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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 7.3.: Gesellschaftlicher Leistungsdruck & gesellschaftliche Zwänge (Leistungsdenken in unserer Gesellschaft)

Es ist im Großen wie im Kleinen: Mache dem Egoismus ein Tor auf und du wirst überrannt werden. Gib einem Lobbyisten Raum zur politischen Gestaltung der Zukunft eines Landes, und er wird sie nicht im Sinne des Volkes, sondern im Sinne seiner wahren Herren prägen.

Weiche das rote Ampelsignal auf, und es wird als weniger bindend angesehen. So führte im Kleinen die politisch motivierte Einführung des 'grünen Abbiegepfeils' nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Straßenverkehr zu einer zusätzlichen Gefährdung und Behinderung von Fußgängern und verwässerte dem Autofahrer die Bedeutung des roten Ampelsignals als absolutes Muss zum Anhalten.

Ein anderes Beispiel: In unserer derzeitigen Gesellschaft wird nunmehr jeder, der es nicht zu einem geregelten Einkommen schafft, von politisch folgsamen Mainstream-Medien despektierlich zum Schmarotzer der Gesellschaft erklärt. Der Egoismus liegt hier in den unkooperativen verengten Absichten der herrschenden politischen Klasse. Diese beeinflusst die 'Meinung' des Volkes über willfährige Medien und führt darüber seine Bürger am Nasenring.

Die Härten dieses Systems entstehen dabei nicht nur aus dem Kooperation, Werterfüllung und Respekt ignorierenden Agieren der Machtinhaber künstlicher Hierarchien unserer Gesellschaft, welche sich selbst nicht selten mittels wohlgefälligen Verhaltens nach 'oben' dienen durften. Sie sind für einfühlsame, andere respektierende politische Entscheidungen weder offen noch geschaffen, weil sie auf ihre eigenen kleinlichen Interessen bezogen sind. Und diese schließen diejenigen ihrer Ziehväter ein. Doch unterstützt der derart Benachteiligte am Ende der sozialen Leiter häufig noch diejenigen, die ihm schaden. Sei es mangels Alternativen, aus Gewohnheit, Naivität oder einer Verehrung der herrschenden Klasse - derjenigen, die es 'geschafft' haben.

In der gegenwärtigen Gesellschaft der physischen Welt der Erscheinungen hat der Wille zur Leistung, zur Unterordnung und zur Macht und die Orientierung an der Leistung und an künstlichen Hierarchien der Macht oberste Priorität. Ob in der Pflicht - beispielsweise in der Schule - oder in der Kür - in Sportgruppen außerhalb derselben -, stets geht es um Wettbewerb, um Kampf, um ein Ausleseverfahren, um ein Sondieren, um das Loben des Leistungsfähigeren und das Ächten des Gescheiterten.

Schon unter Kindern wie auch später unter erwachsenen Freunden gibt es häufig eine Art Wettbewerb um den größeren finanziellen Spielraum, um das bessere Fortbewegungsmittel oder um die schönere Einrichtung. So übernehmen Menschen unhinterfragt die Härten des Systems in ihr eigenes Bewertungsschema und stützen es, weil nach ihrer verzerrten Auffassung nur 'die Besten' überleben.

Dieses Vorwegnehmen ohne Not gilt nur für die wohlhabenderen Regionen dieser Welt, in denen das Überleben einfacher geworden ist - das Gros der Menschheit jedoch kämpft jeden Tag um ihr Überleben, um das Existenzminimum, ohne reelle Chance, es je dauerhaft zu erreichen.

Doch warum spielen in den wohlhabenden Gesellschaften schon Kleinkinder dieses Machtspiel? Was lässt die Menschen stets den Ernstfall proben? Es ist ein relativ kleiner, spirituell uninformierter Teil der Bevölkerung, der in seinem andere schädigendem Streben viel Schaum schlägt und den Takt vorgibt. Diese sind in den Medien präsent und beeindrucken durch ihre Durchsetzungskraft. Keine Reflexion oder gar Respekt vor anderen Seienden - gleich ob Natur, Insekten, Tierwelt, Untergebene oder Nachbarn - halten sie auf. Sie haben die Ellenbogenfreiheit, sich bis in die Zentralen der Macht von Politik und Wirtschaft durchzurempeln. Es mangelt ihnen zwar an Lebenserfahrungen aus vielen Lebenszyklen und daher an spiritueller Informiertheit, doch ihre intensive Fokussierung auf das Physische, ihr starker, kaum kontrollierter Wille und ihre Bauernschläue treiben sie an, andere zu ihrem Vorteil zu unterminieren. Wille und Verstand sind voll und ganz in der Erfüllung ihrer stets selbstsüchtigen Ziele engagiert. Dies dürfte auf viele Machtmenschen aus Politik und Wirtschaft zutreffen.

Spirituell hoch informierte Menschen dagegen durchschauen in jedem Alter das schachernde Spiel der Masse. Zudem lässt ihr Charakter eine Beteiligung an diesen nur durch Gesetze und Verordnungen gebremsten Ausleben egoistischer Einzelwillen nicht zu. Lieber würden sie entsprechend Sartres Philosophie Verhungern, als beispielsweise einem schwächeren Bedürftigen dessen karge Ration stehlen. Nach Sartre kann niemand zu etwas gezwungen werden, wird er vor eine Wahl gestellt.

Wir sind für alles, was wir tun, verantwortlich. Selbst wenn einem Menschen eine Pistole an den Kopf gehalten würde, trüge er die Verantwortung für die Konsequenzen seiner Wahl zwischen Einwilligen in das Geforderte und dem sich Widersetzen. Eine der Konsequenzen ist die Wirkung der Entscheidung auf andere - wir geben mit jeder Entscheidung ein Beispiel, machen eine Aussage gegenüber der ganzen Welt, dass man so sein Leben leben sollte. Diese Verantwortung für eigene Entscheidungen kann nicht abgegeben werden - weder an den Staat, noch an den Arbeitgeber, den Vorgesetzten oder an 'Gott' respektive die Wesenheit [Lit 81].

Aus denselben Motiven würde eine spirituell gut informierte Identität sich nicht am Treiben um das Erlangen hoher Machtpositionen beteiligen können, selbst wenn sie es versuchte. Denn ihre tief verwurzelten Grundsätze und Ihr Wahrheitsstreben lassen durch externen Einfluss oder externe Weisungen erforderte, die Bürger als Souverän benachteiligende Entscheidungen nicht zu.

Sie fühlen, dass wir in letzter Konsequenz nur uns selbst gegenüber stark sein können, niemals jedoch gegenüber anderen, weil alle persönlichen Selbsts ähnlich Uderzos Galliern mit ihrem Zaubertrank unbesiegbar sind und jede Repression und Benachteiligung, die wir anderen zumuten, irgendwann wieder gutgemacht werden muss. Es gibt zwar kein negatives Karma, aber späte Einsicht in früheres Fehlverhalten. Und aus dieser Einsicht entsteht der Wunsch nach Wiedergutmachung. Wenn nicht innerhalb dieses Lebenszyklus, dann wird dieses Problem in einem der nachfolgenden wieder aufgegriffen, indem eine Konstellation gebildet wird, die der alten Problematik entspricht.

Wenn wir also immer wieder vor die gleichen Herausforderungen gestellt werden, immer wieder ähnliche Probleme lösen müssen, dann deshalb, weil unsere bisherigen Lösungsansätze unzureichend waren. Diesem Mechanismus kann man letztlich nicht entkommen. Man kann mal für ein, zwei Lebenszyklen Ruhepausen einlegen oder an anderen Herausforderungen arbeiten, aber jede von ihnen muss irgendwann gelöst werden.

Wie kann man denn nun in einer derart leistungsorientierten Gesellschaft überleben und trotzdem einen hohen spirituellen Entwicklungsstand halten oder ausbauen, ohne ihn zu verlieren? Ein Weg ist, zunächst sich selbst Respekt zu erweisen, indem das eigene Bewusstsein nicht mit Negativität belastet und möglichst in einem neutralen Zustand gehalten wird, leicht und frei.

Anderen Menschen, gleich ob Lump oder Edelmann, sollte weder mit Furcht, noch mit Ehrfurcht begegnet werden, sondern mit Respekt wie vor allem Seienden, und in Kants Sinne neutral - ohne Ansehen der Person, seinem positiven oder negativen Wirken in der Gesellschaft und bisherigen Verdiensten oder Vergehen. Sie richten sich selbst zu gegebener Zeit im Übergang ihres physischen Todes oder später in der Reflexionspause. Es ist nicht Aufgabe der Gesellschaft zu richten und eine Erkenntnis aufzuzwingen. Das Verurteilen eines Menschen, das Urteilen über andere überhaupt, ist somit eine Anmaßung und für den Urteilenden selbst spirituell nachteilig.

Wir sind nur ein Teil des Systems und in diesem den von unseren Wesenheiten getroffenen kollektiven Übereinkünften ausgesetzt - und darin im besten Fall eine neutral agierende Identität. Mit einem Ego, gerade so groß, dass es uns vor den Ungerechtigkeiten anderer schützt, indem wir uns deren schlechte Meinung über uns nicht zu eigen machen. Denn wir sind bei aller Unzerstörbarkeit des Bewusstseins doch verletzlich, mental und körperlich. Das gesellschaftliche Setzen von Grenzen über sanktionierende Verordnungen und Gesetze ist daher zum Selbstschutz eines Staatsgebildes ebenso notwendig wie die mentale Abblockung des Einzelnen gegen Übergriffe spirituell Uninformierter.

Mentale Verletzungen des Bewusstseins resultieren oft aus der übersteigerten Bedeutung, die wir der Meinung anderer zumessen und sind somit das Resultat einer falschen Orientierung, nämlich am anderen anstelle am eigenen Selbst. Somit sind Aggressionen und andere verengende Emotionen gegen den, der uns herabsetzt, unangebracht. Solche Käuze wird es immer geben. Es ist unser Fehler, wenn wir ihren unreflektierten Aussagen durch Emotionen Gewicht geben und sie damit stärken. Niemand ist in der Welt, um so zu sein, wie andere ihn gerne hätten.

Wie dominierend diese Orientierung an der Gesellschaft jedoch bei jedem von uns ist, ermisst sich an der folgenden Überlegung: Wenn wir an die Zukunft denken, wie wir einmal sein werden, sehen wir uns meist im Spiegel der anderen. Wir denken darüber nach, wie andere uns dann sehen werden und nicht, wie wir uns dereinst fühlen wollen. Es wäre jedenfalls besser, sich im schopenhauerschen Sinne weniger Gedanken um die Gedanken anderer über uns zu machen als über das, was wir selbst dereinst selbst von uns denken wollen.

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