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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN

Band 4: Intuition, Träume und außerkörperliche Erfahrungen


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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8374 8144 687)


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Kapitel 2.6.: Meditaton (Der inneren Wahrnehmung öffnen)


EINFÜHRUNG

Ein Weg, um sich bewusst intuitiven Einflüssen zu öffnen, ist die Meditation. Mit unserer durch den westlichen Kulturkreis geprägten Denkweise ist vielen Menschen das bewusste Wahrnehmen intuitiver Einflüsse verloren gegangen. Die Meditation ist ein Mittel, um die Konzentration auf das innere Selbst insoweit zu stärken, dass intuitive Impulse das Wachbewusstsein auch im hektischen Alltag erreichen. Zudem lässt sich der Geist durch eine lebenslang betriebene Meditation in "ungeahnte Tiefen" führen, was eine Umschreibung für die verbesserte Verbindung des Wachbewusstseins zu seinen Zellbewusstseinen, Unterbewusstsein und seiner Wesenheit ist. Dies könnte ein Motiv buddhistischer Mönche für ihre Entscheidung zur lebenslangen Zurückgezogenheit in den ruhigen kontemplativen1 Umgebungen der Klöster sein.

Meditation beinhaltet eine Fokussierung des ursprünglichen Selbst durch das Wachbewusstsein. Der Verlauf ist identisch im beginnenden Flow-Zustand, im physischen Ableben, zu Beginn einer außerkörperlichen Erfahrung und in jedem Einschlafen. Im Grunde ist eine bewusste außerkörperliche Erfahrung eine Nahtoderfahrung, welche sich nur darin unterscheidet, das der physische Körper nicht gefährdet ist.

In der Literatur wird viel über außerkörperliche Erfahrungen berichtet, doch nur wenige Autoren beschreiben, wie man diese mit einiger Übung bewusst einleiten kann. Trotz einiger Vorbehalte nenne einige Methoden, die mir als einfach und leicht zu trainieren erschienen. Man sollte das Anstreben außerkörperlicher Erfahrungen jedoch nicht übertreiben und nach dem ersten Erfolg dauerhaft aufhören. Derartige esoterische Gymnastik bringt den an spiritueller Höherentwicklung Interessierten keinen Schritt weiter [Lit 189]. Roberts (Seth) schreibt:

"Es geht überhaupt nicht darum, irgendwelche neuen Methoden zu ersinnen, um eure psychischen Fähigkeiten zu steigern oder euch eure Träume zu entsinnen oder wie immer sonst außerkörperliche Gymnastik zu treiben. Vielmehr geht es darum, eure Lebenseinstellung grundlegend zu ändern, um die natürliche spontane Aktivität sowohl eures Wesens als auch eures Körpers nicht länger zu blockieren." [Lit 187]

Und an anderer Stelle nochmals deutlicher:

"Die unbekannte Realität ist eure mediale, spirituelle und psychische Realität, und daraus entsteht euer physisches Erleben. Diese innere, alles durchdringende Existenz wird in dem Maße bekannt, wie ihr sensibler für eure eigene Umwelt werdet. Das heißt nicht, dass ihr euch nur noch auf euch selbst konzentriert, blind werdet für den Rest der Welt. Das heißt nicht, dass ihr stundenlang meditieren oder eure Denkprozesse derart intensiv erforschen müsst, dass ihr andere Aktivitäten nicht mehr zur Kenntnis nehmt. Es heißt ganz einfach, dass ihr euch eures eigenen Lebens so klar wie möglich gewahr sein sollt - in Kontakt mit euren Denkprozessen, euch eurer bewusst, ohne sie aber im Übermaß zu analysieren oder wichtig zu nehmen." [Lit 191]

Denn das Wachbewusstsein wurde mit den uns vertrauten Eigenschaften geschaffen, um das Ordnungssystem einer physischen Realität unter Ausschluss aller anderen fokussieren zu können. In sämtlichen geistigen Realitäten trifft es nach Roberts "der volle Strahl hochpotenter Erfahrungen, die ihm eigentlich nicht bestimmt sind und durch die es in einen Zustand der Hilflosigkeit hineindirigiert wird." (vgl. S.351) [Lit 184]

Zudem müssten wir uns zu Lebzeiten vollständig mit unserem physischen Körper identifizieren, weil er Träger und Ausdrucksmittel unserer biologischen Identität, also der Identität des Wachbewusstseins ist. Dieses drücke sich also über seine intimste Schöpfung - dem physischen Körper - sowie der kollektiven Schöpfung der materiellen Umgebung aus (vgl. Bd.2). Sie ergänzt:

"Wenn ihr euch ausschließlich mit eurem Körper identifiziert, dann habt ihr vielleicht das Gefühl, dass ein Leben nach dem Tode unmöglich ist. Wenn ihr euch hingegen nur als geistiges Wesen betrachtet, dann fühlt ihr euch im Fleisch nicht lebendig, sondern von ihm abgeschnitten. Betrachtet euch jetzt als ein physisches Wesen. Seid euch bewusst, dass ihr zwar später immer noch in anderer Gestalt aktiv sein werdet, das aber der Körper und die materielle Welt eure angemessene gegenwärtige Ausdrucksform sind. Diese Einstellung ist von größter Bedeutung." [Lit 184]

Und nochmal:

"Versucht nach Möglichkeit, diesen größeren Existenzzusammenhang, in dem ihr euer Sein habt, zu erspüren [...] wahre Meditation ist Handeln." [Lit 181 & 175]

Wer die Meditation nur nutzt, um zur Ruhe zu kommen oder den Kontakt zu seinem höheren Selbst zu vertiefen, ist zwar mit dem Ziel auf dem richtigen Weg - hierfür ist jedoch Yoga geeigneter.

Wer nun immer noch meint, wenigstens einmal die Erfahrung der Meditation machen zu müssen, der mag hier weiterlesen. Die Unterschiede aller nachfolgend genannten Methoden bestehen in der Art der Einleitung, wie der Geist von allen diskursiven Gedanken befreit wird, was einer Reduzierung des Wachbewusstseins auf einen Punkt gleichkommt.

In geistigen Realitätssystemen ist die menschliche Begrifflichkeit ohne Bedeutung. Die gemeinsame Sprache allen Geistes ist eine Symbolsprache, die von höheren Teil-Bewusstseinen beherrscht wird (vgl. S.261). Wer sich mit Meditation beschäftigt, sollte auch seinem Wachbewusstsein die Symbolsprache nahe bringen. Jede Bewegung in der geistigen Welt erfolgt über vor dem geistigen Auge aufsteigende Symbole und Bilder. Man kann ihnen folgen oder nicht:

"Die Symbole und Bilder können sich währenddessen verwandeln, so dass ihr nur geringe Ähnlichkeiten zwischen, sagen wir, dem ursprünglichen Bild und dem nachfolgenden Bild feststellen könnt. Die Verbindung kann jedoch in hohem Maße intuitiv, assoziativ und schöpferisch sein. Oft wird euch ein wenig nachträgliche Reflexion zu der Einsicht verhelfen, warum das eine Bild in das andere überging. Ein einzelnes Bild kann euch plötzlich eine ganze geistige Landschaft enthüllen, aber dergleichen kann nur geschehen, wenn ihr den ersten Anhaltspunkten Beachtung schenkt, die sich eben unterhalb der Schwelle eures gegenwärtigen Bewusstseins befinden und für euch fast durchsichtig sind, wenn ihr nur bereit wäret, die Augen aufzumachen. Alternative Einstellung ist nichts weiter als ein Zustand, in dem ihr euer Bewusstsein in andere als die gewohnheitsmäßigen Bahnen lenkt, um völlig gültige Realitäten wahrzunehmen, die mit eurer Realität koexistieren." [Lit 175]

Mit zunehmender Übung und Vertrautheit aktiviere das Bewusstsein nach Roberts das Potential, welches Energieströme, Psyche, Gehirn und Wahrnehmungsmechanismen modifiziere. Dies ermögliche dem Wachbewusstsein das Wahrnehmen anderer, ebenso gültiger Realitätssysteme, die ihm bisher verschlossen waren. Zudem würde das Wachbewusstsein um deren Energien bereichert. [Lit 175] Allerdings warnt sie auch vor falsch angelegten Meditationen, welche innere Impulse abstumpfen und damit das Entscheidungsvermögen reduzieren - ein konstruktives Handeln könne unmöglich werden [Lit 181].

Um die physische Umgebung auszublenden, wie wir es in jedem versunkenen Geisteszustand tun, muss man sich keineswegs in einem verdunkelten Zimmer in Liegeposition befinden. Diese Versunkenheit können Sie auch an einem lieblichen Sommertag an der Wand eines schwach frequentierten Einkaufszentrums lehnend erreichen.


ÜBUNG NACH PETERSON

Entspannte Konzentration über zwei bis drei Minuten über eine absichtslose Fixierung von irgendetwas - beispielsweise ein Blatt - ohne zu denken. Peterson empfiehlt, das Denken durch ein Warten auf etwas lang dauerndes ruhig zustellen - beispielsweise mit einem Warten auf das Abfallen des Blattes. Stellen Sie sich dann einen Meter vor ihrem geistigen Auge links der Mitte für etwa 30 Sekunden einen schwarzen Würfel mit einer Kantenlänge von ca. 8 Zentimetern vor, dann rechts der Mitte für ebenfalls etwa 30 Sekunden eine fast formlose, nur vertikal längere Wolke, beispielsweise in der Form eines Schneemannes von ähnlicher Größe. Visualisieren Sie diese Objekte nun weitere 30 Sekunden, bis Sie diese vor Ihrem geistigen Auge sehen. Dann lassen Sie einen Lichtstrahl aus dem schwarzen Würfel langsam in die Wolke wandern [Lit 60].


ÜBUNGEN NACH MECKELBURG

Meckelburg nennt eine Methode des Princeton-Physikers Robert Jahn, um auf Erinnerungen an die Zukunft zuzugreifen. Im Band zero beschreibe ich, dass es einen freien Willen und damit wahrscheinliche Zukünfte gibt. Es wird mit Jahns Methode auf die aktuell wahrscheinlichste Zukunft zugegriffen. Diese muss jedoch - wie auch jede Langzeit-Präkognition - nicht zwingend eintreten:

"Zuerst versuche ich all das zu verdrängen, mit dem ich mich beschäftige, an was ich gerade denke. Daraufhin bemühe ich mich, mir eine leere Filmleinwand vorzustellen, auf der ein Film [...] abläuft, den ich noch nie zuvor gesehen habe. Dann warte ich ab, was auf der Leinwand zu sehen ist. Gewöhnlich erscheint kein scharfes Bild, sondern mehr eine Folge traumartiger Eindrücke." [Lit 154]

Eine andere Methode sei nach Meckelburg die der sowjetischen Parapsychologin Barbara Iwanowa. Für einen Blick in die wahrscheinliche Zukunft produziert sie eine erfundene Vorstellung im Wachbewusstsein. Sie achtet auf jedes Detail und dringt tief in sie ein. Dann fegt sie diese Vorstellung fort und lässt ein vorgestelltes lautes Geräusch folgen. In die nachfolgende Vorstellungsleere fließen intuitive Eindrücke ein. [Lit 154]

Man darf beim Einfließen intuitiver Eindrücke jedoch keinesfalls beginnen, über sie diskursiv nachzudenken. Zwar verleiten sie zum Nachdenken, doch trägt jeder aufkommende Begriff und Gedanke zum Ende der Versunkenheit bei - der Fluss intuitiver Eindrücke würde unterbrochen. [Lit 83]


ÜBUNGEN NACH ROBERTS

In Ruhe, während versunkener Tätigkeiten und vor dem Einschlafen stelle man sich wenige Minuten vor, man sei mit dem Zimmer auf einer erleuchteten Bühne. Nun erlöschen die Lichter und die Bühne verschwindet - alles ist dunkel. Sie sind alleine mit sich. Nun stellen Sie sich Ihre inneren Sinne so lebhaft als möglich vor, horchen in sie hinein. Beurteilen Sie nicht auftretende Bilder und Geräusche, nehmen Sie die Anfangs noch unvollkommen empfangenen Augenblicksaufnahmen einer unbekannten Umgebung ohne Deutung oder Allgemeinurteil, also unreflektiert auf. So als würde andersherum ein höheres Bewusstsein kurz in die physische Welt blicken ohne dabei zu überlegen, warum das gemacht wird, was er da sieht. [Lit 175]

Alternativ: Schließen Sie die Augen. Versuchen Sie, in Ihrem Innern den Kraftquell zu spüren, von dem Atmung und Lebensenergie ausgeht. Wenn Sie ihn wahrnehmen, verfolgen Sie in durch den gesamten Körper, von dem Sie der Mittelpunkt sind. Jetzt stellen Sie sich dessen Ausstrahlung vor, wie diese ungemindert Mauern und Blätterwerk durchdringt, bis zum Mittelpunkt der Erde vorstößt und sich über das ganze Universum erstreckt. Die kreativen Emanationen Ihres Bewusstseins2 wie auch die Schöpferkraft von All-das-was-ist - der Quelle jeden Seins in diesem Universum - dringen auf diese Weise nach außen. [Lit 175]

Wir Menschen beschäftigen uns nahezu unablässig mit Gedanken, Bildern, Eindrücken und Reaktionen unseres physischen Seins. Diese fließenden Bewusstseinsinhalte sind ein Bewusstseinstrom. Er stellt jedoch nur einen Bruchteil der teilweise ungleich stärkeren Bewusstseinsströme unseres gesamten Bewusstseins dar, welches unserer weitaus größere Existenz und Erfahrung repräsentiert. Alle Bewusstseinsströme sind miteinander verbunden. Das ausschließliche Fokussieren und Examinieren der fließenden Eindrücke des aktuellen Lebens hypnotisiert die Menschen und lässt sie wie im Trance agieren, blind für ihr viel tieferes Selbst mit weiteren Realitätsschichten, an dem sie dennoch teilhaben. [Lit 175]

Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeitsrichtung ändern, können Sie andere Realitätsebenen ebenso fokussieren wie ihre aktuelle:

Die genannten Raumrichtungen dienen nur als Krücke zur Orientierung. Stellen Sie sich Ihren aktuellen Alltags-Bewusstseinsstrom durchsichtig vor. Dann trainieren Sie, "durch ihn hindurch und darunter in andere Ströme hinein zu schauen, welche in anderen Flussbetten der Wirklichkeit liegen." Ebenso können Sie trainieren, sich über Ihren "gegenwärtigen Bewusstseinsstrom zu erheben und andere Bewusstseinsströme wahrzunehmen, die - analogisch gesprochen - parallel verlaufen". Die parallelen sind diejenigen eigener künftiger und vergangener Lebenszyklen sowie die Lebenszyklen weiterer Aussendungen der eigenen Wesenheit, die vertikalen diejenigen eigener Atom- und Zellbewusstseine, der Wesenheit und - noch tiefer - von All-das-was-ist. Alle diese Bewusstseinsströme zusammen seien Teil desselben Flusses unserer Gesamt-Identität. [Lit 175]


ÜBUNGEN DES BUDDHISMUS

Meditation in ihrer höchsten Form ist eine sinnende Betrachtung bar jeder diskursiv-gedanklichen Tätigkeit. Hierzu gehört auch eine Abwesenheit von Achtsamkeit auf die Einhaltung dieser Vorgabe. Denn eine anhaltende Selbstkontrolle lenkt die Aufmerksamkeit notwendig ab, was die Tiefe der Meditation reduziert.

Ursprünglich verwendeten die Buddhisten verwendeten nur zwei Techniken. Entweder konzentrierten sie sich auf die Atmung oder auf eine Fragestellung, auf die es keine logische Antwort gibt. Über Letztere würde die dualistische Logik der physischen Welt der Erscheinungen durchbrochen, um ihre wahre Natur zu erkennen.

Ruhen Sie in einem gesammelten, ruhigen und konzentrierten Geisteszustand frei von allen Gedanken. Dieser Geisteszustand entspricht dem des Intuitionsbegriffs (vgl. S.24). Nach einigen Minuten visualisiere man, dass eine Lichtgestalt als Verkörperung der Wahrheit, der Weisheit und des Mitgefühls3 (vgl. Bde. 6 & 8) im Raum erscheint. Dann visualisieren Sie, dass sich ihr eigener physischer Körper in diesem Licht auflöst [Lit 83].

Alternativ stelle man sich vor, wie das eigene Bewusstsein einer Sternschnuppe gleich aus dem physischen Körper ausschießt und sich in Gott oder seinem Äquivalent auflöst, also völlig eins mit diesem wird. Man versenkt seinen Geist in dessen Weisheit, so wie man einen Kieselstein in einen See wirft [Lit 83].


ÜBUNG - VON ALLEM ETWAS

Der 14. Dalai Lama empfahl zunächst eine Konzentration auf innere Leere, ein Lauschen nach innen. Wenn der Geist dann in der Natur der Dinge aufgegangen sei, erfolge die erweiterte Visualisierung der physischen Welt. Gedankenstille alleine genüge nicht, erst das der Einstimmung folgende ungetrübte Fokussieren von irgendetwas aus der physischen Welt sei das Wesentliche [Lit 30].

Demnach kann die Fokussierung beispielsweise eines Lichtmastes zu umfassenden Erkenntnissen führen. Denn wir erkennen vom Wesen der Dinge im Alltag, die allesamt primär geistige Symbole sind, nur ihre äußere Struktur. Lediglich bei Gegenständen, die uns 'etwas bedeuten', fühlen wir, dass dort noch mehr ist als scheinbar unbelebte Materie.

Ein Eingehen in dieses innere Wesen der Symbole erschließt uns deren unbekannte Welten. Ein Energieanteil des Wachbewusstseins verlässt hierbei die räumliche Position des physischen Körpers und durchdringt nach Roberts in einer Art Identifikation das Bewusstsein des Betrachteten. Der Betrachter beeinflusst hierbei unvermeidbar das Betrachtete und umgekehrt. Beide behalten jedoch ihre unantastbare Individualität. Das Betrachtete könne ebenso ein Baum als auch ein Nagel sein. Man fragt sich beispielsweise, wie es wohl sei, ein Baum zu sein. Hierzu passen Reflexionen wie: "Als Baum betrachte ich mich selbst [...] Im Schatten meiner Baumnatur ruhe ich von meiner Menschennatur aus." [Lit 183]

Fixiere man sich auf einen Fluss, könne man mit diesem reisen. Notwendig sei ein freudiges, auf Neugier basierendes, psychisches Erforschen, indem man einen Teil seines Bewusstseins in den Fluss eintauche. Der Schwerpunkt des Wachbewusstseins liege jedoch weiterhin im physischen Körper, es erfordere sogar eine Konzentration auf diesen. Dennoch würde es einem medial begabten Menschen, der die Energieströme der Auren wahrnehmen kann, erscheinen, als verschmelzten der Geistkörper des betrachtenden Menschen und das Betrachtete. Der zum Betrachteten ausgesendete Bewusstseinsenergie-Anteil des Wachbewusstseins erscheint dagegen in der niederen Bewusstseinssicht (vgl. Bd. 2) als separater Geistkörper. Im Band zero gehe ich auf derartige 'Fragment-Persönlichkeiten' tiefer ein. [Lit 183]

Roberts betont, dass man die materielle Welt sowie das Wachbewusstsein nicht auszublenden braucht, um Zugang zu höheren Wissen zu erhalten, das beispielsweise zur Gesundung führen kann. Denn das physische Lebenssystem ist Ausdruck einer primär geistigen Realität und dieser Ursprung ist als verbindendes Glied in ihr stets gegenwärtig. So enthüllen sich Geheimnisse des Universums "nicht unbedingt mit großem Getöse, sondern eher durch ein völlig harmloses unschuldiges Vogelgezwitscher oder durch das Beobachten eines Blattes; diese Erscheinungen lassen plötzlich ein tiefes Wissen entstehen." [Lit 176]

In dieser Versunkenheit stehe man außerhalb der üblichen Zeitwahrnehmung und könne somit ein Objekt in Vergangenheit und Zukunft betrachten. [Lit 176]

Wie auch im Flow-Zustand kommt es zu einer Verschiebung des Fokus der Aufmerksamkeit zu Zellbewusstseinen, Unterbewusstsein oder Wesenheit. Von der Tiefe der Versunkenheit und gegebenenfalls von einer Fragestellung hängt es ab, über welche Kanal die Informationen bezogen werden. Schopenhauer beschreibt diese Erfahrung in seinem posthum veröffentlichten Spätwerk so:

"Das reine willenlose Erkennen tritt ein, indem das Bewusstsein anderer Dinge sich so hoch potenziert, dass das Bewusstsein vom eigenen Selbst verschwindet." [Lit 113]

Dieses Lauschen ist also ein anhaltendes Betrachten eines beliebigen Objekts ohne jede Ablenkung durch Begriffe und Gedanken. Der Gegenstand kann also auch, je nach religiöser Prägung des Betrachters, Gott oder das klare Licht der eigenen Wesenheit sein. Das Wachbewusstsein ruht in jeder meditativen Versenkung entspannt in seiner eigenen Natur, leer in sich selbst. Das Ziel dieser Verfahrensweise ist die Aufhebung der dualistischen Aufspaltung zwischen Betrachter und Betrachteten, zwischen dem Selbst, das meditiert, und seinem Meditationsobjekt. Hierüber lassen sich tiefe Einsichten und Erkenntnisse erreichen lassen, die allerdings kaum in Begriffe zu fassen sind.

Der Boden eines tiefen ausgetrockneten Brunnens in einsamer Gegend ist nach Monroes unfreiwilliger eigener Erfahrung ein passender Ort, um sich frei von allen sinnlichen Ablenkungen zu öffnen. Es ist jedoch ungleich schwieriger, sich von allen sinnlichen Wahrnehmungen zu befreien als irgendetwas aus dem physischen Wahrnehmungsbereich zu fokussieren. Dieses Fokussieren wäre zugleich ein Leermachen des Wachbewusstseins von Denkvorgängen. Fragen Sie sich beispielsweise, über welche Wahrnehmung das Fokussierte verfügt, wie seine Realität ist.

Es folgen einige unwillkürlich ausgelöste sehr tiefe Atemzügen, darauf eine Beruhigung der Atmung. Nun geht mit Schwerpunkt an der Wirbelsäule ein kurzes Schütteln durch den Körper, empfunden in einer Mischung aus Schmerz und Freude, von manchen als Angst interpretiert, dem sexuellen Höhepunkt nicht unähnlich, jedoch ohne dessen Fixierung auf das Lustzentrum. Zum Schluss folgt ein kurzes kräftiges Zucken wie bei epileptischen Anfällen. Hiernach verbleibt nur wenig Wachbewusstseins-Energie zum Erhalt der Lebensfunktionen beim physischen Körper. Im normalen Einschlafen fällt all dies sanfter aus, findet jedoch ebenso sicher statt wie der nächste Atemzug.

Auch vor geöffneten physischen Augen zieht hierbei ein weißgrauer Nebel auf wie zu mir ziehender Rauch - doch er riecht nicht und der Tag ist beispielsweise sonnig und klar. Der Rauch ist das Äquivalent zum oben beschriebenen Tunnel - beide symbolisieren in der inneren Wahrnehmung einen Energie-Schicht-Wechsel.

Doch sobald der Fokus - hierüber verwundert oder besorgt - auf die in der Wahrnehmung verschwindende physische Welt gerichtet wird, löst sich der Rauch wieder auf und die physische Realität tritt in den Vordergrund. Kann man dagegen nicht reflektierend seine Konzentration auf eine Leere oder das nicht-weltliche aufrecht erhalten, geht der physische Körper unbemerkt in eine schmerzlose Starre. Das aus Zellbewusstseinen bestehende Körperbewusstsein hält seine Position und Haltung, auch wenn dieser beispielsweise frei im Raum steht. Er wird weder umfallen noch loslaufen, wenn Sie ihn im weiteren Verlauf von außen betrachten. Der eigentliche Energieschicht-Wechsel erfolgt sehr schnell - man ist draußen. Oder beim erwähnten Fokussieren von irgendwas sind wir in tiefer Verbindung und alle interessierenden Informationen fließen auf uns ein.

Diese Vertiefung unterscheidet sich also von dem versunkenen Arbeiten im Flow-Zustand (Fn. S.23). Darin verändert sich primär die Atmung, während die zum Unterbewusstsein verschobene Wachbewusstseinsenergie das physische Tun passiv verfolgt - das Wachbewusstsein agiert auch hier unter der Führung des Unterbewusstseins. Jedoch fehlt die genannte Körperstarre, denn die aktuelle Tätigkeit wird mit der beim Körper verbliebenen Wachbewusstseins-Energie unter der Führung des Unterbewusstseins stoisch und gleichmäßig fortgesetzt.


SCHLUSSBEMERKUNG

Was bewirken all diese Übungen? Derart frei von Denkvorgängen löst sich ein Großteil der Wachbewusstseins-Energie vom physischen Körper und fokussiert die nachfolgende geistige Energie-Schicht II und gegebenenfalls III. Das Wachbewusstsein kann seinen physischen Körper und das dazugehörige Lebenssystem nur solange fokussieren, wie es mit diskursiven oder emotionalen Denktätigkeiten auf dieses bezogen ist. Fällt diese freiwillige Anbindung, ist die Bewusstseinsenergie frei zur Ausdehnung.

Während einer außerkörperlichen Erfahrung auftretende Bilder und Stimmen [Roberts], aufrüttelnde Gefühle [Peterson] oder angsteinflößende Erlebnisse [Monroe] stören den Ungeübten in seinem intuitiven Erfahrungszustand und veranlassen ihn zum diskursiven Nachdenken. Hierdurch wird jedoch das Wachbewusstsein zum Frequenzbereich des Physischen wieder zurückgefahren; das Wachbewusstsein kehrt auf diese Weise aus eigenem emotionalen Antrieb zum physischen Körper zurück. So ist es in der bewussten außerkörperlichen Erfahrung unabdingbar, jedes Geschehen im Sinne der Intuitions-Definition (vgl. S.24) emotionsfrei und ohne diskursive Denktätigkeiten als nahezu passiver Beobachter zu betrachten. Mit zunehmender Erfahrung scheint dann ein aktives Agieren durchaus möglich zu sein, so als gäbe man einem Pferd am sonst lockeren Zügel die Richtung vor.

Was aber bringt es uns, beispielsweise über Roberts meditativer Übung parallele Bewusstseinsströme anzuzapfen, in denen wir andere Leben leben? Oder uns in einen vom Wachbewusstsein ausgesendeten Bewusstseinskern (vgl. Bd.2) hineinzufühlen, um an dessen Wahrnehmung teilzuhaben? Die Eindrücke mögen trivial sein, das daraus erwachsende Verständnis für die Struktur unseres Bewusstseins ist es nicht. Es ist hilfreich, als Verifizierung der sonst sehr abstrakten Annahmen dieser Abhandlung auf solche eigenen Erfahrungen zurückgreifen zu können. Damit hat es sich aber auch. Und man sollte fortan die Achtsamkeit auf jeden Gegenwartsmoment seines Lebens legen. Und diesen fokussieren, anstatt in Vergangenheit, Zukunft oder sonst wohin abzuschweifen. Denn hier spielt die Musik.

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