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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 3: Klassische Sterbeforschung
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 97 8374 9455 133)


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Kapitel 3.12.: Noch einmal zurück ins alte Leben? (Verlauf der Orientierungsphase)

Der von mir als Übergang oder Orientierungsphase bezeichnete Zeitraum vom physischen Tod bis zur Ankunft auf einer höheren Energieebene in der geistigen Welt hat eine herausragende Bedeutung, weil hierin die Weiche für den nachfolgenden Lebenszyklus gestellt wird. Nach Monroe, Ingrisch und dem Buddhismus entscheidet man sich entsprechend seinem spirituellen Erkenntnisstand (vgl. Bde. 6&8),

Hohe Energieebenen sind die Ausgangsbasis für geplante Lebenszyklen. Für jeden dieser geplanten Durchläufe legt man nach Roberts individuelle Schwerpunkte fest [Lit 176].

Nur in wenigen Fällen hat man die völlig freie Wahl, in das letzte physische Leben zurückzukehren oder nicht. Häufiger wird eine Rückkehr von begleitenden, früher verstorbenen Nahestehenden nonverbal über das Bewusstseinshören (vgl. Bd.2) dringend empfohlen oder auch zwingend nahegelegt, wenn in dem vergehenden Leben eine Lebensaufgabe noch nicht abgeschlossen ist und mögliche Folgeschäden händelbar sind. Es ist demnach vorteilhaft, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen noch zu einem guten Ende zu bringen. Natürlich nur, sofern eine Rückkehr im derzeitigen Zustand des physischen Körpers noch möglich ist und Sinn macht. Die Formulierungen sind stets ähnlich:

"Du musst noch was zu Ende bringen", "Du hast deine Lebensaufgabe noch zu erfüllen", "Geh wieder zurück, du hast noch eine Aufgabe zu erfüllen", "Erfülle Deine Aufgabe". [Lit 123, 170 u.a.]

Die aus einer Nahtoderfahrung zurückgekehrte Ursula Bertram sagte dazu:

"Ich dachte, dass die mich jetzt empfangen. Aber die waren gar nicht begeistert davon, dass ich kam. Und dann musste ich in meinen Körper zurück."

Und Christine Stein schrieb über diesen Moment:

"Ich drückte beide noch einmal ganz fest an mich und wollte [...] sie am besten gleich mitnehmen. Doch das ging ja leider nicht, obwohl ich mich im Himmel, an einem Ort befand, an dem alles Unmögliche möglich ist. Im gleichen Augenblick konnte ich spüren, wie mein Körper ein wenig zu kribbeln begann und plötzlich fand ich mich im Operationssaal wieder und sah von oben auf den OP-Tisch, wie auch zu Anfang meiner Reise. Dort lag mein Körper mit geöffneten Brustkorb und ich nahm die Worte der Chirurgen wahr, welche sagten: 'Jawohl, wir haben sie wieder, die Kleine schafft es!'" [Lit 170]

Es wird aber auch durch Nahestehende von einer gewollten Rückkehr in das physische Leben abgeraten, wenn beispielsweise nach einem Unfall

Dann ist ein späterer Neuanfang in einem geplanten Lebenszyklus dem Weiterleben vorzuziehen. Zur Überzeugungsarbeit der begleitenden Nahestehenden gehört auch das Zeigen von Visionen der Auswirkung des möglichen Todes oder des Weiterlebens, die einem plastischen Film gleich vorgeführt werden. Die Parallelen zur Präkognition1  und zur Lebensrückschau sind unübersehbar (vgl. Bd.4). Der Betroffene kann also die entsprechenden Wahrscheinlichkeitslinien der Anteile seines persönlichen Selbst, die sich so oder so entscheiden, einsehen. Eine unbeeinflusste freie Wahl haben nur die Identitäten, deren Lebensaufgaben weitgehend abgeschlossen sind und möglicherweise zurückbleibende Einschränkungen des physischen Körpers nach einer Rückkehr akzeptabel wären.

Was aber ist die Lebensaufgabe? Es ist selten nur eine, oft sind es mehrere Aufgaben, die einen Bezug zum bewusst gewählten thematischen Schwerpunkt des Lebenszyklus haben. Dieser beinhaltet Erfahrungen, die der Aussendung oder dem Gesamt-Selbst noch fehlen. Der Schwerpunkt wird vor dem Lebensbeginn vom ursprünglichen Selbst - also der Wesenheit - in Abstimmung mit dem persönlichen Selbst - der Identität - gesetzt. Hierbei werden auch die sonstigen Lebensumstände und die Eltern ausgesucht (vgl. Bd.2). Die Lebensaufgaben jedoch stellt man sich in der Regel erst im physischen Leben befindlich selbst. Sie ergeben sich gewissermaßen aus der sorgfältig gewählten Ausgangskonfiguration. Und diese wird oft - in Teilen oder gänzlich - bewusst problematisch angelegt, um hierüber dem Streben der Identität die gewünschte Richtung zu geben. Daher sind viele Lebenszyklen emotional oder physisch sehr belastend. Denn in einer Friede, Freude, Eierkuchen-Umgebung fehlen Anreize zur Ausbildung eines starken Willens.

Es werden von den begleitenden Angehörigen wie im Falle C. Steins auch wahrscheinliche Lebensaufgaben berücksichtigt, derer sich die Protagonistin zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst ist [Lit 170]. Ob das Erfüllen von Lebensaufgaben stets nur positive Auswirkungen auf andere hat, ist zweifelhaft und kaum objektiv zu bewerten. Es scheint mehr darum zu gehen, selbst gesteckte Ziele zu erreichen. Und diese sind genauso unterschiedlich, wie es die Menschen sind.

Wenn man dann also in den Lebenszyklus zurückgeht, wird die Rückkehr in den fast abgelegten physischen Körper oft mit Widerwillen vorgenommen und als unangenehm empfunden. Es sei wie ein Sprung in das kalte Wasser eines Schwimmbeckens. Ein exemplarisches Beispiel:

Eine Frau wurde zur Entfernung eines Gehirntumors im Krankenhaus künstlich heruntergekühlt, ihr wurde alles Blut entnommen. In diesem Stadium der Vorbereitung zur Operation trat sie aus ihrem Körper aus, fühlte sich leicht und wohlig, und schwebte über dem Geschehen. Später konnte sie die verwendeten Instrumente detailliert in ihren Worten beschreiben, auch die Arbeit und Gespräche der Ärzte und Assistentinnen schildern. Gleichzeitig erweiterte sich ihr Bewusstsein unermesslich; so erhielt sie auf jede Frage, die ihr in den Sinn kam, unmittelbar eine Antwort in Form eines umfassenden Verständnisses. Die Antworten wurden ihr sozusagen vor Augen geführt. Wollte sie zum Beispiel wissen, wie die alten Römer lebten, dann sah sie es, losgelöst von der irdischen Zeit. So sah sie Zusammenhänge, die unserem Wachbewusstsein gewöhnlich verborgen bleiben.

Verstorbene, zu denen sie früher eine innige Bindung gehabt hatte, kamen unversehrt trotz schwerer körperlicher Gebrechen in ihren späten Lebensjahren und mit einer Ausstrahlung wie in ihrer besten Zeit, wie um sie zu betreuen. Sie wollte in Richtung eines einladenden hellen Lichts gehen, doch die Verstorbenen gaben ihr - wortlos, nur über Gedanken - zu verstehen, dass sie, wenn sie sich zu weit von hier fortbewegen würde, es nicht mehr in ihren Körper zurück schaffen könnte. So blieb sie. Nach Ende der Operation sah sie auf den abschreckend wie ein Leichnam daliegenden Körper und sagte in nonverbaler Kommunikation, dass sie da nicht wieder hinein wolle, es grauste ihr vor dem Anblick. Doch ihre Nahestehenden bedeuteten ihr, sie müsse einfach hineinspringen, so wie man zum Beispiel vom Beckenrand ins kalte Wasser springt. Sie zögerte lange und schließlich gaben sie ihr einen Stoß; sie fiel in ihren unangenehm kalten Körper zurück, ein Schaudern und alle mit körperlichen Sinnen wahrnehmbare - nach der Operation eben eher unangenehme - Empfindungen überfielen sie.

Doch nicht jeder wird wie in diesem Beispiel genötigt, im Operationssaal zu verharren. C. Stein durfte ihre spätere Ziel-Energieebene besuchen und wurde dann zu ihrem physischen Körper zurückgeführt. An den folgenden Wiedereintritt erinnert sie sich nicht. [Lit 170]

Nach der Reanimation verschwinden die durch die Bewusstseinserweiterung2 gewonnenen Erkenntnisse (Def. Band 6) nach und nach, so wie ein Traum vergessen wird, wenn man ihn nicht ständig rekapituliert oder schriftlich festhält.

Und wie empfinden reanimierte Menschen mit Nahtoderfahrungen ihr jetziges Leben? Sie verfügen in der Regel nach einer Phase der Desorientierung, die bis zu sieben Jahre andauern kann, über mehr Energie und Lebensfreude als vorher. Dem glücklichen Lebensgefühl wird ein höherer Stellenwert eingeräumt als dem Status. Man möchte seinem neuen Lebensgefühl freien Lauf lassen. Die Lebensängste sind weggeschmolzen. Nach dem Nahtod-Erlebnis hatten einige weniger Schuldgefühle für begangene Fehler und Verfehlungen durch das Feedback der begleitenden Wesen, die Dinge im Wesentlichen bis jetzt richtig entschieden zu haben.

Bei denjenigen, die in das Leben zurückkehren konnten, hatte die Nahtoderfahrung also häufig starke Auswirkungen auf künftige Sichtweisen und Lebensführung. Besonders in der ersten Zeit nach der Rückkehr in das Leben scheint man es neu erlernen zu müssen. C.G. Jung schrieb über diese Phase nach seiner Nahtoderfahrung:

"Und dann dieser Kontrast, der Tag! Da war ich gequält und mit den Nerven vollständig herunter. Alles irritierte mich. Alles war zu materiell, zu grob und zu schwerfällig, räumlich und geistig beschränkt, zu unerkennbarem Zwecke künstlich eingeengt, und besaß doch etwas wie eine hypnotische Kraft, an sich glauben zu machen, wie wenn es die Wirklichkeit selber wäre, während man doch ihre Nichtigkeit deutlich erkannt hatte. Im Grunde genommen bin ich seither, trotz revalorisierten Weltglaubens nie mehr ganz vom Eindruck losgekommen, dass das 'Leben' ein Existenzausschnitt sei, welcher sich in einem hierfür bereitgestellten dreidimensionalen Weltsystem abspielt." [Lit 140]

Der ungarische Schriftsteller Péter Nádas drückt es nach eigener Erfahrung so aus:

"Man erlebt nicht etwas, das man nie erlebt hat, sondern man sieht alles aus einer Perspektive des Nie-Erlebten, aber die Bewusstseinsinhalte sind schon da [...] Es ist ein besseres Gleichnis, wenn ich sage, dass man eine Sprache, die man nie verlernt hat, neu lernen muss. Ich wusste, dass auf der Straße Menschen gehen und doch war es mir ganz neu, dass auf der Straße Menschen gehen. Es war ganz neu und sehr bedrohlich. Die Menschen erschienen mir ungefähr so bedrohlich, wie sie tatsächlich sind. Alles war zu laut, alles war zu grell, zu hässlich und zu schmutzig, auch zu sauber, zu künstlich und zu gut gemacht. Das sind alles Dinge, die man weiß, aber man will sie nicht wissen. Dies alles war ganz stark, denn das Glücksgefühl war weg."

Vermutlich sehen wir unser ganzes physisches Leben aus dieser Perspektive des Nie-Erlebten, obschon die Bewusstseinsinhalte der wahrscheinlichen Verläufe schon da sind. Interessant ist, dass ein zur Ruhe gekommenes Bewusstsein den Rummel in der physischen Welt der Erscheinungen als bedrohlich empfindet. Doch auch ohne die Erfahrung eines Nahtod-Erlebnisses können Isolation oder Einsamkeit ähnliche Befremdungen hervorrufen. Schopenhauer beschrieb dies so:

"[...] so wird durch anhaltende Zurückgezogenheit und Einsamkeit unser Gemüt so empfindlich, dass wir durch die unbedeutendsten Vorfälle, Worte, wohl gar durch bloße Mienen, uns beunruhigt oder gekränkt oder verletzt fühlen; während der, welcher stets im Getümmel bleibt, dergleichen gar nicht beachtet."

Somit beschreibt Nádas mit seinen Worten eher die Welt hinter den Kulissen, da sie frei zu sein scheint von dem, was ihn hierher zurückgekommen ängstigte. Nach einer Studie von Cherie Sutherland, einer australischen Forscherin, die fünfzig Menschen mit Nahtoderfahrungen untersuchte, gab es viele verschiedene Veränderungen in den Leben der Betroffenen, die auch durch andere Studien - von Ring 1980 u.a. - bestätigt wurden:

  1. Ein grundlegender Glaube an das Leben nach dem Tod;
  2. Eine Abwesenheit von Angst vor dem Tod;
  3. Ein Wegbewegen von organisierter Religion hin zu persönlichen spirituellen Praktiken;
  4. Ein signifikanter Anstieg an psychischer Sensibilität;
  5. Ein positiveres Bild von sich selbst und anderen;
  6. Ein gesteigertes Bedürfnis am Alleinsein;
  7. Ein gesteigerter Sinn für Lebensziele;
  8. Ein Mangel an Interesse am materiellen Erfolg, verbunden mit einem gesteigerten Interesse an spiritueller Weiterentwicklung; (vgl. Bde. 6&8)
  9. Etwa die Hälfte bekamen erhebliche Schwierigkeiten in ihren Partnerschaften als Ergebnis geänderter Prioritäten;
  10. Eine Steigerung im Gesundheitsbewusstsein. Auch nach Meek und Monroe lernt man in einem höheren Erkenntnisstand den Körper als Fahrzeug des Geistes zu schätzen - jedoch ohne ihn zu verehren;
  11. Die meisten tranken weniger Alkohol;
  12. Nahezu alle Raucher gaben das Rauchen auf;
  13. Die meisten lehnten verordnete Medikamente ab;
  14. Die meisten sahen weniger Fernsehen;
  15. Die meisten lasen weniger Tageszeitungen;
  16. Ein gesteigertes Interesse an alternativen Heilungsmethoden;
  17. Ein gesteigertes Interesse an Lernen und Selbst-Entwicklung;
  18. Etwa 75 Prozent erfuhren einen wichtigen beruflichen Wechsel in einen Bereich, in dem anderen in irgend einer Art und Weise geholfen werden kann.

Eine andere unabhängige US-amerikanische Studie von Dr. Melvin Morse aus dem Jahr 1992 fand heraus, dass Überlebende mit Nahtoderfahrung zeitweise nicht fähig waren, Armbanduhren zu tragen und öfter elektrische Probleme hatten wie in ihrer Nähe versagende Computer-Elektronik und gelöschte Kreditkarten. Er fand auch heraus, dass Erwachsene hiernach mehr Geld für wohltätige Zwecke ausgeben, aktiver im Gemeinschaftsleben sind, mehr unterstützende ehrenamtliche Tätigkeiten aufnehmen, kaum noch weiteren Drogenmissbrauch erleiden und mehr frisches Obst und Gemüse essen.

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