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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 5.2.: Verantwortung gegenüber allem Seienden & Wille des Menschen (Tier- & Insektenwelt - Menschliches Bewusstsein und andere Lebensformen)

Alles Seiende - vom Menschen bis zum Sandkorn - ist nach Ingrisch "mehr oder weniger eingeschränktes, kastriertes Sein", ist durch den Fokus auf ein physisches Realitätssystem mehr oder weniger in seinen Möglichkeiten, in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Jede Lebensform sei daher ein sich mehr oder weniger "verfestigender Widerstand gegen die Unendlichkeit, die grenzenlose Einheit des Seins"[Lit 133].

Roberts (Seth) sieht das Begrenzende im gewissermaßen geteiltem Willen alles Seienden. Zwar verfüge im Lebenszyklus jeder Mensch über Willensfreiheit, jedoch begrenzt durch den übergeordneten Willen seiner Wesenheit. Sie ist in der Auswahl der jeweiligen Lebensbedingungen und Eigenschaften des persönlichen Selbst führend - das Individuum kann jedoch seine Vorstellungen einbringen. Würde es jedoch ausschließlich angenehmste Lebenszyklen in Saus und Braus avisieren, wären daraus resultierende spirituelle Erkenntnisse eher unwahrscheinlich und dessen Wesenheit würde es überstimmen. Sie schreibt:

"Viele Beschränkungen werden einer Persönlichkeit aus karmischen Gründen von ihrer Wesenheit auferlegt. Ich möchte klar aufzeigen, dass der freie Wille existiert, aber dass er aufgrund des Gebrauchs eines weiter reichenden freien Willens auf Seiten der Wesenheit begrenzt ist." [Lit 210]

So beobachtet auch der Geist der Wesenheit die Entscheidungen der äußeren Identität und sorgt gelegentlich dafür, dass nicht alle seine emotionalen Bestrebungen physisch projiziert werden. Er schützt primär das spirituell uninformierte, persönliche Selbst vor sich selbst.

Alles Seiende - Atome, Moleküle, physische Objekte, Körperzellen bis hin zu den Teil-Bewusstseinen der persönlichen Selbsts aller Gattungen - ist sich seiner selbst bewusst, empfindet sich als Individuum, empfindet Schönheit und folgt seinem Streben. Unterschiede bestehen nur in der Menge der verarbeitbaren Informationen sowie in der Erinnerungs- und Reflexionsfähigkeit. Jedes Bewusstsein ist ansonsten gleich leistungsfähig.

Der Mensch vermag dies trotz aller offensichtlichen Hinweise in Wissenschaft und persönlicher Erfahrung immer noch erfolgreich zu verdrängen. Andernfalls könnte er den heute üblichen, unsäglich qualvollen Umgang mit Nutztieren nicht ertragen. Die körperlichen Unterschiede zwischen den Gattungen sind dagegen für ihn deutlich sichtbar:

So kann man zusammenfassen, dass zahlreiche Tiere dem Menschen in wichtigen Merkmalen ebenbürtig oder überlegen sind. Hierzu zählen die Gedächtnisleistungen, der Kontakt zum inneren Selbst über die inneren Sinne, die Sensibilität und Emotionalität. Dennoch sind Tiere trotz ihrer weitreichenden Fähigkeiten zu Analyse und Koordination körperlich und mangels Begriffe nicht in der Lage, über ihre Kenntnisse zu reden oder ein Buch zu verfassen - obwohl ihre Denkfähigkeit es zuließe. Diese Einschränkungen nutzen verengte Menschen aus, um Tieren, Insekten und der scheinbar unbelebten Natur unisono ein gleichwertiges Bewusstsein abzusprechen.

Derartige Vorurteile sind also mentale Verengungen, welche Ausdruck eines Informationsmangels sind und die spirituelle Höherentwicklung behindern. Denn es ist einer der Grundpfeiler spiritueller Informiertheit, sich in allem Seienden zu erkennen, deren Werterfüllung (Sh. Erg.Bd.9) zu fördern oder wenigstens für dessen Wohl und Wehe im Rahmen der Möglichkeiten so zu sorgen, als wäre es das eigene. Das schließt ein, dass anderes Leben nur dann getötet wird, wenn es für das eigene Überleben keine andere Möglichkeit gibt und dieses andernfalls gefährdet wäre.

Unter dieser Prämisse erscheint selbst die Schädlingsbekämpfung in einem anderen Licht, muss überdacht werden. Denn die sogenannten 'Schädlinge' sind nur einen wirtschaftlichen Ertrag reduzierende oder auf andere Weise störende Lebewesen. Es sind persönliche Selbsts mit Streben nach Kooperation und Werterfüllung. Der Mensch reduziert sie mit dieser willkürlichen Bezeichnung auf den wirtschaftlichen Aspekt einer irgendwie gearteten Ertragsminderung. Ebenso verhält es sich mit dem sogenannten 'Unkraut', aber auch mit Bakterien und Viren.

Viren sind zunächst einmal für das Leben auf diesem Planeten notwendige Lebensformen und existieren in der Regel in einer harmonischen Beziehung zu ihren Wirten. Erst wenn der Wirt seine Viren nicht mehr liebevoll fürsorglich mit Energie versorgt und damit die Kooperation stört, wenden sie sich gegen ihn. Dies kann geschehen, wenn er aufgepeitscht durch die Medien sich vor ihnen fürchtet oder durch quälende Lebensumstände im seelischen Ungleichgewicht ist.

So ist auch ein sanftes Töten als ultima ratio, als letztes Mittel, nicht legitim, wenn von einem Lebewesen Gesundheitsgefahren ausgehen. Derartige Probleme muss der Mensch auf andere Weise lösen, wobei wirtschaftliche Überlegungen keine Rolle spielen dürfen.

Der respektvolle Umgang mit der Natur und allen ihren Lebensformen basiert auf der Einsicht, dass alles Seiende in einer großen, sich gegenseitig fördernden Kooperation nach Werterfüllung strebt. Ohne diese umfassende Kooperation ist Leben auf diesem Planeten nicht möglich. Der Mensch schafft sich ab, wenn er sich ihr verweigert.

Nur der Mensch ist weitgehend unabhängig von Instinkten und verfügt über eine maximale geistige Freiheit in seinem Streben und Handeln. Das beinhaltet jedoch eine maximale Verantwortung für sein Streben und Handeln. Er wird ihr derzeit nicht gerecht. Ein Seelöwe, welcher sich mit seinem Maul junge Robben und Pinguine schnappt und sie gegen Eisschollen oder die Wasseroberfläche schleudert, bis sie tot sind, kann nicht anders als so agieren, weil ihm aufgrund körperlicher Gegebenheiten die Möglichkeiten fehlen, seine Beute auf eine schneller wirkende Art zu töten. Die Natur hilft ihren Arten, indem beispielsweise das Bewusstsein einer Maus deren Körper verlässt, bevor die Katze mit ihr herumzuspielen beginnt, um sie dann am Ende zu zerteilen oder zu fressen. Wenn dann Pflanzen oder Tiere verspeist werden, geht nach Roberts ein Teil des Bewusstseins des Verspeisten in den Verspeisenden über. Dies sei ein grundsätzlicher Mechanismus und bei allen Gattungen der Fall. [Lit 183]

Wir sehen, dass nach der in dieser Abhandlung geführten Abwägung die Wahrscheinlichkeit groß ist, das der Mensch aufgrund seiner geistigen Unabhängigkeit eine besondere Verantwortung für alles Seiende trägt. Ein spirituell gut informiertes Kind, das noch nicht überwundene Hemmungen davor hat, Kleinstlebewesen zu zertreten oder gar spielerisch zu töten, handelt demnach ebenso richtig wie ein Erwachsener, der noch nicht überwundene Hemmungen davor hat, einen Menschen zu töten oder die Natur zu schädigen.

Dieser Respekt vor der Natur, vor Tieren und auch vor Kleinstlebewesen ist ein Merkmal des jeweiligen, nahezu unveränderlichen Charakters. Der Charakter ist Ausdruck spiritueller Informiertheit. Schopenhauer zeigte uns, dass es dieser Respekt vor anderen Lebensformen ist, an dem man einen guten Charakter erkennt und was diesen ausmacht, denn ein solcher mache weniger als die Übrigen einen Unterschied zwischen sich und den anderen. Grundlage für diesen guten Charakter ist die Kontrolle des Willens durch den Verstand.

Dem Menschen in seiner heute verbreitet, geringen, spirituellen Informiertheit ist zu eigen, dass er die Werterfüllung anderer Arten erst dann zu fördern beginnt, wenn diese für ihn erkennbar aussterben. Dabei übersieht er zwangsläufig all das aussterbende Leben, dass seiner begrenzten Aufmerksamkeit entgeht. Er hat beispielsweise keinen Überblick über Insektenpopulationen oder über die Auswirkungen von Mikroplastik in den Weltmeeren auf das dortige Leben.

Aber was kann man tun? Jeder trägt nur Verantwortung für den Wirkungsbereich seiner Handlungen und Entscheidungen. Man steht zunächst in seinem primären, über körperliche Sinne erfahrbaren Lebensumfeld in der Verantwortung. Und dieses ist überschaubar. Wenn man beispielsweise in seinem Haus die Lebensbedingungen für dort nicht erwünschtes Leben verschlechtert, könnte man dies im Garten ausgleichen und dortige Bedingungen optimieren. Zum Beispiel Steine für Kellerasseln auslegen und eine blühende Vegetation für Insekten schaffen und ähnliches. Hat man die Problematik des Fleischkonsums auf das Weltklima oder der verbreitet unsäglichen Tierhaltung erkannt, muss man diesen Konsum einstellen - wie schön Grillabende auch sein mögen. Und so weiter und so fort.

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