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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
(Link zum Verlags-Shop)
Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 6.7.13.: Erkenntnis &Streben nach Lüge oder Wahrheit (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz / Spirituelle Intelligenz (SI))

Welche Einflüsse entscheiden nun über diese viel genannte 'spirituelle Informiertheit' eines Menschen? Was fördert seine spirituelle Höherentwicklung? Man braucht nicht viel Wissen zur spirituellen Höherentwicklung, nur Einfühlungsvermögen und Respekt vor allem Seienden. Doch gibt es Hindernisse auf dem Weg zur Erkenntnis respektive im Streben nach Wahrheit:

"Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe", sagt Descartes, und schließlich: "Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht [de La Rochefoucauld]." Und damit steht sich die Masse der Menschen selbst im Wege.

Jeder Mensch trägt also mehr oder weniger Irrtümer und Verzerrungen als vermeintliche Wahrheiten mit sich herum. Er erkennt oft erst spät im Leben, dass sich seine Glaubenssätze über die Jahre doch wandelten, die eigenen Überzeugungen somit nur eine relative Gültigkeit besitzen. Nur die spirituell Informierten sind stets offen für Korrekturen, weil sie an ihren 'Wahrheiten' zweifeln.

Plotin sieht in der Kontemplation1 den Schlüssel

Hierin wird sich der Wachbewusstseinsanteil im direkten Kontakt mit seiner Wesenheit seiner innigen Verbindung mit allem Seienden einschließlich der Natur gewahr und erhebt damit das Bewusstsein über das Materielle hinaus. Nach Schopenhauer erfordert eine Erkenntnis das Erkennen des Dinges an sich - also Platons Idee - ohne Einfluss des Willens. Hierzu sei also in der Betrachtung des Dinges die Elimination2 des Willens erforderlich. Dies mache es zugleich unmöglich, die 'gewollte' Veränderung willentlich herbeizuführen:

"Denn überall ist der Wille als das Prinzip der Subjektivität der Gegensatz, ja Antagonist der Erkenntnis. Die größte Konzentration der Subjektivität besteht im eigentlichen Willensakt, in welchem wir daher das deutlichste Bewusstsein unseres Selbst haben."

Seine Ausführungen zum Unterschied des Erkennens zum Wollen habe ich stark verkürzt wiedergegeben, sie können in seinem III. Buch, Kapitel 30 nachgelesen werden.

Was Schopenhauer Willen nennt, ist bei Roberts (Seth) das Ego. Wir sind nicht unser Ego, so wie wir nicht unser Wille sind. Dieses Ich in uns ist austauschbar und wird auch je nach Anforderungen mehr oder meist weniger bewusst ausgetauscht. Selbst in einem gleichförmig verlaufenden Leben fokussieren wir rund alle zehn Jahre ein anderes Ich und bitten es in den Vordergrund unseres Handelns (vgl. Bd. zero).

Es ist dieses Ego, welches in unterschiedlichem Ausmaß in Ängste verstrickt ist, die die Kommunikation über innere Sinne behindern bis blockieren. Denn Ängste lassen das Ego in Panik dominieren. Es muss erst lernen, dass es nach völliger Abgabe der Kontrolle an das innere Selbst jederzeit wieder einsteigen kann. Das Erkennen von Schopenhauers Ding an sich, von Platons Idee, geschieht nach Roberts über die Nutzung innerer Sinne. Hierzu muss man sich auf den Betrachtungsgegenstand nahezu absichtslos fokussieren und alles weltliche mental ausblenden. Dies löst einen Informationsfluss aus, wenn man nicht gar temporär selbst zu dem Betrachteten wird. [Lit 210 u.a.]

So besteht eine spirituelle Höherentwicklung in der Erweiterung spiritueller Informiertheit. Die zwanzigste Auflage des Brockhaus aus dem Jahr 2001 definiert philosophische Erkenntnis als Einsicht in die Tatsächlichkeit eines Sachverhaltes; auch gleichbedeutend mit Wissen. Meine Definition des Erkenntnisbegriffs kommt der im Brockhaus angeführten, rationalistischen3 Position nach Descartes am nächsten - nur dass die Definition Descartes auf mathematische Erkenntnisse als einzig mögliche Erkenntnisform beschränkt ist. Dies ist jedoch eine Verzerrung dessen, was ist, weil uns die sogenannten 'Naturgesetze' - besser Grundannahmen - nur deshalb mathematisch erscheinen, weil wir in den zeitgenössischen Naturwissenschaften nur ihren mathematischen Aspekt erfassen können:

Definition des Erkenntnisbegriffs

Wissen über innere Zusammenhänge des Seins, welches nach den Regeln des wissenschaftlichen Nachweises stets unbewiesen bleibt, da es nicht nach wissenschaftlichen Kriterien reproduzierbar beweisbar ist.

Spirituelle Erkenntnis ist ein Wiedererinnern [Platon] von Informationen des inneren Selbst, welche über innere Sinne zum äußeren Wachbewusstsein gelangen. Es ist ein umfassendes Begreifen ohne Beteiligung physischer Sinne und unter Ausschaltung des Willens respektive des Egos, welches nicht von einem Infragestellen durch den Verstand begleitet wird. Dem Verstand obliegt es jedoch, die Gültigkeit einer inneren Wahrheit oder Erkenntnis zu beurteilen. Die hierbei erforderliche Elimination des Wollens respektive Beruhigung des Egos macht es unmöglich, Erkenntnisse willentlich herbeizuführen.

Durch die Erkenntnis bekommt das jeder Identität eigene, mehr oder minder dicke Brett vorm Kopf Risse, durch die es die Wahrheit sehen kann. Spirituelle Erkenntnisse korrigieren auch tiefsitzende, verinnerlichte Glaubenssätze - dann wird die Erkenntnis als Offenbarung erfahren. Die Erkenntnis ist ein Urteil mit dem Prädikat wahr [Schopenhauer]. Die Verinnerlichung einer Erkenntnis verläuft in einem vierstufigen Prozess von Vertiefungen, wie Buddha Siddhartha vom Stamm der Gautama aus Lumbini (Indien) sie präzise beschrieb (vgl. Bd. 8). Sowohl der Wille als auch die Erkenntnis können nach Schopenhauer ohne das andere bestehen. [Lit 107].

Worte werden in unserer Gesellschaft oft benutzt, um Gedanken zu verbergen - dies nennt man Heuchelei. Derjenige lügt nach Kant, "der etwas anderes, als was er im Herzen trägt, durch Worte oder beliebige sonstige Zeichen zum Ausdruck bringt". Kant hat in seiner Rigidität später die Lüge als Kommunikationsform bezeichnet, welche unter keinen Umständen moralisch erlaubt sei. Zudem setze der Lügner seine eigene Menschenwürde herab, indem er seiner Glaubwürdigkeit und Redlichkeit, somit seinem eigenen Ansehen, Schaden zufügt.

Nach Schopenhauer will die Lüge über die Vermittlung von etwas, von dem man selbst nicht ausgeht, das fremde Verhalten beeinflussen und steuern. Hierbei wird das Bewusstsein des Anderen dem eigenen Willen zum Werkzeug, indem dessen Informationsstand manipuliert wird.

Wer sich jedoch rigoros an der Wahrheit orientiert, über

hinaus, der wird inkompatibel für Beziehungen, Jobs und jeglichen Umgang. Die Lüge ist derzeit Normalität, weil es mit der spirituellen Informiertheit der Gesellschaft nicht weit her ist. Es herrscht spirituelle Finsternis. Folglich ist nach Schopenhauer der Tempel der Wahrheit auf einem hohen abschüssigen kahlen Felsen gelegen. Daran haben auch die zwischen uns und Schopenhauer liegenden 170 Jahre gesellschaftlicher Veränderungen nichts geändert.

Weil in der obigen Erkenntnisdefinition von Wahrheit die Rede ist, folgt hier dessen Definition:

Definition des Wahrheitsbegriffs

Wahrheit ist das, was nach Lösung vom Willen des Egos und von den Einflüssen anderer als reine Erkenntnis eines Betrachtungsgegenstandes übrig bleibt. Sie kann ausschließlich über innere Sinne erfasst werden, wird daher zu Lebzeiten vom äußeren Wachbewusstsein mangels Versunkenheit mehr oder minder verzerrt. Je tiefer das Eindringen in den Betrachtungsgegenstand ist, je mehr der Betrachtende zu diesem wird, desto unverzerrter erfährt er die Wahrheit.

Die Wahrheit steht als metaphysischer Begriff also für alles, was in einer Übereinstimmung des urteilenden Denkens und des Betrachtungsgegenstandes wirklich ist [Thomas von Aquino]. Der Grad des Erkennens einer Wahrheit ist demnach von freier Verstandeskraft abhängig. Denn zum Erkennen einer Wahrheit muss der Intellekt seiner Natur entsprechend aus eigenem Antrieb tätig sein und darf für die Zeit seiner Tätigkeit nicht im Dienste des Willens stehen, d.h. die Zwecke seiner eigenen Person im Auge haben [Schopenhauer].

Eine Wahrheit kann vollständig, d.h. in allen seinen Aspekten nur von einem äußeren Wachbewusstsein erfasst werden, welches über sämtliche, den Betrachtungsgegenstand in irgend einer Weise betreffenden Informationen verfügt. Da diese über innere Sinne transportiert werden, die dem äußeren Wachbewusstsein nicht direkt zur Verfügung stehen, können sich Menschen zu Lebzeiten der Wahrheit über mehr oder minder große Verzerrungen nur annähern.

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