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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band zero: Die Kraft des Bewusstseins - Wie wir in jedem Moment unsere Realität bilden
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 2830 378)


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Kapitel 20.3.: Tiere & Insekten (Wer sind die anderen?)

Jede Art von Leben hat seine eigenen Qualitäten, die nicht mit den Qualitäten anderer verglichen, ja nicht einmal vermittelt werden können [...] Das Individuum ist stärker als jedes System und muss stets Vorrang haben.

Jane Roberts (Seth)


Der wissenschaftsorientierte Mensch blendet das reiche Innenleben nichtmenschlicher Gattungen für gewöhnlich aus. Und geht entsprechend rücksichtslos mit ihnen um. Roberts weist uns darauf hin:

"Andere Lebewesen sind auf unterschiedliche Arten mental aktiv und sie nehmen ihre Realität anders wahr als ihr. Alle Spezies sind jedoch durch emotionale Zustände miteinander verbunden [...] Tiere haben ihren eigenen Ehrenkodex, ihr eigenes untrügliches Gespür für Gerechtigkeit im Umgang mit anderen Geschöpfen. Auch bei ihnen gibt es liebevolle emotionale Beziehungen, komplizierte soziale Zusammenhänge und zumindest im gewissen Sinn - einem bedeutsamen - Künste und Wissenschaften. Doch diese Künste und Wissenschaften beruhen nicht auf der Verstandestätigkeit,wie ihr sie kennt.

[...] Bis zu einem gewissen Grad kommt diese emotionale Realität [...] in Träumen zum Ausdruck, in denen die Tiere ebenso wie die Menschen an einem umfassenden kooperativen Unternehmen mitwirken, das dazu dient, die psychologische Atmosphäre zu erzeugen, in der sich euer Leben als lebenswert erweist." [Lit 186]

Hinter jedem Menschen, und sei er auch geistig gehandicapt, steckt ein großer Geist und hinter jeder anderen Existenz ebenso. Eine Katze verdient den gleichen Respekt vor ihrem Wesen wie der Hochschulprofessor, und der Hochschulprofessor wiederum den gleichen wie der größte Vordenker aller Zeiten.

Umfangreiches erlerntes Wissen, beispielsweise durch Promotion oder Habilitation belegt, zeugt davon, dass der Betreffende sich zu Fokussieren vermag und die Beschaffenheit seines physischen Gehirns eine Gute ist. Es sagt jedoch nichts über seinen sich im Charakter zeigenden Grad der spirituellen Entwicklung aus. Kant spricht richtig von einer relativen Wertlosigkeit der durch Erlernen erhaltenen Weisheit. Diese führe nicht zum Fortschreiten der Weisheit und zur Änderung der Verhältnisse zum Besseren, denn hierfür bedürfe es einer Vergrößerung der moralischen Grundlage.

Da die Ausbildung der physischen Welt der Erscheinungen auf Willen beruht, beinhaltet jede spirituelle Höherentwicklung (vgl. S.382, Bde. 6&8) ein gesteigertes Wertschätzen alles Seienden unter zunehmender Kontrolle des Willens.

Man kann also für sich selbst nicht mehr Respekt, Recht und Fairness fordern, als man einem Schwein, einem Huhn, einem Fisch, einem Insekt, eben einer jeden anderen Kreatur zuzugestehen bereit ist. Roberts weist darauf hin:

"So etwas wie ein Vogelbewusstsein oder ein Katzenbewusstsein gibt es im Grunde genommen nicht. Vielmehr handelt es sich einfach um Bewusstsein, das sich dafür entscheidet, etwas in dieser Verkörperung zu erleben." [Lit 181]

Und an anderer Stelle:

"Ihr seid voreingenommen und denkt gern in Begriffen von Bewusstseinshierarchien, an deren Spitze die Menschheit steht [...] Die göttliche Energiegestalt [A.d.V.: All-das-was-ist] [...] kann in ihrer Absicht nicht so banalisiert werden, dass Lebewesen kreatürlichen Seins über oder unter einem anderen einzuordnen wären. Alles ist erstrangig." [Lit 186]

Jede Art verfügt über individuell festgelegte Eigenschaften. So besitzen manche Tiergattungen ein eng begrenztes Erinnerungsvermögen und unterliegen biologisch einprogrammierten Instinkten, welche diese in Konflikten in ihren Verhalten leiten und somit den Anteil freier Willensentscheidungen im Vergleich zum Menschen reduzieren:

"Bei manchen Tieren sind Ansätze zu bewusstem Erinnern offensichtlich vorhanden. Sie sind jedoch begrenzt und hoch spezialisiert. Ein Hund mag sich erinnern, wo er sein Herrchen zuletzt gesehen hat, ohne zugleich imstande zu sein, sich die Szene zu vergegenwärtigen, und ohne der gleichen Art von Gedankenassoziation Gebrauch zu machen, deren ihr euch bedient [...] Der Hund erinnert sich nicht an Momente, in denen er seinen Gnadenzustand dankbar erfuhr und sieht auch nicht ihrer künftigen Wiederholung entgegen." [Lit 184]

Die meisten Tierarten träumen ebenfalls und werden in Träumen unterwiesen, aber ihr Spielraum zur freien Gestaltung der künftigen Realität ist deutlich geringer als beim Menschen. Sie verfügen über latentes Vorwissen, das jedoch von den Wachbewusstseinen nicht reflektiert wird. Tiergattungen entwickeln nicht wie der Mensch kollektiv in ihren Schlafphasen ganze Zivilisationen, die sie dann in die Realität überführen. [Lit 184]

Dennoch haben andere Lebewesen die gleichen Anlagen zum Denken wie wir Menschen, wenngleich ohne das Mittel einer auf Begriffen basierenden Sprache. Sie verfügen auch über ein identisches Bewusstseinssystem. Die Fähigkeit zu Überlegungen ist also bei Tieren und Insekten genauso hoch wie beim Menschen, möglicherweise gelegentlich erweitert. Denn auch der Mensch wurde mit zuvor festgelegten Eigenschaften geboren. Sein Erinnerungsvermögen ist mit Absicht begrenzt und der Einfluß seiner Instinkte mit Absicht stark reduziert. Man will schauen, was dabei herauskommt, wenn das Verhalten der Individuen freier ist.

Der Horizont für Überlegungen ist also bei Tieren und Insekten genauso hoch wie beim Menschen, möglicherweise gelegentlich erweitert. Denn auch der Mensch wurde mit zuvor festgelegten Eigenschaften geboren. Sein Erinnerungsvermögen ist mit Absicht begrenzt und der Einfluss seiner Instinkte mit Absicht stark reduziert. Man will schauen, was dabei herauskommt, wenn das Verhalten weniger eingeschränkt ist.

Nur der Mensch presst seine Überlegungen in das einengende Korsett seiner Sprachen. Tiere und Insekten dagegen bedienen sich der umfassenderen begriffslosen Kommunikation. Tiere und Insekten verfügen damit über eine vorteilhafte Ausgangsbasis für umfassende Reflektionen. Sie sind sich wegen der vorurteilsfreien Verbindung zu ihren Zellbewusstseinen sämtlicher Umgebungsbedingungen wie des Wetters und der Nahrungsquellen etc. präziser bewusst als der heutige Mensch. Roberts schreibt:

"Tiere haben einen unterschiedlichen Bewusstseinsgrad, genau wie die Menschen auch. Das Bewusstsein, das in ihnen wohnt, ist jedoch ebenso gültig und ewig wie eures. Nichts könnte eine Persönlichkeit daran hindern, einen Teil ihrer eigenen Energie in eine Tiergestalt zu investieren. Das ist keine Seelenwanderung. Es bedeutet nicht, dass ein Mensch als Tier reinkarniert werden kann. Es bedeutet lediglich, dass Persönlichkeiten einen Teil ihrer Energie in verschiedene Lebensformen aussenden können.

Vielleicht hat ein gegebenes Individuum die Reinkarnationen bereits hinter sich, doch eine Sehnsucht nach der natürlichen Erde, mit der es so oft in Berührung war, ist in ihm zurückgeblieben. Dann kann es auf diese Weise einen Teil seines Bewusstseins in ein Tier hineinprojizieren. Ist dieses einmal geschehen, so wird die Erde auf eine für diese Gattung typische Weise erlebt. Der Mensch ist dann kein Tier, noch ist der Körper eines Tieres - sagen wir - von ihm besessen. Er fügt einfach etwas von seiner Energie zu der im Tier vorhandenen hinzu und vermischt diesen Teil seiner Lebenskraft mit der des Tieres. Dies soll nicht heißen, dass alle Tiere Fragmente in diesem Sinne wären. Wie jeder Haustierbesitzer weiß, haben Tiere ihre eigene Persönlichkeit, individuelle Charaktereigenschaften und subjektive Weisen, das, was ihnen von der Realität zugänglich ist, in sich aufzunehmen. Manche sind erlebnishungrig. Durch den Umgang mit ihnen freundlich gesonnenen Menschen kann ihr Bewusstwerdungsprozess unermesslich beschleunigt und ihre gefühlsmäßige Beteiligung am Leben voll entwickelt werden." [Lit 175]

Dieses Einfühlen, von dem Roberts spricht, ist eine Steigerung des alltäglichen Einfühlungsvermögens. Wir belegen ständig uns Interessierendes mit Teilen unserer Bewusstseinsenergie und sind so temporär miteinander verbunden.

Wird anderen Arten Bewusstsein abgesprochen, geschieht dies häufig vor dem Hintergrund, dass Menschen das brutale Abschlachten von jährlich Millionen Tieren in der Nahrungsmittelproduktion andernfalls nicht ertragen könnten. Die Mehrheit der Menschen hält sich Augen und Ohren zu und verbiegt ihre Glaubenssätze so, dass Gewalttätigkeiten gegenüber der Natur und anderen Lebewesen als legitime Mittel des Umgangs erscheinen. Damit nimmt die Masse der Konsumenten sehenden Auges eine Massentierhaltung hin, welche grausame Haltungsmethoden beinhaltet und im verächtlichen schmerzhaften Abschlachten mündet.

Ein Beispiel aus Deutschland: Die derzeitige Regierungspolitik ist bemüht, den Schlachtbetrieben das Missachten selbst rudimentärer Schutzgesetze zu erleichtern. Beispielsweise handeln die Aufsichtsbehörden der Bundesländer nicht oder nur sehr verzögert nach Hinweisen auf Verletzung von Tierschutzbestimmungen. Nachdem Tierschützer, die Aufnahmen von Missständen publizierten, häufiger vor Gericht freigesprochen werden, arbeitet das Landwirtschaftsministerium an einem Gesetz, um hieraus resultierende "traumatische Erlebnisse" [Marlene Mortler, agrarpolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe im Bundestag 2018] für die Unternehmer zu vermeiden, indem das Herstellen derartiger Filme unter harte Strafen gestellt wird.

Von der Politik ist also nichts zu erwarten. Das erhöht die Verantwortlichkeit jedes einzelnen Verbrauchers. Ist er sich dieser erst einmal bewusst geworden, wirkt sich jedes weitere Ignorieren der Verantwortung nachteilig für ihn aus. Ohnehin übernimmt er im Verzehr anderer Lebewesen unvermeidbar Anteile derer Bewusstseinsenergien - und damit ihre mentalen Zustände. Aber auch tierische Produkte wie Milch, Einer und Honig übertragen diese Informationen. Wer sich also von Tieren und ihren Produkten ernährt, deren Werterfüllung verhindert wurde, wird dies spüren.

Auch die Prozeduren in wissenschaftlichen Tierversuchen sind eine biologische Vergewaltigung anderen Lebens. Und damit durch nichts zu rechtfertigende Gewalttätigkeiten. Denn man kann nicht die Qualität seines eigenen Lebens durch Zerstörung der Qualität anderen Lebens erhöhen. Nur wer die Werterfüllung (vgl. S.110) alles Seienden anstrebt, wird Umstände und Produkte ohne Nachteile erschaffen. Denn die unversehrte Existenz jedes Individuums einer jeden Gattung ist für die eigene Werterfüllung von höchster Bedeutung. [Lit 187]

Eine Welt ohne Insekten ist auch eine Welt ohne Menschen. Ohne deren Kooperation gäbe es keine Nahrung in ausreichender Menge für viele Tierarten und die Weltbevölkerung. Das mag plakativ klingen, aber tatsächlich wären Supermarkt-Regale weitgehend leer, wenn Insekten in nicht allzu ferner Zukunft weitgehend ausgerottet sind. In den Industrieländern sorgen Pestizide und entsprechend genmanipuliertes Saatgut für ein Massensterben. Dieses kann jeder Mensch nachvollziehen, der schon in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrtausends gelebt hat. Seinerzeit wimmelte es an Sommerabenden von Insekten vor einem beleuchteten Fenster. Fuhr man mit dem Auto hundert Kilometer übers Land, waren Fahrzeugfront und Windschutzscheibe mit Insektenleichen übersät. Heute kann man quer durch Deutschland rasen und kommt mit fast sauberer Scheibe an.

Hier ist anzumerken, dass sich die Biomasse der Insektenbestände in Naturschutzgebieten(!)von 1989 bis 2016 bereits um 76% bis 81% verringert hat [Lit 206]. Der Insektenbestand ist also um diesen Wert reduziert. In etwa gleicher Höhe verringerte sich die Vielfalt der Insektenarten. Eine andere wissenschaftliche Untersuchung stellt fest, dass in den letzten dreißig Jahren rund 75% aller Insektenarten verschwunden sind [Lit 207]. Das bedroht unmittelbar die Ernährung vieler Arten, nicht nur des Menschen. Böden und Trinkwasser in landwirtschaftlich stark genutzten Regionen sind oft mit Rückständen aus Insektengiften belastet. Und in den Ozeanen und Meeren der Welt führen Gülleeinträge über Flüsse sowie Stickoxide in der Luft zu einem verstärkten Algenwachstum, dem ein Absterben und Verfaulen ihrer Biomasse folgt, wobei dem Wasser Sauerstoff entzogen wird.

Doch auch aus weiteren, noch unbekannten Gründen, verringerte sich in den letzten Jahren der Sauerstoffgehalt der Meere und Ozeane drastisch. Auch das ist nicht trivial, denn etwa 50 Prozent unseres Luftsauerstoffs kommt aus dem Meer. Prof. Andreas Oschlies von Geomar stellt fest:

"Die Ökosysteme brechen zusammen [...] Mit jedem Liter Benzin, den wir verbrennen, machen wir ein Volumen von einem Wohnzimmer nicht mehr bewohnbar für Fische." [Lit 205]

So sollten wir selbst kleine Spinnen nicht töten. Weniger aus Selbstsucht mit dem Hintergedanken, ohne Insekten zugrunde zu gehen, sondern weil wir eben zu jedem anderen Seienden wohlwollend sein sollten, solange sie uns nicht unmittelbar körperlich schädigen. Eine solche gelebte Kooperation schließt an Schopenhauers 'einfachsten und reinsten' Grundsatz zur Ethik an: "Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soviel du kannst!" [Lit 111]

Schopenhauers Ausführungen über die Einbeziehung aller Lebewesen in das moralische Handeln der Menschen gehört zum Schönsten, was die philosophische Literatur zu bieten hat:

"Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, dass unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei, oder, wie es in der Sprache jener (europäischen) Moral heißt, dass es gegen Tiere keine Pflichten gebe, ist geradezu eine empörende Rohheit und Barbarei des Occidents"

Und an anderer Stelle:

"Man möchte wahrlich sagen: Die Menschen sind die Teufel der Erde, und die Tiere die geplagten Seelen." [Lit 113]

Doch wir bekommen, wonach wir streben - das Leben ist ein Wunschkonzert. Emotionale Vorstellungen werden Realität. Aber warum landen dann nicht alle Nutztiere in Streichelzoos, wenn doch unsere innere Haltung Ereignisse herbeiführt? Die Antwort ist: Wir tragen trotz vordergründigen Wohlwollens noch zahlreiche, derartige Praktiken deckende Glaubenssätze in uns. Sie zu erkennen ist schwer, weil man das, was man für Realität hält, nicht mehr hinterfragt. Im Abschnitt über Glaubenssätze gehe ich hierauf ein (vgl. S.153).

Zudem kann sich nur das seine Zivilisation beeinflussende menschliche Wachbewusstsein von Einstellungen und Glaubenssätzen eines negativen Zeitgeistes lösen und sich fortan in der 'besseren Welt' eines anderen Wahrscheinlichkeitssystems erleben. Das Tier hat diesen Spielraum nicht.

In der geistigen Welt gibt es nach Roberts eine große Heiligkeit jeden Individuums [Lit 175]. Selbst wenn eine physische Lebensform ausstirbt, ist deren Bewusstsein nicht tangiert - es wechselt dann für notwendige weitere Lebenszyklen in andere Lebensformen oder erscheint auf parallelen Wahrscheinlichkeitslinien. Die aussterbende Gattung verschwindet nicht aus allen Wahrscheinlichkeitssystemen [Lit 181].

Dies ist kein Argument für einen verantwortungslosen Umgang mit der physischen Umwelt, weil wir zum einen die eigene Werterfüllung nur erreichen können, wenn wir diejenige aller anderen Gattungen ebenfalls fördern. Zum anderen zerstören wir mittelfristig die Lebensgrundlage alles Seienden, wenn der derzeitige Umgang mit Natur und Mitgeschöpfen fortgesetzt wird. Denn es gibt eine tiefgreifende Abhängigkeit alles Seienden voneinander. Und damit auch des Menschen von der intakten Natur sowie von anderen Lebensformen:

"[...] diese Verfassung [A.d.V.: eines jeden Individuums] ist zunächst eine spirituelle, psychische Verfassung, die den physischen Organismus aus sich hervorbringt. Dieser Organismus ist mit dem biologischen Zustand eines jeden Menschen wie auch mit jeglichen Lebewesen, und sei es noch so klein, im Innersten verbunden [...] Als weiser gewordene Geschöpfe müsstet ihr zu der Natur zurückkehren, die euch hervorgebracht hat - nicht nur als fürsorgliche Wärter und Pfleger, sondern als Partner der anderen Lebensformen auf Erden." [Lit 181]

Roberts geht auch auf das natürliche Raubtierverhalten der Gattungen untereinander ein, welches die Wissenschaft gern als Beleg für ihre Annahmen heranzieht:

"Doch selbst das Tier, das von der Natur zur Beute eines Raubtiers vorgesehen ist, fürchtet den 'Jäger' nicht, wenn er satt ist; auch wird das Raubtier ihm dann nicht nachstellen. Es gibt unter den Tieren ein gefühlsmäßiges aufeinander abgestimmt sein, da euch völlig entgeht, und biologische Mechanismen, wodurch die Tiere, welche die natürliche Beute anderer Tiere sind, ihre Rolle im Naturgeschehen 'verstehen'. Sie nehmen aber nicht den Tod vorweg, bevor er eintritt." [Lit 181]

Tiere verfügen im Gegensatz zum Menschen über einen auf zellulärer Ebene biologisch verankerten Gerechtigkeitssinn und ein ebenso verankertes biologisches Mitleid, dass ihnen Gewalttaten unmöglich macht. Dieses sind Instinkte als programmierte Mechanismen, die dem Menschen zugunsten der Willensfreiheit fehlen. Zur Verdeutlichung dieses wichtigen Aspekts zitiere ich sie etwas ausführlicher:

"Das Mitleid 'stieg' aus der biologischen Struktur in die emotionale Wirklichkeit auf. Das 'neue' Bewusstsein [A.d.V.: des Menschen] nahm als manifesten Triumph seine Freiheit an und sah sich nun der bewussten Verantwortlichkeit für sein Tun und damit auch der Geburt seiner Schuld gegenüber.

Die Katze, die eine Maus spielerisch tötet und sie dann verzehrt, ist nicht böse. Sie leidet auch nicht unter Schuldgefühlen. Auf der biologischen Ebene verstehen die Tiere einander. Das Bewusstsein der Maus, die über ein angeborenes Wissen um die bevorstehenden Schmerzen verfügt, verlässt den Körper. Die Katze verwendet das warme Fleisch. Die Maus selbst ist Jäger sowohl wie Beute gewesen, und beide kennen die Spielregeln auf eine schwer zu erklärende Weise.

Auf bestimmten Ebenen wissen sowohl Katze als auch Maus um das Wesen der Lebensenergie, die sie miteinander teilen, und sind deshalb nicht eigentlich versessen auf ihre Individualität. Das heißt nicht, dass sie nicht um ihr Leben kämpfen; das heißt, dass sie ein eingebautes unbewusstes Gefühl der Einheit mit der Natur haben, dass ihnen die innere Sicherheit gibt, dass sie nicht verlorengehen oder untertauchen." [Lit 184]

So verlässt das Wachbewusstsein des gejagten Tieres bereits seinen Körper, bevor der Jäger das Tier tötet [Lit 183]. Das Jagen der Tiere nach Beute und ihre Ernährung dienen dem höheren Zweck der Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts und sind zwischen den Gattungen abgestimmt. Das Opfer weiß um seine Funktion in der Natur. [Lit 183]

Auf einer höheren Bewusstseinsebene kommunizieren - wie Roberts schreibt - alle Gattungen miteinander, treffen gleichsam Vereinbarungen das Zusammenleben betreffend. Unter anderem auch diese:

"Andere Bewusstseinsarten nehmen in größerer Freiheit Formen an und verlassen sie wieder. Es gibt ein biologisches Verstehen, das sich beispielsweise dann geltend macht, wenn ein Tier auf Nahrungssuche ein anderes tötet. Das Bewusstsein des Beutetiers verlässt seinen Körper [A.d.V.: vor der Tötung] aus einem Anreiz, der euch unbekannt ist. Ich will sehr sorgfältig vorgehen, wenn ich vom natürlichen Zwischenspiel unter Tieren rede. Denn meine Worte sollen keineswegs den Eindruck erwecken, dass das oft grausame Abschlachten von Tieren durch Menschen zu rechtfertigen sei." [Lit 183]

Domestizierte Tiere erwählen ein solches Leben aus freien Stücken. Die Wachbewusstseine der Tiere erspüren die Intentionen ihres Besitzers mit allen beteiligten Angestellten. Und sehr oft lieben Landwirte ihre Tiere. Diese sind sich sämtlichen Intentionen der betreuenden Menschen bewusst - und so auch der Absicht, sie final zu Lebensmitteln zu verarbeiten. Das höhere Bewusstsein der betroffenen Tiere akzeptierte dies gegen gute Behandlung und Versorgung zu Lebzeiten. Nur erfüllt die menschliche Gattung nicht ihren Teil der Vereinbarung - sie nimmt sich die Vorteile und behandelt den Gebenden mehr als schäbig:

"Viele Tiere mögen zielgerichtete Arbeit. Sie arbeiten gern mit dem Menschen zusammen. Die Pferde freuen sich über das, was sie in eurer Welt geleistet haben. Sie verstehen ihre Reiter viel besser, als ihre Reiter sie verstehen. Viele Hunde lieben ihre Aufgabe als Beschützer von Familien. Es gibt tiefe emotionale Bande zwischen dem Menschen und vielen Tierarten [...] Tiere auf einem Bauernhof sind sich der psychologischen Lebensausrichtung des Bauern und seiner Familie, jedes einzelnen Mitglieds, emotional durchaus bewusst [...] Die Tiere des Bauern verstehen ihn in gewisser Weise als Hebamme, die für ihre Geburten mitverantwortlich ist. Auch die Nahrung kommt aus des Bauern Händen." [Lit 186]

Die aktuelle Krise der Menschheit ist nach Roberts eine therapeutische Lernmethode, welche die menschliche Gattung brauche, um in der zugespitzten Situation zur Lösungsfindung gezwungen zu sein. Diese sei notwendig, weil andernfalls der Weg zu anderen positiveren physischen Realitäten versperrt sei. Sie schreibt:

"Ihr müsst eure Lektion in eurem eigenen Hinterhof lernen, bevor ihr in andere Welten aufbrecht." [Lit 181]

Die Überwindung aller Verengungen des Bewusstseins bei unangetasteter Individualität ist das Ziel spiritueller Höherentwicklung. Dieses Ziel auf unser menschliches Verhalten übertragen würde bedeuten, dass wir uns vor einer jeden Handlung in liebevoller Fürsorge fragen, ob wir unser angedachtes Verhalten als hiervon betroffenes anderes Seiendes als das bestmögliche ansehen würden. Ein solches Berücksichtigen der anderen beruht auf Altruismus - dem Gegenteil des Egoismus - und zeugt von übernommener Verantwortung.

Wenn wir also ein Tier töten müssen, weil dessen Körper zu unserer Ernährung unverzichtbar ist, dann tun wir dies so schonend als irgend möglich, mit großem Respekt vor seinem Wesen und dem Geschenk, das es uns macht und danken seiner Seele. Einstein sagt dazu:

"Der Mensch ist ein räumlich und zeitlich begrenztes Teil eines Ganzen, das wir das Universum nennen. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle, als etwas vom Rest getrenntes [...] eine Art optische Täuschung seines Bewusstseins. Diese Täuschung ist so etwas wie ein Gefängnis für uns, das uns auf unsere persönlichen Wünsche und die Zuneigung zu den wenigen Personen, die uns besonders Nahe stehen, beschränkt. Unsere Aufgabe muss darin bestehen, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir unseren Kreis des Mitleids so erweitern, dass wir alle Lebewesen und die gesamte Natur [...] darin aufnehmen können."

Um den Kreis des Mitleids zu erweitern, müssen wir bereit sein, uns jederzeit in andere einzufühlen. Hier folgt eine einfache Übung:

Sie befinden sich in einem Raum. Eine Fliege fliegt durchs Zimmer, ihr Hund schläft auf dem Sofa, hinter den Fußleisten kämpft eine Kellerassel ums Überleben. Zugleich bevölkern Millionen von Hausstaubmilben ihre Bettwäsche und - in geringerer Zahl - auch ihren Teppichboden. Und nun denken Sie sich in jedes einzelne dieser Lebewesen hinein, in seine Erfahrungswelt, seinen Werdegang von der Geburt an bis in den Tod - beginnen Sie beim Geringsten und enden Sie mit dem eigenen Leben.

Wenn Sie sich hierauf einlassen, werden Sie feststellen, dass der Mensch der Kellerassel keinen Gefallen tut, wenn er sie tötet. Wenngleich dies durch Unachtsamkeit häufig unvermeidbar ist. Sie werden feststellen, dass auch das geringste Individuum 'lebt', d.h. seiner Werterfüllung entgegenstrebt und Schönheit erfährt. Und sie werden feststellen, dass der Geringste genauso wenig wie der Höchste am Leben wäre, gäbe es nicht etwas, das alle miteinander verbindet: Ihr Streben nach Werterfüllung und Ausweitung des Bewusstseins, ein Vorantreiben der spirituellen Evolution. Solange diese nicht abgeschlossen ist, ist ein jedes Leben ein großartiges Geschenk, in dem Erkenntnisse gewonnen werden können, die im rein Geistigen nicht zu erzielen sind. Roberts schreib hierzu:

"Wenn du diese [A.d.V.: physische] Realität verlässt, bist du auf das Wissen angewiesen, das du dir erworben hast." [Lit 185]

Bis dahin ist das Eintauchen und Auftauchen aus Lebenszyklen einem scheinbar endlosen Pulsieren ähnlich, einer steten Variation des gleichen Themas. Bis schlussendlich keine weitere spirituelle Entwicklung mehr möglich ist und es abgesehen vom Wunsch, einem Nahestehenden in seinem Lebenszyklus zu fördern, kein Motiv für eine neue Runde in physischen Leben gibt.

Man hat dann erfahren, wie sehr das eigene Bewusstsein bereichert wird, wenn man andere Lebensformen respektiert. Man hat erkannt, dass auch der scheinbar Geringste wie auch der Behinderte für das Gleichgewicht der Natur eine unermesslich hohe Bedeutung hat. Und dass der Mensch besser daran tut, der Natur jegliche Regulierung zu überlassen. So auch im Falle überbordender Wildbestände, die Schaden anrichten. Denn diese ausgleichenden selbstregulierenden Mechanismen liegen allen Tiergattungen zugrunde. Ein Wildbestand dezimiert sich selbst durch Reduzierung der Nachkommen oder Krankheit, wenn Lebensraum oder Nahrungsquellen zu knapp werden:

"Im großen und ganzen jedoch spielt Krankheit oder Unpässlichkeit im Tierreich eine lebenserhaltende Rolle. weil sie innerhalb der Gattung, aber auch unter den Gattungen ein Gleichgewicht aufrechterhält und so die künftige Existenz aller Beteiligten sicherstellt. Auf ihre Weise sind sich die Tiere dieser Tatsache voll bewusst. Manche von ihnen führen unter Umständen ihren eigenen Untergang durch so etwas wie Massensuizid herbei. Die Tiere verfügen über ein Wissen und leben im dauerndem Kontakt mit einem biologischen Verbindungssystem, das ihren eigenen Fortbestand in der Kette der Natur garantiert." [Lit 184]

Diese Selbstregulierung der Natur ist also dem menschlichen Eingriff vorzuziehen, auch dann, wenn dem Menschen hierdurch wirtschaftliche Nachteile entstehen. Überhaupt ist es ein nachteiliger kollektiver Glaubenssatz unseres Kulturkreises, wirtschaftliche Vorteile über die körperliche Unversehrtheit von Lebewesen zu erheben. Dies wird durch den zunehmend ungefilterten Einfluss der Konzerne auf die Gesetzgebung forciert.

Aber was soll man mit Flöhen machen, die einen befallen? Oder mit einem von Politikern zum 'Problembären' erklärten einsamen Braunbären, der sich dummerweise nach Deutschland verirrte? Oder mit der auf den australischen Kontinent in guter Absicht eingeschleppten giftigen Froschart der Aga-Kröten, die mangels Fressfeinde in explosionsartiger Vermehrung den Kontinent überschwemmen und heimische Gattungen in ihrer Existenz gefährden?

Meine momentane Einschätzung ist, dass Letztere dezimiert werden sollten, um den menschlichen Fehler des Einschleppens so weit als möglich auszugleichen. Dies schützt dann heimische Arten. Die Flöhe im Haus und am Körper müssen getötet werden, weil sie Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen in seinem privaten Rückzugsort massiv beeinträchtigen. Der Mensch solle sich von ihnen freihalten, sie aber außerhalb seines Intimbereichs nicht verfolgen. Und der einsame Bär? Er wurde nach längerer konträrer Diskussion zur Gefahr erklärt und abgeschossen, ohne je dem Menschen gefährlich geworden zu sein. Das ist eine Gewalttat wider die Natur.

Und wie steht es mit Tierversuchen? Diese sind grausame Gewalttaten, verhindern die Werterfüllung sowohl der betroffenen Tiere als auch der hieran beteiligten Menschen und sind nach Roberts ohnehin nicht aussagekräftig, weil die gänzlich andere psychologische Realität des Menschen eine größere Vielfalt an Reaktionen produzieren würde:

"Gleich welche Informationen oder Daten ihr aus Tierversuchen oder Sektionen zu wissenschaftlichen Zwecken erhält und gleich wie wertvoll diese Ergebnisse zu sein scheinen, die mit solchen Methoden erzielten Ergebnisse sind so verzerrt, dass ihr vom Leben der Tiere weniger versteht als zuvor." [Lit 183]

Und was ist mit der Tierhaltung? Unsere Fleischfabriken sind durchaus mit den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten vergleichbar. Es wird in präziser Planung massenhaft schützenswertes Leben auf unwürdige Weise gehalten und zuletzt aus Profitinteressen ohne Schonung vernichtet. Wer allerdings anderen Lebensformen jede Selbstbestimmung verweigert, wird diese Analogie nicht verstehen. Und eher darüber nachdenken, ob man nicht Menschen mit körperlichem oder geistigen Handicap ebenfalls ungefragt für medizinische Versuche verwenden sollte. Über derartige, den Nationalsozialisten würdige Gesetze, wurde um 2015 in der deutschen Politik ernsthaft diskutiert.

"Ein Faden spinnt sich durch alle Dinge", sagt Emerson. Wir sind so klein, doch wir sind groß, befreit von der Arroganz des Mächtigen. Weniger ist mehr - weniger Stolz, weniger Bedeutungshascherei, weniger Ich-Bezogenheit. Weniger ist mehr - mehr gewähren lassen, mehr Unterstützung und Hilfe für andere, ein Einssein mit allem Seienden fühlen. Weniger ist mehr, bringt uns All-das-was-ist, welches frei von Prunk und Stolz ist, näher und entfernt uns vom unglücklichen Egoismus, von dem steten Kreisen um einen selbst. Wenn wir also schon das Geschenk des Lebens erfahren dürfen, dann sollten wir die Zeit nutzen, um anderen liebevoll ihr Los zu erleichtern.

So muss Leben in jeder Form und die Natur respektiert und geachtet werden. Wer das gelernt hat, wird erkennen, dass auch die nachfolgende Stufe des Seins nicht den letzten Horizont liefert. Spätestens wenn wir einmal dorthin kommen, werden sich neue Horizonte eröffnen, die unsere bisherigen Annahmen klein erscheinen lassen.

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