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Das Leid der Kinder - wir dürfen nicht vergessen
...nicht vergessen die Kinder, die von Pädophilen entführt, vergewaltigt, gequält und oft umgebracht werden. Ein Thema, das wir nur zu gern verdrängen - und doch geschieht es laufend, Tag für Tag, meist ohne Beachtung der Medien, welche sich nur den spektakulären Fällen zuwenden. Denjenigen Fällen, welche eine hohe Auflage sichern. Das Leid eines gepeinigten Kindes an sich ist für die Meinungsmacher dagegen ohne jedes Interesse. Ganz anders verhält sich David Santos. Er weist uns in seiner Öffentlichkeitsarbeit unablässig auf diese Problematik hin, rüttelt auf und appelliert an einen jeden von uns, sich grundsätzlich von Negativität ab- und der Liebe und Freundlichkeit zuzuwenden. Und die Kinder zu behüten, nicht aus den Augen zu lassen. Er erinnert an die ihm bekannten Fälle von Übergriffen gegen Kinder und Jugendliche. Wenn man seine Beiträge liest, die meist aus Gedichten oder Appellen bestehen, fühlt man beinahe den Schmerz und die Traurigkeit, die ihn selbst und seine Schützlinge zu durchziehen scheint. David Santos leistet eine einsame Arbeit, die ihm glücklicherweise sehr viel positives Feedback einbringt. Besuchen Sie doch einmal die englische Übersetzung seines im Original portugiesisch -sprachigen Blogs.
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'Die Supernanny' - oder warum man gestörte Jugendliche nicht mit Druck sozialisieren sollte
TV-Sendungen wie 'Letzter Ausweg Wilder Westen - Teenager außer Kontrolle' geben vor, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Und sind Wasser auf die Mühlen der Vielzahl zur liebevollen Erziehung unfähigen Eltern, welche sich für Druck und Gewalt entschieden haben. Das es auch anders geht, beweist die Serie 'Die Supernanny', in der sowohl notleidende wie auch erfolgreich führende Eltern Tipps fürs Leben bekommen. Ich sah mir eine Folge an, weil ich die Situationsbeschreibung der Familie für absolut hoffnungslos, die Lage des Kindes für aussichtslos hielt: Es stahl, fiel durch Gewaltdelikte auf, nahm Drogen, riss häufig von Zuhause aus und war ein erst vierzehnjähriges Mädchen. Ich gestehe, mir fiel nichts ein, was das hätte retten können. Doch dann trat die Supernanny auf und beobachtete zunächst die Familie im Alltag. War einfach da, ohne sich einzumischen. Dann sagte sie den Familienmitgliedern, was ihr aufgefallen war: Es gab unter den Familienmitgliedern keine Gespräche, auch keine Kommunikation beim Essen, keine gemeinsamen Unternehmungen. Keine Zuwendung zum Kind und keine Freundlichkeit. Kein ruhiges bestimmtes Vertreten des eigenen Standpunktes - nur das Gegenteil. Ich war äußerst skeptisch - wie sollte ein derart abgerutschten Teenager durch Zuwendung und Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und gemeinsam getroffene Vereinbarungen auf einen weniger schlechten Weg gebracht werden? Doch es funktionierte. Die Renitenz des Kindes löste sich mit wachsenden Lernerfolgen der Eltern in Freundlichkeit auf und mir wurde das Folgende klar: Die Eltern, die Erziehenden sind das Problem, wenn es mit dem Kind bergab geht, es aus seiner kalten Welt in Drogen und eine dominierende Freundesclique flüchtet. Die Eltern müssen therapiert werden, nicht das Kind. Und in ihren Sendungen tat die Supernanny genau das. Ich hatte vor Jahren an anderer Stelle einmal geschrieben, dass Kinder ein einfaches Input/Output-System haben: Was man an Liebe, Gewalt und anderem hereingibt, kommt auch wieder heraus. Dessen erinnerte ich mich jetzt. Es ist nicht jede Reportage des Privatfernsehens schlecht - diese jedenfalls war eine Perle.
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Finden die "Du bist Deutschland"-Aktionen niemals ein Ende?
Die Initiatoren in der Politik geben nicht auf - komme was wolle. Gut siebzig Jahre nach Hitlers 'Du bist Deutschland' -Kampagne und mehr als zwei Jahre nach der unsäglichen, von vermögenden Prominenten verkauften braunen Idee [siehe Beitrag 'Du bist Deutschland' aus 10/2005] hat man die massive Kritik berücksichtigt. Heute zeigen nicht mehr vom Gelde verwöhnte Erfolgsmenschen mit dem Finger auf Verlierer des Wirtschaftssystems wie beispielsweise 'Hartz-4' Empfänger, um sie mit dem inhaltlich ohnehin sinnentleerten Satz "Du bist Deutschland" zu motivieren. Heute sind es kleine Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren, welche die alte Nazi-Botschaft weitertragen. Es ist und bleibt eine unsäglich unverschämte, taktlose und anmaßende Kampagne. Aber Scham und Feingefühl sind von der dem letzten Weltkrieg so fernen Politikerkaste nicht mehr zu erwarten - jeder von ihnen hält sich offenbar für 'Deutschland' und seinen Wahn für alle Deutschen verbindlich. Labels: Gesellschaft, Kinder, Medien, Soziales
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Jugendgewalt
Zwei Fälle: Ein Zwölfjähriger geht in seinem Wohngebiet zum Einkaufen. Unter einer fast menschenleeren Bahn-Unterführung kommen ihm zwei Dreizehn- bis Vierzehnjährige entgegen. Sie sprechen den ihnen Unbekannten an, werden dabei zunehmend aggressiver, spielen das Machtspiel. Sie drängen den Jungen an die Wand der Unterführung, zücken ein Klappmesser und halten es genussvoll an seinen Hals. Bewegen es einen Schnitt simulierend hin- und her. Der Junge bleibt äußerlich völlig ruhig, antwortet auf ihre Fragen nur knapp mit 'Ja' und 'Nein', die Kinder lassen von ihm ab. Die zweite Geschichte: Ein Siebzehnjähriger steht an einer Bushaltestelle. Zwei etwa Fünfundzwanzigjährige kommen hinzu und haben offensichtlich ein Problem: Sie diskutieren, ob sie den Jugendlichen abziehen sollen oder nicht. Ob es sich denn lohnen würde. Ach, sagt der eine, der hat doch nur ein paar Euro in der Tasche. Aber die Jacke, sagt der andere, kann ich vielleicht für fünfzig Euro verkloppen. Dann kommt der Bus und erlöst die Kontrahenten aus ihrem Dilemma. In beiden Fällen waren es Deutsche, nicht die im Bevölkerungsanteil häufiger auffälligen Kinder mit Migrationshintergrund. Das betroffene Kind des ersten Beispieles war ich, der Jugendliche des zweiten mein Sohn. Es hat sich in fast vierzig Jahren nicht wirklich etwas geändert. Die Statistiken verschlechtern sich durch die Zunahme von Armut, aber eines blieb gleich: Die Politik hat heute wie gestern kein Konzept, keinen Willen zur effektiven Behebung des Problems, das nur in einer Entlastung der Randgruppen von ihren Problemen bestehen kann - der drückenden Armut einerseits und der Perspektivlosigkeit andererseits. Denn der selbst erfahrene wirtschaftliche und gesellschaftliche Druck macht sich Luft - in Machtspielen mit Gewinnaussicht. So ist der Politik anzuraten, die Ärmsten der Armen nicht kontinuierlich noch ärmer zu machen und die Zuwendungen für Schulen deutlich zu erhöhen, statt sie wie bisher über Jahre zurückzuschrauben. Denn schon das stetige schulische Einbinden der Kinder in kreative Arbeitsgruppen, Musikgruppen oder darstellendes Spiel an Nachmittagen gibt Problemkindern Anregungen und Betätigungsmöglichkeiten, die deren Elternhäuser nicht zu bieten in der Lage sind. Doch dafür fehlt den Schulen Geld und die politische Vorgabe. Machen wir was mit der Jugend - sie sind unsere Zukunft. PS. Das obige Buch ist eine erstklassige Hilfe für alle Eltern - auch ohne gestörte Kinder. Es zeigt den besten Umgang mit den verschiedenen Problemen.Labels: Gesellschaft, Kinder, Soziales
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Auswandern - wenn Freunde und Kinder gehen
Das Fernsehen ist zur Zeit voll mit diesen Auswanderersendungen: Flexible ewig fröhliche Menschen gehen mit Sack und Pack, mit Kind, Hund und Katze in's meist entferntere Ausland und lassen scheinbar leichtfertig alles zurück, was ihnen lieb und teuer geworden war - die nahe Familie, die engen Freunde. Natürlich auch den ungeliebten Teil der Mischpoke und die nervigen Bekannten. Am Flughafen werden dann unter Treueschwüren noch ein paar Tränen vergossen - und ab geht's in den Flieger. Und weg sind sie. ['Mein neues Leben' Kabel eins, 'Goodbye Deutschland! Die Auswanderer' VOX u.a.]Sie sind dann wirklich weg, aus den Augen, aus dem Leben, fast aus der Welt. Für die Eltern ist dies entsetzlich, auch wenn's kaum einer sagt. Für nahe Freunde ebenso, denn sie verlieren ein Stück ihrer Identität. Für die Flüchtenden auch, nur kommt der Katzenjammer erst viel später, weil sie während der ersten Jahre oft im wichtigeren Überlebenskampf stecken. Bis auf die seltenen Fälle, wo eine Ehe zwischen Angehörigen zweier Nationen geschlossen wurde, erscheint mir jedenfalls das Auswandern als ein Exempel des Selbstbetrugs, welcher das Motto zum Gegenstand haben könnte: 'Überall ist es besser, nur nicht hier'. Gut, ich gestehe: Ich bin geschädigt. Ich habe auf diese Art und Weise vor fünfzehn Jahren nahe Freunde verloren. Weil ich mich schon damals ganz gut einschätzen konnte, habe ich ihnen orakelt, dass unsere Beziehung nicht am Telefon zu führen sein würde, folglich den Bach runtergehen und versanden würde. So kam es - nehmt es meinetwegen als selbsterfüllende Prophezeiung. Aber ich bin nicht in der Lage, bei erkannter Wahrheit mir oder anderen etwas vorzumachen. Doch vielleicht lag es auch nur daran, dass ich nicht selbstgemalte Plakate schwenkend am Flughafen war, als sie gingen. Wir haben uns noch gelegentlich getroffen - alle zwei Jahre kamen (und kommen?) sie hierher, aus Sentimentalität und der alt gewordenen Eltern wegen. Und wir waren auch zweimal drüben. Und solange die Eltern es noch schaffen, fahren sie auch 'rüber'. Aber ein gemeinsames Leben, ein Austausch des Alltäglichen, eine Unterstützung der schwächer werdenden Eltern ist nicht möglich. Auch nicht mittels Skype, der lobenswerten Erfindung kostenloser Videotelefonie. Sie sind trotzdem weg. Updike hat die zunehmende Entfremdung schön in einer seiner Kurzgeschichten festgehalten, nur waren dort die Reiserichtungen jeweils umgekehrt. Dass die Auswanderer - ich behaupte unisono - unglücklich in ihrem gelobten Land sind, mache ich an folgendem Verhalten fest: - Kinder werden zweisprachig erzogen - bedeutet, keine hundertprozentige Integration im gelobten Land
- Es wird an alten Traditionen und Gebräuchen festgehalten, auch wenn sie im gelobten Land zu Irritationen führen - Bedeutung siehe oben.
- Je nach finanziellen Möglichkeiten werden vorzugsweise alle zwei Jahre Weltreisen unternommen und von der zurückgelassenen Familie erwartet, um die Trennung etwas zu erleichtern.
Wenn die Auswanderer dereinst selbst alt und allein sind, weil die Kinder ihre eigenen Leben in vielleicht auch anderen Städten eingerichtet haben, wollen alle von ihnen wieder zurück. Auch noch nach sechzig Jahren, wie in meiner Familie. Alle spüren die Entwurzelung, Last ihrer Fehlentscheidung früher oder später deutlich. Denn eine Entscheidung, die wegen eines monetären Vorteils und/oder besseren Wetters (tatsächlich ein oft an die erste Stelle vorgeschobener Auswanderungsgrund) soviel Leid auf alle Lieben bringt, ist keine mit glücklicher Hand getroffene Entscheidung. Labels: Gesellschaft, Kinder, Soziales
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Politikernasen als solche
Ist es nicht merkwürdig, wie dämlich unsere Politikernasen meist agieren? - Da werden Schulabgänger in separaten Einrichtungen 'fit für den Arbeitsmarkt' gemacht, anstatt die Schulen selbst mit mehr Mittel und Fachkräften auszustatten, so dass diese - wie vor den achtziger Jahren - 'fit für den Arbeitsmarkt' herauskommen.
- Das werden die Einreisebedingungen für ausländische Arbeitnehmer gelockert, anstatt von den hiesigen Unternehmen eine höhere Ausbildungsquote und Nachschulungen von Arbeitnehmern zu verlangen. Merke: Jeder zweite Schulabgänger sucht mehr als ein Jahr nach einen Ausbildungsplatz, mancher wandert gar in den Pool der ungelernten Erwerbstätigen ab.
- Da behauptet die Bundeswehr vor einer Offenlegung, versehentlich gerade die Daten unwiederbringlich gelöscht zu haben, welche Ungesetzlichkeiten militärischer Institutionen im Auslandseinsatz belegen könnten. Jeder zwölfjährige Computernutzer weiß heute jedoch, dass sich gelöschte und auch mehrfach überschriebene Datenbestände rekonstruieren lassen - es ist nur eine Frage des Aufwands.
- Da wird die gestörte derzeitige polnische Regierung Dank ihrer Quertreiberei in der Debatte um den neuen EU-Vertrag - es ist keine Verfassung, wie oft behauptet - hofiert und umworben, anstatt jedem Land, das sich in seiner Sichtweise fern von der Mehrheit in der EU befindet, den Austritt nahezulegen. Gegen das potentielle Mitglied Türkei wird übrigens dereinst Polen in der Retrospektive noch als freundlich und umgänglich erscheinen - so wie der EU-Vertrag jetzt gestrickt ist, würde deren Beitritt wohl zur Spaltung führen.
- Da werden offensichtliche Fehler der Vergangenheit in vielen Bereichen der Politik den Medien respektive dem Wahl-Bürger als Erfolg verkauft - obwohl ein Blinder sieht, dass beispielsweise die Zahl der AIDS-Infektionen seit 2001 in Deutschland explodiert, dass die Qualität des Schulunterrichts aufgrund der massiven Einsparen und Umstrukturierungen der letzten Jahre den Bach runtergeht, die EU uns mehr kostet (Arbeitsplätze, Geld, Kampfeinsätze u.a.) als sie einbringt (Sicherheits- und Stabilitätsgewinn, Wegfall der Handelsbarrieren u.a.) u.s.w. - die Liste wäre endlos.
Ich wünschte wirklich, der Politiker als solcher würde in Anbetracht seiner Unfähigkeit weniger arbeiten und mehr am Mittelmeer in der Sonne liegen und so durch Nichtstun den noch nicht ganz grottenschlechten status quo erhalten helfen. Denn noch geht es noch schlechter, der Boden ist nicht erreicht. "Wir machen das was", war einst der Lieblingssatz unseres Ex-Kanzlers Schröder - heute haben ihn alle Politiker drauf. Leider. Labels: Kinder, Medien
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Verhaltensgestörte Eltern haben gestörte Kinder
Ist es nicht merkwürdig, wieviele gestörte Kinder es in heutigen Tagen gibt? War das eigentlich schon immer so oder läuft etwas völlig falsch in unserer Gesellschaft? Mir ist aufgefallen, dass Kinder seit Beginn der achtziger Jahre mehr und mehr in gestört und nicht gestört eingestuft werden. Was harmlos von den Medien getrieben begann, wurde von den ?Fachleuten? und ?Experten? dankbar aufgenommen nach dem Motto: Gebt dem Volk, was es will ? vor allem, wenn es unserem Geldbeutel guttut. Meine Annahmen hierzu habe ich in den folgenden Zitaten von nach Wahrheit strebenden Fachleuten wiedergefunden, weshalb ich diese einfach aneinandergereiht wiedergebe: ?Ich erkenne in unserer Zeit die ausufernde therapeutische Herrschaft, die tendenzielle Pathologisierung von Normalität. Die Folge: Jedes Kind ist potentiell auffällig. Vom geschulten und ausgereiften Blick des Experten seien beliebig viele Störungen auszumachen.? Georg Hörmann, Inhaber eines Lehrstuhls Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Uni Bamberg ?Die exzessiv festgestellten Verhaltensstörungen von Kindern ursächlich Eltern und Lehrern zuzuschreiben, hieße, Eckpfeiler unseres unseres Gesellschaftssystems wie Familie und Schule zu hinterfragen. Daher wird in der Regel das Kind als schwächstes Glied in unserer Gesellschaft als ?verhaltensgestört? definiert, anstatt die gestörten Verhältnisse, in denen das Kind lebt, zu hinterfragen.? Reinhard Voß, Privatdozent für Pädagogik an der Universität Dortmund ?Die Arbeit an der Veränderung gestörter Verhältnisse in der Gesellschaft ist eine brotlose Kunst. Hingegen wuchs der Arbeitsmarkt für psychosoziale Berufe in Deutschland von 1973 bis 1993 noch schneller als in der boomenden EDV-Branche. Der prosperierende Psychomarkt schafft es, sich selbst zu versorgen, indem unablässig neue Störungen, Syndrome, Behinderungen oder psychische Erkrankungen in immer mehr Lebensbereichen erkannt werden., die man dann wegtherapieren kann.? Doris Bühler-Niederberger vom Pädagogischen Institut der Universität Zürich ?Dies Abstempeln der Kinder als verhaltensgestört, behindert etc. ist verhängnisvoll, weil aus der natürlichen Streuung menschlichen Verhaltens Störungen, Krankheiten oder Behinderungen definiert und die Betroffenen aus dem Kreis der Normalität abgesondert werden ... Kinder haben keine Chance, ihr von den Normen und Wunschvorstellungen der Erwachsenen abweichendes Verhalten zu ent-pathologisieren ... Psychologie und Psychatrie normieren das kindliche Verhalten durch und durch und unterwerfen alles, was abweicht, ihrer therapeutischen Macht.? Jan Kutscher, Autor des Artikels ?Therapie für Zappelphilipp? am 2.7.1993 in ?Die Zeit?
Es ist ein Verlust in unserer Gesellschaft fühlbar für die, welche nicht in der vom Privatfernsehen dominierten Medienkultur aufwuchsen ? nämlich der Verlust der Gelassenheit im Umgang miteinander, das heißt mit den Fehlern und Macken anderer. In den Siebzigern war die Stimmung weniger ernst als heute, der noch nicht lange zurückliegende zweite Weltkrieg hatte als einzig bleibenden Wert Toleranz gelehrt ? gegenüber andersdenkenden und mängelbehafteten Menschen. Man hatte als Eltern nicht so angestrengt das Gefühl, alles richtig machen zu wollen. Die Kinder wuchsen unter einer "wohlwollenden Gleichgültigkeit" auf, so Updike [Quelle: Kurzgeschichte 'Wie war's wirklich?']. Man schaute nicht täglich ängstlich auf das Kind, ob es auch keine Störungen entwickele. Es entwickelte sich einfach in einer großen Freiheit, konnte die ?unerträgliche Leichtigkeit des Seins? spüren und auch das Gegenteil hiervon. Es konnte leben, ohne dass ihm dauern auf die Finger geschaut wurde, ohne dass es in den Speisen stetig Vogelgrippe- und BSE-Erreger und anderes berücksichtigen musste. Und AIDS gab es in den Köpfen auch nicht. Das Leben ist seither besonders für die heranwachsende Generation schwieriger geworden, und das hat zum Verlust der Gelassenheit geführt. Doch Gelassenheit ist unabdingbar, wenn man Kinder zu nicht gestörten und gelassenen Erwachsensein führen möchte. Ihr Fehlen schlägt sich nieder in einer exorbitant anwachsenden Verschreibungshäufigkeit von Psychopharmaka - im Zeitraum 1995 bis 2002 stieg dieser Wert um 500 Prozent [Nationale Studie der USA - Quelle: welt Kompakt v. 7.6.06]. Doch gilt dies Vorgenannte nur für sozial intakte Familien, in denen die Kinder von Anbeginn an einer liebevollen Führung mit deutlichen Sanktionierungen bei ?Regelverstößen? unterliegen. Hierzu gehört, dass es zum einen klare Regeln gibt und diese zum anderen streng überwacht werden. Der Erziehende muss eine charakterliche Stärke besitzen und ein deutliches Interesse an der Entwicklung seines Kindes haben, welches es ihm ermöglicht, das Kind auch dann zu führen, wenn es schwierig wird, es äußerlich schon wie ein Erwachsener auftritt und agiert. Hieran mangelt es meist in den sogenannten ?Problemfamilien?, in denen Kinder unführbar geworden sind, sich jeglicher ?Einmischung? verweigern. Dort sollten zuerst die Eltern geschult, mit dem notwendigen mentalen Rüstzeug versehen werden. Ein direktes Einwirken von außen auf die Kinder ohne das beschriebene Einbeziehen der direkten Bezugspersonen erscheint mir aussichtslos. Diese klar und offen darliegenden Regeln einer Familie werden notwendig ergänzt durch einige weitere, den Kindern nicht direkt bekannte Regeln. So muss man Kinder von dem Moment an, wo sie laufen können, knapp halten; desweiteren ihre Wünsche - gleich ob materiell oder immateriell - niemals unmittelbar oder nach festen zeitlichen Abständen erfüllen. Sie lernen am besten in ihrer Kindheit, ihren zunächst ausufernden Willen knapp zu halten, zu bändigen. Denn was Hänschen nicht beiläufig lernt, lernt Hans nur in Not und unter Qualen. Zudem ertragen wir Eltern am leichtesten in deren frühen Kindheit die hierbei zunächst unvermeidbar auftretenden Aggressionen. Weniger ist mehr. Ein auf diese Weise sozialisiertes Kind kann meist bereits in der Pubertät gut mit seinen Erwartungen und mit Geld umgehen. Es hat gelernt, sich in jeder Hinsicht zu bescheiden ? in materiellen und immateriellen Dingen wie beispielsweise der Erwartungen an die Menschen. Es hat verinnerlicht, dass das Leben kein Wunschkonzert ist. Und wenn Eltern dies erreicht haben, dann haben sie bereits ihren Job getan. Eigene Aggressionen zu zeigen ist den Eltern absolut untersagt. Schreien, Beschimpfungen und Prügel sind Armutszeugnisse der Erziehung, Ausdruck einer Überforderung, welche sich äußerst negativ auf das Gebaren des Kindes auswirkt. Allein das noch ruhige Erheben der Stimme, beispielsweise durch akzentuiertes bestimmendes Sprechen ist in den vielfachen Auseinandersetzungen erlaubt ? ihr Kind gewöhnt sich mit der Zeit an den ruhigen Umgangston und wird selbst ruhig werden, kann jedoch durchaus auch die Bedeutung kleinerer Nuancen in Ihrer Sprechweise unterscheiden. Die Sanktion kindlicher Aggression braucht nur darin zu bestehen, dem aktuellen strittigen Wunsch ihres Kindes nicht nachzugeben ? auch nicht in der Zukunft. Wenn Sie dennoch ? auch erst nach Tagen ? schwach werden und dem strittigen Wunsch doch noch nachgeben, haben Sie Terrain verloren. Nur ruhig vorgetragene und diskutierte Wünsche werden erfüllt. Auch nicht immer sofort, sondern eher nach längeren unregelmäßigen Zeiträumen - denn wir wollen dem Kinde keine Taktik antrainieren. Welche Sanktionierungen erscheinen mir noch sinnvoll? Ein probates Sanktionierungsinstrument der heutigen Zeit ist das Abtrennen des Kindes für den ganzen folgenden Tag vom Internet ? sofern es Zugriff auf einen Computer mit Zugang hat. Das Einschalten des Computers zu verbieten ist dagegen wirkungslos ? Sie werden sich kaum ständig hinter der Kinderzimmertür aufhalten, um auf Tastaturgeklapper zu achten. Und wenn doch, machten Sie sich damit verrückt ? und beim Ertappen des Kindes auch das Kind. Also lassen Sie es ? entspannen Sie sich in der eingesparten Vor-Der-Tür- Steh-Zeit und üben Sie sich in Gelassenheit. Bei stärkeren Fehlverhalten sollten Kinder zudem zum guten alten ?Stubenarrest? verdonnert werden ? wenden Sie dieses Mittel jedoch nicht zu häufig an, es verlöre seine beabsichtigte Wirkung. Doch all Ihr Bemühen ist nutzlos, wenn Sie selbst nicht konsequent diesen Erziehungsstil durchhalten. Zudem ist es notwendig, jedes Fehlverhalten zu sanktionieren und niemals, unter keinen Umständen nach ? Goodwill? zu entscheiden. Es gibt für Sie als Eltern nichts zu entscheiden - auch für Sie gelten feste Regeln. Insofern müssen Eltern sich selbst oft mehr erziehen als ihr Kind.^ Nachtrag vom 19.03.2007: Überlegungen in der EU gehen nun in Richtung eines strikten Alkoholverbots für Jugendliche unter 18 Jahren. Gleichzeitig solle - so der Sprecher der Drogenbeauftragten der derzeitigen Bundesregierung Sabine Bätzing - der Alkoholkonsum gegenüber Kinder und Jugendlichen thematisiert werden. Der Umgang mit alkoholischen Getränken muss jedoch von den Jugendlichen in einer spannungsfreien Atmosphäre geübt werden können - am besten schon beiläufig im Elternhaus. Man kann ihnen nicht bis zum achtzehnten Lebensjahr Vorträge hierüber halten und dann erwarten, dass diese dann mit dieser geduldeten Droge umgehen können. Zudem sind die dieses Vorgehen belegen sollenden Zahlen einfach lächerlich: Nach Angaben der Drogenbeauftragten gibt mehr als jeder Dritte im Alter zwischen 12 und 25 Jahren an, im vergangenen Monat mindestens ein Mal mehr als 5 Gläser Alkohol zu sich genommen zu haben." Warum wurde nicht die Altersgruppe von zwei bis neunzig Jahren genommen? Die Zwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen fallen völlig aus der 'zu schützenden' Gruppe der Jugendlichen heraus. Wer so abstruse Statistiken heranzieht, belegt damit, dass es ihm an Belegen für sein Ansinnen mangelt.Labels: Gesellschaft, Kinder
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Hau' weg die Alten...
Eine Reportage im Bayrischen Fernsehen: 'Höfe unter dem Hammer' auf 3-SAT über das Hofsterben in Bayern. Eine alte Bäurin hatte sechs Kinder. Keiner von ihnen wollte den Hof übernehmen und die alte Dame bis zu ihrem Ableben dort wohnen lassen. Schließlich erklärte sich nach zähen Verhandlungen ihr zweitgeborener Sohn hierzu bereit. Auch dazu, seine Mutter - wenn es denn einmal notwendig wird - zu betreuen. Aber nur bis zur Pflegestufe I. Ab Pflegestufe II muss sie ins Heim, sofern er dann noch ledig ist; wenn er dagegen bis dahin verheiratet ist, könne sie bis Pflegestufe II wohnen bleiben und müsse erst mit Stufe III ins Heim. So steht es in dem mühsam mit Beratern ausgehandelten Vertrag. Und so wird ihr einziger Wunsch wohl letztlich unerfüllt bleiben, auf dem Hof zu sterben. Derzeit läßt sich über Pflegedienste eine weitgehende Versorgung der Pflegebedürftigen organisieren. Es wäre also mit etwas guten Willen durchaus machbar. Wer jedoch solche Kinder hat, braucht keine Feinde mehr. Möge es ihnen dereinst ähnlich ergehen wie ihrer Mutter. Labels: Gesellschaft, Kinder
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Sind die meisten Grundschullehrer Schulversager?
Ist es nicht merkwürdig, dass bei der Einschulung in die Grundschule fast jedes Kind hoch motiviert ist, nach wenigen Monaten jedoch die meisten schon demotiviert sind? Und der Rest gibt meist in den nächsten Grundschuljahren auf. Das Problem der von mehr oder minder geeigneten Charakteren geleiteten Ausbildungen lässt sich hervorragend mit dem folgenden Zitat zum Unterricht in der ersten Klasse verdeutlichen: ?Da stand vorne jemand, der wurde sauer, wenn ich Fehler machte.? Durch diese übliche miese Pädagogik wurden und werden auch künftig Heerscharen von Schülern in einem Zeitraum von nur wenigen Monaten desillusioniert. Kommen anfangs fast alle hoch motiviert in die Grundschule, schaffen es die gedankenlosen und uninspirierten Vertreter unseres Schulsystems, nahezu jedem den Spaß am Lernen zu nehmen. Jedoch gibt es wenige begnadete Pädagogen, die in einer Weise zu Lehren verstehen, welche nahezu alle Kinder einer Klasse an den behandelten Stoff fesselt und ihnen Bestätigung und Ermutigung gibt. Dass es sich Grundschullehrer zudem anmaßen, zum Abschluss der Grundschule Gymnasialempfehlungen auszusprechen oder nicht, von denen nachweislich etwa 50 Prozent falsch sind, ist ein weiteres dieselben betreffendes unerfreuliches Thema. Doch wenigstens in diesem Punkt stinkt der Fisch vom Kopf - hier sind es die politischen Entscheidungsträger der Bundesländer, die den Bock zum Gärtner machen. In vielen Bundesländern wie beispielsweise Bayern ist dieses Urteil zudem bindend - ohne Empfehlung kein Gymnasium. Kann es ein schlechteres Grundschulsytem geben? Nachtrag [Februar 2007]: Laut dem UN-Menschenrechtsinspektors Vernor Muñoz Villalobos weist das deutsche Schulsystem auf Grund seiner frühen Selektion Defizite bei der Kompatibilität mit den Menschenrechten auf. Neben der USA und China verstößt also auch Deutschland gegen Menschenrechte - genauer deren Grundschullehrer/innen. Labels: Gesellschaft, Kinder
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Kontakt, Küssen, raufen... verboten!
Der 'Bananenstaat USA' übertrifft sich unter Baby Bush zum Jahresende noch einmal selbst: Eine erste Schule in Culver City setzte ein landesweites Programm um, welches es den Schülerinnen und Schülern verbietet, sich zu berühren. Zwar sind nun weniger Prügeleien und Belästigungen unter den Schülern zu bemerken, aber auch jede noch so zärtliche Anbahnung - ein wichtiger Lernabschnitt in der Kommunikation in der Sozialisation Jugendlicher - ist in der Schulzeit, welche in den USA den ganzen Tag von acht Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags umfasst, unter Strafe gestellt. [Quelle: Spiegel-Online/Stern-Online 29.12.05] Das muss als totale Isolation empfunden werden. Was wirklich im Hirn der für die Einführung dieser Regelung Verantwortlichen vor sich geht, verrät uns dieser Satz des Schulleiters Jerry Kosch: "Das Händchenhalten und Küssen ist ebenfalls verboten, denn was nach dem Küssen auf dem Rasen passiert, kann man sich ja selber ausmalen." Ein hochgradig verklemmter Schulleiter - annehmlich ebenso hochgradig kinderlos, dafür von der Natur als Ausgleich mit ausgeprägten sexuellen Phantasien ausgestattet - lässt also in Bezug auf seine Schülerinnen keine reinen Gedanken kreisen, sondern wähnt dort einen sexuellen Abgrund, dem es einen Zaun vorzusetzen gilt. Wenn sich das durchsetzt, sind seine Schülerinnen und Schüler als Erwachsene ebenso gestört wie Jerry - und das bedeutet noch mehr Arbeit für Therapeuten. Labels: Gesellschaft, Kinder, USA
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Blinder Aktionismus - oder: "Wir machen da was!"
Wegen der in Hamburg durch Verwahrlosung durch die Eltern zu Tode gekommenen kleinen Jessica bringen nun politische Entscheidungsträger mit der heißen Nadel gestrickte 'Lösungen' - sie nennen es Frühwarnsysteme - auf den Weg: Nach Familienministerin Ursula von der Leyen soll beispielsweise der Frauenarzt eine solche Problematik erkennen und gegensteuern, und auch Hebammen sollen nun die Familien regelmäßig aufsuchen und - so wörtlich - "professionell" erziehungsberatend begleiten [Quelle: N24]. Eine wundervolle Idee. Nur schade, dass nicht nur die in Frage kommenden Frauen ihren Arzt bei derartigen Problemen nun nicht mehr ins Vertrauen ziehen können, weil sie strikte Reaktionen durch die Jugendämter befürchten (müssen). Auch sind Hebammen dafür ausgebildet, Babys auf die Welt zu holen. Ihnen fehlt jede Kompetenz, erziehungsberatend tätig zu werden. Oder würden Sie sich auf einen Erziehungsberater als 'professionellen' Geburtshelfer einlassen, wenn eine Geburt bevorstände? Politiker können so kurzsichtig sein. Die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes Gabriele Wichert stellt fest, dass dieses Modellprojekt unzureichend ist, Fälle wie Jessica könne man dadurch nicht verhindern. Nicht nur als 'Problemeltern' erkannte Väter und Mütter, sondern alle Eltern müssten mehr Unterstützung erhalten. Vielleicht war die Ärztin der Frauenheilkunde Ursula von der Leyen als 'professionelle' Familienministerin keine so gute Wahl - denn jemand, der nicht um die Ecke zu denken in der Lage ist, sollte sich Rat von Institutionen einholen, die sich mit der Problematik beschäftigen. Damit nicht ein Erziehungsberater ohne den Rat einer Hebamme Babys auf die Welt bringt oder eine Hebamme ohne den Rat eines Erziehungsberaters in der Erziehung beratend tätig wird. PS. Ministerin Ursula von der Leyen hat sieben Kinder im Alter von drei bis dreizehn Jahren, ein Pony und zwei Ziegen. Ihr Mann ist Medizinprofessor und Biotech-Unternehmer. Ein Paar auf dem Ego-Trip: Kinder ja, auch viele - aber bloß nicht selbst betreuen. Man kann nur hoffen, dass das die Kinder betreuende Personal hierfür besser motiviert ist.Labels: Gesellschaft, Kinder
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Skandal! Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg politisch nicht korrekt
Na sowas! Da stellt jemand eine seit Jahrzehnten erfolgreich laufende Hörspielreihe für Kinder auf die Beine, und dann kommt ein Politikwissenschaftler daher und bemängelt, dass deren Inhalt nicht den Ansprüchen wissenschaftlicher Auseinandersetzung politikrelevanter Themen entspricht [Quelle: http://www.tagesschau.de]. Politiker seien darin "grundsätzlich lächerliche und inkompetente Figuren, die faul, reich geld- und machtgierig, verschlagen, am eigenen Wohl orientiert sowie unfreundlich, unmenschlich und unbeliebt sind". Damit sind diese Kindergeschichten jedoch beängstigend nah an der Wirklichkeit platziert. Sollte man Kinder besser nicht hierauf vorbereiten? Doch damit nicht genug. Dieser Politikwissenschaftler - Gerd Strohmeier aus Passau - moniert beispielsweise, ein Polizeipräsident würde durch die folgende Vorstellung am Telefon lächerlich gemacht: "Hier das Polizidium, äh äh äh äh Präsidalpolizidium, na egal hier spricht der Polizeipolizient, na ich bin's." Man kann wirklich leicht lächerlich gemacht werden. Oder sich selbst lächerlich machen. Gratulation, Herr Strohmeier. Labels: Gesellschaft, Kinder, Medien
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Hamburger Bildungspolitik mit Volldampf zurück in die Steinzeit
Ist es nicht merkwürdig, dass ein kleiner piefiger Senator Jörg Dräger in Hamburg - nicht zu verwechseln mit seinem Namensvetter der 'Neun Live' Gameshows ?Geh aufs Ganze? und ?Zonk?- es sich anmaßt, anhand eines einzigen völlig irrsinnigen Kriteriums die Lehre der Geisteswissenschaften um mehr als die Hälfte der Kapazitäten zu reduzieren - somit mal eben ganze Studiengänge abzuschaffen. Diverse spezielle, nur in Hamburg gelehrte Studiengänge wie die der 'Orchideenfächer' fallen hierdurch ganz weg, in den Kernfächern wird nur noch ein Minimalprogramm möglich sein. So wird bis zum Jahre 2012 die Zahl der Studenten in den geistes-, kultur- und sprachwissenschaftlichen Fächern um fast 60 Prozent reduziert und die Zahl der Professoren halbiert werden. Die Folgen: Außer den Lehramtsfächern müssten alle Fächer der Geisteswissenschaften geschlossen werden. Sein einziges, der ihm eigenen Ignoranz entsprechendes Kriterium ist es, Hochschulen nach dem Arbeitsmarktbedarf der Region auszurichten. Doch dies in jedem Bundesland angewandt bedeutete, 80 Prozent der derzeit von den Universitäten alternierend angebotenen Fächer im Bereich Kulturwissenschaften vollständig abzuschaffen. Denn für diese gibt es in keinem Bundesland allein einen ausreichenden Bedarf, sondern stets nur bundesweit. Dieses ist - so Konrad Ehlich vom Deutschen Germanistenverband eine abzulehnende "drastische Ökonomisierung des Wissens". Alles, was nicht der unmittelbaren wirtschaftlichen Verwertbarkeit diene, werde "platt gemacht". Die Situation sei "dramatisch". Und alles nur, weil sich Dräger mit seiner Reform offenbar profilieren will, so Knut Hickethier, einer der vier Hamburger Dekane. [Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 30.08.04]Labels: Kinder
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