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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 8.2.: Missachtungen (Bewusstsein und Gefühle)

Wo will man die Grenze ziehen in der Entscheidung, ob eine uns entgegengebrachte Missachtung beliebiger Art gerächt sein sollte oder nicht? Schon dann, wenn die Grundschullehrerin nach einer konfliktreichen Grundschulzeit dem Kind trotz guter Noten unter fadenscheinigen Begründungen den Zugang zum Gymnasium verweigert? Oder wenn uns jemand im Alltag in der Ausübung unserer Rolle als Jäger stört, weil das nicht seinem Weltbild entspricht? Oder erst dann, wenn ein nahestehendes Familienmitglied durch ein Tötungsdelikt um sein Leben gebracht wurde? Oder gar, wenn der politische Führer eines anderen Landes verkündet, sein Kontrahent in unserem Staat wäre böse und müsste vernichtet werden?

Wenn ein Politiker von einer 'Achse des Bösen' spricht oder anderswie zur kollektiven Ablehnung oder gar Hass aufruft und dies über unkritische Mainstream-Medien propagiert, dann ist vielen auf Anhieb klar, dass der Bösewicht dieser Politiker selbst ist und seine geistige Schlichtheit eine Gefahr für den Frieden. Schwieriger wird es mit Politikern höherer verstandesmäßiger Intelligenz. Denn nicht alles, was jemand mit ernstem Gesicht und ruhiger Besonnenheit verkündet, ist auch vernünftig.

Nahezu alle öffentlichen Äußerungen von Angehörigen der politischen 'Elite' sind Manipulationsversuche. Ihnen sollte keinerlei Glauben geschenkt werden. Sie hängen an den Fäden derer, deren Interessen sie vertreten. Die Vorteile, welche sie hieraus ziehen, können so vielfältig sein, dass eine Aufzählung nicht lohnt. Aber wäre es die Rüstungsindustrie, würde klar, warum Kriege und Waffenexporte nicht weniger werden. Es geht in der Politik primär um Macht. Dann folgen noch einige andere Prioritäten und erst ganz am Ende dieser Liste steht der Bürger oder das Wohl des Volkes. Die Demokratie, wie wir sie kennen, ist pervertiert.

Was motiviert uns, emotionalisiert in dem einen oder anderen Fall an eine gewalttätige Revanche oder Rache zu denken? Es ist im allgemeinen so, dass wir eher zur Rache geneigt sind, wenn unsere Erwartungen enttäuscht wurden - und nicht nur in dem Fall, wenn wir emotional tief verletzt worden sind. Wenn wir beispielsweise von dem anderen aufgrund unserer Vorleistungen ein uns geneigteres Verhalten oder mehr Respekt erwarteten, als er zu geben bereit ist. Wenn wir uns also in unserer Erwartung täuschten.

Dies ist im Beispiel der Tötung nicht der Fall. So wird uns immer dann ein Verzeihen leichter fallen, wenn es keine persönliche Beziehung zum Täter gab. Daher konnten auch viele Angehörige der Opfer des 11. September 2001 relativ leicht von Vergebung sprechen - die Ursache für die Tragödie wurde von Ihnen mental als ein nicht vermeidbares Lebensrisiko eingestuft, so wie es auch beispielsweise ein Erdbeben mit ähnlichen Folgen gewesen wäre.

Dagegen reagieren nach Schopenhauer nahezu alle Menschen äußerst empfindlich auf die nur kleinste Verletzung ihres Ansehens oder ihrer Eitelkeit durch üble Nachrede, so dass sie hier sogleich ihre Messer wetzen und auf eine Gelegenheit zur Revanche warten. Dieses Verhalten mag uns im Verhältnis zur Ursache unangemessen anmuten, ist jedoch tief in der menschlichen Natur verwurzelt und wird nur von einem gut ausgebildeten Charakter - also durch spirituelle Informiertheit - etwas abgemildert.

Deshalb werden die wenigen durchweg respektvoll, wertschätzend und besonnen handelnden Menschen unter uns nahezu als Heilige angesehen, nämlich weil sie so fernab der menschlichen Natur der meisten handeln und denken und uns hierüber ein leuchtendes Beispiel geben. Allerdings gibt es auch hier Taktierer und falsche Fuffziger, glänzende Schauspieler, wie man sie in den Medien und der Politik immer wieder beobachten darf. Man erkennt sie nur an nicht eingehaltenen Versprechungen oder dem Ignorieren der Bedürfnisse großer Teile der Bevölkerung. Wenn ihre Lügen offenbar werden, bröckelt deren erstarrte Maske.

Das Verzeihen ist ein wesentlicher Bestandteil religiöser Lehren, und das nicht ohne Grund. Denn Wut und Rachegefühle behindern keinen mehr als den, der sie innehat. Sie fehlen für seine kreativ-schöpferische Realitätsbildung zu Lebzeiten - und entsprechend eintönig und verengt ist sein Leben. Auch posthum ermöglicht nur ein persönliches Selbst ohne negative Anhaftungen durch Wut oder Rachegefühle einen reibungslosen Übergang ins geistige Dasein. Denn was machen diese starken Emotionen? Sie binden den Hinübergehenden an die Objekte seiner Ablehnung und damit an die physische Projektion überhaupt. Sie verhindern das Loslassen.

Wer es also schon zu Lebzeiten nicht schafft, Rachegelüste aufzulösen, hat posthum ein größeres Problem. Dieser wird zudem in weiteren Lebenszyklen immer wieder mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert - beispielsweise Herabsetzungen seiner Person -, bis er zu spiritueller Einsicht gekommen ist und damit mental gelassen umgeht. Denn die Energieblöcke der andere schädigenden Emotionen in der eigenen persönlichen Psyche lösen sich keineswegs im Übergang des Todes auf. Im Gegenteil ist man mit ihnen dann direkt konfrontiert. Und da sie unkontrolliert waren und sind, ist man ihnen auch ausgeliefert.

So steht dem Verstorbenen entweder ein aufwendiger Prozess der Befreiung von nachteiligen Emotionen bevor, die er wegen seiner Selbstfixierung eher alleine bewältigen muss, oder aber er geht postwendend in einen neuen, von ihm nicht beeinflussten Lebenszyklus, was für die spirituelle Höherentwicklung nicht besonders förderlich ist. Dieser Mensch hat sich mit seinen anderen schädigenden Emotionen also selbst ein Ei ins Nest gelegt.

Einen glatten Übergang in das, was wir den Himmel nennen, findet der im Übergang des Todes befindliche also nur dann, wenn er selbst den anderen das Verzeihen entgegenbringt, das er von anderen und seiner Wesenheit für sich selbst erwartet. Ein Festhalten an alten Gram beinhaltete zudem ein nachteiliges, da nicht auf Liebe gegründetes Anhaften an den abgelehnten Personen, wie es auch mit Dingen oder Orten der Fall sein könnte. Daher beinhaltet Verzeihen auch ein Loslassen - ebenfalls eine Voraussetzung für einen störungsfreien Übergang. Und damit wir nicht erst im letzten Moment beginnen, das Verzeihen zu üben, ist es ratsam, dieses schon zu Lebzeiten beständig zu praktizieren. Denn Verzeihen ist ein Ausdruck von Liebe, und damit das wesentliche Gefühl, welches wir dem Himmel zuschreiben. Ingrisch zitiert einen Jenseitigen:

"Verzeihung ist ein Akt der Auflösung und Erlösung. Groll hält den Entfernten fest. Darum mögen alle, denen ich weh getan habe, mich in Heiterkeit entlassen." [Lit 138]

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als könnte eine vorgetäuschte Frömmelei die Himmelspforten öffnen. Es ist nur so, dass derjenige, welcher um sich selbst drehend in seiner Psyche starke Energieblöcke mit Abneigung und Hass schürt, auf der geistigen Zwischenstufe auch nur auf entsprechend gering pulsierenden und damit unattraktiven Ebenen unterwegs ist. Er behindert sich also selbst - wie auch der Heuchler mit vorgetäuschter Frömmelei. Es braucht keine Riten und keine Kirchen, um höchste spirituelle Informiertheit zu erreichen. Eine anderes Seiende nicht herabsetzende Religiosität kann jedoch dem Uninformierten Leitplanken zum wertschätzenden Handeln bieten. Mehr nicht.

Jeder Mensch arbeitet an anderen Herausforderungen. Einige werden bereits vor dem Leben skizziert, andere ergeben sich erst im Lebenszyklus. Wenn die selbstgewählte Herausforderung darin besteht, sich wieder und wieder für Missbilligungen zu rächen oder für eine Religion zu töten, dann ist der Lebenszyklus vertan. Diese Haltung ist unvereinbar mit dem aufrichtigen Wunsch, dass alles Seiende seine Werterfüllung (Sh. Erg.Bd.9) erreichen möge und frei von Leid aller Art sei, sowie dessen Ursachen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass oft dem Rachegedanken ein schwaches Selbstwertgefühl zugrunde liegt.

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