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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN

Band 3: Klassische Sterbeforschung


Das hier zum Lesen freigegebene Buch erscheint Herbst 2019 gebunden und als Ebook

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Kapitel 2.: Die letzten Stunden (Sterbebegleitung)

Sokrates nimmt in 'Phaidon' an, das in der Art des Sterbens das gesamte vergangene Leben des einzelnen Menschen repräsentativ dargestellt wird und in seinen letzten Worten und Gesten zeige er, was er eigentlich ist. Dies kann jedoch nur für die Fälle ernsthaft erwogen werden, in denen der Betroffene bis zur letzten Minute klar im Geiste gewesen ist und der Körper nicht durch Krankheit eingeschränkt war - kurzum nur für Todeskandidaten wie eben er selbst einer gewesen ist.

Zudem würde eine derartige Reflektion die Einsicht erfordern, dass der Tod unmittelbar bevorstehe. Nach Wickland jedoch erleben die meisten Menschen selbst nach schwerer Krankheit den Zustandswechsel, den wir Tod nennen, ohne sich dieses Übergangs bewusst zu werden, ohne ihn als solchen wahrzunehmen [Lit 84]. Die Ursache ist ein ängstliches Verdrängen der sich abzeichnenden Entwicklung. Folglich wissen die Betroffenen häufig nicht, dass sie physisch verstorben sind [Lit 84].

Durch Unwissenheit über ihre veränderten Lebensverhältnisse sitzen sie solange auf den erdnahen unangenehmen Bewusstseinsenergie-Ebenen (vgl. Bd. 2) der II. geistigen Bewusstseinsenergie-Schicht fest, bis sie wenigstens ein Minimum an Erkenntnis erreichen. Beispielsweise ermöglicht ihnen die grundlegende Erkenntnis, den physischen Körper abgelegt und - wie Ingrisch sagt - "die Rolle gewechselt zu haben" das Lösen von verengenden Anhaftungen, von Irrglauben, von jetzt sinnlosen Glaubenssätzen und von Negativität (Fn. S.123). Dies ist eine Voraussetzung für einen geistigen Zustandswechsel hin zum Besseren, folglich für den Aufstieg aus diesem elendigen unteren Bereich.

So oder so setzen nach Roberts (Seth) schon längere Zeit vor dem natürlichen Ableben Veränderungen ein. Es gibt einen Prozess der Beschleunigung geistiger und psychischer Aktivitäten, die von der Umwelt jedoch häufig als Senilitätsmerkmale fehlinterpretiert werden. Ähnlich wie in der Pubertät "werden durch explosionsartige schöpferische Aktivität grundsätzliche Fragestellungen und völlig neue Wege der Persönlichkeitsentfaltung und -erfüllung vorbereitet [...] Wenn die Zeit dazu reif ist, beginnt das Individuum über das irdische Leben hinauszublicken und sich Bewusstseinsdimensionen zu öffnen, die ihm verschlossen waren, solange es zu der intensiv physischen Bewusstseinsorientierung des normalen Erwachsenendaseins gezwungen war [...] Es wird etwas ausgelöst und in Bewegung gesetzt, das die Persönlichkeit aus ihrer zeiträumlichen Orientierung herauslösen und von dem üblichen Zwang, sich 'erwachsen' geben zu müssen, befreien kann [...] Wenn man die Alten ihrer natürlichen Entwicklung und sich selbst überlässt, so verstehen sie ihre eigenen 'Visionen' recht gut. Körper und Geist wirken dann harmonisch zusammen." [Lit 184]

Soweit Roberts. Dieses geistige, psychische Wachstum in der Endphase des Lebens dient bereits der nachfolgenden Reflexionsphase in der geistigen Welt wie auch der Vorbereitung des nächsten Lebenszyklus. Doch der alte Mensch kontrolliert sich oft selbst, unterdrückt befreiende Phasen, um nicht mit den Erwartungen der Gesellschaft in Konflikt zu geraten. [Lit 184]

Die Nähe des natürlichen Todes kündigt sich manchmal durch Visionen des Sterbenden an, die in seinen letzten Tagen auftreten und nur eine Dauer von fünf Minuten oder weniger haben. Der Betroffene macht deutlich, dass Besucher gekommen seien, um ihn zu holen. Dabei spielt es für das Auftreten dieser ihm nahestehenden Identitäten der geistigen Welt keine Rolle, ob der Betroffene an ein Leben nach dem Tod glaubt oder nicht [Lit 25]. Sein Fokus der Aufmerksamkeit und seine Wachbewusstseins-Energie verschieben sich zunehmend zum Unterbewusstsein, über das sein Wachbewusstsein geistige Wesen, zu denen eine Affinität1 oder ein Kontaktwunsch besteht, wahrnimmt.

Diese Besucher sind in dieser Phase des Übergangs stets früher verstorbene Nahestehende und niemals noch lebende Personen. In manchen Fällen war dem Sterbenden das Ableben des Besuchers nicht bekannt. Diese Visionen haben eine unterstützende und somit positive Wirkung auf den Sterbenden und sollten keinesfalls - wie häufig von Ärzten oder besorgten Angehörigen veranlasst - durch beruhigende Medikamente unterdrückt werden [u.a. Lit 95]. Beruhigungs- und Schlafmittel bergen zudem die Gefahr, dass sich der Betroffene auch nach dem physischen Tod noch müde wähnt, müde denkt und diese Annahme oft über sehr lange Zeit beibehält. Dies erschwert ihm

und damit den reibungslosen Übergang.

Roberts warnt eindringlich vor lebenserhaltenden Maßnahmen in aussichtslosen Fällen und zitiert hierzu eine jenseitige Identität:

"In eurer Gesellschaft wäre ein solcher natürlicher Tod [A.d.V.: bei vielen Tierarten durch Sterbehilfe, wenn das Weiterleben nicht mehr ohne Qual möglich ist] äußerst schwierig und angesichts der vorhandenen Machtstrukturen auch kaum zu empfehlen [...] Auf einer anderen Ebene macht der ganz natürliche Überlebenswunsch es notwendig, dass das Individuum seinen Körper, wie ihr es seht, irgendwann verlässt. Ist der Augenblick gekommen, so weiß es der Mensch. Sein Geist in all seiner Vitalität will dann nicht mehr in einem leidenden Körper eingeschlossen sein.

Es ist mehr als fragwürdig, wenn an diesem Punkt der moderne Medizinbetrieb alle ihm zu Gebote stehenden fortschrittlichen Mittel einsetzt, um das Selbst im Fleisch festzuhalten, obwohl es sich lostrennen möchte. Es gibt normale ineinandergreifende Mechanismen, in euch, die das Selbst auf den Tod vorbereiten, und es sind sogar chemische Wechselwirkungen vorhanden, die diesen Vorgang physisch erleichtern - in eurem Sinne sind das Beschleunigungsexplosionen, die den Menschen mit Leichtigkeit aus dem Körper herauskatapultieren. Medikamente können hierbei nur hinderlich sein. Bestimmte Medikamente können eine Hilfe darstellen, aber die, die in euren Spitälern verabreicht werden, betäuben nur das in eurem Bewusstsein lebendige Wissen und hemmen die Körpermechanismen, die einen leichten Übergang ermöglichen würden" [Lit 184]

Meek beschreibt den Übergang so:

"Ob ein Kind in diese Welt geboren wird oder ein Mensch im Begriff ist zu sterben, beides ist jeweils eine Geburt in die physische bzw. geistige Welt. Der Vorgang ist der gleiche und beide scheinen für Augenblicke zwei Welten anzugehören"

Und in einer anderen Publikation:

"Ältere Menschen entwickeln mitunter ein erhöhtes Schlafbedürfnis, nicken auch während des Tages hin und wieder ein [...] Während dieser Schlafpausen ist es durchaus möglich, dass es zu [A.d.V.: vorbereitenden] Verbindungen zur Astralwelt kommt. Sie tun sozusagen schon einen 'Blick hinüber', wo sie von ihren Angehörigen erwartet werden. Es ist deshalb auch in keiner Weise ungewöhnlich, wenn alte Menschen anfangen, davon zu sprechen, dass sie ihre Angehörigen sehen und mit ihnen kommunizieren." [Lit 123]

Das Wahrnehmen von vorausgegangenen Angehörigen ist nach meiner Auffassung ein Indiz für einen bevorstehenden reibungsarmen Übergang, weil der Betroffene diesen Weg nicht alleine gehen wird.

Die Visionen werden durch einen Vorgang ermöglicht, in dem der Sterbende in der letzten Phase vor dem Ableben des physischen Körpers in beiden Welten zugleich ist, diese über sein Wachbewusstsein gleichzeitig fokussiert. Die filternde Eigenschaft des physischen Gehirns ist in dem Zustand einer gleichsam meditativen Versenkung unwirksam (vgl. Bd. 5). Der Betroffene nimmt infolge verwandte Wahrscheinlichkeitslinien seiner eigenen physischen Realität deutlich wahr und kann sie von dieser nicht mehr eindeutig unterscheiden - er spricht beispielsweise von scheinbar eingebildeten Ereignissen, welche in seiner Erfahrungswelt logische Lücken beinhalten, weil diese nicht in die zeitliche Abfolge der physisch erlebten Wahrscheinlichkeitslinie passen (vgl. Bd. zero). [Lit 184]

Solange eine Konzentration auf den physischen Brennpunkt besteht - beispielsweise durch eine sinngebende Beschäftigung - kommen diese anderen Daten nicht bis zum Wachbewusstsein durch. Erst in der geistigen Konzentrationslosigkeit tritt dieser Effekt ein. Diese Entwicklung ist unvermeidbar, weil hierzu nach Roberts Gehirnareale aktiviert wurden, die seit Kindheit und Pubertät passiv waren. Insofern kann man durchaus von einer zweiten Pubertät sprechen, die von Angehörigen genauso stoisch ertragen werden sollte wie die erste. Auch sollte dieses 'Phantasieren' der Betroffenen keinesfalls verbal oder medikamentös unterdrückt werden, weil es sie auf ihre nächste Seinsphase vorbereitet. Es ist also kein Wegdämmern, sondern im Gegenteil ein höchst kreativer Prozess, in dem eine Vielzahl für die Entwicklung sinnvoller Daten vom Wachbewusstsein im Wachzustand verarbeitet werden. Damit mag eine emotionale Lösung von Nahestehenden einhergehen, die jedoch auch Zeichen erfolgreicher Vorbereitung ist. [Lit 184]

Damit verbunden ist notwendig eine zeitweise Konfusion sowie eine lähmende Müdigkeit, eine Schwäche mit großem Schlafbedürfnis. Die Müdigkeit resultiert aus der erhöhten Beanspruchung des physischen Gehirns als Sende- und Empfangseinheit für den Datenaustausch zwischen dem zu Lebzeiten getrennten Wach- und Unterbewusstsein. Diese Teil-Bewusstseine sind während der physischen Existenz auf verschiedenen Bewusstseinsenergie-Schichten aktiv und bedürfen zu Lebzeiten des Gehirns als Mittler (vgl. Bd. 5).

Wenn das Wachbewusstsein erkennt, dass es sich nicht mehr über Worte, Schrift und Gesten ausdrücken kann, zieht es sich nach Roberts unwillkürlich aus dem physischen Körper zurück. Es kann dabei durchaus in Panik geraten, wenn es sich mit seinem physischen Körper übermäßig identifiziert und eine Auflösung der Bewusstheit befürchtet:

"Ein solcher Glaube an die eigene Auflösung, eine solche Gewissheit, dass die Identität im nächsten Augenblick ausgelöscht werden wird, ist eine gravierende psychologische Erfahrung, die als solche unglückliche innere Folgen haben kann. In Wirklichkeit bewahrt ihr euch euer Bewusstsein völlig intakt mit Ausdrucksmöglichkeiten, die um vieles weniger beschränkt sind, als sie es vorher waren." [Lit 175]

Das Wachbewusstsein fließt in diesen Zeitfenstern bereits vor dem natürlichen Ableben mit dem Unterbewusstsein zusammen. Immer weniger Wachbewusstseinsenergie verbleibt bei dem noch lebenden physischen Körper. Der Fokus der Aufmerksamkeit verschiebt sich zunehmend auch im Wachzustand zum Unterbewusstsein. So reduziert sich die dem physischen Körper zur Verfügung stehende Bewusstseinsenergie mehr und mehr, bis der physische Tod durch eine bewusste Entscheidung des Betroffenen eintritt. Typisch sind hierfür letzte Worte wie: "Ich mag nicht mehr." Es ist ein Aufgeben des mit der physischen Welt der Erscheinungen verbundenen Willens, eine vollständige Kapitulation in Bezug auf das vertraute Lebenssystem. Die äußerlich wahrnehmbaren Merkmale eines natürlichen oder krankheitsbedingten Todes sind gurgelnde Geräusche sowie einzelne heftige Atemzüge mit Atemaussetzern über einige Stunden.

Dieser Vorgang setzt also nicht nur durch körperliche Bedingungen wie Verfall oder Krankheit ein, sondern wird auch initiiert

Haustiere scheinen in der Lage zu sein, eine Gegenwart der gelegentlich diese Phase des Sterbens begleitenden, früher verstorbenen Nahestehenden wahrzunehmen und fürchten sich vor ihnen. Dieses Phänomen tritt nach Monroe auch im Zusammenhang mit außerkörperlichen Erfahrungen auf. So ist eine Verstörtheit der Haustiere letztlich ein gutes Zeichen, weil es ein Indiz für eine unterstützende Begleitung des Hinübergehenden ist.

Dr. Albrecht Ohly, ehemals leitender Oberarzt der Intensivstation am Schwabinger Krankenhaus und Vorsitzender des Christophorus Hospiz Vereins München stellt fest: "Das Sterben begann schon immer mit: Kein Essen, kein Trinken - aber erst seit der Einführung der Magensonden (PEG) ist dies ein Problem [...] Das Sterben wird als Möglichkeit der Lebensbeendigung nicht mehr akzeptiert. Und junge Ärzte wissen nicht mehr, wie normales Sterben aussieht."

So werden nicht selten bei ersten Anzeichen des Nachlassens von Lebensfunktionen diese durch medizinische Apparate ersetzt - bis hin zur Zwangsbeatmung und Zwangsernährung. Die Folge: Die Zeit des Sterbens ist gekommen, doch das Bewusstsein kann sich nicht vom 'noch lebenden' physischen Körper lösen.

Hier ist also weniger Engagement der Angehörigen und des betreuenden Arztes von Vorteil:

Ein Am-Leben-Halten des Patienten ohne eine lebenswerte Perspektive in dessen Zukunft ist nach meiner Auffassung verwerflich und dient oft nur der Befriedigung eines ängstlich-egoistischen Interesses des entscheidenden Arztes. Solches fügt dem Betroffenen erhebliches Leid zu, ohne dass dieser jemals einen Nutzen hieraus hat. Es nutzt dem Arzt, welcher beispielsweise seinem Bedürfnis nach rechtlicher Unanfechtbarkeit oder dem Festhalten an seinem religiösen Weltbild oder anderen, nicht im Sinne des Betroffenen gründlich durchdachten Prinzipien, handelt.

So geben viele Wachbewusstseine nach langer Krankheit auf und ziehen sich in einer bewussten Entscheidung dauerhaft weitmöglich aus ihrem physischen Körper heraus. Roberts schreibt:

"Euer Bewusstsein verlässt den physischen Organismus auf verschiedene Weisen, je nachdem wie die Verhältnisse sind. In manchen Fällen ist der Organismus noch in der Lage, bis zu einem gewissen Grade weiter zu funktionieren, wenngleich ohne die Führung und Organisation, die er vorher hatte. Das einfache Bewusstsein der Atome, Zellen und Organe existiert eine Zeitlang noch fort, nachdem das Hauptbewusstsein den Körper verlassen hat." [Lit 175]

Andererseits hängen die meisten Menschen mangels Informationen ängstlich an ihrem Leben, sei es auch noch so quälend und aussichtslos, "gleich jenen halbzerfleischten Tierkämpfern, die mit Wunden und Eier bedeckt, dennoch für den morgigen Tag aufgehoben zu werden flehen, obgleich sie doch denselben Nägeln und Bissen in gleichem Zustand vorgeworfen werden müssen", wie Marcus Aurelius Antonius schrieb [Lit 166]. Dieses unbedingte Festhalten am Leben verlängert den Sterbeprozess und beeinflusst möglicherweise Personen, die das Sterben begleiten, so dass sie wider besseren Wissens lebenserhaltende Maßnahmen einleiten. So ist diese Abwägung in der Tat nicht einfach und sollte dem Betroffenen überlassen bleiben respektive sich an seinem mutmaßlichen Willen orientieren.

Denn das Lebensende nach schwerer Krankheit ist oft nicht leicht. Es kann leidvoll, schmerzhaft, traurig und belastend sein. Es ist der Moment, in dem der Betroffene seinen Lebenswillen bedingt durch die Krankheit vorzeitig aufgibt, indem er aufgibt. Es ist die finale Kapitulation. Es gibt für die Hinterbliebenen am Ende keinen Witz, der alles in einem Lacher auflöst. Alle Beteiligten sollten dennoch versuchen, sich in heiterer Stimmung zu halten, ohne hierin affektiert zu sein. Darüber hinaus muss der beiwohnende Angehörige oder Arzt akzeptieren, dass es für ihn eine harte Erfahrung sein kann, dem Sterbenden besonnen beigestanden zu haben.

Darum ist das rechtzeitige Aufsetzen und kontinuierliche Erneuern einer Patientenverfügung so wichtig. Zwar setzen sich manche Ärzte auch über diese hinweg, doch besteht hiermit eine größere Wahrscheinlichkeit, dass eine längere Leidenszeit vermieden wird. Denn: "Arzt und Betreuer können gemeinsam ohne Gerichtsbeschluss den Abbruch der künstlichen Ernährung beschließen", sagt Klaus Kutzer, Vorsitzender Bundesrichter a.D.. Doch ist hierzu eine wirksame Patientenverfügung die Vorbedingung.

Dennoch ist die Entscheidung, eine einmal eingeleitete Ernährung über eine Magensonde wieder einzustellen, für Ärzte und Betreuer wesentlich schwerer zu treffen, als gar nicht erst damit zu beginnen. Besser ist es also, mit Fingerspitzengefühl für ein möglicherweise nahendes Ende eine künstliche Ernährung gar nicht erst einzuleiten.

Doch zurück zum Verlauf des Sterbens: Der eigentliche physische Tod ist nach Roberts ein Prozess, der keine Feststellung eines gesonderten spezifischen Zeitpunktes zulässt [Lit 184]. Der Buddhismus nennt jedoch für den eigentlichen Übergang die Zeitdauer, die es braucht, um eine Last von der Schulter zu heben und auf den Boden zu stellen. Hierbei ist das übergehende Wachbewusstsein ungetrübt. Nach Wickland vollzieht sich der Austritt der vollständigen Wachbewusstseins-Energie aus dem Körper beim plötzlichen und beim natürlichen Sterben "so einfach und natürlich", ganz sanft wie ein Schritt, so dass dieser Vorgang von den Betroffenen oft "über kürzere oder längere Zeit" gar nicht als Sterben wahrgenommen wird. Hierzu liefert Wickland aus seinen Protokollen der Kommunikation mit Verstorbenen über ein Medium das exemplarisches Beispiel einer Kampfsituation:

"Ich wollte dem Mann einen Stoß geben, dass er bergab fallen sollte, aber stattdessen stieß er mich und ich rollte den Berg hinab [A.d.V.: Eintritt des physischen Todes]. Als ich aufhörte zu rollen, befand ich mich inmitten einer Menge Menschen und plötzlich fühlte ich mich ganz wohl [...] Ich wanderte und lief und versuchte mit Leuten zu reden, aber sie mochten mir nicht antworten; sie kamen mir wie Stöcke vor." [Lit 84]

Hieraus ergeben sich für den Verstorbenen erheblich Probleme, denn:

Unabhängig von einem Tod durch Altersschwäche, Krankheit oder Unglücksfälle scheint es eine Wahl, eine Freiheit des Ablebens zu geben. Ein jeder ist nach Ingrisch ein System aus Bewusstseinsenergie-Strömen und habe die Freiheit, jederzeit und an jeder Stelle den aktuellen Fluss der Energie anzuhalten und damit in kürzester Zeit physisch zu sterben. Wir werden noch sehen, wie diese Annahme in die Erkenntnisse dieser Abhandlung passt.

Ist der Nahestehende dann von uns gegangen, ist auch seine Bewusstseinsenergie nicht mehr an der Schöpfung der physischen Welt beteiligt. Hierdurch erklärt sich die Stille und die Leere, die Angehörige bisweilen empfinden, wenn sie in der Wohnung des Verstorbenen sind. Man spürt einen Mangel - das Fehlen seiner Energien, und insofern ist tatsächlich ein Stillstand eingetreten. Bis jemand dessen Wohnung und Artefakte in die eigene Obhut übernimmt und mit eigener Bewusstseinsenergie belegt und belebt.

Umgekehrt nehmen wir schon zu Lebzeiten durchaus die Energien eines Menschen wahr. Dies wird vielleicht am deutlichsten in seiner persönlichen Umgebung. Wir kommen zu einem Menschen in sein Zimmer und spüren eine persönliche Ausstrahlung, eine Aussage als nonverbalen Stimmungseindruck, seine individuelle Atmosphäre, ohne die der Raum - wenngleich vollgestellt - einfach nur ein leerer unbelebter Raum wäre.

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