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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 6.7.1.: Einleitung (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz / Spirituelle Intelligenz (SI))

Wir alle sind Menschen. Doch ein kleiner Anteil, etwa zwei Prozent, ist hochintelligent mit einem Intelligenzquotienten (IQ) über 130, ein ebenso kleiner Teil am anderen Ende der Skala hat einen IQ unter 70. Dazwischen finden wir jede nur denkbare Abstufung um den Mittelwert 100 herum.

Ähnlich verhält es sich mit der sprirituellen Intelligenz (SI). Ihr entspringt die Unterschiedlichkeit der Charaktere. Sie ist gänzlich unabhängig vom Grad der verstandesmäßigen Intelligenz des persönlichen Selbst. Und auch losgelöst von der Gesellschaftsform und dem technologischen Entwicklungsstand der Lebensumgebung.

Eine still beobachtende Fernsehreportage begleitete über einen Zeitraum von mehreren Jahren Mitglieder eines Hirtenvolks, des Nomaden-Stammes der Himba in Namibia [Lit 127]. Diese Menschen werden in der Überheblichkeit westlicher Gesellschaften wohl eher als 'nicht zivilisiert' angesehen. Die Beobachtungen und Aussagen der Protagonisten zeigen, dass der Entwicklungsstand einer Zivilisation keinerlei Einfluss hat auf den Grad emotionaler Intelligenz, auf das Denken und die Besorgnisse der Menschen - sie sind von den Unseren nicht zu unterscheiden.

Eine hohe emotionale Intelligenz geht mit einem Mitgefühl - nicht Mitleid - für alle Lebewesen im Sinne der buddhistischen Definition einher, auf dass ein jedes frei von Leid und dessen Ursachen sein möge. Die spirituell Hochstehendsten haben darüber hinaus den Wunsch verinnerlicht, dass alles Seiende frei von Leid und dessen Ursachen sein möge - auch pflanzliches Leben und die nur scheinbar unbelebte Natur. Sie fördern in ihrem direkten Umfeld, also in ihrem primären Erfahrungsbereich, wo immer möglich, die Werterfüllung (Sh. Erg.Bd.9) anderer und ebenso die eigene. Mitgefühl ist ein liebevoll achtsames mentales Begleiten.

Eine hohe spirituelle Informiertheit ist gekennzeichnet durch Sensibilität und Offenheit, eine geringe dementsprechend durch Stumpfheit und Selbstbezogenheit des Geistes. Einfühlungsvermögen resultiert aus dem inneren Sinn der Berührtheit (vgl. Bd.2). Er empfängt die Signale des sonst noch Seienden - dessen Bedürfnisse, Nöte und Empfindungen wie auch dessen Wohlsein und Freude. Je sensibler einer ist, desto besser ist sein Zugriff auf seine inneren Sinne, welche die Information transportieren, und desto weniger Reize bedarf er, um Mitgefühl (Fn. S. 25) zu empfinden und sich in andere hineinzufühlen. Letzteres hat Schopenhauer in seinen Schriften nachgewiesen. C.G. Jung stellt ergänzend fest:

"Das Individuum ist aber in der Regel dermaßen unbewusst, dass es seine eigenen [A.d.V.: weitreichenden inneren] Entscheidungsmöglichkeiten überhaupt nicht kennt und aus diesem Grunde sich immer wieder ängstlich nach äußeren Regeln und Gesetzen umsieht, an die es sich in seiner Ratlosigkeit halten könnte." [Lit 136]

Hieraus entsteht ein Dilemma. Dieses Streben des durchschnittlichen Individuums nach einem 'führenden äußeren Rahmen' ist getrieben durch das Streben nach äußerer Anerkennung. Der Rapper Xatar bringt es nach vielen Jahren Gefängnis und einem vorübergehenden Leben auf der Straße auf den Punkt:

"Am Ende geht es allen um soziale Anerkennung." [Lit 201]

In diesem Streben unterscheidet sich der Banker nicht vom Kleinkriminellen, der Staatsmann nicht vom Almosenempfänger.

Doch wie kommt es zu dieser Fixierung auf die Gesellschaft? Schulanfänger sind Untersuchungen zufolge in der Regel durchweg kreativ, hoch motiviert, neugierig und wissbegierig. Und damit offen für innere wie äußere Einflüsse. Dann schaffen es in einer schon als besonders anzusehenden Leistung viele Grundschullehrer, diesen hochmotivierten, schöpferisch sprühenden Nachwuchs zeitnah zu demotivieren, ihnen die Freude am Lernen auszutreiben und gegebenenfalls auch noch eigenes Versagen auf die jungen Anvertrauten zu projizieren. Einstein schrieb hierzu:

"Die meisten Lehrer verschwenden ihre Zeit damit, Fragen zu stellen, die herausfinden sollen, was ein Schüler nicht weiß, während die wahre Kunst des Fragens darin besteht, herauszufinden, was der Schüler weiß oder zu wissen vermag." [Lit 226]

Bleibt die fördernde wohlwollende Anerkennung des Schülers, welcher nach seinen Möglichkeiten versucht, ein Schulsystem zu meistern, längere Zeit aus, holt er sich Anerkennung in anderen Bereichen. Dies ist seltener der Sport oder die Teilnahme am Wettbewerb 'Jugend forscht', sondern eher der Weg des geringeren Widerstandes in Gruppierungen Jugendlicher am sozialen Abgrund der Gesellschaft.

Ob jemand dort hineinrutscht sagt zunächst weniger über seine emotionale Intelligenz und damit seine Sensibilität oder Stumpfheit aus als über seine Verbitterung über das Abgestempeltsein, noch bevor sein Leben richtig begonnen hat. Kurzum: Ohne Anerkennung und Unterstützung ziehen wir alle uns emotional zurück - auch noch im hohen Alter. Das ist Selbstschutz. Viele kennen das Gefühl einer inneren Kündigung aus dem Berufsalltag.

Wer nun stumpf im Geiste ist, bedarf immens höherer Reize als der Sensible am anderen Ende der Skala, um emotional das Gleiche zu empfinden. Der Abgestumpfte sucht folglich eher Risiko und Nervenkitzel in sportlichen Aktivitäten oder sexuelle Extremerfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen oder die Darstellung unermesslicher Grausamkeit in Filmen, welche der alltäglichen Ablenkung dienen. Da Einfühlen und Respekt für andere nur gering ausgebildet ist, finden sich hier im Extrem auch Menschen, die aus Neugier töten oder mit freudiger Erwartung in einen Krieg ziehen und auch sonst eher sich selbst im Fokus haben. Einstein schrieb:

"Ich glaube, die wichtigste Aufgabe des Staates ist, den Einzelnen zu schützen und es ihm zu ermöglichen, sich in eine kreative Persönlichkeit zu entwickeln. Der Staat verstößt gegen dieses Prinzip, wenn er uns zum Militärdienst zwingt." [Lit 226]

Roberts (Seth) erklärt das grundsätzliche Interesse der Menschen an Theaterstücken und Filmhandlungen so:

"Es zieht sie zu hochdramatischen Kino- oder Fernsehspielen voller Leid und Tragödien. Der Grund dafür ist, dass ihr eurer großen Neugier auf menschliche Erfahrung euer Leben verdankt. Ihr lebt, weil ihr am menschlichen Drama teilnehmen wollt." [Lit 187]

Nur wird diese Neugier mit zunehmender spiritueller Informiertheit nachlassen, bis sie einer stoischen, Konflikte vermeidenden Grundhaltung gewichen ist. Der Respekt gegenüber andere wächst mit dem Umfang der Lebenserfahrungen, in denen irgendwann jede Position einmal durchlebt wurde.

Dem Sensiblen am anderen Ende der Skala der spirituellen Intelligenz (SI) belastet jedes Risiko und jeder Nervenkitzel - sei er auch noch so klein. Schon eine leidlich spannende Stelle im Film lässt solche Kinder zusammenzucken oder sich verstecken. Diese Menschen ziehen sportliche Betätigungen ohne Risiko der Verletzung und ohne jeden Wettkampfcharakter vor. Ihnen genügen angedachte Extremerfahrungen, um den Geist anzuregen.

Sie verfügen über einen ausgeprägten Schutzinstinkt für alles Seiende. So ziehen sie diejenigen Filme vor, welche frei von Nötigungen und Gewaltdarstellungen sind. Diese dienen den Sensiblen nicht zur Anregung, denn das alltägliche Leben ist ihnen Aufregung genug. Sie schauen Theaterstücke und Filme zur Katharsis, also zum Verarbeiten eigener Konflikte mit dem Mittel des Miterlebens und Durchlebens ähnlicher Konflikte anderer in einem Schauspiel.

Soviel zur Einleitung in die nachfolgenden Ausführungen zum Begriff der spirituellen Intelligenz. Wir werden sehen, woran diese noch festzumachen ist.

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