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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN
Band 1: Physik an der Grenze zur Metaphysik
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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 9783735788801)


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Kapitel 7.4.: Feynmanns Konzept der Aufsummierung von möglichen Verzweigungen (Imaginäre Zeit und Lebensfäden)

Nach der Quantenmechanik in Verbindung mit Heisenbergs Unschärferelation - dem Unbestimmtheitsprinzip - ist es, wie wir gesehen haben, unmöglich, für ein Ereignis im Universum sowohl den Ort als auch die Geschwindigkeit genau zu messen. Entweder erhalten wir den genauen Ort und können die Geschwindigkeit nicht eindeutig feststellen oder umgekehrt.

Wenn wir nun an der klassischen, nicht quantenmechanischen Theorie festhalten würden, dass ein System oder ein Objekt nur eine einzige, nämlich die von uns wahrgenommene Geschichte hat, führt das Paulische Unbestimmtheitsprinzip zu allerlei Paradoxien, wie beispielsweise Teilchen, die an zwei Orten zugleich oder Astronauten, die nur halb auf dem Mond sind. Diese Feststellung führte die Physik zu der vom US-amerikanischen Physiker Richard Feynman postulierten Pfadintegralmethode - dies ist ein Konzept der Aufsummierung von möglichen Verzweigungen.

Hawking beschreibt sehr anschaulich unter Berufung auf Feynman, dass ein Objekt nicht nur eine einzige Geschichte hat, sondern alle Geschichten, die möglich sind. In den meisten Fällen hebt sich die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Geschichte zu haben, gegen die Wahrscheinlichkeit auf, eine etwas andere Geschichte zu haben. Doch in bestimmten Fällen verstärken sich die Wahrscheinlichkeiten benachbarter Geschichten - dann ist es eine dieser verstärkten Geschichten, die wir als Geschichte des Objekts beobachten respektive erleben. In der Quantentheorie existieren also wie in der Metaphysik mehrere Geschichten nebeneinander. Hawking verwendet auch das folgende Beispiel:

"Stellen wir uns ein Teilchen vor, dass sich in einem bestimmten Moment in Punkt A befunden hat. Normalerweise ginge man davon aus, dass es sich in gerader Linie von A fortbewegt. Doch nach der Pfadintegralmethode könnte es sich auf jedem in A beginnenden Weg bewegen. Es gleicht dem Ausbreiten eines Tintentropfens auf einem Stück Löschpapier. Jedem Weg, jeder Geschichte des Teilchens ist eine Zahl zugeordnet, die von der Form des Weges abhängt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Teilchen von A nach B bewegt, ergibt sich aus der Summe der Zahlen, die mit allen das Teilchen von A nach B befördernden Wegen verknüpft sind." [Lit 119]

Um dieses Phänomen anschaulich zu machen, führte Hawking den auf Feynmanns Konzept der Aufsummierung von Möglichkeiten basierenden imaginären Zeitpfeil ein. Es handelt sich hierbei wie schon beschrieben um eine Zeitachse, die im rechten Winkel auf die von uns wahrgenommene reelle Zeitdimension (Fn. S.21) zeigt. Es ist also eine Zeitschiene, die im rechten Winkel in alle Richtungen seitlich von unserer reellen Zeit (Fn. S.22) fortführt. Auf ihr befinden sich sämtliche anderen, ab jetzt möglichen Geschichten eines Objekts mit ihren in diesem Moment beginnenden Verzweigungen. In der reellen Zeit früher verzweigte Geschichten sind hiernach für uns nicht mehr erreichbar, so wie der Saft eines Baumes nur in die vor ihm liegenden Verzweigungen fließen kann, nicht jedoch auf seinem Weg zurück in andere Äste. [Lit 119]

Hier sei angemerkt, dass die Metaphysik annimmt, dass sich Verzweigungen nach geringen Abweichungen innerhalb desselben Realitätssystems auch wieder vereinen können. Sind die Differenzen jedoch so groß, so dass sie in die Verzweigung eines Kind-Universums, also in einem Realitätssystem-Wechsel münden, ist dies nicht mehr möglich. Können wir uns beispielsweise nur schwer entscheiden, über Weg A oder B zum Ziel zu gehen, wird beides jeweils mit denjenigen Anteilen der persönlichen Psyche, die den einen oder anderen Weg favorisieren, zwar im selben Realitätssystem respektive Universum, aber in variierten Frequenzbereichen ausgelebt. Am Ziel könnten sich beide Verläufe wieder vereinen. Würde jedoch nur der auf Weg A Befindliche einen Unfall akzeptieren, dessen Folgen ihn in den Rollstuhl zwingen, wären die sich hieraus ergebenden Abweichungen für ein Realitätssystem schon zu groß.

Zurück zur Physik: Auch nach Feynman legt also jedes Teilchen, somit auch jeder Mensch jede mögliche Bahn, respektive jeden möglichen Lebensweg durch die Raumzeit zurück. Wir sollten uns hierbei von der geistig nicht erfassbaren Fülle der Möglichkeiten nicht ablenken lassen. Praktisch sind sie in der Anzahl natürlich begrenzt und mit einer entsprechenden allumfassenden Theorie theoretisch berechenbar. Jeder möglichen Geschichte ordnet Feynmans Pfadintegralmethode zwei Zahlen zu, die eine für die Amplitude ihrer Welle und die andere für ihre Phase, die Position innerhalb dieser Welle - oben, unten oder irgendwo dazwischen.

Diese beiden Werte haben übrigens nichts mit der Wellenlänge der Wellen zu tun, die wir zur Bestimmung der Position und Geschwindigkeit eines Teilchens verwenden. Hier ermöglichen eine kürzere Wellenlänge hochfrequenter Wellen eine genauere Positionsbestimmung und ungenauere Geschwindigkeitsbestimmung; und die längeren Wellenlängen niederfrequenter Wellen umgekehrt eine genauere Geschwindigkeitsbestimmung und ungenauere Positionsbestimmung.

Die Wahrscheinlichkeit nun, dass ein Teilchen von A nach B gelangt, beispielsweise ein Mensch ein selbst gestecktes Ziel erreicht, berechnet sich hiernach als Summe derjenigen Wellen, die zu jeder hierbei möglichen Bahn gehören. Dass wir rückblickend stets den Eindruck haben, auf nur einer Bahn, auf nur einem Lebensweg zum Ziel gekommen zu sein, ergibt sich aus Feynmans Konzept der Summe der Geschichten: Denn bei makroskopischen, also mit bloßem Auge ohne optische Hilfsmittel erkennbaren Objekten, heben sich alle Bahnen bis auf eine auf, wenn die Summen aller Kennzahlen der Wellen zusammengefasst werden.

Die Metaphysik postuliert diese Annahmen der heutigen Physik seit Längerem. Offenbar sehen viele Menschen in präkognitiven Träumen oder durch nicht bestimmbares Wissen Inhalte einiger alternativen Geschichten. Sie wissen, wie etwas verlaufen würde, würden sie an einem bevorstehenden Kreuzpunkt eine bestimmte Entscheidung treffen und können hierzu alternative Verzweigungen einsehen.

Zeit entfaltet sich unendlich aus jedem Augenblickspunkt heraus leicht variiert in alle Richtungen, nicht nur vor- und rückwärts. So könnte nach Auffassung der Metaphysik beispielsweise ein Mensch am Ende seines Lebensweges nicht nur achtzig Jahre von seiner ursprünglichen Kindheit entfernt sein, sondern auch durch unzählige Elternuniversen getrennt. Und er könnte hierdurch die aktuelle, also eine durch seine sich wandelnden Glaubenssätze und Bestrebungen initiierte Variation für seine Kindheit halten, die es dann auch ist. Seine ursprüngliche Kindheit wäre ihm entglitten. (vgl. Bd. zero, Bd.4)

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