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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN

Band 4: Intuition, Träume und außerkörperliche Erfahrungen


Das hier zum Lesen freigegebene Buch erscheint Februar 2019 gebunden und als Ebook

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Kapitel 2.1.: Diskursive schlussfolgernde Erkenntnis versus Intuition (Der inneren Wahrnehmung öffnen)

Um über alle Sympathie oder gar magische Wirkung vorweg zu lächeln, muss man die Welt gar sehr, ja ganz und gar begreiflich finden. Das kann man aber nur, wenn man mit überaus flachem Blick in sie hineinschaut, der keine Ahnung davon zulässt, dass wir in ein Meer von Rätseln und Unbegreiflichkeiten versenkt sind und unmittelbar weder die Dinge noch uns selbst von Grund aus kennen und verstehen. Die dieser Gesinnung entgegengesetzte ist es eben, welche macht, dass fast alle große[n] Männer unabhängig von Zeit und Nation einen gewissen Anstrich von Aberglauben verraten haben. Wenn unsere natürliche Erkenntnisweise eine solche wäre, welche uns die Dinge an sich und folglich auch die absolut wahren Verhältnisse und Beziehungen der Dinge unmittelbar überlieferte; dann wären wir allerdings berechtigt, alles Vorherwissen des Künftigen, alle Erscheinungen Abwesender oder Sterbender oder gar Gestorbener und alle magische Einwirkung a priori und folglich unbedingt zu verwerfen. Wenn aber, wie Kant lehrt, was wir erkennen, bloße Erscheinungen sind, deren Formen und Gesetze sich nicht auf die Dinge an sich selbst erstrecken; so ist eine solche Verwerfung offenbar voreilig, da sie sich auf Gesetze stützt, deren Apriorität sie gerade auf Erscheinungen beschränkt, hingegen die Dinge an sich, zu denen auch unser eigenes inneres Selbst gehören muss, von ihnen unberührt lässt.

Arthur Schopenhauer


Um die über unser Universum hinausgehende Gesamt-Welt wenigstens ansatzweise beschreiben zu können, müssen wir auch die Vorgänge beobachten, die sich beim Sterben (vgl. Bd. 3), im Schlaf und in der intuitiven Versunkenheit von Wachträumen abspielen. Schon Platon nahm an, dass das Existieren - Leben im weiteren Sinne - die wesentliche Eigenschaft der Seele ist wie die Wärme diejenige des Feuers. Und wie das Feuer niemals die Eigenschaft der Kälte besitzen kann, so könne die Seele niemals die Eigenschaft des Todes an sich haben. Wir sind mehr, als unser Wachbewusstsein wahrnehmen kann.

Duns Scotus, ein schottischer Philosoph, bestand darauf, dass wahres Wissen nur über göttliche Erleuchtung erlangt werden kann - also auf intuitivem Wege. Doch erst göttliche Erleuchtung verbunden mit philosophischer Erkenntnis vermitteln nach seiner Ansicht dem Fragenden ein vollständiges und vollkommenes Verständnis dieser Welt [Lit 75].

Die Intuition ist somit nur als eine von zwei Arten der Erkenntnisfindung zu verstehen. Konträr zu ihr steht das diskursive schlussfolgernde Denken unseres Verstandes, das von einem Begriff zum anderen kausal verbunden - im Sinne von Ursache und Wirkung - fortschreitet, bis es zu einer in Synthese und Analyse fehlerbehafteten und folglich stets teilweisen Erkenntnis gelangt. Dieses Denken ist laut Schopenhauer nur - ich zitiere - "die zweite Potenz des Erkennens, deren Ausübung stets einige, oft bedeutende Anstrengungen erfordert und deren Begriffe es sind, welche sich so oft der Befriedigung unserer unmittelbaren Wünsche entgegenstellen, indem sie das Medium der Vergangenheit, der Zukunft und des Ernstes, das Vehikel unserer Befürchtungen, unserer Reue und aller unserer Sorgen abgeben". [Lit 20]

Diskursives Denken orientiert sich ausschließlich an Begriffen und negiert Eingebungen; intuitive Erkenntnis dagegen ist losgelöst von allen Begriffen. Schopenhauer bezeichnet Gedanken als Begriffe, welche bloße Abstraktionen aus dem anschaulich Erkannten sind [Lit 104]. Sulzer bemerkte im Jahr 1771, dass sich Gedanken selbst unter größter Aufmerksamkeit nicht entwickeln und klar fassen lassen, dass sie sich jedoch unbemerkt weiterentwickeln, bis sich uns ein gewünschtes Ergebnis nach geduldigen Warten als intuitive Erleuchtung präsentiert.

Dies könnte bedeuten, dass Menschen, die aufgrund mangelnder Entscheidungsfähigkeit trotz aller diskursiven Überlegungen nicht handeln, unbewusst richtig liegen, da die Einstufung 'entscheidungsschwach' eine subjektive Wertung ist, die den Prozess des geduldigen abwartenden Reifens, dem Entwickeln einer klaren Erkenntnis in großer Deutlichkeit nicht Rechnung trägt. Denn nur wenn wir nicht denken, öffnet sich das Tor zur Intuition.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Erkenntnisfindung oft mehr als eine Person einbindet. In einem typischen Beispiel erzählt der Kunstwissenschaftler Worringer, wie es zu Anfang des letzten Jahrhunderts zur Veröffentlichung seines ersten Buches kam. Ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen gab es hier einen Kreis von Beteiligten, die eine Idee, ohne sich dessen bewusst zu sein, vorbereiteten, vertraten und forttrugen und so schließlich an das Licht der Öffentlichkeit brachten.

Worringer hörte beeinflussende Vorlesungen beim Berliner Philosophen Georg Simmel über das Thema des erkennenden Moments. Er erkannte intuitiv sein Dissertations- und damit das Buchthema bei einer unerwarteten Wahrnehmung Simmels in der Öffentlichkeit. Simmel schrieb später in Unkenntnis der Entstehungsgeschichte des Buches einen Anerkennungsbrief über dessen Veröffentlichung an Worringer. Worringers Hauptthese war, dass jede freiwillige offene aktive Art der Wahrnehmung, des Einfühlens und Vorstellens den betreffenden Gegenstand zu einem geistigen Besitz macht - man füllt ihn mit eigenen inneren Leben und genießt sich selbst in dem betreffenden Objekt.

Um jetzt zu erfahren, was denn die Intuition eigentlich ist, schauen wir zunächst in einige Lexika und basteln uns danach aus Beschreibungen der Intuition in der Literatur eine eigene Definition.

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