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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN

Band 4: Intuition, Träume und außerkörperliche Erfahrungen


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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8374 8144 687)


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Kapitel 7.2.: Akzeptanz in der Bevölkerung (Schlussbetrachtungen zur Intuition als innere Wahrnehmung)

Sofern die hier vertretenen Annahmen weitgehend zutreffend sind, könnte man die Frage stellen, warum unser Kulturkreis die paranormalen (Fn. S.166) Einflüsse und Wirkungen des Geistes auf die physische Realität oder auch nur die Wirkungen der Intuition nicht in sein Weltbild als allgemein anerkannte Erscheinungen integriert hat. Dem steht das westliche, deterministisch geprägte Denken entgegen: In unserem technikverliebten Kulturkreis hat man sich stillschweigend darauf geeinigt, das nur das sein kann, was zu sehen oder wenigstens reproduzierbar zu beweisen ist. Im östlichen Denken sowie im Denken verschiedener Naturvölker ist dagegen die Vorstellung einer untrennbaren Verbindung von Geist und Materie, also die Annahme von jeweils einer sich ergänzenden physischen und geistigen Welt, fest im Glauben der Menschen verankert. Roberts präzisiert:

"Der westliche Mensch hat sich dafür entschieden, seine Energie ganz auf die Außenwelt einzustellen und innere Realitäten weitgehend zu ignorieren. Die sozialen und kulturellen und selbst die religiösen Aspekte hemmen solche Erfahrungen automatisch von Kindheit an. In eurer Gesellschaft bringen außerkörperliche Erfahrungen keinerlei Vorteile mit sich, und viele Tabus stehen im Weg [...] Manche Persönlichkeiten suchen sich für ihre Reinkarnation extrovertierte Kulturen aus, um für [A.d.V.:  frühere] Existenzen, die mit einer starken Konzentration auf die Innenwelt gelebt wurden, einen Ausgleich zu schaffen. Der Mensch lernt nämlich erst, dass die innere sowohl wie die äußere Realität erfasst und konstruktiv genutzt werden müssen." [Lit 175]

Wie wir im Band 3 zum Thema Nahtoderfahrungen sahen, sind die inneren Sinne wie das auf Wirkungen der Intuition beruhende Einfühlungsvermögen und die Telepathie unsere einzig verbliebenen Kommunikationsmittel nach dem physischen Ableben. Wohl dem, der ihnen schon zu Lebzeiten vertraut. Denn das Bewusstsein an sich und geistige Kommunikationen unterliegen in keiner Weise den Naturgesetzen unserer physischen Welt der Erscheinungen, weil letztere Wirkungen und nicht Ursache sind.

Sigmund Freud äußerte in einem Essay über eine Novelle Jensens, dass der Autor, der "seine Aufmerksamkeit dem Unbewussten in seiner eigenen Psyche zuwendet, empfänglich ist für ihre Entwicklungsmöglichkeiten und ihnen künstlerischen Ausdruck verleiht". Inspirationen, Eingebungen, die Intuition überhaupt seien Einbrüche des Unbewussten in das Wachbewusstsein und müssten sich kontinuierlich gegen eine latente Feindseligkeit der Ratio behaupten, da das Wachbewusstsein dem Realitätsprinzip der physischen Vorstellungswelt verfallen ist und allem nicht Greifbaren ungläubig bis kritisch gegenüberstehe.

Roberts erwidert jedoch warnend:

"Es ist nicht meine Absicht, denjenigen beizupflichten, die euch vorschlagen, euren Intuitionen und Gefühlen auf Kosten der Vernunft zu folgen." [Lit 181]

Auch bei größter Offenheit für intuitive Einflüsse ist es unabdingbar, die Vernunft letztlich über die Emotion zu stellen, alle Eingebungen mit der Ratio abzuklopfen. Denn das höhere Selbst wirkt nur aufgrund des Seelenklimas, aufgrund der Assoziationen seines Protagonisten. Es bewertet nicht einzelne Gedanken und Vorhaben. So kann das geistige Streben eines Wachbewusstseins schon mal in eine ungute Richtung gehen - und wird dennoch unterstützt.

Bemerkt der westlich geprägte Mensch eine Intuition oder ein paranormales Phänomen, wägt er gründlich ab, ob er seinem Bauch oder dem Verstand folgen soll. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, nur eine pauschale Ablehnung des Bauchgefühls ist nachteilig. Dem steht nach dem französischen Ethnologen Lucien Lévy-Bruhl die Bereitschaft von Naturvölkern vor ihrem ersten Kontakt zu unserer Zivilisation gegenüber, Eingebungen blind zu vertrauen. Damit einher ging eine auffallende Abneigung gegen das verstandesgemäße diskursive Denken (vgl. S.18). Natürlich verstanden diese Völker das logische, diskursive Denken, wenn es ihnen vorgemacht und erklärt wurde, aber in ihren üblichen Denkgewohnheiten hatte Logik keinen Platz. Der Polarforscher Rasmussen, der lange unter Eskimos gelebt hatte, stellte fest, dass Denken bei seinen Gastgebern gleichbedeutend war mit Kummer oder Langeweile und somit lediglich für die lebensnotwendigen Abläufe angewandt wurde. Diese Menschen empfinden sich in einem weit verzweigten System von geistigen Beziehungen, von welchen unsichtbare Kräfte ausgehen und ihre Aufmerksamkeit voll beanspruchen. Geschieht etwas Ungewöhnliches, so geht der Naturmensch davon aus, dass eine verborgene Kraft gewirkt hat. Er denkt nicht über eine Erklärung nach, weil er die Erklärung schon hat.

In unserem Kulturkreis dagegen bedarf es eines Bahnbrechers, der zunächst ganz leise in Form der Quantenphysik daherkam und erstmals die Wissenschaft für die Einbeziehung paranormaler Phänomene öffnete. Das Weltbild unserer westlichen Gesellschaft ist nicht statisch und so wird der Wandel durch Erkenntnisse sehr langsam vorangehen. Zum rein deterministischen Weltbild kehren wir in unserem Zeitalter wohl nicht mehr zurück, zumal die Physiker etwa seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts für die Anerkennung der Existenz paranormaler Einflüsse deutlich offener sind als der Rest der Bevölkerung. Andererseits wenden sich derzeit große Teile der durch Bildungsmangel infantil gehaltenen US-amerikanischen Bevölkerung von den Lehren und Erkenntnissen der Wissenschaften ab - und den schlichteren, oft irrigen Lehren ihrer Religionen zu. Es dauert wohl noch etwas länger.

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