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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 6: Philosophie des Lebens
(Link zum Verlags-Shop)
Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8375 1921 947)



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Kapitel 10.8.: Offenheit & Ehrlichkeit (Glück, Liebe, Freundschaft und so weiter)

Sagen Sie immer, was Sie denken? Wenn Ihre Antwort 'ja' lautet, dann sind Sie sehr einsam. Zwar wird es Ihnen fast nie passieren, dass jemand offen gegen hält, wenn er Ihren Standpunkt nicht teilt. Aber er denkt sich seinen Teil, ist verärgert, vielleicht gar beleidigt, geht jedoch nicht auf das von Ihnen Gesagte ein. Als ehrlicher und offener Mensch sind Sie der Depp, der bei nächster Gelegenheit die aufgestaute Aggression und Verärgerung Ihres Gegenüber zu spüren bekommt. Wenn er kann, wird er Ihnen schaden. Ebenso versteckt. Und es wird ihm Genugtuung sein, Ihnen das Leben schwerer zu machen, als es sein müsste.

Die Gesellschaften unseres Zeitalters haben das Verschweigen der Gedanken so sehr verinnerlicht, dass selbst dann keine ehrliche Reaktion erfolgt, wenn gelobt oder angegriffen wird. Die Bauernschläue des im Lebenskampf Versierten hält ihn davon ab, mit Ihnen zu streiten. Er wird den Small Talk ohne Aufhebens auslaufen lassen. Einzig sein ausbleibender Gruß bei einem Wiedersehen kann als Gradmesser seines Grolls herhalten.

Die Ursache mag in der Etablierung von Tricksereien, Täuschungen und Lügen als medial und politisch anerkanntes Mittel des Umgangs miteinander zu finden sein. Wer so nicht nur im Beruf, sondern auch in seinen persönlichen Beziehungen agiert, muss ständig auf der Hut sein, weil man sich unmöglich alle Manipulationen, Täuschungen und Lügen schon bei nur einer Person merken kann. Dann wird dieser vermeintliche Lebenskünstler mit den Jahren ernst und wortkarg. Denn im lockeren, vielleicht gar emotional heiteren Plaudern könnte ja etwas herausrutschen.

Auch das bindet Bewusstseinsenergie, die nicht mehr für Kreativität und schöpferische Realitätsgestaltung zur Verfügung steht. Diese Menschen erstarren mit der Zeit innerlich und äußerlich. Sie wollen sich bei jeder bietenden Gelegenheit auf Kosten anderer Vorteile verschaffen und blockieren sich selbst. Sie können gar nicht anders, sie haben sich daran gewöhnt, so zu handeln. Ertappt und befragt versichern sie, dass alles auch zum Besten des Getäuschten gedacht war. Denn der könne ja die gesamte Situation gar nicht beurteilen. Und ohnehin lasse man in vielen Fällen Großzügigkeit walten und unterstütze andere, ohne Dank zu erhalten.

So sind Nachbarn, Bekannte, Arbeitskollegen, doch selbst Freunde, Geliebte und Lebenspartner nur sehr selten wahre Freunde und geliebt. Häufiger sind es emotionslos eingegangene oder gewordene Arrangements, um eigene Defizite auszugleichen oder Vorteile zu erhalten: Im Freund sucht er vielleicht Bestätigung und Unterstützung; in der Geliebten eine emotionale Erweckung aus einem traurigen einsamen Dasein; in der Lebenspartnerin wirtschaftliche Absicherung und gesellschaftliche Akzeptanz. Das sind Beispiele, die Spannbreite an Erwartungen ist endlos.

Nur so ist es erklärlich, das die friedlichsten Familien zerbrechen, wenn die gierige Meute eine größere Erbschaft wittert. Fortan wird gelogen, dass sich die Erblasser im Grabe umdrehen, nur um den eigenen Anteil am Kuchen etwas zu vergrößern. Es wird nichts unversucht gelassen, um selbst Außenstehende zu manipulieren und auf die eigene Seite zu ziehen. Ebenso ist es mit der Freundschaft - erfüllt sie nicht mehr die Zwecke, zu denen sie eingegangen wurde, schläft sie ein. Auch die Geliebte fordert mit der Zeit deutlicher die Erfüllung ihrer Erwartungen, was den Taktierer in Not bringt.

Kurzum - Menschen gehen Beziehungen ein, weil sie sich unausgesprochen etwas vom anderen erhoffen. Und manipulieren dazu die Informationen, die sie abgeben. Sie schönen sich selbst und ihre Ziele. Das beginnt schon, wenn der Nachbar klingelt und ein Ei zum Kuchenbacken ausleihen möchte. Dann ist vermutlich sein erster Satz, wenn die Tür geöffnet wird: "Ich hoffe, ich störe Sie nicht." Gleich ob er Sie nun bei einer spannenden Fernsehsendung oder einer Standpauke vor den Kindern unterbrochen hat - man antwortet in der Regel: "Nein, gar nicht." Das ist höflich, wenngleich sachlich unrichtig. Es ist sinnvoll. Aber dennoch gelogen.

Der spirituell hoch Informierte und damit notwendig wahrheitsliebende Mensch steht also unablässig im Konflikt mit dem Zeitgeist seiner Gesellschaft und wird, um sich nicht mit solchen Tricksereien und Scharmützeln abgeben zu müssen, die Einsamkeit suchen. Das ist der Berg, von dem Schopenhauer sprach, auf dem auch der einsame Philosoph sitzt und auf die lärmenden Menschen mit ihren zahllosen Kämpfen herabblickt.

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