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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 4: Intuition, Träume und außerkörperliche Erfahrungen
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8374 8144 687)


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Kapitel 3.18.: Inspiration & Eingebung (Innere Sinne)

Wenn man Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke (1875-1926), dt. Autor & Lyriker

Unterbewusstsein, Zellbewusstseine und Wesenheit unterstützen ihre Protagonisten nicht nur über die Präkognition (Fn. S.37). Der österreichische Universitätsdozent und Management-Berater Gerhard Schwarz liefert ein Beispiel, das zeigt, wie weit man sich auf innere Impulse der Eingebungen verlassen kann:

Am Anfang seiner Lehrtätigkeit in Nairobi gab er erstmals den Studenten einen Termin für eine Exkursion vor: Am nächsten Tag um 9 Uhr sollte man sich treffen. Tatsächlich war er der Einzige, der um 9 Uhr am nächsten Tag da war - die afrikanischen Studenten kamen nahezu gleichzeitig um etwa 11 Uhr. Befragt, warum sie sich auf eine andere Zeit geeinigt hatten, gaben sie zu verstehen, dass es keine Absprache unter ihnen gab; sie sind jeweils losgegangen, als ihnen ihr Gefühl vermittelte, dass es nun die richtige Zeit hierfür wäre. Tatsächlich wäre die Gruppe nicht früher aufgebrochen, weil erst jetzt die Wetterbedingungen absehbar gut waren. [Lit 80]

Die Information für den richtigen Zeitpunkt des Losgehens konnten die Studenten nicht telepathisch von ihrem Dozenten erhalten haben. Denn dieser wusste bis 11 Uhr selbst noch nicht, ob und wann es losgehen würde und wünschte die Studenten kontinuierlich herbei. Die Präkognition fällt als Informationsquelle auch weg. Diese würde den Teilnehmern nur vermitteln können, das sie letztlich beim Professor ankommen und losfahren würden. Damit ist sie ein untauglicher Impulsgeber für den Zeitpunkt des Aufbruchs. Tatsächlich fragte sich ein jeder Teilnehmer unabhängig von den anderen in einer ihre Alltagshandlungen begleitenden intuitiven Versenkung, wann der richtige Zeitpunkt zum Aufbruch sei. Und lauschte auf das Gefühl, das ihnen sagte, dass es soweit ist. Einen derart erhaltenen Impuls bezeichnen wir als Eingebung. Er resultiert aus dem durch die Frage initiierten, ständigen Abgleich der Wahrscheinlichkeitslinien durch die Zellbewusstseine.

Roberts verneint ebenfalls einen präkognitiven und telepathischen Einfluss in derartigen Situationen. Nach ihrer Auffassung geht es im Zustandekommen aller Geschehnisse um einen sich "zusammenfügenden Wahrnehmungsinhalt im Feld der Absichten" aller Beteiligten. Darum treten Ereignisse nicht ein, wenn wir sie nicht akzeptieren. Es sei ein ständiger innerer Abstimmungsmechanismus im Gange, der inneren psychischen Radaranlagen ähnlich funktioniere. Dieses Radar gibt jeden interessierten Beteiligten das Aufkommen ihn "angehender Geschehnisse zu spüren, sobald diese Vorkommnisse in den engeren Wahrscheinlichkeitszusammenhang eintreten". [Lit 187]

In der Versunkenheit künstlerischen Schaffens empfindet man sich wie in jedem Flow-Zustand (Fn. S.23) als losgelöst von der reellen Zeit und irdischen Bedürfnissen. Das dem Wachbewusstsein Unbewusste artikuliert sich darin direkt und nahezu ohne den filternden Einfluss des physischen Gehirns. Das dabei empfundene Glücksgefühl ist völlig unabhängig von der materiellen Verwertbarkeit des Schaffens und bar jedes diskursiven (Fn. S.23) Denkens des Wachbewusstseins. Emerson bezeichnet diese "Verkündigungen der Seele, ihre Manifestationen ihrer eigenen Natur" als Offenbarungen:

"Diese sind immer begleitet von der Empfindung des Erhabenen. Denn diese Vermittlung ist ein Einfließen des göttlichen Geistes in unseren Geist [...] Jedes einzelne Erkennen dieses zentralen Gebotes erregt in den Menschen Ehrfurcht und Entzücken. Ein Schauer durchzieht alle Menschen beim Empfang neuer Wahrheit oder bei der Ausführung einer großen Tat, die aus dem Herzen der Natur kommt." [Lit 148]

So ist eine Eingebung nur mit einer großen inneren Ruhe verbunden. Eine Offenbarung begleitet dagegen häufig eine große inneren Ruhe und ein tiefes Glücksgefühl: Man weiß plötzlich, schlagartig und ohne zu wissen, woher man es weiß, wie etwas zusammenhängt, was richtig oder falsch ist, was man zu tun hat oder das sich etwas Wesentliches im weiteren Lebensweg geändert hat. Roberts bezeichnet dies als 'direktes Wissen' [Lit 183]. Es ist das Resultat aus einem Interesse des Wachbewusstseins und der diesbezüglichen Antwort des höheren Selbst - der Wesenheit. Im Fall der markanten Änderung des bisherigen Lebensverlaufs empfinden wir zudem, als würde ein Ruck durch die Dimensionen unseres physischen Lebenssystems gehen. Als wären wir über eine Bruchlinie in eine andere Wirklichkeit 'ver-rückt' (vgl. S.199). Aber schon das Lesen der Gedanken großer Vordenker kann das Gefühl einer Offenbarung hervorrufen. Und auch das Wissen um den richtigen Zeitpunkt für die Ausführung einer nicht die eigene Welt bewegende, ganz alltäglichen Tat. Man fühlt, das es soweit ist. Es ist das Naheliegendste. Und man tut es einfach.

Das überströmende Glücksgefühl, welches uns scheinbar ohne äußeren Anlass überkommt, ist ebenfalls eine Wirkung der Intuition. Es zeigt dem Wachbewusstsein seine Nähe zur unendlichen Harmonie der Wesenheit. Dieser Bewusstseinszustand wird - nochmals erhöht - nach dem zweiten Tod (vgl. Bd.2) in der Wesenheit dauerhaft empfunden. Wenn er zu Lebzeiten auftritt, sollte man ihn nach Schopenhauer ohne weitere Hinterfragung einfach nur genießen und keinesfalls durch verdrießliche Gedanken oder Sorgen beiseite drängen. Das Auftreten eines Glücksgefühls sei im Sorgen behafteten Alltag ohnehin sehr selten und daher Grund genug, diesem einfach nachzugeben. Wir würden es nicht erhalten, wenn das Gefühl zu dem Zeitpunkt unpassend wäre.

Grundlage für das Verhalten der Afrikaner im obigen Beispiel ist die erlernte Fähigkeit zum intuitiven Einfühlen in eine Fragestellung. So lieferte ihnen C.G. Jungs 'Unbewusstes' die Information für den idealen Zeitpunkt. Freuds Schüler Reik stuft eine solche Kommunikation nicht als übersinnlich ein. Er sieht bei ihrem Auftreten nur die früheren Wahrnehmungsfähigkeiten wieder zum Leben erweckt, die unseren Wachbewusstseinen durch eine versachlichte Weltsicht im Laufe der kulturellen Entwicklung weitgehend abhanden gekommen sind. Durch diese emotionalen Reize, die in der Regel nicht die Schwelle der bewussten Wahrnehmung im Wachbewusstsein überschreiten, werden die bewussten Sinneswahrnehmungen ergänzt und die Erkenntnisse entscheidend verbessert.

C.G. Jung bestätigt, dass in der Inspiration, in der Eingebung und auch im präkognitiven Traum eine Information stets von außen an das Wachbewusstsein herangetragen wird:

"Man kann eine Inspiration nicht erklären. Wir wissen, dass ein 'Einfall' kein Resultat unserer Erklüngelung ist, sondern, dass der Gedanke irgendwie 'von anderswoher' in uns hineingefallen ist. Und wenn es sich gar um einen präkognitiven Traum handeln sollte, wie vermöchten wir diesen dem eigenen Verstande zuschreiben? Man weiß ja in solchen Fällen nicht einmal, dass der Traum ein Voraus- oder Fernwissen darstellt." [Lit 136]

Ein Empfänger der Inspiration1 erlebt wie bei allen Intuitionsarten ein unwillentlich einsetzendes Gefühl der Sicherheit, etwas klar umgrenztes wie beispielsweise ein Kunstwerk zu schaffen, ohne dass sich der Künstler im Moment des Schaffens einer Methode bewusst ist. Er bringt aber dennoch ein Produkt hervor, aus dem Kritiker Regeln ableiten können. Je weiter der Künstler der Inspiration folgen konnte, desto näher ist er mit seinem Werk der unendlichen Harmonie (vgl. S.24) gekommen.

Wie beim kreativen Schreiben erhält unser Wachbewusstsein also bereits im Wachzustand häufig Informationen in Form von Inspirationen und Eingebungen. Das kontinuierliche Beschäftigen mit einer Fragestellung wirkt wie ein Befehl des Wachbewusstseins an Jungs 'Unbewusstes', etwas herauszufinden. Schon Erwin Chargaff, ein österreichisch-amerikanischer Chemiker, stellte fest, dass das Suchen nach einer Lösung auch ein Stück Träumen enthält, und man sagen könnte, "dass manch ein großer Wissenschaftler seinen großen Fund wie im Traum machte, wobei er übrigens nicht immer das fand, was er suchte" [Lit 31].

Man muss also, wenn man in der Art um Eingebungen nachsucht, sein Wachbewusstsein ziemlich absichtslos im Sinne des Intuitionsbegriffs (vgl. S.24) stellen, hiernach die Fragestellung fokussieren, eine Zielvorgabe machen und jedes diskursive Denken unterlassen. Hiermit lenkt man den Fokus des Wachbewusstseins auf das höhere Selbst und überlässt diesem die Führung in der Bearbeitung der Fragestellung. Eine derartige Versunkenheit wird vom Wachbewusstsein als Flow-Zustand (Fn. S.23) empfunden. Die Eingebungen kommen also gewissermaßen über einen Umweg. Kreative und für Einflüsse der Intuition offene Menschen, sind US-amerikanischen Untersuchungen mehrerer Psychologen aus dem Jahr 1959 zufolge übrigens durchgängig emotional stabil, optimistisch, selbstbewusst, verantwortungsbewusst und reif.

Nach Roberts werden Eingebungen, die Werte und Einsichten vermitteln, jedem Individuum in einer seinem Verständnis angemessenen Form zuteil. Hierin liegt verborgen, dass sich die Aussagen zu einem Betrachtungsgegenstand so häufig widersprechen. [Lit 175]

Doch es bedarf nicht großer Fragestellungen, um in der beschriebenen Weise Unterstützung zu erhalten. Nichts und niemand bewertet die Qualität und Tiefe einer Frage des Wachbewusstseins. Somit wird auch dem scheinbar banalsten Ansinnen zur Lösung verholfen. Dieses kann in einer versunken ausgeführten handwerklichen Arbeit, beispielsweise der Wunsch eines Fahrzeuglackierers nach dem perfektem Schliff des Lackuntergrundes, bestehen. So könnte er mit hohem inspirativen Anteil in einem Flow-Zustand über Stunden die Untergrund-Vorbereitung optimieren. Je geübter jedoch das Wachbewusstsein in einer handwerklichen Sache wird, desto weniger bedarf es der Führung. Folglich wird der externe Einfluss bei der Aufnahme unbekannter handwerklicher Tätigkeiten sowie bei neuen Fragen am größten sein.

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