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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN

Band 4: Intuition, Träume und außerkörperliche Erfahrungen


Das hier zum Lesen freigegebene Buch erscheint Februar 2019 gebunden und als Ebook

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Kapitel 3.3.: Langzeit-Präkognition im Wachzustand und Traum (Innere Sinne)

Präkognitive Träume sind sehr häufig und so normal wie Apfelkuchen. Denn im Schlaf wählen wir aus der Fülle der Möglichkeiten diejenige Wahrscheinlichkeitslinie vor, die wir dann im Wachzustand erleben wollen. Eine Vielzahl dieser Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse findet jedoch im Tiefschlaf statt und ist dem Wachbewusstsein nicht erinnerlich.

Dem Unterbewusstsein dagegen sind sie bekannt, weil es im geistigen Erleben des Schlafs vom Wachbewusstsein fokussiert ist und in fast jeder Traumerfahrung die Führung innehat (vgl. S.248). So vermittelt es dem Wachbewusstsein die diesem nicht erinnerlichen Inhalte zu passender Zeit über Emotionen oder vagen Eindrücken. Im Gegensatz zu im Schlaf erhaltenen Eingebungen und Inspirationen (vgl. S.75) enthalten geträumte Präkognitionen durchweg Informationen zu bedeutsamen Ereignissen in der Zukunft, von denen bis zum Zeitpunkt des Träumens oftmals weder das Wach- noch das Unterbewusstsein Kenntnis hatte.

Auch Ingrisch sieht präkognitive Träume als Lieferant von Informationen an Scheidewegen. Nach ihrer Auffassung sind deren ungefragt kommenden oder vom Wachbewusstsein erbetenen helfenden Hinweise ein Zugriff auf Alternativen der Phantasie, zu denen sie auch die physischen Lebensverläufe rechnet.

Weil die Wesenheit dazu neigt, der sich darbietenden physischen Kulisse des Seins nur geringe Bedeutung zuzumessen und dagegen die geistige Verfassung und getroffenen Entscheidungen des Wachbewusstseins in den Vordergrund stellt, präsentiert sich die träumerische Langzeit-Präkognition in Vorstellungsbildern, die von der später tatsächlich erlebten physischen Umgebung sehr verschieden sein können. Deren Bilder zeigen sich also oft träumerisch verwandelt. Richtig wiedergegeben werden darin nur beteiligte Personen und gefühlte Emotionen. Wir spüren darin vorab das Lebensgefühl, das uns in der künftigen Situation beherrschen wird. Die Zeitspanne vom Auftreten einer träumerischen Langzeit-Präkognition bis zum Ereignis kann von wenigen Stunden bis zu sehr vielen Jahren umfassen. In der Regel sind es wenige Monate.

Ein im präkognitiven Traum dargestelltes Ereignis ist oftmals, jedoch nicht immer, als Wahrscheinlichkeit zu verstehen (vgl. S.72). Eine Entscheidung gegen den gezeigten Verlauf führt uns - sofern dieser durch Neujustierung der Glaubenssätze beeinflussbar ist (vgl. Bd. zero) - von dem prognostizierten Ereignis fort. Ein exemplarisches Beispiel:

Im Traum lagen Unruhen in der Luft und ein Demonstrationszug bildete sich. Dieser zog ausgerechnet durch unsere ruhige Wohnstraße am Rande der Stadt. Ich sah im Traum vom Fenster meiner Wohnung die bedrohlich und laut auftretenden Demonstranten und wog ab, welche Reaktion die Beste wäre. Ich dachte dabei an die Möglichkeiten des Ignorierens, des von oben Zusehens oder des Hinausgehens, um mein an der Straße abgestelltes Fahrzeug vor Beschädigungen zu bewahren. Durch den Traum war klar, dass - wenn ich nicht hinunterginge - der Wagen einige Blessuren davontragen würde. Danach wachte ich auf.

Etwa zwei Wochen später wurde ich tatsächlich von genau dieser Situation überrascht. Obwohl ich liebend gern in meiner Wohnung geblieben wäre, ging ich nach draußen zu meinen Fahrzeug und stellte mich so vor es hin, dass ich in Richtung des kommenden Zuges und meines Wagens schaute, um Randalierer zu hemmen, derart beobachtet Schäden anzurichten. So wartete ich, bis alles vorbei war. Später las ich in der Zeitung, dass dies eine unangemeldete Demonstration war, in deren Verlauf zahlreiche Fahrzeuge in unserem Stadtteil beschädigt wurden.

An diesem Beispiel ist auffallend, dass man im Traum genauso wie bei der Kurzzeit-Präkognition bei Interesse in der Lage ist, Einblick in die wahrscheinlichen Verläufe zu nehmen und die beste Entscheidung vorab auszuwählen. Übereinstimmend mit dem wirklichen Ereignis waren in diesem Fall neben den gefühlten Emotionen auch die Genauigkeit von Sachverhalt und Vorstellungsbildern.

C.G. Jung beschreibt eine apokalyptische Vision, die er etwa ein Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkrieges träumte. Er sah darin ein in einem Meer aus Blut ertrinkendes Europa. Dieses Bild ist als Analogie zu verstehen. Es sollte ihn warnen, so dass er durch vorsorgliche Entscheidungen den bevorstehenden Krieg bestmöglich überstehen konnte. Den gezeigten Verlauf abzuwenden wäre über eine Revision seiner Glaubenssätze eventuell auch noch möglich gewesen - im Band zero gehe ich hierauf ein. [Lit 140]

Allen Präkognitionsarten ist gemein, dass sie dann in unser Wachbewusstsein kommen, wenn sie uns nutzen können. Und zwar unabhängig davon, ob uns der Gegenstand der Traum-Darstellung bereits bekannt ist oder wir keine Ahnung haben, dass wir uns einmal in einer solchen Situation befinden werden. Sie kommen stets in einem guten Timing zu einem Zeitpunkt, an dem wir noch Entscheidungsspielräume haben. Hierzu ein weiteres exemplarisches Beispiel:

Wir planten den Kauf eines Hauses. Eines Nachts träumte ich sehr plastisch von einem Objekt, von dem ich zwar nicht die genaue Lage erkennen konnte, das jedoch an einer Straße lag, auf der wir schon oft gefahren sind; dies erkannte ich an dem vertrauten Gefühl, als ich durch diese Straße fuhr. Im Traum fuhr ich an verschiedenen Tagen am Grundstück vorbei - gezeigt wurde mir immer nur der Ausschnitt des Vorbeifahrens, wenige Sekunden lang.

Ich sah dort von Zeit zu Zeit eine Frau hinter der Grundstücksgrenze oben am Hang sitzen. Diese Darstellung war von meiner Annahme untermalt, dass sie sehr glücklich sein müsste, dort zu leben und von der Frage, wie es sein würde, wenn ich an ihrer Stelle wäre. Vom Haus selbst war auch wegen des Hanges nichts zu sehen, es war ein großes Grundstück.

Dann sah ich uns in Zeitsprüngen mit Makler und Besitzer verhandeln und unentschlossen Zuhause abwägen, das Objekt zu kaufen oder nicht. Die träumerische Darstellung war wie episodische Rückschauen auf vergangene Folgen einer Fernseh-Serie. Nur dass ich mich in die gezeigten Figuren hineinfühlen konnte und je nach Interesse die Möglichkeit hatte, in der Traum-Darstellung beliebige Sprünge in Zeit und Raum zu machen.

Als nächstes sah ich meine Familie bei einer von uns in dem Objekt häufiger ausgerichteten Feier mit unseren Kindern. In diesem Verlauf hatten wir es also gekauft. Die Kinder kamen mit ihren Ehepartnern und eigenen Kindern - zum Zeitpunkt des Träumens jedoch waren meine Kinder noch klein und weit davon entfernt, Familien zu gründen. So lag dieser Teil der Präkognition, an dem wir gemeinsam entspannt und mit guten Gefühlen einen schönen Tag verbrachten, fünfzehn bis dreißig Jahre in der Zukunft. Ansonsten lebten wir dort allein, meine Frau und ich.

Etwa zwei Wochen später wurde das Objekt erstmalig inseriert. Wir besichtigten es. Das geträumte Höhengefälle zur Umgebung in Richtung Straße, die Größe und Weitläufigkeit des Grundstücks, die von mir häufig genutzte Straße, die Gefühle bei der Besichtigung und bei den Gesprächen, all das stimmte mit der Präsentation im Traum überein. Die bildliche Darstellung dagegen war nur annähernd genau aber reichte zur Wiedererkennung. Das Objekt wurde letztlich nicht gekauft, weil es bei den Besichtigungen nicht so gut gefiel. Obwohl mir das aus dem Traum resultierende positive Gefühl eine andere Entscheidung nahelegte.

Roberts gibt im Zusammenhang mit Wahrscheinlichkeitslinien (vgl. Bd. zero) eine sehr prägnante Erklärung für diese Einblicke:

" Von jedem beliebigen Punkt eurer Existenz aus könnt ihr jedoch in andere wahrscheinliche Realitäten flüchtige Einblicke nehmen und den Widerhall möglicher Handlungen unterhalb der Entscheidungen, die ihr gefällt habt, spüren. Manche Leute tun dies spontan, oftmals im Traumzustand. Hier verblassen die starren Voraussetzungen des normalen Wachbewusstseins häufig; und dann könnt ihr es erleben, dass ihr jene physisch abgewiesenen Handlungen ausführt, ohne eine Ahnung davon zu haben, dass ihr in eine wahrscheinliche Existenz von euch blickt [...] Da es Durchbrüche und wechselseitige Verbindungen gibt, ist es euch möglich, euch in ein »künftiges Ereignis«, sagen wir unheilvoller Natur, einzuschalten, ein Ereignis, auf das ihr zusteuert, wenn ihr euren gegenwärtigen Kurs beibehaltet. Ein diesbezüglicher Traum kann euch solchen Schrecken einjagen, dass ihr das Ereignis vermeidet und nicht erlebt. Der Traum ist dann eine Botschaft von einem wahrscheinlichen Selbst, dem dieses Ereignis tatsächlich widerfahren ist. So kann ein Kind im Traum derartige Mitteilungen von einem zukünftigen wahrscheinlichen Selbst empfangen, so dass sein ganzes Leben dadurch verändert wird.

Eure Gesamtidentität ist jetzt. Alle Trennung ist illusionär. Daher kann ein wahrscheinliches Selbst dem andern unter die Arme greifen. [Lit 175] "

Im Band zero 'Die Kraft des Bewusstseins' lege ich dar, dass jeder unserer Gedanken auf irgend einer Wahrscheinlichkeitslinie in vollgültiger Realität gelebt wird. Denn die Basis allen Physischen ist Geist - dieser strebt nach schöpferischer Verwirklichung aller Möglichkeiten. Die ersten intuitiven Empfindungen, die wir im Kontakt mit einem uns bis dato unbekannten Menschen oder Ort verspüren und auch derartige Empfindungen in Träumen resultieren aus Einblicken in alternative Wahrscheinlichkeitslinien, die schon durch ein unentschlossenes Abwägen Realität erhalten. Unser Selbst ist ein netzartiges energetisches Muster all dieser Wahrscheinlichkeitslinien.

In diesen Abwägungen erkannte, positive Lebensumstände in der Zukunft bilden das Motiv für den Willen, diese zu erreichen. Das damit verbundene Gefühl ist Vorfreude, die avisierten Ereignisse definieren wir als Ziele. Andersherum lösen erkannte negative zukünftige Ereignisse Angst und eine Furcht aus, diese zu erleben. So ist gespürte Furcht nichts anderes als die Sorge des Wachbewusstseins, diesen vorerst nur wahrscheinlichen Verlauf tatsächlich zu begehen. Das Wollen kommt also durch Einbeziehung eines höheren Wissens zustande.

Einem gesunden, aber völlig antriebslosen Menschen ist demnach - sofern er sich stets von Drogen ferngehalten hat - das Interesse an seiner Zukunft abhanden gekommen. Er sieht keinen Sinn in seinem derzeitigen Schaffen, wodurch Wille und Antrieb erlöschen. Seine Glaubenssätze halten die Situation für ausweglos. Die daraus folgende Resignation kann in festgefahrenen Lebenssituationen wie beispielsweise der schwierigen Suche nach einer Lehrstelle oder Arbeitsplatz oder in der Hoffnungslosigkeit eines isolierten alten Menschen auftreten.

Die Präkognition ist also allgegenwärtig und begleitet uns in jedem Moment unseres Lebens. Doch sind die Menschen wie auch die Lebewesen aller Gattungen unterschiedlich empfänglich für das Wahrnehmen dieser Phänomene. Gäbe es sie jedoch nicht, würden wir wie der an Alzheimer Erkrankte, bei dem Präkognition wie auch Erinnerung durch die Schädigung des physischen Gehirns eingeschränkt sind, allem Bevorstehenden und damit dem Leben durchweg ängstlich und antriebslos entgegensehen - was aggressive Reaktionen aus dieser Hilflosigkeit heraus nicht ausschließt (vgl. S.46).

Die halbwegs verborgenen Erinnerungen an die Zukunft sind also der Antrieb, einen zielgerichteten Willen auszubilden, um das Leben mit seiner Vielzahl an Handlungswahrscheinlichkeiten zu bewältigen. Je geringer der Grad der spirituellen Erkenntnis (vgl. Bde. 6 & 8) ist, desto größer ist die Abhängigkeit von der Führung durch die Wesenheit bei geringem Handlungsspielraum - und umgekehrt. Hierauf gehe ich im Band 6 vertiefend ein.

Zu den für uns in irgendeiner Form bedeutsamen Ereignissen gehören unbedingt auch banale Fragen des Alltags. Beispielsweise - wie schon erwähnt - ob ein Restaurant, in das wir gehen wollen, geöffnet ist oder ob es Sinn macht, durch einen Schneesturm zur Polizeiwache zu fahren und einen Vorfall zu melden. Ein exemplarisches Beispiel:

Ich war für 20:00 Uhr im Restaurant verabredet. Fünfzehn Minuten würde ich brauchen, um dorthin zu fahren. Um 19:25 Uhr bekam ich große Lust, schon loszufahren und dann eben dort zu warten. Das Gefühl in der gedanklichen Vorstellung, zu früh im Restaurant zu sein, war sehr angenehm, obwohl ich sonst nicht gern allein dort warte. Gegen mein Gefühl blieb ich noch die zwanzig Minuten zu Hause, fühlte mich hier jedoch wie Materie am falschen Ort, überflüssig und deplatziert. Es wollte sich keine Ruhe einstellen. Als ich pünktlich um acht Uhr schließlich dort ankam, saß meine Verabredung schon zwanzig Minuten am Tisch - sie war zu früh gekommen.

Wir wissen die Antworten stets durch die Emotionen, die uns durchströmen, wenn wir versunken im Sinne des Intuitionsbegriffs (vgl. S.24) an das vor uns liegende Ereignis, in unserem Beispiel den Restaurantbesuch, denken. Die Emotionen entsprechen dem Gefühl, das wir am Ziel haben werden. Deshalb ist eine Aussage wie 'Ich habe ein ungutes Gefühl' vor einem Vorhaben oder Ereignis ebenso ernst zu nehmen wie umgekehrt eine große Vorfreude auf ein auf den ersten Blick uninteressantes Ereignis, dass sich jedoch im Nachhinein als genauso schön herausstellt, wie es die Vorfreude verriet.

Dies ist keinesfalls eine selbsterfüllende Prophezeiung, sondern ein Vorauswissen um künftige Emotionen. Etwas in uns sagt uns bei entsprechendem Interesse, wie wir uns in der Ausführung eines Vorhabens fühlen werden, unabhängig von unserem Willen und dessen Stärke. Diese Form der Vorsehung lenkt unser alltägliches Handeln in die optimale Richtung.

Es bestätigt sich immer wieder, dass unsere Fähigkeit zur Erinnerung an die Zukunft mit einer Affinität zu einer Fragestellung, einem Ort, zu Menschen oder zu einem Ereignis verknüpft ist. Roberts schreibt:

"Manche Menschen erinnern sich an vergangene Erlebnisse aus einem früheren Leben, wenn sie sich mit Reinkarnation beschäftigen, aber die gängige Vorstellung von Zeit verhindert das Erinnern an zukünftige Ereignisse." [Lit 176]

Wir brauchen uns offenbar nur die eine Frage zu stellen, welche uns interessiert, und die Antwort wird folgen. Wir erhalten sie nicht über den Willen, sondern im Gegenteil durch eine auf die Fragestellung fokussierte entspannte Aufmerksamkeit. Ein Willenseinsatz ist eher nachteilig.

Auf die gleiche Weise kommen Lösungen zu wissenschaftlichen Fragestellungen in das Wachbewusstsein. Viele bekannte Forscher erhielten in Träumen oder bei alltäglichen versunkenen Tätigkeiten eine Lösung auf ihre Fragestellung präsentiert, deren Richtigkeit sich teilweise erst Jahre später wissenschaftlich nachweisen ließ. Nicht nur Einstein machte deutlich, dass an seinen Erfolgen die Intuition dem Nachdenken mindestens ebenbürtig war (vgl. S.75).

Die Informationen zu allen Arten der Präkognition erbringen Zellbewusstseine. Weil wir im Schlaf unser Unterbewusstsein weitgehend passiv fokussieren, sind diese selbst an der Entstehung eines präkognitiven Traumes beteiligt. Sie können durchaus zu passender Zeit ein Wachbewusstsein durch intuitive Eingebungen über unmittelbar bevorstehende bedeutsame Ereignisse informieren. Das außerhalb der reellen Zeit und des Universums stehende Unterbewusstsein erhält Informationen sowohl im genannten Mit-Erleben präkognitiver Träume als auch durch eigene Erkundigungen. Und liefert dann entsprechende Daten.

Diese prophetischen Träume, in denen wir Ereignisse, die wir erleben wollen auswählen, nehmen zwar einen recht großen Anteil des Traum-Erlebens ein, doch sind nur wenige Menschen in der Lage, sich im Wachzustand ihrer wenigstens letzten Träume vor dem Aufwachen zu erinnern. Und noch weniger Menschen können präkognitive Träume als solche erkennen und sie bewusst für sich nutzen. Zudem gibt es, wie wir noch sehen werden, darüber hinaus weitere Traumarten, was dem Ungeübten eine Unterscheidung erschwert (vgl. S.271).

Das Interpretieren von Träumen ist nach C.G. Jung immer hilfreich und sollte daher insbesondere bei Albträumen vorgenommen werden. Eine profunde Einführung zum Einstieg in die Traumdeutung liefern Vollmar und Lenz [Lit 172]. Die Existenz träumerischer Hilfestellungen ist - auch wenn sie Unangenehmes übermitteln - eher tröstlich als beängstigend. Die bewusste Analyse von Träumen informiert das Wachbewusstsein direkt. Unterbleibt sie oder werden präkognitive Träume nicht erkannt, ist es an Unterbewusstsein und Zellbewusstseinen, das Wachbewusstsein über mehr oder minder diffuse1 Emotionen zu beeinflussen.

Manche Vorschauen treffen wie oben erwähnt nicht ein, sie sind dann durch abweichende Entscheidungen obsolet geworden. Das Treffen von wichtigen Entscheidungen ist also - wenn wir diesen Einflüssen vertrauen - ein Kinderspiel. Und umgekehrt ein Vabanque-Spiel, wenn wir ihnen nicht folgen.

Neben der Langzeit-Präkognition in Träumen gibt es auch eine im Wachzustand, welche jedoch die Informationen über unsere Zukunft eher beiläufig liefert. Fast jeder Mensch kennt aus seiner Erfahrung das Gefühl, eine aktuelle Lebenssituation wie aus einer Rückschau heraus zu betrachten. Dieses Phänomen tritt auf, wenn sich unser Bewusstsein intensiv mit einer schwierigen Lebenssituation auseinandersetzt, diese durch ein besonderes Interesse über Tage oder Wochen intensiv reflektiert.

Wenn sich dann ein Moment bietet, in welchem ideale Vorbedingungen für das Auftreten einer Intuition gegeben sind - gleichgültig, ob in Einsamkeit oder unter Menschen -, dann verschiebt sich der Fokus des Wachbewusstseins hin zum Unter- oder Zellbewusstsein. Deren erweiterte Möglichkeiten wie das über der Zeit stehen (vgl. Bd.2) liefern uns Einblicke in unseren Lebensverlauf, welche das Wachbewusstsein wegen seiner übergroßen Fixierung auf die physische Projektion nicht vorzunehmen vermag. In diesen Momenten der intuitiven Versenkung erkennen wir, mit welchem Gefühl wir dereinst auf diese Lebenssituation zurückblicken werden. So kann es ein freudiger Rückblick oder ein romantisch verklärter oder ein enttäuschender etc. sein. Der exzellente Beobachter Updike beschreibt so einen Moment in seinem Roman 'Heirate mich':

"Wenn sie aus den Küchenfenstern auf den Rasen blickte, wo die Füße ihrer Kinder breite Rasenstreifen in den Staub getreten hatten, empfand Ruth die Zeit, in die sie eingebettet war, als verkürzt - sie betrachtete sie aus der Perspektive eines unbestimmten Zeitpunkts, zu dem Jerry längst fortgegangen war. Die Erde ist flach für die Toten; und die Augenblicke ihres Lebens waren, so fand sie, schon während sie sie durchlebte, wie begraben unter einer zermalmenden Rückschau."

In dieser intuitiven Versenkung verschiebt sich der Fokus der Aufmerksamkeit des Wachbewusstseins und blickt aufgrund der Fragestellung auf die interessierende Ereignisabfolge der eigenen physischen Existenz. Man betrachtet seine aktuelle Lebenssituation gleichsam im Rückspiegel. Dies ist nach Roberts möglich, weil die Zukunft schon geschehen und damit ein verborgener Bestandteil unserer Erfahrung ist - ebenso wie zukünftige Lebenszyklen, die jedoch tatsächlich simultane Lebenszyklen sind (vgl. Bd. zero):

"In gewisser Weise bildet aber auch die Zukunft eine Art Tiefenperspektive zu den gegenwärtigen Geschehnissen. Eine Wurzel dringt in alle Richtungen vor, Geschehnisse ebenso. Aber die Wurzeln von Geschehnissen reichen durch eure Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ihr könnt, indem ihr eure Denkprozesse zu verlangsamen oder in spielerischer Weise zu beschleunigen sucht, Erinnerungen aus anderen Leben - vergangenen oder zukünftigen - wahrnehmen [...] Ihr gestaltet aber eure vergangenen Leben in diesem Leben so sicher, wie ihr auch eure zukünftigen Leben schon jetzt gestaltet." [Lit 181]

Dies ist so, weil alle Leben simultan existieren und nach Roberts niemals abgeschlossen sind, so wie auch die einzelnen Geschehnisse darin niemals abgeschlossen sind und weiter wachsen - sie geraten nur aus der Sicht des fokussierenden Wachbewusstseins. Die Vita einer einzigen Aussendung ist ein Gewebe von einander abhängigen und sich gegenseitig beeinflussenden Geschehnissen aller seiner simultanen Lebenszyklen mit ihren jeweils unzähligen vollgültigen Wahrscheinlichkeitslinien. Es gibt hierin keine fixierte Wirklichkeit, keine einzig zutreffende Erinnerung. Alles ist im Wandel und erscheint doch nach außen als abgeschlossenes Projekt.

Obwohl wir in der Langzeit-Präkognition primär unsere emotionale Verfassung in einer zukünftigen Lebenssituation vermittelt bekommen, liefert sie uns indirekt auch Details unserer Zukunft. In Updikes Beispiel sind es der früher oder später bevorstehende Fortgang des Ehemanns sowie die Fortführung ihres physischen Lebens bis nach seinem Auszug in ihrem Haus. Daher ist ihre gefühlsmäßige Eingebung als Langzeit-Präkognition im Wachzustand einzuordnen.

Meine Ausführungen zur Präkognition in diesem Band sind an den allgemein üblichen Sprachgebrauch angelehnt. Im Abschnitt über den Schlaf werden wir noch sehen, dass jede Präkognition präziser als Ereignisauswahl bezeichnet werden müsste. Denn parallel zum Wachsein läuft das, was wir Traumgeschehen nennen, unablässig weiter und wird von Teilen unserer Psyche gelebt. Darin werden unablässig kleine und große Entscheidungen zu Bevorstehendem gefällt - wir verwerfen oder akzeptieren wahrscheinliche Ereignisse oder wandeln sie ab. Nichts geschieht, ohne dass wir es akzeptiert haben.

Im Physischen erfahren wir also genau das, was wir zuvor akzeptierten. In diesem Sinne leben wir die Gegenwart – wie Roberts sagt – von der Zukunft her. Dieser Punkt wird auf allergrößte Kritik stoßen, denn wie könnten wir jemals schreckliche Schicksale für uns als Bevorstehendes freiwillig annehmen? Hierzu muss man verstanden haben, wie wir in jedem Moment unsere Realität bilden und welche Rolle unsere Glaubenssätze als Überzeugungen dabei spielen. Hiervon handelt der Band zero 'Die Kraft des Bewusstseins - Wie wir in jedem Moment unsere Realität bilden'.

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