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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 6.9.: Ist Krieg zu führen intelligent? (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz)

Es mag erschrecken, dass manche unserer politischen und damit auch zuweilen geistigen Führer in der physischen Welt der Erscheinungen so gnadenlos einfach gestrickt sind, fern aller Möglichkeiten oder persönlichen Interesses zur Reflexion und Differenzierung in wichtigen Fragen. Ihre nahezu durchweg geringe spirituelle Informiertheit zeigt sich in ihrem Handeln und mündet in Unterdrückung und Benachteiligungen der Bürger, in spirituellem Unrecht und vermeidbaren Kriegen. Roberts (Seth) formuliert es so:

"Wir sprechen über potentiell gefährliche Situationen, in denen ein Individuum [A.d.V.: ein Staatenlenker] Zeichen einer Unfähigkeit zeigt, mit diesen psychologischen Problemen mittels normaler Anpassungsmethoden zurechtzukommen." [Lit 193]

Zu den psychologischen Problemen des primär Verantwortlichen kann ein - auch völlig unbegründetes - Ohnmachtsgefühl gehören, dass 'stupid nations' dazu bewegt, einen Krieg vom Zaun zu brechen [Lit 184]. Ihr Druck erzeugt Gegendruck, ihre Gewalt erzeugt Gegengewalt. Der große Hegemon unserer Zeit - die USA - verhält sich gegenüber seinen 'Konkurrenten' Russland und China wie die gefürchtete aggressive kleine Kröte aus der dritten Klasse, die ihren Machtanspruch mit allen Mitteln und bar jeder versöhnlichen Reflexion durchzusetzen versucht.

So sind auch die großen Konflikte der Menschheit nur Ausdruck ihrer Beschränktheit: Völker, welche durch Medien emotional aufgeheizt Tyrannen den Weg ebnen und den klugen Vermittler ächten; Staatsführungen, die lieber die Keule schwingen als über Kompromisse beiderseitige Interessen zu befriedigen. Nach dem zweiten Weltkrieg hatten wir über fünfzig Jahre eine kurze Phase der Verständigung und Annäherung, weil allen das Grauen des Krieges noch in den Knochen saß und dies ihren Kindern und Enkel verbal und nonverbal vermittelte. Diese Erfahrung ist jedoch nach einigen Generationen verloren, wurde nicht mehr kolportiert.

Doch nicht jede Nation geht wenigstens auf diese Weise für einige Zeit besonnen mit ihrer Kriegs-Vergangenheit um. Nach dem Krieg ist häufig vor einem Krieg, auch, weil im letzten die aus Gewalttätigkeiten resultierende natürliche Schuld wie auch die verzerrenden Glaubenssätzen geschuldete künstliche Schuld angewachsen ist (vgl. S. 62). Infolge sind Kriege nach Roberts selbst-reproduzierend, weil beide Schuldarten hier in Kombination auftreten und gegebenenfalls über Erinnerungen noch verstärkt werden.

Dieses Anwachsen künstlicher Schuld führt zu einer Ballung verdrängter Energien, die sich in ihrer Nische der Psyche selbst verstärken, bis sie sich in einem neuen, überraschenden gewalttätigen Ausbruch Bahn brechen. So tragen diese kollektiven unterdrückten Emotionen einer Generation, deren Nahestehende im letzten Krieg litten oder umkamen, dazu bei, den nächsten Krieg herbeizuziehen. Nochmal Roberts:

"Gewalt ist im Grunde eine [...] Kapitulation, und bei jeder Gewaltanwendung ist eine große Portion Suizidalgefühl mit dabei - das Gegenteil von Kreativität. Im Krieg sind Mörder und Opfer beide in die gleiche Art von Leidenschaft verwickelt, aber diese Leidenschaft ist nicht aggressiv; sie ist im Gegenteil ein Verlangen nach Zerstörung [...] Aggressivität führt zu Aktivität, Kreativität und Leben. Sie führt nicht zu Gewalt oder Vernichtung." [Lit 184]

Diese Gefahr bestand im Nachkriegsdeutschland sicher auch, und so können wir von Glück sagen, dass die Besonnenheit der Nachkriegspolitiker diese Emotionen nicht mittrug.

Was ist Krieg? In einem Krieg spielen emotional aufgebrachte und spirituell verengte Bürger Vernichtung. Sie reflektieren nicht und halten ihr Tun für 'alternativlos'. Politiker, die von Alternativlosigkeit reden, sind durchweg gefährliche Agitatoren, denn sie unterdrücken Meinungen und manipulieren das Volk. Gerade in der politischen Auseinandersetzung ist eine kreativ-aggressive Diskussion in der kollektiven Abstimmung über ein Vorgehen hilfreich. Nur wenn alle Aspekte offen diskutiert werden, wird kein Bürger der Gemeinschaft abgehängt. Die Angst des Herrschenden vor im Ausgang offenen Diskussionen ist der Grund, das unterdrückte Emotionen und Energien ins Unermessliche wachsen, bis sie sich gewaltsam Ansehen verschaffen.

Hinzu kommt, dass das, was man geistig wiederholt fokussiert und welches sich zu Überzeugungen verdichtet in Glaubenssätzen niederschlägt, zur erlebten Realität wird. Das System führt jedem seine intensiv emotional verfolgten Gedanken und Ideen als physische Umsetzung vor Augen. (vgl. Band 2). Roberts führt hierzu aus:

"Eine Generation, die den Krieg hasst, wird keinen Frieden bringen. Eine Generation, die den Frieden liebt, wird Frieden bringen. Mit Hassgefühlen für eine Sache oder ein Volk zu sterben, ist ein großer Nachteil. Ihr habt jetzt alle möglichen Gelegenheiten, eure persönlichen Erfahrungen vorteilhafter zu gestalten und eure Welt zu verändern. Im nächsten Leben werdet ihr mit den Einstellungen arbeiten, die ihr jetzt habt." [Lit 175]

Wer also in seinem Leben der Abneigung Raum gibt, wird dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im nachfolgenden tun. Diese Erkenntnislosigkeit kann sich über zahlreiche Lebenszyklen erstrecken. Auf der anderen Seite wird sich jeder "Zuwachs an Wahrheit, Intuition, Liebe, Freude, Kreativität und Leistung" - so Roberts - darin vorteilhaft auswirken. [Lit 175]

Die Soziologie weiß, dass sich mit alternden Bevölkerungen kein Krieg gewinnen lässt. Die Ursache liegt nicht in ihrer geringeren Leistungsfähigkeit, sondern in den durch wachsende Lebenserfahrung korrigierten Glaubenssätzen gereifter Menschen. Politiker können beispielsweise Eltern nicht für Kriege motivieren. Die zur Zeit fast durchweg moralisch verkommenen, politischen Eliten bedürfen eines großen Anteils lebensunerfahrener junger Menschen in der Bevölkerung, um kriegerische Auseinandersetzungen initiieren und durchführen zu können.

Die Politik tut wirklich alles, gibt ihr Bestes, um Kriege herbeizuführen. Ein Auszug aus einem Interview mit der früheren irischen EU-Abgeordneten Patricia McKenna:

"Die NATO-Partnerschaft für den Frieden (PfP - Partnership for Peace) wurde speziell konzipiert, um jene Nationen an Bord zu bringen, die zurückhaltend waren, der NATO beizutreten. W. Perry und A. Carter, die Köpfe hinter der PfP, sagen in ihrem Buch "Preventive Peace": 'Die Partnerschaft für den Frieden kombiniert Übungen und andere militärische Aktivitäten und sollte vom früheren Fokus auf Friedenssicherung und humanitäre Operation zu wahren Kampfhandlungen fortschreiten'. PfP ist ein wesentlicher Baustein in der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität geworden, was die 'schnelle Eingreiftruppe' der EU dies aktuell zeigt [...] Die Europäische Verteidigung-Agency (EDA), eine Agentur, die nach zwei Jahrzehnten Lobbyarbeit von Europas militärischer Industrie etabliert worden ist, ist Bestandteil der Verträge. Diese Agentur, die ohne öffentliche Debatte etabliert wurde und die Waffenhersteller begünstigt, hat eine signifikante Vertrags-Macht. Sie 'soll einsatzbereite Anforderungen ermitteln, befördert Maßnahmen, erfüllt diese Anforderungen und beteiligt sich bei der Festlegung der europäischen Fähigkeiten und der Rüstungspolitik'" [Lit 200]

Lobbyisten verschiedener Wirtschaftsbereiche haben es in der Phase nach dem zweiten Weltkrieg in die Schaltstellen der europäischen Länder geschafft. Man denke nur an die zahlreichen 'ehemaligen' Goldman-Sachs-Angestellten, Banker, die ausschwärmen, um in europäischen Regierungen Politik direkt zu gestalten. Zu recht nennt der Wirtschaftsexperte Dirk Müller unsere Demokratien Scheindemokratien und das System eine Kleptokratie (vgl. s.202), welche eine Steigerung der Plutokratie1 ist [Lit 224]. Denn die Plutokratie wahrte noch den Schein, dass der Staat dem Bürger zu dienen habe - in der Kleptokratie wird der einflusslose Bürger unverhohlen bestohlen.

Es sind also primär Interessenvertreter der Wirtschaft, u.a. der Banken und Rüstungsindustrie, welche die Politik gestalten und sich mit nichts anderem beschäftigen, als die Absatzmöglichkeiten ihrer Produkte zu verbessern. Dies steht den Interessen der überwiegend besonnen agierenden Gemeinschaft einflussloser Bürger diametral entgegen. Doch sie haben selbst bei Wahlen keine Wahl - die Parteien ähneln sich in ihrem Handeln zu sehr. Die Grünen zogen Deutschland in einen nicht durch das Völkerrecht gedeckten Krieg2 - den Kosovokrieg - und übersehen bis heute beim Umweltschutz großzügig den Schiffs- und Flugverkehr sowie das Potential neuer technologischer Entwicklungen, die es eigentlich intensiv zu fördern gilt.

Roberts beschreibt in einer Analogie, warum es Leid in der physischen Welt gibt und macht deutlich, dass Menschen Verantwortung nicht an Gott oder Untergebene abwälzen können - jeder muss seinen Anteil selbst tragen:

"In einem großartigen Gemälde von einer Schlachtenszene kann beispielsweise die Begabung des Künstlers darin zum Ausdruck kommen, dass er die unmenschlichen und doch allzu menschlichen Kriegszustände in ihrer ganzen schaurigen Dramatik auf die Leinwand projiziert [...] Auf die gleiche Weise nutzt auch der Mensch seine Fähigkeiten und stellt sie zur Schau, wenn er einen richtigen Krieg inszeniert [...] In euren Kriegen führt ihr eure Kreativität zerstörerischen Zwecken zu, aber ihr seid trotzdem dabei noch schöpferisch." [Lit 175]

So hält derjenige, welcher intensiv für einen Krieg wirbt, nach den Erkenntnissen dieser Abhandlung stets eine Unrechtsposition, welche sich dem Volk oft erst im Nachhinein offenbart - aus der Retrospektive betrachtet unter Abwägung aller tatsächlichen Umstände.

Das Ziel eines Krieges ist stets ein wirtschaftlicher Vorteil durch die systematische Ausschaltung menschlicher Körper:

"Bald unsinniger Wahn, bald grübelnde Politik hetzt sie zu Kriegen auf einander; dann muss Schweiß und Blut des großen Haufens fließen, die Einfälle einzelner durchzusetzen oder ihre Fehler abzubüßen." [Lit 94]

So formuliert es Schopenhauer. Die Kriegsgründe werden regelmäßig manipuliert und aufbauscht, eine Gefahr von außen beispielsweise vorgetäuscht, um das Volk für einen Angriff und damit zur Durchsetzung eigener egoistischer Interessen zu gewinnen. Manchmal werden hehre Ziele vorgeschoben, man müsse das Böse beseitigen, um die Welt besser zu machen. Je dumpfer und uninformierter das Volk ist, desto leichter kommen Staatenlenker und ihre willfährigen3 Medien damit durch4. Diese Staatsführer versuchen, getrieben durch

ihre eigenen mentalen Verengungen zum Horizont des ganzen Volkes zu erklären. Und zu oft nickt das an sich mündige Volk dieses ab. In der künstlichen Hierarchie des Militärapparats finden sich zudem zahlreiche Menschen, die mit Liebe und Hingabe ihre Position ausfüllen - ad definitione sind es Fanatiker, weil auch Fanatiker ohne Lohn für eine Sache arbeiten.

Hierzu nur zwei exemplarische Beispiele: George W. Bush Junior erklärte schon kurz nach seiner Amtseinführung und vor den Terroranschlägen des 11. September 2001, dass er sich für den Mordversuch Saddam Husseins an seinem Vater in dessen früherer Präsidentschaft rächen wolle. [Quelle: Ex-US-Finanzminister Paul O'Neill, Buch: 'Der Preis der Loyalität: George W. Bush, das Weiße Haus und die Erziehung von Paul O'Neill']

Der mit George W. Bush Junior in das Amt des Vizepräsidenten der USA eingeführte Richard Cheney war fünf Jahre lang Chef des weltgrößten Ölanlagen-Ausstatters Konzern Halliburton. Die Firma hat über das Tochterunternehmen Kellogg Brown & Root (KBR) in Irak die Lizenz zum Ölfördern in der Tasche. Halliburton gehörte ursprünglich zu den fünf US-Konzernen, die von der Regierung noch während des Irak-Krieges zu einer geschlossenen Ausschreibung über den ersten Großauftrag für den Wiederaufbau des 'befreiten' Landes geladen wurden. Das Unternehmen hatte sich dann aber früh zurückgezogen. Der 680-Millionen-Dollar-Auftrag zur Wiederinstandsetzung irakischer Häfen, Flughäfen, des Stromnetzes, der wichtigsten Straßen und Brücken, der Wasserversorgung sowie einiger Regierungsgebäude ging an den kalifornischen Konkurrenten Bechtel Group. Auch das ist ein im politischen Washington bestens vernetztes Unternehmen: Im Aufsichtsrat der Firma, zu deren wichtigsten Investoren pikanterweise die saudische Bin-Laden-Familie gehört, sitzen der frühere US-Außenminister George Shultz sowie Ex-Pentagon-Chef Caspar Weinberger. Shultz hatte im vorigen Jahr den Vorsitz des von Irak-Falken gegründeten 'Komitees zur Befreiung Iraks' übernommen. Halliburton hatte längst einen anderen, gänzlich ohne Ausschreibung vergebenen Vertrag, mögliche Kriegsschäden auf irakischen Ölfeldern zu beheben. Das schien unverdächtig: Amerikaner wollen reparieren, was im Krieg zerstört wurde. Volumen des Auftrags: ursprünglich 50 Millionen Dollar. In Aussicht gestellt wurde Halliburton ein möglicher Anschlussvertrag über zwei Jahre in geschätzter Höhe von 600 Millionen Dollar. In einem Brief an kalifornischen Kongressabgeordneten Waxman räumte die zuständige Pentagon-Behörde ein, dass der Halliburton-Auftrag nicht nur die Reparatur von Ölanlagen, sondern auch das Betreiben der Förderquellen und die Verteilung irakischen Öls sowie einen Anschlussvertrag beinhalte.

Soviel zu den Motiven hinter Kriegen, wie immer sie auch benannt werden, um das Volk einzuseifen. Und doch gibt es kaum einen Angriffskrieg, der nicht vermeidbar gewesen wäre; denn daher stammt das geflügelte Wort, das ein verschobener Krieg ein nicht geführter sei. Wenn ein Land von außen angegriffen wird, sollte passiver Widerstand geleistet werden - Gewalttaten verbieten sich. Eine Verteidigung mit Waffen wäre genauso schändlich wie der Angriff des Gegners selbst, weil diese einen nicht unerheblichen Teil des Volkes, dass der Staatsführer zu schützen vorgibt, vernichtet. Roberts bringt es einmal mehr auf den Punkt:

"So mögen beispielsweise viele Tausende in irgendeinem Kampf oder Krieg umkommen [...] Selten kommt jemand auf den Gedanken, dass es sich um Überzeugungsopfer handelt [...] Kriege sind im Grunde Beispiele für Massenselbstmord. Doch werden sie aufgrund verhängnisvoller Massensuggestionen auf dem Schlachtfeld genau von den die Ressourcen eines Volkes verkörpernden Menschen ausgetragen, die überzeugt sind, dass die Welt unsicher und voller Gefahren ist, dass auf das Selbst kein Verlass ist und dass außenstehende Fremde immer feindlich gesinnt sind [...] Diese paranoiden Tendenzen verbergen sich massenhaft unter den nationalistischen Kriegsbannern der Menschheit." [Lit 181]

Doch sind die Aggressoren in dem Sinne unter ihresgleichen, weil ein Großteil der Bürger ebenfalls selbstbezogen eigene Interessen fokussiert. Viele sind nicht fähig, sich mit irgendetwas anderem zu beschäftigen als ihren eigenen kleinlichen Sorgen und Interessen. Jeder Versuch, ihnen die Augen für Kooperation und Respekt zu öffnen, ist zum Scheitern verurteilt, weil eine Beschäftigung mit etwas anderen als mit ihnen selbst in Beziehung stehenden Sachverhalten auf keinerlei Interesse in ihrem Bewusstsein trifft. Alle einfließenden Informationen werden dahingehend abgeklopft, ob sie einen Bezug zu eigener Erfahrung herstellen können - somit zu sich selbst. Einstein stellte fest:

"Die Leute leben jetzt [Anmerkung: nach dem Krieg] genau wie sie vorher lebten [...] und es ist klar, dass sie nichts gelernt haben von den Grausamkeiten des Krieges, mit denen sie umgehen mussten. Die kleinen Intrigen, mit denen sie vorher ihr Leben komplizierten, beanspruchen wieder die meisten ihrer Gedanken. Was für eine seltsame Spezies wir doch sind." [Lit 226]

Ein jeder erkennt nichts über seinem Horizont - wie Schopenhauer zutreffend bemerkte. Und damit ist die Masse der Menschen der philosophischen Reflexion entzogen. Betrachten Sie einmal die folgende, unvollständige Liste der Kriege des vergangenen Jahrhunderts unter diesem Aspekt:

1900 Russisch-Chinesischer Krieg
1902-1903 Venezolanischer Krieg
1904-1905 Russisch-Japanischer Krieg
1906 2. mittelamerikanischer Krieg
1907 Honduras-Nicaragua Krieg
1909-1910 Spanisch-Marokkanischer Krieg
1911-1912 Italienisch-Türkischer Krieg
1912-1913 Erster Balkankrieg
1913 Zweiter Balkankrieg
1914-1918 Erster Weltkrieg
1917-1920 Baltische Unabhängigkeitskriege
1917-1920 Russischer Bürgerkrieg
1919-1921 Irischer Unabhängigkeitskrieg
1919-1922 Fiume
1920-1921 Russisch-Polnischer Krieg
1921-1923 Griechisch-Türkischer Krieg
1929 Chinesisch-Russischer Grenzkrieg
1931-1933 Krieg in der Mandschurei
1932-1935 Chaco-Krieg
1935-1936 Italienisch-Äthiopischer Krieg
1936-1939 Spanischer Bürgerkrieg
1937-1945 Japanisch-Chinesischer Krieg
1938-1939 Russisch-Japanischer Grenzkrieg
1939-1945 Zweiter Weltkrieg
1941 Französisch-Thailändischer Krieg
1941 Peruanisch-Ecuadorianischer Krieg
1945-1949 Indonesischer Unabhängigkeiskrieg
1946-1954 Französischer Indochinakrieg
1947-1949 Erster Kaschmir-Krieg
1947-1949 Israelischer Unabhängigkeitskrieg
1950-1953 Koreakrieg
1954-1962 Algerienkrieg
1955-1959 Zypriotischer Unabhängigkeitskrieg
1956 Suez-Krieg
1957-1958 Spanisch-Marokkanischer Konflikt
1957-1962 Holländisch-Indonesischer Krieg um West Neuguinea
1961-1991 Eritrea-Krieg
1961-1963 UN-Katanga-Krieg
1961 Schweinebucht Kuba
1961-1974 Unabhängigkeitskriege in Portugiesisch-Afrika
1961-1974 Vietnam-Krieg
1962 Indisch-chinesischer Grenzkrieg
1963 Algerisch-Marokkanischer Grenzkrieg
1965 Indisch-Pakistanischer Krieg (2. Kaschmir-Krieg)
1967 Sechs-Tage-Krieg
1969 Chinesisch-Sowjetische Grenzkämpfe
1971 Indisch-Pakistanischer Krieg/Bangladesch-Krieg
1973 Yom-Kippur-Krieg
1974 Zypern-Krieg
1974-1975 Mali-Obervolta Grenzkrieg
1977 Libysch-Ägyptischer Grenzkrieg
1977-1989 Vietnamesisch-Kambodschanischer Krieg
1978-1989 Afghanischer Bürgerkrieg und sowjetische Invasion
1978-1979 Uganda-Tansania Krieg
1979 Chinesisch-Vietnamesischer Krieg
1980-1988 Erster Golfkrieg: Iran-Irak
1981 Peruanisch-Ecuadorianischer Grenzkrieg
1982 Falkland-Krieg
1983 US-Invasion in Grenada
1983-1984 US-Krieg im Libanon
1987 Grenzkrieg Libyen-Tschad
1989 US-Invasion in Panama
1990 Erster Krieg Amerika-Irak
1991 Jugoslawischer Bürgerkrieg

Quelle: Online Magazin 'explicatio', Beitrag von Marco Rettstatt auf http://explicatio.de

Im ersten Jahrhundert dieses neuen Jahrtausends wird die Bilanz nicht günstiger ausfallen. Die Anzahl der zu erwartenden Toten wird eher höher ausfallen, weil die zunehmende Verbreitung von immer effektiveren Massenvernichtungswaffen trotz mancher Bemühungen und internationaler Vereinbarungen nicht aufgehalten worden ist.

Auch hat sich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Anzahl der Kriege verdoppelt - dieser Fakt belegt Einsteins Annahme, dass aus den beiden Weltkriegen keinerlei Lehren gezogen wurden und hält uns damit die von Schopenhauer aufgezeigten Grenzen des menschlichen Geistes deutlich vor Augen. Der durchschnittliche homo sapiens ist weder charakterlich hochstehend noch durch Erfahrung weise geworden - er ist ohne Überblick, oft wider besseren Wissens unvernünftig handelnd, begrenzt in seinem geistigen Horizont und mit dürftigen Charakter versehen.

Einstein hinterließ uns neben seinem wissenschaftlichen Erbe wertvolle Gedanken über den Weg zum Frieden:

"In allen Fällen, in denen eine vernünftige Lösung für Schwierigkeiten möglich ist, favorisiere ich ehrliche Kooperation, und wenn dieses [...] nicht möglich ist, Gandhis Methode des friedlichen Widerstands gegen das Böse." [Lit 226]

Und:

"Niemand hat das Recht, sich selbst einen Christen oder Juden zu nennen, solange er bereit ist, sich am systematischen Morden unter dem Kommando einer Autorität zu beteiligen oder es sich selbst erlaubt, benutzt zu werden für jede Art in Unterstützung von Krieg oder der Vorbereitung hierzu." [Lit 226]

Nach seiner Auffassung kann militärische Gewalt keinen Frieden schaffen; dieser kann nur aus Einfühlen und Verstehen resultieren:

"Du kannst eine Nation nur dann bezwingen, wenn du das Land von jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind säuberst".

Einstein nahm an, dass der einzige Weg zur nachhaltigen Beendigung aller Kriege ist, alle Staaten auf supranationaler Ebene zu verbinden, wobei Gandhis Methode in einem großen Ausmaß angewandt werden muss. Denn die wichtigste Aufgabe des Staates sei es, das Individuum zu beschützen und es ihm zu ermöglichen, sich in eine kreative Persönlichkeit zu entwickeln.

Doch dieses Prinzip verletzt der Staat schon dann, wenn er seine Bürger in einen Militärdienst nötigt. Die auf die eigenen Soldaten ausgeübte, militärische Gewalt stellte Einstein der Sklaverei gleich. Sie beinhalte zudem Herdenleben, Heldentum auf Kommando und unvermeidlich sinnlose Gewalt. [Lit 226]

Denn in der militärischen Mentalität würde der nicht-menschliche Faktor für essentiell gehalten, während das menschliche Dasein, seine Wünsche und Gedanken, als unwichtig und sekundär abgetan werden. So wird "das Individuum degradiert zu menschlichem Material" und unterliegt dem einen Krieg stets Zugrunde liegenden Ziel der systematischen Ausschaltung menschlicher Körper. Doch Widerstand gegen Krieg ist häufig mit dem persönlichen Risiko der Verurteilung zum Tode durch ein Militärgericht verbunden - Einstein sagt hierzu:

"Ich bin nicht nur ein Pazifist, ich bin ein militanter Pazifist. Ich bin bereit, für den Frieden zu kämpfen [...] Ist es nicht besser für einen Mann, für eine Sache, an die er glaubt wie den Frieden zu sterben, als für eine Sache zu leiden, an die er nicht glaubt, wie dem Krieg?"

Jede Art von Gewalttätigkeit - gleichgültig, für welche Ziele - ist das Ergebnis eines Fanatismus. Roberts lehrt uns, dass uns emotionale Ablehnung und Hass ebenso wie Gewalttätigkeiten in die abgelehnte Sache hineinziehen. So 'kämpft' nur derjenige wirksam gegen den Krieg, der ausschließlich, aber tiefgehend den Frieden liebt. Denn ein Krieg wird wie jede Realität durch das Streben und die kollektiven Überzeugungen der Gemeinschaft des Landes initiiert. Roberts schreibt:

"Krieg ist eine Art Naturereignis, das aufgrund einer Summe von Gefühlen und Glaubenssätzen hervorgerufen wird. Eine Naturkatastrophe stellt das gleiche Phänomen dar, nur auf anderer Ebene. Euer persönlicher Anteil an diesem insgesamt beteiligten Gefühlen und Glaubenssätzen weist euch euren eigenen 'natürlichen' Platz innerhalb dieser Ereignisse an." [Lit 184]

Das, was wir Zivilisation nennen, ist nur die dünne Schicht gegenseitiger, sanktionsbewehrter Zusicherungen, sich nicht gegenseitig anzugreifen. Doch werden in unserem Zeitalter auch außerhalb von Kriegsgebieten Menschen für Organtransplantationen ausgeweidet - derzeit in China und Sinai. Krieg und Gewalt ist immer eine Kapitulation der Zivilisation vor dem Archaischen. Und die Rückkehr dorthin.

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