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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 10.7.: Die Familienpsyche (Glück, Liebe, Freundschaft und so weiter)

In diesem Kapitel beziehe ich mich im Wesentlichen auf Roberts (Seth) und Ingrisch. Roberts legt allerdings präziser als Ingrisch dar, auf welche Weise sämtliche Gruppierungen dieser Welt - ob groß oder klein, ob Kegelclub, Kaninchenzüchterverband oder die westliche Allianz - untereinander verbunden sind. [Lit 188]

So gibt es Gruppenpsychen, welche die Bewohner von Staaten, Regionen, Städten, Stadtteilen, Bekannten, Freunden und Familien umfassen. Jede Gruppe oder Konglomerat, wie Ingrisch sie nennt, arbeitet kollektiv an ähnlichen Herausforderungen. Das ist der Grund, warum jemand in genau diese Region hineingeboren oder mit entsprechenden anderen Menschen im Verein zusammen ist. Gemeinsam werden in den Reflexionspausen des Schlafs künftige Entwicklungen und Ereignisse ausgewählt, welche sich dann mit zeitlichem Verzug in der physischen Realität manifestieren (vgl. Band zero)[Lit 188]

Ich gehe über Roberts Annahme hinaus und nehme an, dass diese Abstimmungen unablässig stattfinden - also auch im Wachzustand der beteiligten Individuen. Denn das nach innen gerichtete Selbst schläft oder ruht nie, ist unablässig aktiv. So kennen auch unsere Träume, die nur vom äußeren Wachbewusstsein im Schlaf aufgeschnappte Aktivitäten des inneren Selbst sind, keine Unterbrechungen durch das Erwachen des nach außen gerichteten Wachbewusstseins. Es klinkt sich lediglich aus. Roberts bestätigt Letzteres:

"Diese Traumwelt hat ihre eigene Realität, ihre eigene [A.d.V.: psychologische] Zeit, die sich von eurem Zeitkonzept unterscheidet, und sie hat ihre eigene innere Organisation [...] Trotzdem erfährt auch diese Traumwelt Kontinuität. Sie ist sich keines Unterbruches bewusst, während ihr zum Beispiel schlaft. Sie weiß nicht, ob ihr schlaft oder wach seid. Sie existiert [A.d.V.: in der Wahrnehmung des nach außen gerichteten Wachbewusstseins] nur in einem sehr intensiven Zustand, während ihr schlaft, und sie schläft nicht, wenn ihr wach seid." [Lit 210]

Das nach außen gerichtete Wachbewusstsein klinkt sich nach jedem Einschlafen in die Wahrnehmung des nach inneren gerichteten Wachbewusstseins eher passiv agierend ein, wodurch für dieses Ausschnitte der Traumwelt erinnerlich werden.

Zwischen allen beispielhaft genannten psychischen Gruppierungen und auch innerhalb derselben gibt es Rollenverteilungen. Es gibt Persönlichkeiten, die zwischen oder in Gruppen führen respektive dominieren und solche, die andere Funktionen übernehmen. Jeder kennt eine Gruppe im Bekanntenkreis, die im Grunde nur von der Rührigkeit eines Teilnehmers zusammengehalten wird. Der Dominierende suchte sich diese Rolle aus und die anderen Teilnehmer übernehmen diejenigen Emotionen und Verhaltensweisen, die vom dominierenden Teil unterdrückt werden. Das gleiche gilt nach Roberts für Nationen und allen Ethnien - wie auch für den Konflikt zwischen Schwarz und Weiß.

Wenn der dominierende Teil der kollektiven Psyche einer Gesellschaft - wie es derzeit in Deutschland der Fall ist - radikal auf eine einengende 'Political Correctness' besteht, wird der passive Teil aufbegehren und diese verletzen. Ebenso: Wenn ein Kind extrem brav, folgsam und zielstrebig in seinen Ambitionen ist, aber von seinen Eltern zusätzlich gedrängt und eingeengt wird, wird entweder

Darum sind Geschwisterkinder oft so verschieden, ist das eine in der Gesellschaft erfolgreich und der andere löst die Probleme der Familienpsyche oder ist ein Abenteurer oder sonst wie 'aus der Art geschlagen'. Tatsächlich ist dieses Konstrukt noch komplexer, weil auch in den Eltern unterdrückte Anteile von Kindern übernommen und ausgelebt werden.

So kann es sich das persönliche Selbst eines Kindes zur Aufgabe gemacht haben, die Lösung der psychischen Konflikte der Familienmitglieder auf sich zu nehmen, um die Nahestehenden davon freizuhalten. Hierzu zählen alle mentalen Konflikte, sowohl aktuelle wie auch ungelöste aus früheren Lebenszyklen. Täte es das nicht, wäre jedes andere Familienmitglied deutlich stärker mit psychischen Herausforderungen belastet. Oder ein Familienmitglied lebt Spontanität, Lebensfreude oder Abenteurertum aus, das den anderen scheinbar abgeht, weil sie diese Anteile in sich zur Erreichung ihrer Ziele unterdrücken.

Diese Rollenverteilung kann schon vor dem Beginn einer weiteren Runde in physischen Leben untereinander ausgehandelt worden sein. Dabei gibt es keinerlei Zwang - jeder ist frei, die Rolle zu spielen, die er möchte oder für nützlich hält. Hinein spielt sicher auch, welche Rollen bereits in anderen Lebenszyklen gespielt wurden, um die Erfahrung durch andersartige Positionen zu bereichern.

Auch in den Familien, wo alle Angehörigen erfolgreich in der Spur zu laufen scheinen, sollte man ohne Erwartungsdruck miteinander umgehen, jedem erlauben, sich zu gebärden, wie er mag. Damit das psychisch schwächste Glied nicht irgendwann radikal sein Leben ändert oder - um den unterdrückten Energien Ausdruck zu verschaffen - psychisch oder körperlich krank wird.

Vielleicht ist diese Familienpsyche wirklich frei von jedweden Konflikten. Das weiß man aber nicht. Das könnte der Fall sein, wenn in keinem der Familienmitglieder Ängste vorherrschen: Angst vor Verlust des gesellschaftlichen Ansehens; Angst davor, was andere Menschen sagen, wenn man sich anders verhält als allgemein erwartet wird; Angst vor dem Ausdruck von Spontanität und Lebensfreude durch unterdrückende Glaubenssätze; Angst vor der Zukunft und verbunden damit die Wahl eines zwar einengenden, aber vermeintlich zukunftssicheren Berufs und so weiter. Kinder nicht in eine Spur zu drängen, sie sich frei entfalten zu lassen und in ihren Neigungen zu unterstützen ist also der beste Weg, unterdrückte Energien gar nicht erst entstehen zu lassen.

Verdrängte Energien können sich irgendwann auf sehr verschiedene Weise Ausdruck verschaffen: Grob unterschieden durch körperliche oder psychische Auffälligkeiten. Sie äußern sich dann möglicherweise in einer Depression oder körperlich durch Bewegungseinschränkungen, Muskel-Verspannungen, kardiologische Probleme oder andere Krankheiten.

Der Glaube an hoffnungslose Situationen, an Sinnlosigkeit sowie Widerstand gegen Zustände in der Gesellschaft führt nach Roberts vorzugsweise in eine körperliche oder geistige Bewegungsunfähigkeit. Letztere könnte sich als Depression oder Sozialangst zeigen, der körperliche Ausdruck könnte eine zunehmende physische Bewegungsunfähigkeit sein. [Lit 188] Ist das psychische Kollektiv einer Familie also nicht Willens oder in der Lage, ihre inneren Probleme zu lösen, kann jeder entweder seinen Anteil der Probleme selbst tragen oder diese in Abstimmung auf ein Familienmitglied, das sich freiwillig dazu bereit erklärt, übertragen. [Lit 188]

Hat beispielsweise ein Elternteil Angst vor der Außenwelt, ist dies zunächst dem Kind, das seiner Wesenheit zugehörig ist, schon als Erstausstattung in dessen Glaubenssätzen mitgegeben (vgl. Bd. 5). Die Kinder können sich in der Pubertät, in der viele dieser 'ererbten' Glaubenssätze hinterfragt werden, von ihnen lösen oder sie beibehalten. Nehmen wir an, es ist ein liebevoller Familienverbund. Und nehmen wir weiter an, der Erstgeborene sucht seinen Weg in umfassender Distanzierung von diesen Glaubenssätzen. Dann wird der Zweitgeborene dazu neigen, einen Gegenpol einzunehmen, schon um nicht den Lebensentwurf seines Geschwisterkindes zu kopieren. Und behält infolge mehr der elterlichen Glaubenssätze bei. [Lit 188]

Sind deren Glaubenssätze offen der Außenwelt zugewandt und damit der Entwicklung förderlich, kann es einem kreativ nicht eingeengten Geschwisterkind zum Guten gereichen. Sind sie jedoch wie in diesem Beispiel ängstlich verschließend, wird sich der Zweitgeborene wie sein Elternteil aus der annehmlich bedrohlichen Welt zurückziehen. Und sich möglicherweise zusätzlich dafür entscheiden, innerhalb dieser Familienpsyche auch noch die Eltern zu entlasten. Er könnte also neben den eigenen auch noch die Ängste der Familie akzeptieren, diese in sich ausleben und fortan allein an der Lösung der Familienprobleme arbeiten.

Gelingt es ihm, diese erfolgreich aufzulösen, ist die ganze Familie befreit und muss in möglicherweise nachfolgenden Lebenszyklen diese Thematik nicht noch einmal kollektiv angehen. Sie sind dann frei, andere bislang ungelöste Herausforderungen anzugehen. Gelingt dies nicht, wird diese Problematik in einem der künftigen Lebenszyklen nochmals thematisiert - in der Regel wieder in dem Gruppenverbund, dann aber in vertauschten Rollen.

Wer diese Zusammenhänge erkennt und Übertragungen von psychischen Problemen auf Nachkommen vermeiden will, fängt am besten bei sich selbst an, mit seinen psychischen Altlasten aus früheren Lebenszyklen sowie aktuellen Ängsten und Neurosen aufzuräumen. Früher oder später müssen Probleme der Psyche ohnehin angegangen werden. Nicht gelöste, weil unterdrückte oder ignorierte Probleme sind nur oberflächlich 'nicht da' - ihre Energien wirken unter der Oberfläche in der Psyche weiter, beeinträchtigen die Kreativität und Schöpferkraft des Betreffenden und gewinnen durch ihre Unterdrückung an Stärke. Die Energie, die es kostet, sie zu unterdrücken, fließt ihnen also zu und fehlt der schöpferischen Realitätsgestaltung. Geht man Probleme nicht an, baut sich, wie Roberts sagt, ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit auf. [Lit 188]

Und das mündet, wenn es sich verfestigt hat, in Depressionen. So eine kollektive Erblast kann über Generationen weitergereicht werden, wenn sie nicht an irgendeinem Punkt erkannt und aufgelöst wird. Das gilt für Familien ebenso wie für den oben genannten Konflikt zwischen Schwarz und Weiß, aber auch für den zwischen Arm und Reich und so weiter. Alle Gegensätze aus Polarisierungen müssen irgendwann aufgelöst werden.

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