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Das Kritik-Blog

[01-2006] Lebensgefahr in Krankenhäusern - über 40000 Tote

Ist es nicht merkwürdig, dass es heute rund neunmal wahrscheinlicher ist, im Krankenhaus zu sterben als im Straßenverkehr? Seit 1970 sank die Zahl der Verkehrstoten fast linear von dereinst 21332 bis auf heute 5400 [Quelle: ADAC Motorwelt 01/2006]. Das ist großartig.

Doch steigt seitdem die Zahl der im Krankenhaus zu Tode kommenden kontinuierlich an, auf über 40000 im Jahre 2004. Nicht mitgerechnet sind hierbei diejenigen, welche an der Krankheit oder Verletzung verstarben, wegen derer sie ursprünglich eingeliefert wurden. Oder gar freiwillig ins Krankenhaus marschierten. So sind Neuinfektionen, dort wie auch immer erworbene Krankheiten, chirurgische Eingriffe und die Medikamentengaben ebenso gefährlich wie Geisterfahrer auf der Autobahn.

Fände diese Entwicklung im Straßenverkehr statt, würden Medien und die vorwiegend profilierungssüchtigen Politiker Zeter und Mordio schreien. Und für die Veröffentlichung dieser Zahlen für jedes einzelne Krankenhaus eintreten. Aber so? Still ruht der See. Und die Toten.


Nachtrag im Januar 2006: Die Blutvergiftung ist übrigens in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache. Jährlich bekommen bundesweit etwa 154 000 Menschen eine Blutvergiftung, von denen etwa 80000 sterben. Ärzte erkennen die Anzeichen zu spät oder ordnen diese fälschlich anderen Erkrankungen zu. [Quelle: Deutsche Sepsis-Gesellschaft www.sepsis-gesellschaft.de]

Nachtrag 2 im Dezember 2006: Die Harvard Medical School in Boston veröffentlichte im Journal 'PLoS Medicine' das Ergebnis ihrer Auswertung von 17.003 Monatsberichten von 2.737 jungen Medizinern, die nach dem Examen praktische Erfahrung im Klinikalltag sammelten. Die Zahl der Fehler stieg in den Monaten, in denen die Ärzte zwischen einer und vier 24-Stunden-Schichten arbeiten mussten, auf das Dreifache. In Monaten mit wenigstens fünf 24-Stunden-Schichten erhöhte sich das Risiko für Fehlentscheidungen um den Faktor 7. Hier stieg zudem die Sterberate durch vermeidbare Fehler um den Faktor 3 an. Zum Vergleich wurden Monate ohne Schichtdienst in die Untersuchung einbezogen. Desweiteren klagten die Mediziner über schwere Konzentrationsmängel bei Vorträgen, Patientenbesuchen und bei Operationen. [Quelle: 'Die Welt' vom 13.12.2006]


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