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Reihe: 'Hinter den Kulissen unserer Welt' ONLINE LESEN

Band 1: Physik an der Grenze zur Metaphysik


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Das hier zum Lesen freigegebene Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich
(ISBN 9783735788801)


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Kapitel 7.1.: Was ist denn das? (Imaginäre Zeit und Lebensfäden)

Nach Auffassung der Metaphysik gibt es keine Zufälle, nur Fügungen als von uns selbstbewusst und unbewusst initiierte Geschehnisse. Nicht nur der US-amerikanische Philosoph Emerson sieht einen Faden durch alle Dinge gehen, nämlich dergestalt, dass die Menschen und die Ereignisse auf diesem Faden zu uns kommen, weil es diesen Faden gibt.

Nach Schopenhauer stehen alle Ereignisse im Leben eines Menschen in zwei grundverschiedenen Arten des Zusammenhangs. Einmal im objektiven, kausalen Zusammenhang des Naturlaufs und zum anderen in einem subjektiven Zusammenhang, Emersons Faden gleich, in welchem der Inhalt, wie die Szenen eines Dramas, durch den Plan des Dichters bestimmt ist. Die Tatsache, dass das Schicksal des einen zum Schicksal des anderen passt, ist nach Schopenhauer ein unser aller Fassungskraft übersteigender Ausdruck 'prästabilierter Harmonie': Der Wille zum Leben (vgl. Bd. 5) ist hiernach Traum, den jedes Wesen träumt, und zwar so, dass alle anderen Personen ihn mitträumen; daher greift alles ineinander und passt zueinander. Das Konzept der multiplen Geschichten des US-amerikanischen Physikers Feynman ist nun eine modernere Version dieser aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert stammenden, wenngleich noch immer unwidersprochenen Grundannahme, lediglich angepasst an neuere Erkenntnisse der Physik. Elektronen sind eher als Wellen denn als Teilchen zu denken, können sich mit anderen Elektronen wie Lichtstrahlen überlagern und sich zudem wechselseitig, ohne Kontakt oder Überschneidung, beeinflussen oder genauer verschränken.

Nach Feynman ist das Positron nichts anderes als ein Elektron, das sich einen Augenblick in der Zeit rückwärts bewegt. Dieses Verhalten zeigen auch andere Anti-Teilchen. In den sogenannten Feynman-Diagrammen, die zum Instrumentarium der Physiker geworden sind, stellt die eine Koordinatenachse die Zeit und die andere den Raum dar; Teilchen können sich in der Zeit vorwärts und rückwärts bewegen, und ein Positron, das sich in der reellen Zeit (Fn. S.22) vorübergehend in die Zukunft bewegt, verhält sich genauso wie ein Elektron, das sich vorübergehend in die Vergangenheit bewegt. Diese zeitlichen Umkehrungen sind von sehr kurzer Dauer, weil Anti-Teilchen in unserer Welt kurzlebig sind und sich rasch bei Kontakt mit umgekehrt geladener Materie in einem Energieblitz auflösen.

Laut Hawking arbeiten die Physiker und verwandte Fachrichtungen heute daran, Einsteins allgemeine Relativitätstheorie und Feynmans Konzept der multiplen Geschichten einer sich wie eine Raumrichtung verhaltenden imaginären Zeit zu einer vollständigen einheitlichen Theorie zu verbinden, die alles beschreibt, was im Universum geschieht. [Lit 119]

Nach Einstein sind viele der unerschütterlichen Konzepte der Wissenschaften nur bequeme Organisationsprinzipien, die eingeführt wurden, um das menschliche Denken zu organisieren. Raum und Zeit seien nach seiner Auffassung eher menschliche Konstrukte als grundlegende physikalische Wahrheiten; Zeit sei eher eine Frage der emotionalen als der physikalischen Beziehung. Dadurch könnten wir Empfindungen für bedeutsame Ereignisse haben, die noch in der Zukunft liegen.

Um die diesen Annahmen zugrunde liegenden quantentheoretischen Erkenntnisse zu beleuchten, holen wir jetzt einmal etwas aus und schauen, wie sich die führenden Physiker Pauli, Eddington, Broglie, Gell-Mann, Heisenberg und Margenau der Metaphysik kontinuierlich angenähert haben. Im Band 4 beleuchten wir dann im Kapitel 'Emersons Lebensfaden' die nachfolgend beschriebenen Annahmen aus dem Blickwinkel von Philosophen und Nicht-Physikern.

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