6 Besucher aktiv
von 1.343.654
seit 1999
Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens
(Link zum Verlags-Shop)
Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



Ein Kapitel zurück | Inhaltsverzeichnis | Zum nächsten Kapitel

Kapitel 6.7.6.: Der spirituell Geringentwickelte (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz / Spirituelle Intelligenz (SI))

Wir sprechen im Folgenden zur Kontrastierung vom spirituell völlig Uninformierten am anderen Ende der Skala. Die Mehrzahl der Menschen steht mit ihrem Erkenntnisstand naturgemäß irgendwo zwischen diesen Extremen.

Was kennzeichnet also Identitäten sehr geringer spiritueller Informiertheit respektive mit einem engen Erkenntnishorizont? Zunächst einmal ergibt sich das sehr deutlich aus dem Umkehrschluss des Vorhergesagten (vgl. S.156 ff.).

Je geringer diese Informiertheit ist, desto deutlicher werden typische weibliche respektive männliche Verhaltensweisen betont. Der 'Macho' und die 'Tussi' mögen hierfür plakativ als Beispiel herhalten. Auf der anderen Seite hat diese Gruppe festgefahrene und verengte Vorstellungen von 'richtigem' und 'falschen' Verhalten und nutzt Umgangsformen als erstarrte Regeln - und zwar ebenso, wenn die Schwiegermutter bei den erwachsenen Kindern die Höhe der Staubschicht im obersten Regalfach prüft, wie auch wenn der alternativ Lebende alle mit anderem Lebensplan für bekloppte Spießer hält. Beide verachten Menschen, die nach anderen Vorgaben leben. Sie erwarten, dass alle anderen ihre derzeitigen Vorstellungen von Lebensführung teilen.

Diese nachteiligen erstarrten Erwartungen können also erlernte Fähigkeiten wie Beherrschung der Rechtschreibung, äußerlicher Auftritt, Sauberkeit der Wohnung oder einen akzeptierten Beruf oder Ausbildungsstand umfassen, wenn der Urteilende gerade hierauf stolz ist, somit dies als primäres Unterscheidungsmerkmal in seinem Leben hoch hängt. Dann können akademische Grade oder der berufliche Erfolg über charakterliche Eigenschaften erhoben werden.

So mag der spirituell Uninformierte weiter mit einem derart Abgeurteilten höflichen, aber reservierten Umgang pflegen, wenn es seine egoistischen Interessen erfordern, doch lächelt er über ihn und kann seine vermutete Überlegenheit kaum verhehlen. So tief kann keiner stehen, dass er nicht jemanden kennt, den er nach seinen verzerrten Maßstäben für noch geringer hält.

Das kann einen Gemeindepastor in seiner ernsthaften Anhaftung an den Glauben bei einer Beerdigung treffen - er könnte mit herablassenden Bemerkungen bedacht werden. Aber auch einen Familienangehörigen, von dem man sich keinen wie auch immer gearteten Vorteil verspricht. Es trifft eigentlich jeden, der nicht als 'Freund' oder 'Kumpel' angenommen wurde oder hierfür auf der Wunschliste steht.

Diese auf künstlichen Hierarchien unserer Gesellschaft oder auf Gruppenkriterien basierende Akzeptanz oder Ablehnung von Menschen ist willkürlich und bar jeder Toleranz. Hier ist der Urteilende im selben Boot mit dem Fremdenhasser, weil auch die emotionale Ablehnung zugereister Menschen auf verengten, ausgrenzenden Kriterien basiert1. Nicht verschieden ist die Ablehnung Behinderter oder anderen Teile der Bevölkerung wie den Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. All dies resultiert aus mentalen Verengungen.

In Staaten ohne ein Übergriffe sanktionierendes Rechtssystem werden die Opfer dieser Ausgrenzungen nicht selten getötet2 oder wenigstens physisch geschädigt -, denn dem spirituell Uninformierten fehlt der natürliche Respekt vor allem Seienden, die Toleranz gegenüber dem Nicht-Ich. Daher möchte er ihn störende Subjekte aus seinem Gesichtsfeld entfernen oder sie wenigstens kontrollieren. Doch nicht jeder legt selbst Hand an - dermaßen motivierte Handlungen werden von Gruppierungen oder Gesellschaften an Teile abgegeben, welche eine konstruierte Legitimation erhalten. Als Beispiel mag der derzeitige US-amerikanische Präsident Donald Trump herhalten, der emotional aufgewühlt den Systemkritiker Edward Snowden tot sehen möchte. Dies zeigt, wie dünn das Eis der viel beschworenen 'westlichen Wertegemeinschaft' ist. Im Grunde trägt es nicht mehr.

Desgleichen verfährt der spirituell Uninformierte, wenn es seinen persönlichen Motiven förderlich ist, beispielsweise in der Gier nach Geld. In 'unzivilisierten' Gegenden, in welchen Mord und Totschlag weitgehend unsanktioniert bleiben, haben organisierte mafiöse Gruppen, Clans oder ein unorganisierter Mob das Kommando übernommen und leben ihre eigenen Regeln aus, wogegen es dem hiesigen Mob derzeit nur verbleibt, hierüber pikiert die Nase zu rümpfen und es insgeheim zu bedauern, dass die eigenen Feinde aufgrund unseres Rechtssystems so schwer zu beseitigen sind. Man denke nur an die derzeit ausufernde Political Correctness, welche als Maulkorb für nicht konforme Andersdenkende wirkt.

Wird ein derart Abgelehnter aufgrund äußerer Zwänge geduldet, geschieht dies in der Regel mit gönnerhaften Gesten, welche die Unvereinbarkeit der Auffassungen erst sichtbar machen. Das Nachteilige am Verhalten des spirituell Uninformierten liegt im andere ausgrenzendem oder schädigendem Denken und Handeln. Diesem liegt ein wenig kontrollierter Wille zugrunde, der unreflektiert agieren darf. Er zeigt sich in Verschlagenheit, im Taktieren und Feilschen.

Erst spät bemerkt man das Aufgesetzte ihrer maskenhaften Freundlichkeit nicht Gruppenzugehöriger gegenüber. Dies bedacht verdienen spirituell Uninformierte keine Respektbezeugungen - gleichgültig, wie hoch sie in den künstlichen Hierarchien der Gesellschaften auch aufgestiegen sein mögen. Denn ein solcher Respekt enthielte die Respektierung der von ihnen angebetenen künstlichen Struktur. Je stärker und kritikloser die Anhaftung eines Menschen an eine künstliche Struktur ist - sei es das Militär, eine kirchliche Organisation oder auch nur eine Logen-Vereinigung, desto geringer ist die spirituelle Informiertheit des Anhaftenden.

Wie schwer es einem solchen Menschen fällt, sich auf tiefgehende Reflexionen einzulassen, erkennen wir an der schroffen, mit Injurien3 gespickten Ablehnung derselben. Im besten Fall erntet der Nachdenkliche ein beredtes Schweigen. Kann sich ein solcher den Gedanken großer Vordenker annähern? Jederzeit. Er muss nur selbst über seine Erfahrungen zur Einsicht kommen, dass er in einer Sackgasse ist. Denn ihr Unwillen, tiefgehende Inhalte zu erfassen, lässt sie andernfalls aggressiv ablehnend reagieren, nötigt man sie dennoch zum deren Studium.

So gäbe es sogar bei einer theoretisch angenommenen, besten Absicht einer Gesellschaft, ihre schwächsten Mitglieder zu fördern, keine Schnellstraße in die spirituelle Informiertheit aller Mitglieder. Was man aber machen kann, ist Schulkinder und Straftäter zu führen, ihnen tagtäglich spirituelle Annahmen zu vermitteln - beispielsweise in der verpflichtenden Teilnahme an entsprechenden Vorträgen ohne Leistungskontrollen und durch Vorleben der Werte durch Lehrkräfte und Bezugspersonen. Straftätern und Wohnungslosen sollte eine Wohnung gestellt und die Möglichkeit für anständig bezahlte Arbeit gegeben werden. Im Gegenzug könnte bei Einhaltung gewisser Regeln ein Freiheitsentzug entfallen.

Doch dürften Erwartungen nicht zu hoch geschraubt sein. Selbst Kinder und Enkel hochstehender Philosophen brachten nicht einmal ansatzweise ähnliches Material zustande. Die Urenkel-Generation Kants erdreistete sich gar, dessen 'Kategorischen Imperativ'4 auf ihren Führer Adolf Hitler umzuformulieren, auf dass sich dessen Anhänger nicht an ein nur schwer fassbares, allgemeines Prinzip, sondern an die Person des Führers angepasst verhalten.

Es ist also nur Wenigen vorbehalten, jeweils auf den Schultern der Vordenker stehend weiter zu schauen und Wissen weiterzuentwickeln. Und zwar auf eine Art und Weise, wie es in allen Bereichen des Lebens geschieht:

"Man übernimmt die Ideen anderer, macht etwas eigenes daraus, und hinterlässt es jüngeren Leuten[...] Ich glaube nicht, dass isoliert etwas Großes entstehen kann." [Göran Bror Benny Andersson in einem Interview]

Dennoch beeinflussen die seltenen, hochstehenden Vordenker die Entwicklung ihres Zeitalters nur wenig. Ihr Einfluss ist eher über Jahrhunderte messbar. So haben selbst Kants und Schopenhauers Erkenntnisse noch lange nicht den Geist der breiten Masse erreicht.

Wenn nun etwas Schönes in trauriger Umgebung wächst, dann kann es seine Schönheit nicht entfalten - die Traurigkeit der Umgebung färbt unweigerlich durch die Einbindung hierauf ab. Wenn andersherum etwas Trauriges in schöner Umgebung wächst, kann es seine Traurigkeit nicht voll entfalten - in beiden Fällen beeinflusst das Dominierende das ihm Unähnliche. So ist es auch in unserem Wahrscheinlichkeitssystem, in dem für viele Menschen das Traurige ein Übergewicht hat. Positiv wäre es also, das Traurige dem Schönen näherzubringen. Doch dazu müssten viele Menschen tiefverwurzelte Glaubenssätze und Bestrebungen ändern, was äußerst schwer ist. Ohne Einsichten wird das nichts.

Die Medien tun alles, um das Trennende zu fördern, anstatt die allseits in der Natur bestehende lebensnotwendige Kooperation, das Fördern gegenseitiger Werterfüllung (Sh. Erg.Bd.9), hervorzuheben. Doch davon leben sie, vom emotionalen Aufbauschen, Angreifen und Ausgrenzen, weil nur dieses Leser und Zuschauer anzieht. Die spirituell Hochstehenden, welche Respekt, Rücksicht, und Kooperation leben, kommen kaum gegen die aggressive Dauerberieselung durch Radio- und Fernsehsender sowie sonstige Medien an. Jeder kann folglich nur in dem kleinen Einflussbereich seiner Primärerfahrung Dinge beeinflussen und die Welt besser machen.

Wer mag sich angesichts dieses Hintergrunds noch über die üblen Lebensumstände in vielen Ländern wundern? Allerorts werden Menschen zunehmend benachteiligt, Arbeitnehmer finanziell und mental von Staat und Arbeitgeber ausgepresst, ihre Vermögen zugunsten der Reichsten der Reichen umverteilt. In Deutschland besitzen derzeit nur 45 Haushalte soviel wie 50% der ärmeren Rest-Bevölkerung. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) besitzt Spaniens ärmere Hälfte der Bevölkerung etwa 12 Prozent des lokalen Vermögens, in Frankreich besitzt sie noch etwa 6 Prozent und in Deutschland nur 2,3 Prozent.

Zugleich fallen durch die Digitalisierung sehr viele Arbeitsplätze weg, ohne dass Politik und Wirtschaft veränderte Gesellschaftsmodelle - beispielsweise mit bedingungslosem Grundeinkommen - auch nur diskutieren. Konzerne wie Autofabriken und Großhändler mit automatisierten Lagersystemen sind heute schon Geisterfirmen, fast ohne Mitarbeiter. Deren Gewinne werden aber nicht abgeschöpft, um die Gesellschaft intakt zu halten und überflüssig gewordenen Arbeitnehmern ein Auskommen zu sichern. Dies ist aufgrund der nur der Wirtschaft nützenden Globalisierung ohne Zollschranken auch kaum noch möglich.

Weil die Anführer künstlicher Strukturen einen aggressiven Egoismus an den Tag legen und damit ihre spirituellen Verengungen aufzeigen, sind diese überhaupt erst in alle Schlüsselpositionen von Politik, Wirtschaft und Interessenverbänden gekommen. Man muss schon mit Scheuklappen versehen, selbstbezogen und unkooperativ sein, um es in diesen Strukturen ganz nach oben zu schaffen - Ausnahmen mögen diese Regel bestätigen.

Ein Kapitel zurück | Inhaltsverzeichnis | Zum nächsten Kapitel

Begriffserläuterungen | Literaturverzeichnis | Zur Bücher-Übersichtsseite | Impressum & Datenschutz | W3C HTML-Validierung | W3C CSS-Validierung Stehlen Sie keinen Content von dieser Seite. Plagiate werden durch Copyscape aufgedeckt.
chinnow.net - seit 1999 online