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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN

Band 3: Klassische Sterbeforschung


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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8374 9455 133)


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Kapitel 3.4.: Die Lebensrückschau - Eine Wiederholung (Verlauf der Orientierungsphase)

Nach Meek setzt die Lebensrückschau erst ein, wenn der Betroffene Dingen, Menschen, Gewohnheiten oder Orten der physischen Welt nicht mehr anhaftet. Diese Annahme erscheint mir unhaltbar, weil dem plötzlichen Tod oft eine Lebensrückschau voraus geht. Zu dem Zeitpunkt existieren durch das enge Eingebunden sein in die physische Existenz noch starke Anhaftungen verschiedener Art.

Wie auch immer,

beginnt eine Lebensrückschau, die von Meek als "Schlafzustand" mit Aufarbeitungs- und Aussöhnungsmöglichkeit bezeichnet wird. Er nennt als Anhaltspunkt maximal sieben Tage bis zu dessen Auftreten. Roberts zufolge kann der physisch Verstorbene jedoch jederzeit innerhalb seiner Reflexionsphase sein Leben oder Teile hiervon aufarbeiten und hierzu die Lebensrückschau nutzen.

Die ersten beiden der vorgenannten Auslöser finden noch unter unserer Zeitrechnung statt. Denn solange sich der Betroffene dem Verlauf der reellen Zeit unterworfen wähnt, folgt er diesem. An seine nunmehr erweiterten Möglichkeiten des Bewusstseins gewöhnt er sich nur allmählich. Die Lebensrückschau wird entweder als

in einer von außen betrachteten dreidimensionalen Darstellung erlebt.

Der Inhalt der Betrachtung ist also nicht die auf den ehemaligen körperlichen Sinnen basierende visuelle Wahrnehmung des Protagonisten. Es ist eine Beschau

Der im Übergang Befindliche sieht sich selbst "wunderbar beleuchtet" in einer erhabenen Darstellung. "Göttliche Musik", welche nach Ingrisch dem eigenen Bewusstsein entstammt, streichelt dabei die Seele [Lit 133]. Dann verstehen wir, wie Ray-Wendling sagt, unsere Mängel, unsere Fehler und Irrtümer, unsere Erfolge und Fortschritte.

Dies ist der Punkt, an dem wir selbst über alles, was wir getan oder unterlassen haben, eine Bewertung abgeben müssen. So wurde in dieser Phase einer Nahtoderfahrung der österreichische Musiker Bo Kazmann [Lit 59] von einem verstorbenen Nahestehenden aufgefordert: "Beurteile das mal. Was sagst du dazu? Wo würdest du dich so hinstellen, benoten quasi?". Roberts nennt die Frage: "Wo sind deine Ideen deiner Meinung nach gültig gewesen und wo nicht?" [Lit 191]

Niemand sonst bewertet das Denken, das Handeln und die Worte eines Menschen in seinem Leben. Das gelebte Leben selbst scheint das Urteil zu sein, und die sich hieraus ergebende Note der momentane Grad der spirituellen Entwicklung (vgl. Bde. 6&8). Man fühlt sich bloß, aber nicht verletzbar. Der Verlauf ist sehr liebevoll. Man fühlt sich akzeptiert und mit allen Schwächen geliebt. Es ist zum Zerplatzen beglückend. Nach den Beschreibungen würde es immer schwerer, soviel selbstlose Liebe überhaupt zu ertragen.

Es wurde als gutes Gefühl empfunden, alles einmal loszuwerden. Man steckt bei entsprechendem Interesse auch in der Haut derjenigen, die man verletzt und derjenigen, denen man zu einem guten Gefühl verholfen hatte. Dabei spielen materielle Zuwendungen eine geringe Rolle. Von Belang seien die Gefühle, die wir im anderen verursachen, selbst im Kleinen. Die künstliche irdische Währung - das Geld - scheint hier keinerlei bleibenden Wert zu besitzen; die einzig verbliebene, verschiedene Schichten der Existenz verbindende Währung ist die der Emotion. Meek beschreibt diesen Vorgang so:

"Da ist kein Gott, der uns richtet. Wir richten uns immer selbst. Jede Seele befindet sich auf einer anderen Stufe ihres geistigen Wachstums. Was für den einen falsch ist, hat keineswegs die gleiche Bedeutung für andere." [Lit 123]

Ein klassisches Beispiel für einen Übergang ist die Nahtoderfahrung des schweizerischen Bergsteigers Prof. Albert Heims. Er schilderte im Jahr 1892 seinen Absturz am Säntis. Heims schreibt:

"Ich fuhr auf dem Rücken [...] nach unten über den Fels und flog schließlich noch 20 Meter frei durch die Luft [...] Was ich in den fünf bis zehn Sekunden gedacht habe, lässt sich in zehnmal mehr Minuten nicht erzählen. Alle [...] Vorstellungen waren zusammenhängend und sehr klar, keinesfalls traumhaft verwischt [...] Dann sah ich, wie auf einer Bühne aus einiger Entfernung, mein ganzes vergangenes Leben in zahlreichen Bildern sich abspielen. Ich sah mich selbst als die spielende Hauptperson. Alles war wie verklärt von einem himmlischen Lichte und alles war schön und ohne Schmerz, ohne Angst [...] Erhabene und versöhnende Gedanken beherrschten und verbanden die Einzelbilder, und eine göttliche Ruhe zog wie herrliche Musik durch meine Seele. Dann hörte ich ein dumpfes Aufschlagen, und mein Sturz war zu Ende." [Lit 95]

Soweit Heims. Oft folgt dieser Lebensrückschau ein Staunen und eine Enttäuschung, dass man in seinem irdischen Dasein völligen Belanglosigkeiten große Bedeutung beigemessen und diese Zeit vergeudet, sich umsonst angestrengt hat.

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