschlaf eine große Rolle in der Planung und Auswahl bevorstehender Ereignisse.

Anders verhält es sich mit nicht tiefgehenden Erfahrungen im Traumzustand. Finden sie in geistigen Bereichen statt, die mit dem physischen Alltag verbunden sind, ist ein "Einkleidungsvorgang" unnötig. Roberts beschreibt es so:

"In diesem Zustand geht ihr [A.d.V.: in der geistigen Welt] auch Arbeiten und Geschäften nach, die mit euren euch bekannten Interessen zu tun haben können oder auch nicht. Ihr lernt, studiert, spielt; ihr tut alles andere als schlafen, wie ihr diesen Ausdruck versteht. Ihr seid hochaktiv. Ihr seid im Untertagebau tätig und macht die wirkliche Dreckarbeit. [...] Auf ganz einfacher Ebene, zum Beispiel, verlässt euer Bewusstsein den Körper häufig im Schlafzustand. Auf anderen Realitätsebenen tretet ihr in Verbindung zu Menschen, die ihr gekannt habt; darüber jedoch weit hinausgehend erhaltet ihr euer körperliches Erscheinungsbild schöpferisch aufrecht und erfüllt es mit neuem Leben. Ihr verarbeitet die Erfahrungen des vergangenen Tages, projiziert sie in das, was ihr euch als die Zukunft denkt, wählt aus einer Unendlichkeit wahrscheinlicher Ereignisse diejenigen aus, die ihr physisch verwirklichen wollt, und setzt die geistigen und psychischen Prozesse in Gang, um diese in die materielle Welt zu überführen." [Lit 175]

Hier spricht Roberts Mechanismen an, nach denen starke Vorstellungen mit zeitlichem Verzug in physische Realität übergehen (vgl. Bd.2). C.G. Jung spricht des Weiteren von 'großen Träumen', deren Symbolik archetypischer Natur sei. Diese beinhalten eine Hilfestellung. Die darin vorkommenden Symbole seien in der Vielschichtigkeit ihrer Bedeutung schwerer zu deuten.

Traumbilder, an die wir uns nach dem Erwachen erinnern, sind Metaphern auf die ursprüngliche Erfahrung in unterschiedlichen Tiefen der geistigen Welt. Daher wäre es falsch, aus den vorwiegend physischen Vorstellungsbildern der Träume zu schließen, dass Erfahrungen in der geistigen Welt ähnlich denjenigen in der physischen wären. Die geistige Welt folgt nicht der physischen, sondern die Ereignisse der physischen Welt sind stark vereinfachte Analogien auf das komplexere Geschehen in der geistigen Welt.

Uns und unseren Stoffwechsel beeinflusst folglich das, was im Schlaf passiert ebenso wie das, was uns im Wachsein widerfährt. Nur mit dem Unterschied, dass alles, womit wir uns klaren Bewusstseins im Schlaf auseinandersetzen, zur geistigen Gesundung beiträgt, auch wenn manche dieser Erfahrungen dem unverständigen Blick angsteinflößend oder auf andere Weise negativ erscheinen. Beispielsweise wenn wir im Traum in Lebensgefahr geraten oder ermordet werden. Dagegen können uns Erfahrungen im Wachzustand durchaus körperliche und mentale Schäden zufügen.

Doch sind wir im Wachzustand nach Schopenhauer öfter das Opfer unserer eigenen Streiche als denen von anderen. Wir selbst bringen uns über unsere Entscheidungen häufig in schwierige, gefährliche oder unhaltbare Situationen, die es Anderen erst gestatten, uns zu schaden. Ob Bungée-Jumping in exotischen Urlaubsländern ohne regelmäßige und unabhängige Kontrollen des Gerätes, ob Reisen durch potentiell gefährliche Regionen oder einfach nur das unvorsichtige Agieren im Straßen- oder Sexualverkehr - immer sind wir es selbst, welche sich dem Charakter, dem Wissensstand und der Sozialisation entsprechend dafür entschieden, genau dies zu tun. Oder es nicht zu tun.

Allerdings ist hierzu anzumerken, dass selbst die vordergründig gefährlichsten Lebensweisen nur dann gefährlich sind, wenn das Wachbewusstsein sie so einschätzt. Dann können Schopenhauers Schutzmaßnahmen wie seine 'feuerfeste Stube' als zusätzliche Leitplanken dienen. Denn wir selbst bilden in jedem Moment unsere Realität (vgl. Bd.zero). Wenn wir im tiefsten Innern davon überzeugt sind, dass alles gut geht, dann passiert auch nichts, egal was wir unternehmen. Andersherum würde bei entsprechender Besorgnis selbst das aufwendig geschützte Leben zum Risiko.

Unser Fokus der Wahrnehmung verschiebt sich im Schlaf also vom Wachbewusstsein zum Unterbewusstsein. Jedoch ist der Wachbewusstseins-Anteil aufgrund der an das autonome Unterbewusstsein abgegebenen Kontrolle dort mehr Beobachter als Agierender und nur eingeschränkt in der Lage, das Geschehen zu beeinflussen (vgl. Bd.2). Diese Annahme stimmt mit der Sichtweise der Angehörigen eines neuguineischen Eingeborenenstammes - den Mekeo -, aber auch mancher afrikanischer Stämme sowie der Eskimos überein. Diese glauben, dass - in der Begrifflichkeit der Überlieferer ausgedrückt - ihre 'Seele' während des Schlafes fortgeht und im Land des Schlafs Abenteuer erlebt; die 'Seele' gehöre hiernach zwar zu einem Körper, doch könne das 'Gehirn' die Seele nicht beeinflussen, nicht steuern. Diese Eingeborenen sind häufig beunruhigt über ihre autonome, im Traum vom 'Gehirn' unkontrolliert handelnde 'Seele', denn nach ihrer durchaus korrekten Auffassung würden sich die Folgen des Handelns in der geistigen Welt auf ihre physische Existenz auswirken.

Der Begriff 'Seele' ist hierbei mit Unterbewusstsein, der Begriff 'Gehirn' mit Wachbewusstsein gleichzusetzen. Wir sehen an diesem Beispiel, dass diese Eingeborenenstämme nur durch Beobachtung zu einem Bild der Zusammenhänge zwischen geistiger und physischer Welt gefunden haben, das dem neuzeitlicher Denker entspricht. Nach einer Theorie von Jaynes waren sich die Menschen bis etwa 4000 v. Chr. durchweg nicht ihres Selbst bewusst, sondern lebten in einen fast hypnotischen Zustand, in dem sie Stimmen hörten und - wie sie annahmen - von den Göttern kommende Anweisungen ausführten [Lit 6]. Tatsächlich resultieren derartige Wahrnehmungen in der Regel aus der Psyche des eigenen Selbst (vgl. Bd.7).

Roberts bestätigt dies, indem sie sagt, dass es in der Geschichte des menschlichen Bewusstseins immer schon Rhythmen gegeben habe, die in der erfassten Geschichte des Menschen nicht erkennbar sind. In wechselnden Phasen drücke sich das Verhalten mal primär im Wachzustand, mal im Traumzustand aus. In Letzterem finden Entwicklungen vor allem im Traumzustand statt, welcher als klarer und realer als der Wachzustand empfunden wird. Sofern Jaynes und Roberts Annahmen korrekt sind, würde es bedeuten, dass die menschliche Gattung nicht immer derart losgelöst von ihren ursprünglichen Selbst agierte und sich - wie heute üblich - im diskursiven Denken verlor.

Nach Monroe werden fast alle Tierarten bedingt durch ihre im Vergleich zum Menschen geringen Möglichkeiten zur Kommunikation durch intuitiv erfahrene Anweisungen ihrer höheren Teil-Bewusstseine gesteuert. Die Wissenschaft bestätigt dies in zahlreichen Einzelbeobachtungen. Es sind Zweifel angebracht, ob in Anbetracht des spärlichen Materials der Überlieferungen Jaynes These standfest ist. Allerdings stand er selbst der Annahme intuitiver Einflüsse negativ bis herablassend gegenüber, so das er diese nicht aus eigener Anschauung hinein interpretierte. Zudem bestätigen uns die verbliebenen Naturvölker, dass die Menschheit ohne die heutigen Organisationsstrukturen für intuitive Einflüsse deutlich offener ist. Nicht zuletzt beschreibt Roberts in ihren Publikationen den frühen Menschen zu Beginn unserer Sphäre (vgl. Bd. zero & Fn. S.134) ähnlich, ohne jedoch mit Jahreszahlen zu hantieren.

Dies alles zeigt, dass sich der moderne Mensch in einem Zeitalter der Entfremdung von seinem ursprünglichen Ich befindet. Er sucht nur dann nach Nähe zur "großen Obhut seines Selbst" [Gracian], wenn er in existentielle Lebenskrisen gerät. Und wundert sich oft, dass er dann wohlwollende Unterstützung erfährt.

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