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5. März 2008

Wohin beruflich orientieren?

Lassen Sie mich meine Situation kurz beschreiben. Bei einem Arbeitgeber in der Forschung beschäftigt, haben sich seit Jahren bestehende Leitungskonflikte in den letzten Monaten in extremer Weise verschärft. Dazwischen stehen die Mitarbeiter, die mehrheitlich, psychisch und mittlerweile auch verstärkt psychosomatisch unter den täglichen Spannungen zwischen den Leitungspersonen leiden. Auch aufgrund dieser Umstände habe ich mich zu einem Ortswechsel entschieden und dies meinem Chef bereits mitgeteilt. Nun befürchte ich, beim anstehenden Arbeitgeberwechsel vom Regen in die Traufe zu geraten. Was können Sie mir für die Jobsuche empfehlen?

Mit hochachtungsvollen Grüßen

Ein kleiner Forscher


So erwachsen wir auch sein mögen, wir bedürfen alle der Anerkennung, der Zustimmung und eines Halts durch andere Menschen. Berufliche Konflikte wie die Ihrigen lassen sich für eine Weile durch liebende Familienangehörige und Freunde auffangen. Aber nicht auf Dauer. Ihre Lebensqualität verliert sich mehr und mehr, woraus seelische und körperliche Defekte erwachsen können. Eine Lösung des Leitungskonflikts scheint nicht greifbar zu sein, eine Einflussnahme übergeordneter Stellen nicht möglich, sonst hätte sich die Frage nach einem beruflichen Wechsel nicht gestellt. Darum ist es nicht nur richtig, sondern notwendig, dass Sie selbst nach Auswegen suchen.

Dennoch möchte ich Sie ermutigen, zunächst mit den betroffenen Vorgesetzten nach einer Lösung zu suchen. Oftmals ist den Beteiligten nicht im vollem Umfang bewusst, welche weitreichenden Auswirkungen ihr Verhalten auf die Mitarbeiter hat. Dadurch, dass Sie Ihrem Chef bereits die Möglichkeit eines Fortgangs mitgeteilt haben, ist der Boden geebnet für ein klärendes Gespräch. Geben Sie von Anfang an zu erkennen, dass Sie eine Lösung suchen. Bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie Ihre Tätigkeit, Ihre Kollegen und auch Ihre Vorgesetzte schätzen - die derzeitige Situation jedoch untragbar ist. Es kann gut sein, dass sich Ihre Position und eventuell auch die Ihrer Kollegen hiernach wesentlich verbessert, man Ihre Fähigkeit zur diplomatischen Eingreifen achtet.

Wenn dieses Gespräch jedoch nirgendwohin führt, müssen Sie handeln. Aristoteles bemerkt: "Nicht dem Vergnügen, der Schmerzlosigkeit geht der Vernünftige nach", wobei hier die Schmerzlosigkeit mit einem fehlendem Leidensdruck gleichzusetzen ist. Sie haben ein reales Ziel, wollen ein Übel los sein - da lässt sich etwas ausrichten. Die Ungewissheit über die Verhältnisse an Ihrer neuen Arbeitsstelle ist kein Grund, diesen Schritt nicht zu gehen. Zwar kann Ihnen keiner kann sagen, wie die Sache ausgehen wird. Und höchstwahrscheinlich werden die Charaktere der Sie umgebenden Menschen an dem neuen Ort von ähnlicher selbstbezogener Beschaffenheit sein. Doch besteht eine gute Chance, dass Sie dort nicht oder weniger stark zum Spielball egoistischer Ziele werden und man Sie wohlwollend in das dortige System einbindet. Fühlen Sie dennoch ein deutliches Unbehagen im Bezug auf die neue Anstellung, sollten Sie auf Ihre innere Stimme, Ihr Unterbewusstsein hören und weitersuchen.

Die größte Hürde, das Problem überhaupt anzugehen, haben Sie überwunden. Nun könnten Sie sich entspannen und auf eine Veränderung hinarbeiten. Und halten Sie zu guter Letzt noch einen Moment inne, blicken Sie über Ihr Leben und fragen sich: Wozu könnte dies - dereinst retrospektiv betrachtet - gut gewesen sein. Wohin könnte es mich bringen?


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