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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens - Im Alltag zurechtfinden
(Link zum Verlags-Shop)
Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 2.4.: Zeitwahrnehmung (Bewusstsein und Vorstellung)

Es gibt Vorwarnungen, welche sich in nicht negierbaren, negativen Erwartungen zeigen. Sei es im privatem Bereich oder im Beruf. Ein jeder kennt die Emotion, mit einem unbehaglichen oder ängstlichen Gefühl an eine Situation und hiermit verbundene künftige Ereignisse heranzugehen.

Hierin zeigt sich über innere Sinne erhaltenes, nicht-begriffliches, emotionales Wissen und die bildliche Vorstellung uns bevorstehender, nachteiliger Ereignisse. Wenn wir das erahnte Ereignis für uns nicht akzeptieren, dann werden wir ihm auf kreative Weise entkommen, ihm ein Schnippchen schlagen. Das gilt umgekehrt auch für die ungetrübte freudige Erwartung bevorstehender positiver Ereignisse.

So wie es Tage gibt, in denen es beispielsweise mehrmals zu Beinahe-Kollisionen im Straßenverkehr kommt, so wiederholen sich auch alle anderen Bedrohungen wie auch schöne Ereignisse in einem Zeitfenster, bis dieses im Grunde größere, zeitlose geistige Ereignis, wovon die in der Zeit gestreckt erscheinenden Fragmente nur Ausdruck sind, vorbei oder abgewehrt ist.

Es sind emotionale Vorstellungen, die uns an geistige wie auch physische Realitäten binden, ihnen Inhalt geben, unsere 'Wirklichkeit' erzeugen. Das Physische folgt dem Geist. Schon nach Schopenhauers 'Praedicabilia A Priori1', seinem ersten Band in 'Die Welt als Wille und Vorstellung', wird die Materie nur gedacht. Die physische Welt der Erscheinungen des Willens ist - wie ich im Band zero aufzeige,

  1. eine kollektive Vorstellung,
  2. eine Kulissenwelt als kontinuierlicher kollektiver Ausdruck geistiger Ereignisse und Vorgänge, die in der Zeit gestreckt erscheinen,
  3. und eine Kulisse der Ideen [Platon] alles Seienden aller Energieschichten bis hin zum höchsten noch mit uns befassten Geist All-das-was-ist.

Und Ingrisch stellt wie zuvor Roberts bestätigend fest:

  1. Wir können mit unseren Vorstellungen die Vergangenheit verändern, weil alle Zeit gleichzeitig existiert, im Grunde alles gleichzeitig ist.
  2. Das, was wir uns deutlich vorstellen, wird Wirklichkeit.
  3. In der physischen Welt der Erscheinungen sind erfahrene zeitliche und räumliche Trennungen Illusionen.

Wenn in individuell oder kollektiv projizierten, geistigen Vorstellungswelten der schöpfende Geist mit seiner Eigenschaft Bewusstsein abwesend ist, bleibt alles stehen, wie eingefroren (vgl. Bd. zero). Würde unserer Sphäre physischer Projektionen alles Bewusstsein entzogen, so würde die Darstellung in ihrer letzten Planck-Zeit2 ebenso stillstehen.

So ist es in allen Realitäten am sich selbst bewussten Geist, durch sein auf das jeweilige Realitätssystem bezogenes kreatives und schöpferisches Streben das Rad am laufen zu halten und im Physischen darüber hinaus durch das Auswählen und Abtasten von Planck-Zeiten (Fn. S.47) nach Kausalitätserfordernis in sich eine Zeitwahrnehmung zu initiieren. Daher existiert die reelle Zeit3 der Physiker nur als höchst persönliche Erfahrung, jeweils in jedem das Physische nur für sich projizierenden, persönlichen Selbst.

Der Grund, warum alles Seiende in der reellen Zeit nur in einer Richtung voranschreitet, liegt in in einer kollektiven Entscheidung der Gattung Mensch, in ihrem Lebensexperiment dies so zu handhaben. Nur in kausal verbundenen Abfolgen sind die besonderen Lernerfahrungen möglich, die unsere Spezies anstrebt und die es im Geistigen so nicht gibt. Stoße ich ein Glas vom Tisch, nehme ich wahr, wie es herunterfällt und im nächsten Schritt zerbricht. Handele ich so und so, hat es diese und jene Folgen.

Diese Kausalität der in nur einer Richtung voranschreitenden Zeit ist also eine bewusst gewählte Fokussierung des persönlichen Selbst unserer Sphäre, um die Folgen seiner Entscheidungen zu erleben und diese bewerten zu können. Darum filtern wir all jene ebenso gültigen neurologischen Eindrücke aus wahrscheinlichen Vergangenheiten und wahrscheinlichen Zukünften aus unserer Wahrnehmung heraus. Dies ist auch durchaus nützlich, weil wir nur in den Gegenwartsmomenten Sorge für unsere Ernährung und den Schutz des Körpers tragen können. Daher dürfen wir uns nicht in plastischen Wahrnehmungen von Vergangenheit und Zukunft verlieren. Denn im Grunde geschieht alles simultan und ist für unser Selbst ebenso klar einsehbar wie der Gegenwartsmoment. Die von jedem Individuum selbst geschaffene, psychologische Zeit ist zudem nichts abgeschlossenes, sondern ereignet sich in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft immer weiter.

Infolge haben wahrscheinliche Vergangenheiten, die Gegenwart und wahrscheinliche Zukünfte jeweils ihre eigenen Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte. Im Grunde gibt es jedoch nur die sich immer weiter ereignenden simultanen Gegenwarten der Identitäten, und diese sind mit ihren Vergangenheiten und Zukünften "Würfel in Würfel in Würfel", wie Roberts es beschreibt. So wäre durchaus ein anderer Umgang mit der auch im Physischen erlebten psychologischen Zeit denkbar. Im Band zero gehe ich hierauf ein. [Lit 194]

In geistigen Welten ist also ein jedes Bewusstsein unabhängig von zeitlichen Beschränkungen. Aber auch dort entwickelt Bewusstsein für sich eine Zeitwahrnehmung, jedoch ohne die im Physischen nützliche Kausalität zu verlangen. Unsere Vorstellungen bilden hüben wie drüben absolut real erscheinende und unserer Phantasie, unseren Glaubenssätzen und unseren Erwartungen entsprungene, abgeschlossene Vorstellungswelten. In kollektiv projizierten Welten ist das Geschaffene eine Gemeinschaftsproduktion, in die sich ein jeder mit seinen Überzeugungen und seinem Streben anteilig projizierend einbringt.

Eine der Vorbedingungen zum Eintritt in unser Lebenssystem ist es also, teilzunehmen an der Projektion der kollektiven physischen Vorstellung. So könnte man ein jedes physische Leben auf den Punkt bringen und sagen: Wir sind hier, weil wir es uns vorstellen. Gäben wir unsere Vorstellungen auf, hätten wir nichts mehr zum Projizieren und wären am physischen Geschehen nicht mehr beteiligt.

Zeit und Raum sind also nur eine Art und Weise, wie der Prozess des objektiven begrifflichen Urteilens und Erfassens vom Wachbewusstsein vollzogen werden kann. Da nun die den Raum ergänzende Materie sowie der Raum selbst nach Schopenhauer "bloß gedacht", genauer nach Roberts projiziert ist, ist unsere physische Realität eine Gedankenkonstruktion. Es gibt keine einzige nicht gedachte, also vom Bewusstsein unabhängige Eigenschaft im Universum. Kein Raum und keine Materie verbliebe, subtrahierte man alles Bewusstsein aus dieser Energieschicht I (vgl. Bd.2) heraus.

C.G. Jung beschreibt in seinem sehr offenen Spätwerk die ersten sechs Wochen nach seiner Nahtoderfahrung im Jahre 1944. Sein damaliger Arzt hat ihn in einem geistigen Kontakt gewissermaßen zum Weiterleben überredet. Die visuelle Ansicht seiner physischen Umgebung erschien ihm darauf "wie ein gemalter Vorhang mit schwarzen Löchern, oder wie ein zerlöchertes Zeitungsblatt mit Photographien, die mir nichts sagten" [Lit 136]. Er brauchte sechs Wochen, um sich dem Leben wieder zuzuwenden, diesem Bedeutung zu geben und die kollektiven Vorstellungen und Gedanken seiner Gesellschaft wieder anzunehmen. Erst damit vervollständigte sich seine Wahrnehmung und die schwarzen Flecken verschwanden.

Das Konstrukt der dreidimensionalen physischen Welt existiert nur in den ewig bestehenden, individuellen Raumzeitschläuchen (vgl. Bd. zero) aller Individuen - oder genauer: in allem Seienden. Trennen wir uns im Ableben von einer physisch projizierten Realitätsebene, stoppt die Projektion des Physischen - es verbleibt inhaltslose Schwärze. C.G. Jung nahm erst langsam die Projektion des Physischen wieder auf - er war im Grunde schon weg, es interessierte ihn nicht mehr. Das, was unser persönliches Selbst nicht akzeptiert, kann es nicht weiter projizieren - so entstanden die schwarzen Flecken in seiner Wahrnehmung.

Dies kann jedoch auch im Leben stehenden, gesunden Menschen widerfahren, wenn ein Bereich der physischen Welt nicht weiter akzeptiert wird (vgl. Bd. 4). Beispielsweise wenn man sich nach Jahren intensiver emotionaler Verbundenheit in einer bewussten Entscheidung von einem Ort endgültig löst, ihn aus seinem künftigen Leben streicht. Sie könnten sich natürlich ohne Hindernisse erneut dort hinbegeben - doch damit hätten Sie diesen Ort wieder in ihre Vorstellung einbezogen und damit akzeptiert. Dies ist möglich, weil der entsprechende Bereich in der kollektiven Psyche weiter existiert.

Wir können froh sein, dass es Geist mit der optionalen Eigenschaft Bewusstsein überhaupt gibt, weil es sonst nichts gäbe. Seien wir also ganz beruhigt darüber, als Menschen über einen besonderen Spielraum, eine besondere Freiheit für Entscheidungen zu verfügen und nicht betrübt, dennoch erst am Anfang der spirituellen Entwicklung zu stehen.

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