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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 6.6.1.: Einleitung (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz / Verstandesgemäße Intelligenz (IQ))

Je intelligenter ein Mensch ist, desto mehr empfindet er, welche Dunkelheit ihn umfängt, und wird eben dadurch philosophisch angeregt. Hingegen der Stumpfe und ganz und gar Gewöhnliche weiß gar nicht, von welcher Dunkelheit eigentlich die Rede ist: er findet alles ganz natürlich.

Arthur Schopenhauer, zitiert von Walther Schneider in 'Schopenhauer - eine Biographie'



Ein jeder kennt den Unterschied zwischen einer nach körperlicher Betätigung auftretenden Ermüdung und derjenigen nach geistiger Tätigkeit; nach ersterer ist der Körper stumpf, nach letzterer scheint es der Geist zu sein. Doch unsere Wach- und Unterbewusstseine, die Wesenheiten und All-das-was-ist ermüden nicht, sind immer und uneingeschränkt wach und stets gleich leistungsfähig in einem Umfang, dass diese auch im physischen Universum nicht bis an eine mögliche Grenze beansprucht werden könnten [Lit 58].

Was nach geistiger Tätigkeit oder einem langen Tag ermüdet, ist stets das physische Gehirn [Lit.123]. Es verlangt nach Ruhe, weil es andernfalls den lebensnotwendigen Datenaustausch mit dem Wachbewusstsein nicht mehr bewerkstelligen könnte.

Der Geist ist also immer frisch, nur dem Körper muss Erholungszeit gegeben werden. Wenn also der physische Körper in dieser Hinsicht keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit seines Bewusstseins hat, wie steht es dann um die verstandesmäßige Intelligenz? Ist der Körper eine Einflussgröße?

Dazu schauen wir erst einmal, was Intelligenz eigentlich ist. Bislang gibt es keine einheitliche wissenschaftliche Definition der verstandesmäßigen wie auch der spirituellen Intelligenz. Nach Hoppe ist die auf Verstand basierende Intelligenz ein komplexes Konstrukt, das durch eine Vielzahl von Teilfähigkeiten gekennzeichnet ist, die wir mit einem IQ-Test erfassen können. Die verstandesmäßige Intelligenz ist hiernach ein Intensitätsniveau, das

wiedergibt [Lit 92].

Intelligenzquotient-Tests (IQ-Tests) zeigen, wo der Einzelne zu einem bestimmten Zeitpunkt im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung steht. Wobei deren Vergleichbarkeit nicht absolut ist, weil es unterschiedliche Testverfahren gibt. Jedoch gibt es offenbar ein Kriterium, an dem man ohne Tests recht zuverlässig erkennen kann, wo ein vertrauter Mensch auf der IQ-Skala steht.

Man muss sich dabei jedoch stets gegenwärtig halten, dass Menschen hervorragende Schauspieler sind, die ihr 'Schaufenster' oft sehr bewusst gestalten, sich also an die Erwartungen ihres jeweiligen Gegenübers flexibel anpassen. Das heißt, sie wählen stets die passende Maske zu der Rolle, welche sie gerade spielen. Und können so zum Beispiel hervorragend anderen Menschen Wahrheitsliebe vortäuschen, während sie doch nur tricksen und betrügen. Das zu erkennen kann bei besonders begabten Manipulatoren schon mal Jahrzehnte dauern. Aber oft genügen schon wenige erkannte Schaumschlägereien, um zu erkennen, was man an dem anderen hat.

Dies vorweg geschickt kommen wir zum markantesten Indikator für verstandesmäßige Intelligenz - der Wahrheitsliebe. Eine Studie der Universität von Oklahoma (USA) auf der Datenbasis von 700 Personen aus dem Jahr 1990 zeigt einen engen Zusammenhang zwischen verstandesmäßiger Intelligenz und Wahrheitsliebe. Je geringer der IQ, desto häufiger wird aus verschiedensten Motiven gelogen. Der break even sei ein IQ von 100, oberhalb dessen die Wahrheitsliebe deutlich zunähme. Man könnte also salopp sagen, je häufiger einer das Mittel der Lüge benutzt, desto schwächer sind dessen Intellekt und Reflexionsfähigkeit.

Die Größenordnung der verstandesmäßigen Intelligenz1 einer erwachsenen Person zu ermitteln, ist also relativ einfach. Die standardisierten Tests unterscheiden sich von Region zu Region in dieser Welt nur wenig. Ihre Ergebnisse münden in der Gaußschen Verteilungskurve eines Landes [Lit 67]. Unter der Gaußschen Normalverteilung versteht man eine Übersicht über die durchschnittliche Verteilung der Intelligenz in der Gesamtbevölkerung.

Gehen wir einmal von einem Test aus, der sich an der IQ-Skala orientiert. Die Kurve beginnt links unten bei einem Wert von 70. Hier liegt nach offizieller Definition die Grenze zur sogenannten Minderbegabung, etwa 2,2 % der Bevölkerung haben einen IQ von 70 oder weniger. Diese sind in der Grafik jedoch nicht mehr darstellbar. Einen Wert von 130 und mehr erreichen ebenfalls nur 2,2 % der Bevölkerung. Auch diese finden wir nicht in der Grafik, weil die meisten gängigen Tests oberhalb dieses Wertes zu ungenau sind.

Fünfzig Prozent der Gesamtbevölkerung verfügen über einen IQ von 90 bis 109, wobei der Wert 100 für den Durchschnitt steht [Lit 68]. Auf 100 Einwohner kommen also zwei, die aufgrund eines IQ unter 70 als minderbegabt gelten und zwei weitere, die mit über 130 überdurchschnittlich intelligent, also ad definitione hochbegabt sind. Hochbegabung besagt, dass ein Mensch ein besonders hohes Denkvermögen und eine hohe Reflexionsfähigkeit besitzt.

Bei Kindern gibt es eine Schwierigkeit, zwischen dem ADS-Syndrom2 und einer Hochbegabung zu unterscheiden, da die Auswirkungen sich sehr ähneln und ohne zusätzliche Überprüfung mit einem speziellen Intelligenztest für Kinder häufig verwechselt werden [Lit 67]. Doch gibt es unabhängig hiervon typische Unterscheidungsmerkmale, die eine Einschätzung erleichtern:

Merkmale in Verbindung mit ADS (Barkley, 1990)

Merkmale in Verbindung mit Hochbegabung (Webb, 1993)

Schlecht aufrecht zu erhaltende Aufmerksamkeit in fast jeder Situation

Schlechte Aufmerksamkeit, Langeweile, Träumerei in speziellen Situationen

Verringerte Ausdauer bei fast allen Aufgaben

Geringe Aufmerksamkeit bei Aufgaben, die unwesentlich erscheinen

Regeln oder Vorschriften können nur schlecht befolgt werden

Regeln, Bräuche und Traditionen werden hinterfragt

Beeinträchtigte Befolgung von Anweisungen zum Regulieren oder Hemmen des Verhaltens.

Nichtbefolgen von Anweisungen (weil sie z.B. unlogisch erscheinen); dies kann zu Machtkämpfen mit 'Respektpersonen' führen

Ruhelos, wesentlich höherer Aktivitätslevel als normal

Hoher Aktivitätslevel, kommt oft mit wenig Schlaf aus

Kinder mit ADS zeigen typischerweise die problematischen Verhaltensweisen in praktisch jeder Situation, einschließlich zu Hause, in der Freizeit und in der Schule. Das Ausmaß ihres problematischen Verhaltens kann jedoch von Umgebung zu Umgebung bedeutend schwanken.

Bezeichnenderweise zeigen hochbegabte Kinder dagegen eben nicht in jeder Situation Probleme, z.B. kann das Kind von dem einen Lehrer, dessen Fach es nicht interessiert, als ADS-Kind eingestuft werden, von einem anderen dagegen nicht, weil es den Unterrichtsstoff gerne macht.

Oder die Kinder werden in der Schule als ADS-Kind eingestuft, jedoch nicht vom Trainer im Sportverein oder dem Klavierlehrer.

Siegfried Weischenberg zitiert Aussagen und Studien des renommierten US-amerikanischen 'Intelligenzforschers' Prof. Siegfried Streufert [Lit 208]. Dieser kam zu folgenden Schlüssen:

  1. Die geistig Schlichten haben die größten Chancen im Leben wie im Beruf und trauen sich auch, diese zu nutzen, weil sie gar nicht merken, was los ist [Anm.: sie reflektieren deutlich weniger Situationen und Umstände und werden davon nicht abgeschreckt];
  2. die geistig Schlichten sind gesünder, die Klugen leiden häufiger unter Herzkrankheiten und Magen-/Darmerkrankungen [Anm.: Das Erkennen von Dingen, die kaum beeinflussbar falsch laufen in Beruf und Gesellschaft führt über die anhaltende Besorgnis zu körperlichen Symptomen];
  3. Eine seiner Studien im Auftrag der US-Army kam zu dem Ergebnis, dass Intelligenz in den untersten Rängen der Armee durchaus vorhanden ist. Etwa bis zum Oberleutnant sind die Intelligenten ausgeschieden. Je höher die Befehlsebene ist, desto seltener sind Kritikfähigkeit und Verstand anzutreffen;
  4. Zita aus Streuferts Studie: "Der Mann auf der Straße macht sich keine Vorstellung, in welchem Maße gerade die Universität ein Hort der Dummheit ist." Er bezieht ausdrücklich deutsche Universitäten ein.
  5. Der Intelligente reflektiert ohne Ende, Schlussfolgerungen werden aufgeschoben, es fällt ihm schwer, eindeutig Stellung zu beziehen, weil er auch das Richtige in anderen Positionen anerkennt. Das zeigt sich als Entscheidungsschwäche.
  6. Auch Journalisten sind nach Streuferts Untersuchungen nicht die Schlauesten: "Äußerst Wichtiges wird von äußerst wichtigen Menschen im Tonfall äußerster Wichtigkeit verkündet. Das ist genau der Ton, zu dem ein intelligenter Mensch von vornherein unfähig ist. Warum? Der Basler Humanist Erasmus von Rotterdam hat es auf eine ganz kurze, klassische Formel gebracht: 'Intelligenz macht schüchtern.' Intelligenz beginnt mit dem Gefühl für die völlige Unwichtigkeit der eigenen Person, für das geringe Gewicht, für die große Zweifelhaftigkeit der eigenen Ansichten. Erasmus belegt es mit zahllosen Beispielen: Intelligenz hat etwas mit Scham zu tun, mit Hemmung."

Der Basler Humanist Erasmus von Rotterdam kam schon im sechzehnten Jahrhundert zu dem Schluss, dass intelligente Menschen schüchtern sind - bei diesen dominiere ein Gefühl völliger Unwichtigkeit der eigenen Person sowie der nur relativen Richtigkeit aller Positionen. Letzteres führt zum kontinuierlichen Infragestellen eigener Überzeugungen:

"Ohne Ende quält sich der Gescheite mit Einfügen, Abändern, Ausstreichen, Neuschreiben, Umschreiben, Weglegen und Rat holen; neun Jahre lässt er das Ding still reifen, nie kommt er zu einem Ende [...] Kommt doch stets das Mieseste am besten an. Denn die Mehrheit des Publikums ist eingeschworen auf Dummheit."<7cite> [Erasmus von Rotterdam]

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