2 Besucher aktiv
von 1.357.213
seit 1999
Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
(Link zum Verlags-Shop)
Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



Ein Kapitel zurück | Inhaltsverzeichnis | Zum nächsten Kapitel

Kapitel 6.4.: Die Ausweitung des Ich (Spirituelle versus verstandesmäßige Intelligenz)

Schopenhauer vertrat die Auffassung, dass Freiheit ein negatives Gut sei, da es die Abwesenheit alles Hindernden und Hemmenden beschreibt. Dieses Hindernde und Hemmende müsse folglich als Kraftäußerung ein Positives sein. Schopenhauer sagt erklärend in der Ergänzung zum vierten Buch der 'Die Welt als Wille und Vorstellung II', Kap. 44, in 'Metaphysik der Geschlechtsliebe':

"Der Egoismus ist eine so tief wurzelnde Eigenschaft aller Individualität überhaupt, dass, um beispielsweise die Tätigkeit eines individuellen Wesens zu erregen, egoistische Zwecke die einzigen sind, auf welche man mit Sicherheit rechnen kann." [Lit 111]

Dies trifft jedoch nur auf sehr verengte Individuen zu. Es gibt unzählige Beispiele selbstlosen Handelns auch aus der Tierwelt, so dass Schopenhauers negative Weltsicht nicht allgemeingültig ist. Allerdings beschreibt er wie kein anderer menschliche Unzulänglichkeiten, so dass er tiefe Einblicke gibt in die spirituell uninformierte menschliche Natur.

Der Buddhismus (Fußnote S. 46), von dessen Lehre Schopenhauer angetan war, nimmt in seinem Fatalismus an, dass das 'Ich', also Individualität, letztlich Illusion sei. Diese Auffassungen ist nach den Erkenntnissen dieser Abhandlung nicht haltbar. Tatsächlich empfindet sich jedes Bewusstsein auf jeder Stufe des Seins, von den kleinsten Bewusstseinseinheiten bis zu All-das-was-ist als höchsten noch mit uns befassten Geist, stets als Individuum mit unverletzlicher Identität.

Das Selbst ist - bei unangetasteter Individualität - unendlich über mehr und mehr Seiendes ausdehnbar. Das geschieht über die inneren Sinne. Eine Identität ist keine erstarrte oder sich im 'Nichts' oder Nirvana auflösende Konstante. Es wandelt sich kontinuierlich, so dass das Ich eines lebenden Menschen heute schon nicht dasselbe ist wie vor zehn Jahren. Die Bestandteile des Individuums - die sekundären Ichs oder Egos - wechseln, doch das Identitätsgefühl des äußeren Wachbewusstseins bleibt unangetastet. Als Spieler in uns wählt es auch im Leben stehend kontinuierlich aus, welche Eigenschaften es leben will, welchem inneren Ich aus seinem Ich-Team es Ausdruck und Raum geben will.

Ein kluger Mensch unterdrückt keine der Energieanteile seines sekundären inneren Teams vollständig, sondern setzt sich mit allen seinen innewohnenden Positionen auseinander und gibt ihnen kontrolliert Raum zur Erprobung ihrer Ideen. Seien es nun diejenigen des ängstlichen, des übermütigen, des verwegenen oder des übermäßig kontrollierten Ichs und so weiter. Indem nicht dominierende Ichs des inneren Teams gehört werden und sich in das tägliche Handeln an passender Stelle einbringen können, werden sie nicht zu Extremisten mit zunehmender Sprengkraft. Die Identität wirkt ausgeglichen und unangestrengt und es werden keine Energien zur Kontrolle der vom dominierenden Ego unterdrückten Anteile gebunden.

Das Individuum, welches diese Ich-Wechsel unter Beibehaltung der verbindenden Erinnerungen erfährt, dieser Spieler in uns, der ist immer derselbe. Wir selbst schauen gleichsam mit den Augen der Wesenheit auf unsere Spielzüge und betreiben und verfolgen die persönliche Geschichte über wechselnde Wahrscheinlichkeitslinien und Wahrscheinlichkeitssysteme.

Dazu gehört jedoch eine gewisse Distanz, eine Freiheit von den Egos des inneren Teams. Auch Ingrischs "Freiheit vom ich" beschreibt so ein Bewusstsein, das sich frei und unbelastet in Motiven ausdrücken kann. Dies kann jedoch nur ein Selbst mit freien Kapazitäten des Intellekts zur Reflexion leisten, denn stark verengte, vom Willen dominierte Individuen nutzen diesen vollständig für ihre egoistischen Ziele und gehen in ihrem Leben wie eine Planierraupe voran, alles wegzuschieben versuchend, was ihnen im Weg ist.

Der Ursprung des Lebens ist sich selbst bewusster Geist auf Grundlage verbundener Bewusstseinseinheiten, welche schon in Atom- und Zellbewusstseinen wirken. Diese erweitern sich von Energieebene zu Energieebene, von Energieschicht zu Energieschicht (vgl. Bd.2) und gehen dabei immer neue Verbindungen ein, um mehr und mehr Seiendes zu umfassen.

Es ist ein schöpferisches Spiel ohne konkretes Ziel, welches All-das-was-ist spielen muss, indem es durch bloße Vorstellungen und seiner unerschöpflichen Energie Welten entwirft und verwirft. Über diesen höchsten noch mit uns befassten Geist gibt es annehmlich unzählige weitere Schichten des Seins, die dann andere, für uns unvorstellbare Schwerpunkte haben.

Es ist jedoch ein emotionales und überaus liebevolles System, in dem Benachteiligungen und Grausamkeiten nur Ausdruck spiritueller Uninformiertheit sind, die irgendwann ausgeglichen werden müssen. Sie werden häufig von Menschen mit nachteiliger Fokussierung gelebt oder erfahren, die aufgrund mangelnder spiritueller Informiertheit nichts über den großen Zusammenhalt alles Seienden durch Kooperation und Förderung gegenseitiger Werterfüllung (Sh. Erg.Bd.9) wissen und diese - im Klein-Klein des Alltags versunken -, auch nicht leben.

Das aus unserer Position überschaubare und hier beschriebene Muster des Geistes ist vermutlich auch deswegen nicht alles, was ist, weil eine jede Begrenzung nur eine künstliche, von begrenzten Geistern gewollte Vereinfachung ist, die wir anstellen, um noch verstehen zu können, um nicht zu verwirrt zu werden mit unseren begrenzten Mitteln des Erfassens und Verstehens.

Ein Kapitel zurück | Inhaltsverzeichnis | Zum nächsten Kapitel

Begriffserläuterungen (Lexikon) | Literaturverzeichnis | Zur Bücher-Übersichtsseite | Impressum & Datenschutz | W3C HTML-Validierung | W3C CSS-Validierung Stehlen Sie keinen Content von dieser Seite. Plagiate werden durch Copyscape aufgedeckt.
chinnow.net - seit 1999 online