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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 6.7.10.: Die Kirche und Nächstenliebe (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz / Spirituelle Intelligenz (SI))

Was positives Handeln, Streben und Denken ausmacht, habe ich oben ausgeführt. Diese Werte sind unabhängig vom sich wandelnden Zeitgeist und den Moralvorstellungen einer Epoche. Deren oberflächliche Maßstäbe für 'gutes' und 'böses' Verhalten sind stets durch Glaubenssätze, Absichten, religiöse Prägungen, Demagogie und Medienmanipulation verzerrte Interpretationen dieser gefühlten inneren Werte.

Das betrifft auch die Bewertung und den Umgang mit sogenannten 'Geistesstörungen'. Man denke nur an die Entwicklung der Psychiatrie vom ersten Weltkrieg über deren Missbrauch zur Zeit des Nationalsozialismus bis zur zähen Rückkehr zu einem würde- und respektvolleren Umgang mit Betroffenen in der heutigen Zeit. Doch scheinen selbst siebzig Jahre Nachkriegszeit nicht auszureichen, um behinderte Beschäftige einer kirchlichen Betreuungseinrichtung nicht zu benachteiligen.

Ein mir bekannter kirchlicher Träger nutzt nach meiner subjektiven Einschätzung die Abhängigkeit der zu Fördernden für sich, indem er bei einem seltenen Wechsel des Behinderten vom Status eines Beschäftigten zum regulären Arbeitnehmer Zahlungen an die Rentenkasse wie auch Leistungen nach dem Tarifvertrag verweigert - und das trotz erheblicher staatlicher Lohnzuschüsse. Wer also als junger Beschäftigter den Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt wagt, endet trotz eines bis zur Rente kontinuierlich bestehenden Arbeitsverhältnisses in Altersarmut, ist zudem von Tarifvereinbarungen ausgeschlossen und unterliegt damit der Willkür des nicht immer seinen nächsten liebenden Arbeitgebers. Die Landespolitik trägt hieran einen Teil der Verantwortung, weil sie mit einem sehr gut gutgemeinten und durchaus nützlichen Förderungsprogramm nicht in jeder Hinsicht definierte Rahmenbedingungen schuf, welche den kirchlichen Einrichtungen erst die Ausnutzung der Lücken erlaubt.

Darüber hinaus werden in kirchlicher Obhut befindliche Beschäftigte nach meinem Eindruck nicht durchgängig wertschätzend betreut. Eine Einrichtung bezieht erhebliche finanzielle Mittel aus dem Steuertopf, lässt aber die Schützlinge durch unzureichende fachkundige Begleitung und Überlastung einer in Teilen unterbesetzten Belegschaft weitgehend psychisch allein. Die dortigen Arbeitsbedingungen sind möglicherweise schon für 'Gesunde' grenzwertig, für eine zugewandte Betreuung ist phasenweise keine Zeit. Dabei erwirtschaftet dieser Geschäftsbereich der Einrichtung durch gut nachgefragte Auftragsdienstleistungen gutes Geld.

Die Anforderungen an reguläre Mitarbeiter, um Behinderte betreuen zu können, sind nicht hoch. Eine erfolgreich abgeschlossene Schulung reicht, um ohne weitere pädagogische oder psychologische Vorkenntnisse die eigenständige Betreuung zu verantworten. Doch selbst, wenn mehr als bis bislang ein Mitarbeiter in einem Arbeitsbereich diese Befugnis hätte, würde sich die Betreuung nicht verbessern, solange Arbeitsüberlastung besteht. Dann fehlt Zeit, um auf die Beschäftigten einzugehen. So werden engagierte staatliche Bemühungen, Menschen mit Handicap wieder der Arbeitswelt zuzuführen, an dieser Schnittstelle behindert.

Man muss jedoch dieser kirchlichen Einrichtung zugute halten, dass sie ihre behinderten Beschäftigten deutlich besser bezahlt als vergleichbare Einrichtungen in anderen Bundesländern.

Doch nicht nur in kirchlichen Einrichtungen gibt es Probleme. Auch noch nicht gehandicapte Menschen auf regulären Arbeitsplätzen - ob in Versicherungen, Lagern oder Behörden - werden zunehmend unter Druck gesetzt. Mobbing entwickelt sich zu einer durch Unternehmensführungen initiierten Kultur des gemeinsamen Umgangs. Denn die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich dramatisch. Die relative Gelassenheit der ersten Nachkriegsjahrzehnte ging verloren mit den nachfolgenden Generationen, die den Krieg nicht einmal mehr vom Hörensagen kennen und daher nicht genug haben von Gehorsam, kalter Drangsalierung und Drill.

Hinzu kommt, dass mit der Wiedervereinigung Deutschlands der Westen seinen Antrieb verlor, dem Osten zu beweisen, dass die 'soziale Marktwirtschaft' das bessere System sei. Ab diesem Zeitpunkt ging es in allen Belangen der Arbeitnehmer bergab. Heute sind wir - nicht zuletzt durch die Globalisierung - im Wild-West-Kapitalismus angekommen. Der Finanzexperte Dirk Müller bezeichnet westliche Gesellschaftssysteme daher treffend als Kleptokratien - wenige Kapitalstarke machen die Gesetze und bedienen sich aus den Taschen des Volkes [Lit 224]. So diktieren private Unternehmen der Politik die Gesetze, die sie eigentlich regulieren sollen oder sonst wie betreffen. So sind westliche Demokratien schon lange in der Hand von Lobbyisten, welche es offensichtlich direkt auf die Regierungsbänke geschafft haben. Korrupte Politik-Eliten bereichern ihre kapitalstarke Klientel auf Kosten der Beherrschten.

So hat unsere Gesellschaft hinter ihrer glänzenden Fassade das Mittelalter noch immer nicht überwunden. Der Schwache oder Behinderte wird nur insoweit zähneknirschend unterstützt, wie es gerade nötig ist, um den Schein einer umfassenden Betreuung und Versorgung zu wahren.

Roberts (Seth) warnt übrigens davor, Menschen, die nicht ins übliche Schema der Gesellschaft passen, in derartige Schablonen zu pressen:

"Nun kommt es im Zusammenhang mit 'Geistesstörungen' vor allem darauf an, den Akzent auf die individuelle Unversehrtheit des Wesens zu legen und alle Definitionen zu meiden, mit denen normalerweise irgendwelche Symptomgruppen pauschal abgedeckt werden." [Lit 187]

Bloß weil jemand "Vernunft und Vorstellungskraft auf ungewöhnliche Weise kombiniert", ist er nicht 'zurückgeblieben'. Im einseitigen verblendeten Wertesystem unserer Gesellschaft mag es dem sogenannten 'Gesunden' so erscheinen, aber das spricht eher gegen dessen Wertesystem als gegen den Exzentriker, welcher Vernunft und Vorstellungskraft auf andere Weise nutzt als die Mehrheit der Zeitgenossen.

Der geniale Maler, Erfinder, Mechaniker, Ingenieur, Architekt, Bildhauer, Musiker, Philosoph und Naturwissenschaftler des 15. Jahrhunderts, Leonardo da Vinci, wäre heute vermutlich mit seinen Visionen von Flugzeugen und U-Booten pathologisiert1 worden. Roberts weiter:

"Es wäre wohl nicht ganz unzutreffend, wiewohl vielleicht etwas übertrieben, wenn man die Behauptung aufstellte, dass Menschen, die Atomwaffen horten, um den Frieden zu wahren, geisteskrank seien. In eurer Gesellschaft aber spielen sich solche Vorgänge erstaunlicherweise unter dem Banner der Humanität ab. Derartige Strategien gelten nicht als wahnsinnig, obwohl sie es im wahren Sinne des Wortes sind." [Lit 187]

So ist die Stigmatisierung von Menschen mit dem Begriff 'geisteskrank' nicht angemessen und schafft neue künstliche Polaritäten.

Ohnehin ist, wenn zwei dasselbe machen, es noch lange nicht dasselbe. Entscheidet sich beispielsweise ein ansonsten in seiner spirituellen Entwicklung ruhender Mensch für eine Religionslehre, und gibt er sich deren positiven Ansätzen hin, wird ihn das weiterbringen. Träfe diese Entscheidung dagegen ein in stetiger spiritueller Höherentwicklung befindliches, persönliches Selbst, würde es dieses behindern, weil jede Religion nur ein erstarrtes Korsett ist, die nur spirituell Schwachen hilft und diese stützt, spirituell Informierte jedoch einengt. Hier wird deutlich, dass es die eine gute oder schlechte Geisteshaltung an sich gar nicht gibt. Was den einen weiterbringt, kann den anderen bremsen.

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