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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 3: Klassische Sterbeforschung
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8374 9455 133)


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Kapitel 5.1.: Ansprache an den Sterbenden (Sterbebegleitung)

Die Hinweise dieses Kapitels zum Umgang mit Sterbenden basieren auf dem Tibetischen Totenbuch, Platon [Lit 33, 'Phaidon'] und Ingrisch.

Ich werde im Folgenden sagen, dass Gebete (Def. Bd.5) an Gott zu richten seien, weil es zum einen für deren Wirksamkeit unerheblich ist, an wen sie gerichtet werden. Zum anderen würde eine präzisere Formulierung bei vielen Menschen zu Irritationen führen. Wir sahen im zweiten Band, dass eine Unterstützung durch das ursprüngliche Selbst - der Wesenheit der Energieschicht III - koordiniert und von geistigen Helfern der beiden höchsten Energieebenen der geistigen Schicht II ausgeführt wird. Durch falsche Vorstellungen über den Adressaten von Gebeten wird deren Wirkung nicht beeinträchtigt.

Dieses Kapitel sollte also frei von unverständlichen Begriffen sein, darum sind weder Inhalte erläuternder Fußnoten noch die Zwischentexte an den Sterbenden weiterzugeben. Die Inhalte, welche einem Sterbenden vermittelt werden können, sind kursiv dargestellt.

Der Hintergrund: Der Sterbende tritt in eine Zwischen-Welt1 ein, in der entsprechend seiner Anhaftungen, seines Glaubens, seines Gottvertrauens und der Summe seiner guten und schlechten Taten die Weichen für den weiteren Weg gestellt werden. Zur Wahl stehen verschiedene Ebenen der Existenz in der geistigen Welt, die unterschiedlich attraktiv sind. Die Spanne reicht von dem, was wir im Allgemeinen den Himmel nennen bis zu unangenehmen Ebenen, die zwar nicht der landläufigen Vorstellung von Hölle entsprechen, dieser aber in der Empfindung der darin Befindlichen nahe kommen können.

Das Verhalten: Sei im Umgang mit Sterbenden gefestigt und geistesgegenwärtig. Je ruhiger und gefestigter die begleitenden Angehörigen sind, desto leichter wird der Übergang für den Sterbenden, weil er dann in den Erfahrungen des Übergangs ebenfalls ruhiger und gefestigter ist. Gehe auf ihn ein und öffnet euch füreinander2.

Untersuchungen bieten einen Hinweis darauf, dass der Sterbende eher als die Familie bereit ist, den Tod anzunehmen, darüber zu reden. So ist es häufig die Familie, welche diese Situation nicht akzeptieren will. Schmitz-Scherzer bemerkt dazu: "Angst beeinflusst das Erleben und Verhalten vieler Angehöriger, besonders, wenn sie sich unvorbereitet in der Rolle eines Begleiters sterbender oder schwerkranker Verwandter, Freunde oder Bekannter finden."; Nach Lehr reichen die unterschiedlichen Versuche, mit dieser Angst fertig zu werden, von Leugnung, Überkontrolle der eigenen Emotionalität bis zu hektischer Aktivität und Betriebsamkeit.

Es ist für den Sterbenden wichtig, nicht mehr über Vergangenes, über Verfehlungen und Sorgen nachzudenken und an ihnen zu haften, sondern in Ruhe das ganze Leben hinter sich zu lassen. Sollte er jedoch sein Herz ausschütten, von seinen tiefsten Ängsten und Sorgen erzählen wollen, sollte man dies unbedingt zulassen, ohne Vorwürfe Zuhören und sich nicht davor fürchten. Zur geistigen Reinigung, zum Abschließen einer Lebensbeichte, könnte man mit einem gemeinsamen Gebet Gott und die Betroffenen in Reue um Verzeihung bitten und Letzteren - wenn möglich - später eine entsprechende Nachricht zukommen lassen. Sind die Betroffenen anwesend, sollten beide Seiten ihre Standpunkte ruhig darlegen, dann eine Weile schweigen und sich dann verzeihen [Lit 83].

Ingrisch bemerkt: "Ihr müsst mit den Sterbenden lachen und weinen! Beides, denn das Sterben ist tragisch und komisch zugleich. Aber das Weinen wird verdrängt und das Lachen verweigert. Nicht einmal Du weißt, wie einsam ein Sterbender ist." [Lit 133]

Aber auch dem nicht mehr ansprechbaren Sterbenden kann man seinen Weg erleichtern, indem man freundlich und besonnen auf ihn eingeht. Dies kann über Berührungen, Streicheln und freundliches, positives Reden erfolgen. Sei einfach da und zeige dies. Wesentlich ist daher, dass jede dargebotene Hilfe von Offenheit, Mitgefühl und unendlicher Güte getragen ist, andernfalls würde dem Sterbenden der Übergang erschwert statt erleichtert [Lit 83]. Freundlich erleuchtet muss man also sein, um anderen eine Hilfe zu sein. Je weniger man sich in das Leid des anderen verstrickt, desto besser. Mitgefühl im Sinne der buddhistischen Definition3 ist jedoch die Grundlage für jede Hilfe an Anderen.

Wenn man einem Sterbenden helfen möchte, ist es unvermeidlich, selbst den Tod als solchen zu akzeptieren, um dann dem Sterbenden zur Annahme des bevorstehenden Todes zu verhelfen. Das nicht plötzliche Sterben führt in seiner letzten Phase zur Orientierungslosigkeit, zur vollständigen Hilfsbedürftigkeit. Hierauf sollten alle Familienmitglieder und betreuende Nahestehende eingestellt sein. Die Angehörigen könnten zur Unterstützung mit einer Hospizbewegung zusammenarbeiten [Lit 83].

Akzeptiere also den üblichen Verlauf des immer schwächer Werdens, wozu auch gehört, dass der in einem natürlichen Sterbeprozess befindliche alte Mensch nicht durch besorgte Angehörige in ein Krankenhaus verfrachtet und mangels einer anderslautenden Patientenverfügung dort zwangsernährt wird. Denn wenigstens in Deutschland sind die Ärzte im Krankenhaus per Gesetz dazu verpflichtet, umfangreiche lebenserhaltende Maßnahmen einzuleiten. Die diesen folgende, manchmal monate- oder jahrelange Qual des Sterbenden kann nur durch eine in der Form nicht anfechtbare Patientenverfügung oder aber durch einen erfahrenen betreuenden Hausarzt vermieden werden, der schon aus seiner Beurteilung der Chancen einer Genesung heraus gegen die Verbringung des Sterbenden in ein Krankenhaus plädieren wird.

Auch sollte man es unterlassen, dem im Sterbeprozess Befindlichen das Bewusstsein dämpfende Medikamente zu geben - diese könnten seinen Werdegang in der geistigen Welt erheblich beeinträchtigen, weil diese Dämpfung auch nach dem Ableben des physischen Körpers solange erhalten bliebe, bis der Betroffene zu der Erkenntnis gelangt, dass mit dem Ablegen des physischen Körpers auch alle mit diesem einhergehenden Beschränkungen abgefallen sind4. Dies kann insbesondere nach schwerer Krankheit lange dauern. Ich verweise hierzu auf das Kapitel 'Auswirkung von Alkohol und Drogen auf Aktivitäten in der geistigen Welt' im Band 4. Vollnarkosen sind dagegen völlig unproblematisch

Aber selbst so mancher Hausarzt, der den nun im Sterben Liegenden schon seit langer Zeit betreut, kommt möglicherweise an seine mentalen Grenzen, wenn es um eine Sterbebetreuung geht. Mir ist ein Fall bekannt, in dem der Hausarzt es zunächst ablehnte, seine achtundachtzigjährige Patientin nach einem seit fast dreißig Jahren bestehenden ungetrübten Vertrauensverhältnis weiter zu behandeln, weil die Angehörigen frühzeitig - wenn auch ungeschickt - versuchten, dieses Thema anzusprechen. Er sprach von psychischer Überforderung und meinte möglicherweise eine Furcht vor Regressansprüchen. So wie ein anderer Hausarzt ein Kind mit einer Zerrung im Bein an einen Spezialisten überwies, nachdem dessen Vater monierte, dass die verschriebene Heilsalbe dem Beipackzettel zufolge für Kinder ungeeignet war. Er wollte nur eine andere Salbe - und bekam einen anderen Arzt.

Den von dem Liedermacher Reinhard Mey besungenen fürsorglichen Dr. Berenthal gibt es nicht mehr. Deshalb können wir heute von Ärzten nicht mehr erwarten als von jedem anderen Handwerker, könnten also gleich weiterziehen, wenn ein Mediziner nicht seinen Anteil der Verantwortung zu tragen bereit ist. Wir leben spätestens seit der Zulassung privater Fernsehsender in einer Spaßgesellschaft, in der einem Jeden unablässig vor Augen gehalten wird, wie altmodisch und lästig Verantwortung, Integrität und Loyalität ist. Dies färbt auch auf Mediziner ab, denn sie bewegen sich nicht in einem abgeschotteten Universum, sondern unterliegen den gleichen gesellschaftlichen Einflüssen wie jeder andere auch. Schrauben wir also unsere Erwartungen zurück und sehen auch Ärzte als das, was wir ebenfalls sind: Mehr oder minder stabile Menschen, die Tag für Tag einer erheblichen psychischen Belastung und einem enormen Arbeitsdruck unterliegen.

Vermittle dem noch ansprechbaren Sterbenden das Folgende, ruhig und liebevoll, und nur sinngemäß ausgesprochen (eventuell verkürzt). Befindet er sich noch nicht in der Endphase und möchte kommunizieren, dann ist es wichtig, die Vorlesung mit ihm abzustimmen und den Text rein informativ zur Kenntnis zu geben. Ist der Betroffene nicht mehr ansprechbar, ist der Inhalt mental, also über Gedanken an dessen Unterbewusstsein zu vermitteln - hierzu gehört notwendig ein Einstimmen auf das, was den Sterbenden ausmachte sowie eine innere Sammlung, um sich während des aufmerksamen(!) Lesens den Text selbst vor Augen zu halten5:

"Dein Bewusstsein ist immer jung, nur dein Körper ist irgendwann am Ende. Dein Bewusstsein altert nicht, es ist so frisch wie am ersten Tag.

Wenn dein Körper stirbt, gibt er dich frei. Er ist wie ein alter schwerer Mantel, der von dir abfällt. Mit ihm fallen alle Behinderungen und körperlichen Einschränkungen von dir ab. Du wirst dich danach leicht und gesund und völlig klar im Kopf fühlen."

Einige Minuten Pause - doch hierbei weiter auf den Sterbenden konzentrieren (was ihn ausmachte etc.).

"Lege zunächst einmal dein ganzes Leben mit ab, sei offen und frei für alles Neue und lasse dich anleiten und führen. Denke zunächst nicht an zurückgelassene Menschen, Dinge, Gewohnheiten oder Orte. Sei neugierig, aber denke vorerst nicht zuviel."

Einige Minuten Pause - doch hierbei weiter auf den Sterbenden konzentrieren (was ihn ausmachte etc.).

"Betrachte zunächst einmal dieses Leben als eines von vielen, die du vermutlich bereits gelebt hast. Zwischen den Leben kehrst du immer wieder nach Hause zurück in das, was wir den Himmel nennen, um dich auszuruhen, zu resümieren und die weitere Entwicklung zu planen.

Um jedoch nach einem jeden Leben nach Hause finden zu können, musst du dich von allem Ballast dieses Lebens frei machen. Als da wären:

Du kannst denen, die du liebst und die noch im Leben stehen, später noch viel Aufmerksamkeit schenken, ihnen nah sein und sie führen. Doch zunächst musst du - um überhaupt erst einmal in das zu kommen, was wir den Himmel nennen - alle diese Anhaftungen loslassen. Das Sterben ist, als würden wir plötzlich - nur durch einen Schritt - in einer fremden Stadt ankommen und eine neue Rolle spielen müssen. Ohne Hilfe anzunehmen würden wir uns nur schwer zurechtfinden.

Diese Hilfen sind gelegentlich früher Verstorbene, die uns einst nahestanden und uns möglicherweise erwarten, um uns in Heiterkeit zu leiten und zu begleiten. Versuche jetzt für eine Weile, ganz intensiv an einen oder zwei solcher dir Nahestehenden zu denken, die vor dir verstorben sind. Sinniere darüber nach, wie sie waren und was sie dir bedeuteten. Das baut die Verbindung zu Ihnen auf."

Jetzt sollte einige Minuten Funkstille herrschen6 - eventuell könnte dieser letzte Auftrag gelegentlich wiederholt werden. Der Sterbende empfindet gedankliche Anweisungen als von einer unbestimmbaren Quelle aus dem Raum kommend, Einflüsterungen nicht unähnlich. Darum darf die Fülle an verbalen Hilfen nicht runtergeleiert werden, sondern sollte Satz für Satz bewusst und langsam gedacht oder gesprochen werden, um dem Empfänger Zeit für eine Reflexion und Umsetzung zu geben. Steht das Ableben nicht unmittelbar bevor und ist der Betroffene ansprechbar, sollte dass Nachfolgende noch nicht vermittelt oder nur entsprechend umformuliert zur Kenntnis gegeben werden.

"Wenn noch niemand gekommen ist, um dir zu helfen, kannst du jetzt wie überhaupt jederzeit - auch in völliger Einsamkeit - eine höhere Instanz deines Selbst um Hilfe bitten. Wenn du diesen Wunsch ernsthaft und vom Herzen kommend denkst, wird dir Hilfe zuteil werden. Diese Hilfe kann völlig anders aussehen, als du es erwartest. Du kannst diese Bitte um Hilfe auch an Gott richten. Bitte nun also dasjenige, welches klüger und weiser ist als du, in aller Demut um Hilfe."

Hier ist eine weitere längere Pause angebracht. Gegebenenfalls könnte nach einigen Minuten in Konzentration auf den sterbenden Angehörigen der letzte Auftrag nochmals vermittelt werden.

"Ich hoffe für dich, dass du bereits Hilfe erhalten hast und du in das, was wir den Himmel nennen, geleitet wirst. Wenn dies der Fall ist, wünsche ich dir jetzt alles Gute. Schaue dich um und versuche zu lernen, das neue System zu verstehen. Sei neugierig. Höre dann meinen jetzt folgenden Worten nicht mehr zu.

Falls bis jetzt jede Hilfe ausgeblieben ist, höre jedoch auf meine Worte: Wenn du in deinem Leben durch besonders negative Handlungen schwere Schuld auf dich geladen haben solltest, kann es vor dem Aufsteigen in bessere geistige Welten notwendig sein, das Falsche daran einzusehen und zu bedauern. Doch auch hierfür bekommst du auf deine intensiv gedachte Bitte hin Unterstützung. Die Unterstützung muss nicht so eintreten, wie du sie dir vorstellst. Die 'himmlischen' Helfer haben so ihre eigenen Methoden.

Vermeide jedoch ansonsten jegliches Nachdenken über Vergangenes. Träume auch nicht, sondern sei einfach da, bleibe wach im Geist, sehr neugierig und aufmerksam und wünsche dir die Nähe zu deinem ursprünglichen Selbst oder zu Gott. Eine Bewegung dorthin erfährst du als ein Ausdehnen Deines Bewusstseins, das dir ungewohnt vorkommen wird, aber sehr positiv ist. Oder dich führt eine sehr schnelle Bewegung durch eine Art Tunnel in den Himmel. Ob diese Bewegung abwärts oder aufwärts geht, ist hierbei egal. Abwärts ist genauso vorteilhaft. Lass es also einfach geschehen.

Das ist dein Übergang in die geistige Welt. Denn du wirst nun bald sterben. Deine Angehörigen aus deinem Leben wissen das auch und sind darum hier zusammengekommen.

Du bist nicht allein.

Glaube nicht, dass du träumst. Du träumst nicht. Du bist auf einer unteren Ebene der geistigen Welt.

Deine vertraute Umgebung wird bald nicht länger da sein, denn du bist dabei, uns zu verlassen. Doch bleibt das Band zwischen dir und allen deinen Lieben bestehen und wird fortdauern. Nämlich all' die vertrauten positiven (vgl. Fußnote S.141) Beziehungen und Kontakte deines Lebens zu anderen Menschen und auch zu Gott oder was du dir darunter vorstellst. Das alles bleibt erhalten. Alles andere, was zum Leben gehört, Besitz, Wünsche, Lebensziele, lasse nun einfach los. Lass einfach los, es ist in Ordnung."

Hier machen wir eine weitere Pause - doch konzentrieren uns währenddessen auf den Sterbenden (auf das, was ihn ausmachte etc.).

"Es könnten manchmal erschreckende Halluzinationen und Geräusche wie Donnerschläge, Farben und Lichtstrahlen kommen. Oder gruselige Fantasiegestalten. Diese entstehen jedoch nur einem Traum gleich aus deinem eigenen Bewusstsein heraus und sind ohne jede Substanz. Kümmere dich überhaupt nicht um so etwas. Sie verschwinden, wenn Du vom Herzen ausrufst: 'Ich liebe den Frieden'.

Was immer auch geschehen möge, nimm hin, was geschieht und versuche niemals zu fliehen oder gegen irgendetwas zu kämpfen. Du bist jetzt mit deinem neuen geistigen Körper absolut unverwundbar. Es ist das Beste, in bedrohlichen Situationen einfach zu kapitulieren. Oder erkenne sie als schlechten Traum. Gib also alle Gedanken an Angst und Schrecken auf, denn niemand kann dir ab jetzt etwas anhaben, du bist unzerstörbar. Es hilft, die Gedanken nicht wandern zu lassen. Doch wenn du denken möchtest, denke an Gott und bete zu Gott um Hilfe, Frieden und Liebe. "

Einige Minuten Pause - doch hierbei weiter auf den Sterbenden konzentrieren (was ihn ausmachte etc.).

"Möglicherweise siehst du irgendwann Lichter, die dich in Ihrer Helligkeit überraschen oder erschrecken und vielleicht andere weniger helle, die dich anziehen. Wenn du Lichter siehst, lasse dich immer nur von dem hellsten, klarsten und liebevollsten anziehen, auch wenn dich die Helligkeit zunächst erschreckt - matte Lichter beachte nicht7. Erkenne das hellste Licht als deinen Weg zu Gott und fühle dich zu diesem hingezogen, sehne dich nach ihm und spreche mit ihm. Du kannst jedem Licht fragen stellen. Schaue durch das hellste Licht hindurch, denn dieses Hineinsehen ist der Weg in den Himmel. Schaue dich nun in Ruhe um, ob du ein helles Licht oder wenigstens einen weit entfernten Lichtpunkt wahrnimmst. Und versuche, mit ihm zu sprechen."

Einige Minuten Pause - doch hierbei weiter auf den Sterbenden konzentrieren (was ihn ausmachte etc.).

"Wenn du noch kein Licht und auch keinen entfernten Lichtpunkt wahrgenommen hast, dann schaue dich nun in Ruhe um, ob du schon jetzt jemanden siehst, der in deiner Nähe ist und der dir vertraut vorkommt. Er wäre gekommen, um dich zu empfangen und dir zu helfen. Wenn ja, dann höre auf ihn und folge ihm."

Einige Minuten Pause - gegebenenfalls wiederholen.

Der Hintergrund: Wenn die Atmung ausbleibt, zieht sich der noch beim physischen Körper verbliebene kleine Rest Wachbewusstseinsenergie ebenfalls in die geistige Welt zurück. Das Wachbewusstsein hat sich durch ein abgetrennt sein von Reizen und Signalen der physischen Welt vollkommen nach innen gekehrt bei einem etwa neunmal klareren Bewusstsein [Platons 'Phaidon', Monroe, Buddhismus u.a.]. Jeder Gedanke, der sich darin erhebt - sei er nun gut oder schlecht - wird sehr mächtig und kann sich in einer beeindruckenden Halluzination manifestieren. Dies geschieht auch dann, wenn das Bewusstsein zu Lebzeiten keine geistige Klarheit besessen haben sollte.

Auch an dieser Stelle erscheint manchmal das innere Licht des eigenen ursprünglichen Selbst oder eines geistigen Helfers. Weil das vertraute Lebenssystem beim langsamen Sterben aus der Wahrnehmung verschwindet, ist für den Betroffenen der einzige Weg, sich jetzt noch auf irgendetwas zu beziehen, an Gefühle, also Liebe oder Hass zu denken. Doch auch das zögert nur die notwendige Aufgabe des eigenen Egos, die völlige Kapitulation hinaus. Wenn jemand in dieser Situation ist, sich als verlassen erfährt, nur mit sich selbst in Kontakt, nicht wissend, ob er den Verstand verlieren wird oder ob er ihn bereits verloren hat, sollte es ihm bewusst gemacht werden: Er ist nicht allein, eine große positive, intelligente und liebevolle Kraft wartet nur darauf, dass er sich zurücknimmt, alle Sorgen und Gedanken aufgibt und sich ihr anvertraut.

Fühlt er sich dagegen zu einem mattem Licht hingezogen oder beachtet es zu stark, hält ihn das erheblich auf, da er unnötigerweise in seinem weiteren Werdegang einen unangenehmen Umweg einschlägt, der ihn kein bisschen unserer Vorstellung des Himmels näher bringt. Im Idealfall wird er von unterstützenden, vormals verstorbenen Nahestehenden empfangen, die ihn anleiten. Voraussetzung ist jedoch eine Offenheit, so dass er diese überhaupt wahrnimmt und sich helfen lässt sowie die Akzeptanz des eigenen Todes.

Die Zeitdauer, in welcher der Kreislauf nach dem ersten Ausbleiben der Atmung noch weiterläuft, dauert von einem Moment bis zu einer viertel Stunde. Die letzten Atemzüge können gar noch einige Stunden nach dem ersten Aussetzen kommen. Doch schon zu Beginn tritt das Wachbewusstsein aus dem Körper aus. Der Sterbende nimmt die physische Welt nunmehr über die inneren Sinne seines Unterbewusstseins (vgl. Bd.2) wahr und weiß zu der Zeit noch nicht, ob er tot ist oder nicht. Er wird seine Verwandten versammelt sehen und ihre Worte einschließlich ihrer Gedanken zunächst noch hören können. Denn solange der Sterbeprozess nicht abgeschlossen ist, nimmt der im Übergang Befindliche noch vereinzelte Sinnesdaten des physischen Körpers auf.

Bricht dann dieser Datenfluss endgültig ab, befindet er sich im ungünstigsten Fall noch in seiner vertrauten Umgebung in einem steten Dämmerlicht ohne die Möglichkeit, irgendwelche Geräusche der physischen Welt wahrzunehmen oder mit ihr zu kommunizieren. Einzig die auf ihn bezogenen Gedanken und Gefühle anderer - lebender wie nicht lebender Identitäten - werden noch wahrgenommen, ohne sie genau zuordnen zu können. Die Gefasstheit der Angehörigen ist daher auch weiterhin sehr wichtig.

Das Folgende kann vermittelt werden, wenn die Atmung ausgesetzt hat. Da wir nicht wissen können,

ist es sinnvoll, sich für alle laut oder in Gedanken gesprochenen Ansprachen gut auf den Sterbenden einzustimmen. Dies geschieht, indem man eine Weile entspannt und ruhig an ihn denkt, darüber sinniert, was er einem selbst bedeutete9. Wenn man dann das vage Gefühl hat, dass man nicht mehr alleine ist, dass einen jemand umgibt, dann sollten dem Sterbenden die obigen Punkte noch einmal ruhig und liebevoll sinngemäß in Gedanken vermittelt werden, nun mit den folgenden Ergänzungen10:

"Du bist jetzt tot. Das bedeutet aber nur, dass du deinen Körper wie einen alten Mantel ablegen musstest. Nun bewegst du dich mit deinem geistigen Körper, der dir aus deinen Träumen schon wohlvertraut ist."

Einige Minuten Pause - doch hierbei weiter auf den Sterbenden konzentrieren (was ihn ausmachte etc.).

"Fühle kein Verlangen und keinerlei Sehnsucht nach dem Leben, denn wir alle - alle, die du liebst - werden dir später nachfolgen. Du gehst uns nur voraus. Verlange nichts und sehne dich auch nicht nach irgendwas aus deinem Leben, sonst dauert es nur länger, bis du die höheren angenehmeren Ebenen des Himmels erreichst.

Erschrick nicht vor lautem Krach, blendendem Licht und Farben. Bleib' ruhig und gelassen. Du bist absolut unverletzbar und damit unzerstörbar.

Lass zu, dass du dich von dieser Welt völlig löst, jedes Interesse hieran verlierst. Das ist für jetzt gut und notwendig, denn du wirst später noch viele Gelegenheiten haben, deinen Lieben nahe zu sein."

Einige Minuten Pause - doch hierbei weiter auf den Sterbenden konzentrieren (was ihn ausmachte etc.).

"Erschrick also nicht vor einem möglicherweise erscheinenden hellen strahlenden Licht, das im Näherkommen den ganzen Himmel einnehmen kann (Fn. S.198). Sehne dich zu ihm hin und nicht nach einem milden matten Licht, das ein Hindernis für dich sein würde. Lasse deinen Geist in dem hellsten intelligenten Licht ruhen, entspannt, absichtslos, und lasse dich voll Hingabe davon anziehen. Sprich mit dem Licht, stelle ihm Fragen. Über dieses intelligente Licht führt der Weg in den Himmel, zu Gott.

Denke voll Hingabe an Gott und Liebe und bete zu Gott, denke ansonsten über gar nichts nach - und lasse dich nicht ablenken"

Der Hintergrund: Diese Anweisungen an den Sterbenden sind aus den folgenden Gründen wirksam:

Das Wachbewusstsein verfügt nach dem Zusammenfließen von Wach- und Unterbewusstsein zum einen über eine nach unserer Auffassung übernatürliche Wahrnehmungsfähigkeit, so dass es hören kann, was gedacht wird. Zum anderen ist es nunmehr neunmal klarer, so dass es die Anweisungen mühelos verstehen kann11. Selbst wenn der Sterbende taub war, versteht er Inhalt und Sinn der übermittelten Gedankenpakete ohne Kenntnis der Sprache. Denn die Wahrnehmung erfolgt nunmehr direkt über das Unterbewusstsein, so dass er nicht die Sprache verstehen muss, um Absicht und Aussage zu erkennen.

Dazu ist es jedoch erforderlich, dass sich der Anweisende die zu vermittelnden Inhalte selbst 'vor Augen hält' und nicht nur gedankenlos einen Text runterleiert. Dabei können dem Vortragenden sehr starke Emotionen erschüttern, die ihn von außen zu ergreifen scheinen. Man merkt nach und nach, dass es nicht nur die Betroffenheit des eigenen Wachbewusstseins ist, welche diese hervorbringt. Lass diese Emotionen zu. Es könnten neben eigenen verdrängten Energieblöcken auch die Emotionen des Sterbenden sein, die der Vortragende durch die enge geistige Verbindung mitfühlt. Halte solange mit dem Vortrag inne, bis sie gerade abgeklungen sind, dann Weiterlesen.

Sofern sich der im Übergang Befindliche ängstigt und nicht von das Ableben begleitenden geistigen Helfern auf die oberen Energieebenen geleitet wurde, womit seine Orientierungsphase positiv abgeschlossen wäre, wird er ständig nach Hilfe und Lösungen Ausschau halten und hört auf diese Anweisungen. Das betroffene, in der geistigen Welt unerfahrene Wachbewusstsein geht zudem direkt dorthin, wohin es seine Gedanken richtet und ist daher leicht zu führen. Auch wird die geistige Haltung des Sterbenden schon allein durch das Wahrnehmen dieser Anweisungen positiv beeinflusst.

Wo immer sich die Betroffenen auch aufhalten, sie werden bedingt durch ihre wesentlich erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit die Kontaktaufnahme bemerken und die Inhalte registrieren, wenngleich ohne sie einer Quelle zuordnen zu können. Wenn ihr Übergang bereits abgeschlossen ist, kann diese Hilfestellung wenigstens nicht schaden.

Oft erscheinen die hier genannten Lichter nicht oder zunächst nur als weit entfernte Lichtpunkte. Das Tibetische Totenbuch vermutet in dem hellsten aller Lichter die Wesenheit als höhere Instanz des eigenen Selbst. Dies stimmt weitgehend mit Monroes Darstellung überein - selbst Schopenhauer erwähnt dies beiläufig.

Die Wahrscheinlichkeit sollte recht groß sein, dass der Sterbende mit diesen Hinweisen aus der unteren Übergangsebene auf eine passende höhere Ebene des 'Himmels' gelangt. In diesem Fall würde er von anderen unterstützt und angewiesen und kann sich allein über einen Gedanken an jede Position in Raum und Zeit lenken, wo er gern sein möchte. Zudem erhält er auf alle Fragen eine unmittelbare Antwort in Form einer umfassenden Erkenntnis. Auch seine lebenden Nahestehenden kann er weiter sehen, sofern er es möchte. Es hilft ihm, wenn die Angehörigen ihn nicht verzweifelt herbeirufen, denn das schafft eine Zerrissenheit, die seine Stimmung beeinträchtigt, da er zwar trösten möchte, es aber nicht wie gewohnt kann.

Ist er nicht befreit, könnte er auf unbestimmte Zeit innerhalb der unteren 'erdnahen' Ebenen der geistigen Welt umherirren. Oder es treten im Falle einer von dem Betroffenen gefühlten Isolation Halluzinationen auf, in denen sich negative (Fn. S.141) wie positive Aspekte der eigenen Persönlichkeit ausdrücken. So können schreckliche, aber auch unvorstellbar schöne Eindrücke erscheinen. So oder so - diese den optimalen Verlauf störenden Phantasien sollten in der Orientierungsphase bis zur Befreiung ignoriert werden. Es kommt nur darauf an, sich selbst mit seinem Ego zurückzustellen, aufmerksam zu bleiben und sich für Liebe, Weisheit und Hilfe zu öffnen.

Aber auch in beängstigenden Halluzinationen gefangen kann der Sterbende noch jederzeit zur notwendigen Einsicht und damit zur Befreiung kommen. Wenn er an Gott und seine Liebe glaubt und gleichzeitig nicht an dieser Welt festzuhalten versucht, hat er jedenfalls eher einen glatten Durchlauf auf eine höhere Ebene. Das Beten zu Gott - wobei man sich unter ihm etwas vorzustellen versucht - ist in einer jeden Notsituation tatsächlich und unausweichlich hilfreich [Lit 61] und beendet diese. Es lässt eine Hilfe erscheinen und stellt die Orientierung wieder her.

Am schnellsten und vorteilhaftesten ist diese Phase des Übergangs erledigt, wenn der Betroffene erkennt, im Wesentlichen nur dem eigenen Bewusstsein ausgesetzt zu sein. Dies führt in Verbindung mit einer Art Kapitulation, einer Absichtslosigkeit, einer Abwesenheit von Willen zu der Befreiung, wobei dieser dem Tibetischen Totenbuch entliehene Begriff in der Sprachregelung dieser Abhandlung stets mit einem erstrebenswerten Aufsteigen in höhere positive Welten gleichzusetzen ist. Man kann dies alles auch in einer Kurzform ausdrücken:

"Hafte nicht an Menschen, Dingen, Orte, Gewohnheiten und Glaubensgrundsätzen an und strebe nach Wahrheit und Licht. Zeige Interesse für deine neue Rolle und die geistige Welt."

Es ist von großem Nutzen für den im Übergang des physischen Todes Befindlichen, wenn der Leichnam nicht zu schnell weggeschafft wird. Wenn möglich, sollte er vierundzwanzig Stunden nach Eintritt des Todes am Sterbeort verbleiben. Bei einem nicht glatten Verlauf kann der Betroffene hierüber leichter seine Situation verstehen [Buddhismus, Wickland, Meek]. Es empfiehlt sich, dieses rechtzeitig mit anderen Angehörigen und gegebenenfalls dem Krankenhaus zu klären.

Wie schon betont, ist es eine weitere große Hilfe für den Sterbenden, wenn die Angehörigen so gelassen und positiv als möglich gestimmt sind. Selbst in Heiterkeit kann man vollumfänglich Respekt vor dem Übergehenden ausdrücken. Für Gelassenheit und Heiterkeit besteht durchaus Anlass, wenn man berücksichtigt, dass man zwar von dem Verstorbenen physisch getrennt ist, dieser jedoch von Not und Krankheit befreit in eine ungleich bessere Welt aufsteigen kann und ihm dieses erleichtert wird, wenn er nicht von stark trauernden Angehörigen festgehalten wird. Denn was möchten wir machen, wenn neben uns ein Nahestehender verzweifelt ist und weint? Wir gehen nicht weg, überlegen und versuchen, irgendwie zu helfen. Doch diese Anhaftung wäre für den Verstorbenen in seinen Auswirkungen verhängnisvoll. Ähnliches gilt nach Meek für die üble Nachrede [Lit 123].

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