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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
(Link zum Verlags-Shop)
Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 6.7.11.: Besitz &Gebaren (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz / Spirituelle Intelligenz (SI))

Wenn das in Freiheit lebende Wildschwein oder der Hirsch die Grenzen seines Territoriums abgeht, dann pflegt es in die Ecken seines Gebietes zu urinieren, um seinen 'Claim' abzustecken. Ebenso verfährt die Katze und noch einige andere Säugetiere. Der Mensch - vorgeblich höher entwickelt - rammt Pfähle in den Boden und verbindet sie mit zwar leicht zu überwindenden, doch abschreckenden Materialien, von Holzlatten bis zum Stacheldraht. Oder er baut massive Mauern, wenn er sich von der Masse seiner Mitmenschen deutlich abheben will.

Zielt nun in der freien Natur das Begehren eines Artgenossen auf den markierten Claim, wird der Revierinhaber zum Zweikampf herausgefordert. Wer unterliegt, wird zwar nicht getötet, trägt jedoch mehr oder minder schwere Blessuren davon und trollt sich. In den sogenannten zivilisierten Gebieten unseres Planeten verhält sich der Mensch identisch - der Gegner wird mit den Waffen der besten, noch bezahlbaren Anwälte in die Zange genommen und in der Mühle der Justiz zerrieben. Ist der Angegriffene wirtschaftlich schwächer, sind die Chancen einer feindlichen Übernahme seines Besitzes gut. Nach einer Ausurteilung über alle Gerichtsinstanzen kann dieser sich oft nur noch mittellos und kleinlaut trollen - wie in der Natur.

Was lässt uns trotz erkennbarer Alternativen an Besitz so festhalten? In dem Bereich, in dem wir den Himmel wähnen und in welchem wir uns annehmlich ungleich länger aufhalten werden als in unseren diversen physischen Leben, gibt es weder Claims noch Kämpfe um Besitz. Alle dort Verweilenden haben in etwa den gleichen spirituellen Erkenntnisstand, verfügen somit über einen Charakter, welcher die Benachteiligung eines anderen mit verwerflichen Methoden ohnehin nicht erlaubt.

Dieser Charakter ist es, welcher dem frei in alle Richtungen ausufernden Willen bändigt, ihn zügelt, ihm eine positive Richtung gibt. Wir halten am Besitz fest, weil er uns Freiheit gibt. Wir können unsere besten Eigenschaften eher ausleben und entwickeln, wenn wir nicht in einen nicht enden wollenden Überlebenskampf eingebunden sind. Schopenhauer hätte seine höchst bedeutsamen Werke niemals schreiben können und wohl auch viele wertvolle Erkenntnisse nicht erzielt, wenn er in einer Fabrik täglich - wie zu der Zeit üblich - zwölf Stunden gefangen gewesen wäre. Zudem nützt Besitz zur Absicherung der Familie und der Freunde, wenn diese einmal in Not geraten. Besitz sichert und beruhigt - nicht mehr und nicht weniger.

Ralph Waldo Emerson, der US-amerikanische Essayist und Philosoph, stellte zutreffend fest, dass die Natur niemals grausam ist. Alles Seiende ist an der Natur schöpferisch gestaltend beteiligt (vgl. Bd. 2). Nicht wenige Menschen ignorieren jedoch die Verantwortung, welche kollektive Abhängigkeiten von allem Seienden in sich bergen. Sie haben den Ausspruch 'pekunia non olet' [A.d.V.: Geld stinkt nicht] zu ihrem Lebensmotto gemacht - eine Scheinweisheit, welche dem selbstbezogenen Raffen den Anstrich einer philosophischen Absegnung geben soll. Jedoch ist nicht der aus dem Raffen entstehende Besitz nachteilig oder Besitz überhaupt, sondern die Art und Weise, wie er erlangt wird, wenn dies auf Kosten anderes Seienden geschieht.

Wenn also ganze Branchen von der untätigen Politik geschützt ihre Arbeitnehmer bis zum Letzten auspressen, ist dies Ausdruck extremer selbstbezogener Gier. Wenn Landwirte den Sonderabfall Gülle auf ihren Feldern entsorgen, schädigen sie unter dem schützenden Händchen der untätigen Politik das Grundwasser und damit die Natur. Von der Nutztierhaltung will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Mentale Verengungen finden sich immer dort, wo wirtschaftliche Vorteile vor die Werterfüllung (Sh. Erg.Bd.9) alles Seienden als Handlungsmotiv geschoben werden.

Solange sich Politik und Wirtschaft der Lüge, der Täuschung, der Erpressung und der Benachteiligung anderer bedienen, ist kein lenkender Charakter in Sicht, welcher der Organisation unserer Gesellschaft eine positive Richtung geben könnte.

Doch bedarf sowohl die individuelle wie auch die kollektive spirituelle Entwicklung in Richtung zunehmender Informiertheit der Freiheit, mit Ideen zu experimentieren [Lit 184]. Entwicklungen verlaufen niemals gradlinig, sondern nähern sich - Fehlentwicklungen korrigierend - einem als Ziel gefühlten Ideal nur an. Der Mensch unserer Epoche hat im Gegensatz zu anderen Gattungen eine wesentlich größere Freiheit, komplexe geistige Gesellschaftsentwürfe zu entwickeln. Er kann dann seine Ideen in die physische Realität projizieren.

Aus dieser Freiheit in Verbindung mit der Reflexionsfähigkeit ging das Gewissen hervor. Dieses basiert jedoch in der Regel weniger auf freier Abwägung als auf von Eltern, Gesellschaft, Kirche und anderen Gruppierungen aufoktroyierten Vorstellungen von künstlicher Schuld. So sind die dem Gewissen zugrunde liegenden Leitgedanken der verinnerlichten Glaubenssätze oft verzerrt und nicht gründlich durchdacht. Denn die einzig natürliche Verpflichtung eines jeden Individuums ist, sich keine natürliche Schuld durch Gewalttätigkeit gegen anderes Seiende aufzubürden (vgl. S. 62).

Nichtsdestotrotz ist die Übernahme kollektiver Glaubenssätze für den Erfolg jeder Gruppierung - vom Kaninchenzüchterverband bis hin zur gesamten Menschheit als kollektiver Planer ihres Weltschicksals - unabdingbar. Allerdings hat jedes Individuum die völlige Freiheit, sich einer Gruppierung mental anzuschließen oder nicht. Also das kollektiv angestrebte Weltschicksal zu akzeptieren oder nicht. Desgleichen verhält es sich mit den Zielen des Kaninchenzüchterverband und jedem anderen Streben.

Wir sind freiwillig in dieses physische Lebenssystem gegangen, um in jeder Lebensaufgabe, die sich uns stellt, zu bestehen; d.h. uns positiv in Richtung spiritueller Informiertheit zu entwickeln. Das Anhäufen metaphysischen Wissens über den Aufbau des Gesamt-Systems allein ist für die Erfüllung der Lebensaufgaben wenig hilfreich. Zwar erleichtert Wissen um diese Dinge das Anstreben eines optimalen Verhaltens und den Ausbau des Charakters, jedoch könnte ein ungezügelter Wille auch dieses für selbstsüchtige Ziele nutzen. Wissen hat also ohne dem Streben nach Wahrheit keinen Wert an sich. Es bedarf einer Geisteshaltung und eines Strebens, die Welt im persönlichen Umfeld der Primärerfahrung etwas besser hinterlassen zu wollen, als man sie vorgefunden hat. Hilfreich ist, sich für die hinter den äußeren Sinnen stehenden inneren Sinne zu öffnen und Impulsen nach verstandesmäßiger Abwägung gegebenenfalls zu folgen.

Die einzelnen Lebensaufgaben können banal erscheinen wie beispielsweise die liebevolle Pflege eines langsam sterbenden Angehörigen. Denn spirituelle Informiertheit ist unabhängig von den künstlichen, sich kontinuierlich wandelnden Wertmaßstäben einer Zivilisation. Wer also nur den Gott des wirtschaftlichen Erfolgs anbetet, hat spätestens nach dem Ende des Lebenszyklus ein Problem.

Ein großer Charakter dagegen bemüht sich in jeder noch so unbedeutend erscheinenden Aufgabe oder Alltagssituation, in welcher er ohne Selbstaufgabe Unterstützung zu leisten in der Lage ist. Das Leben sollte also so wertschätzend als möglich durchlebt werden. Dennoch ist eine mehr oder minder lange Leidenszeit zum Lebensende unvermeidlich, wenn die Lösung von Anhaftungen an das physische Lebenssystem schwerfällt. Auch hier sind wir gefordert, Besitz und Nahestehende sausen zu lassen und den Abgang zu akzeptieren. Leid, wenn es uns denn widerfährt, ist zu erdulden. Dann dürfen wir jedoch auf die Unterstützung anderer hoffen.

In der physischen Welt der Erscheinungen ist jedenfalls nach Ingrisch trotz aller Zwänge und teilweise unermesslichen Leids die persönliche Entwicklung leichter voranzubringen als in den Reflexionspausen zwischen Lebenszyklen. Die Charakterbildung profitiert von schwierigen Lebenssituationen und problematischen Ereignissen, weil ein schwacher Charakter in Grenzsituationen gefordert werden muss, an der Wertschätzung anderer, am Respekt vor allem Seienden und der Förderung ihrer Werterfüllung festzuhalten, selbst wenn die Umstände ungünstig sind. In diesem Sinne ist jedes Problem, das sich uns stellt, als Aufgabe oder Herausforderung zu sehen.

Doch fällt der Zugewinn spiritueller Informiertheit in einem durchschnittlichen Leben eher mau aus. Das ist auch ganz in Ordnung, stellen wir doch in der Lebensplanung nur eine unserer mentalen Baustellen gezielt in den Fokus und arbeiten daran. Wir können nicht alle unsere Irrtümer und Verzerrungen auf einmal beseitigen. Der Grad spiritueller Informiertheit mag also in einem Leben nahezu unverändert bleiben. Dennoch kann das persönliche Selbst bedeutende Fortschritte gemacht haben.

Hilfreich ist, alle Ratgeber und Bücher, welche unseren Erfolg in der physisch projizierten Welt verbessern wollen, einzutauschen gegen jene, welche unser Verständnis der inneren Welt vertiefen. Hierzu zählen auch die Philosophen Platon, Kant und Schopenhauer, über die man sich der Philosophie annähern kann. Man sollte sich nur hüten, Schopenhauers negative Weltsicht zu übernehmen.

Jedoch ist der Einstieg direkt über das schlüssigste mir bekannte Gesamtwerk - Roberts (Seth) Publikationen - einfacher. Nur fehlte dann der Rückhalt der alten Vordenker, die auch schon innere Mysterien wie Vorauswissen beschrieben, ohne in ihrer Zeit dafür getadelt zu werden. Heute hat jedoch die blinde Technik- und Wissenschaftsfixierung ihren Höhepunkt erreicht und ein Jeder, der wie Roberts ein völlig anderes Funktionieren der Welt beschreibt, würde von der empörten Masse vorschnell abgetan.

Auch sonstige neuere Publikationen zur Metaphysik enthalten neben mehr oder weniger vielen Verzerrungen auch Wahrheiten, weshalb sie dem kritischen Leser das Weltbild abzurunden helfen. Wer jedoch eine Abkürzung zur umfassenden spirituellen Informiertheit sucht, kommt nach meiner Einschätzung an Roberts nicht vorbei. Ihr Material ist mit über zwanzig Werken zwar sehr umfangreich, doch liefert fast jede ihrer Seiten tiefe Einsichten in die inneren Zusammenhänge der Welt. Im Literaturverzeichnis gebe ich eine Empfehlung für eine Lesereihenfolge.

Mit zunehmenden Studium guter philosophischer Literatur verändern sich nach und nach die in Glaubenssätzen verfestigten Sichtweisen und Wertmaßstäbe:

So lässt sich anhand des Verständnisses des Zusammenwirkens des persönlichen Selbst festmachen, inwieweit das Wachbewusstsein seine gesamte physische Projektion einschließlich seines Körpers zu beherrschen versteht. In Bezug auf den Körper ist damit nicht eine für Psyche und Physis1 schädliche sexuelle Abstinenz oder gar das vorsätzliche Hungern gemeint, sondern ein wohldosiertes Zuteilen von Einheiten der Sexualität und Nahrung. Der Körper einer jeden Bewusstseinsenergie-Schicht ist nur das Instrument zur Interpretation ihrer zugrunde liegenden Energien und zur Projizierung der persönlich gefärbten Vorstellungswelt auf Basis des vertrauten Symbolschatzes.

Dieser Körper passt sich also an die Energiemuster jeder Ebene und Energieschicht und deren besondere Eigenschaften an. Und darin wiederum individuell an jedes Realitätssystem. Es herrschen auch in jeder Sphäre (Sh. Ahg. 1) ganz unterschiedliche Bedingungen für die Interpretation der dieser zugrunde liegenden Energiemuster und damit für den Aufenthalt, zum kommunizieren, sich erkennen und bewegen. Wir sollten unsere jeweiligen Körper gut und überlegt führen, nicht jedoch verehren oder ablehnen. Letzteres zeigt sich, wenn ein physischer Körper durch 'Schönheitsoperationen' oder extremer Schminke, Haarteilen etc. verunstaltet wird. Wer seinen Körper ganz oder in Teilen ablehnt, lehnt sich selbst ab. Und zeigt damit ein fehlendes Einssein mit seinem inneren Selbst, das Geborgenheit und Zufriedenheit bietet.

Mit Ausnahme der Unfallchirurgie verbieten sich dem spirituell Informierten rein kosmetische, auf Eitelkeit beruhende Korrekturen des physischen Körpers von selbst. Er würde gar nicht auf die Idee kommen. Zum einen sind sie eine Gefahr für dessen langfristige Unversehrtheit, zum anderen Ausdruck der Eitelkeit und Anhaftung. Wären Platon, Kant und Schopenhauer weiblich gewesen, hätten sie sich jedenfalls auch in unserer Zeit nicht liften lassen.

Doch auch in den tieferen, himmlisch erscheinenden Energie-Schichten der geistigen Welt projizieren wir selbst das Wahrgenommene. Es sind angenehme Umgebungen, den vertrauten physischen nicht unähnlich, die jedoch in ihrer Begrenztheit an abgesteckte Claims erinnern können.

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