Das Kritik-Blog

Kollateralkritik zum Treiben unserer Mitmenschen

Montag, Februar 12, 2007

Russland hauen?

Die Idee ist schon pubertär genug: Kaum dass Russland die Staaten der ehemaligen UDSSR friedlich aus seinem ?Protektorat? entlassen hat, will die MTV-verblödete Führungskasperl-Riege der US-Amerikaner ein Raketenabwehrsystem in einigen dieser Länder installieren. Das ist so dreist wie gefährlich. Denn auf die stoische Geduld des militärischen Riesen Russlands zu bauen hieße, ein Vabanquespiel zu betreiben. Denn nur wenn sich Russland stark und selbstbewusst fühlt, kann es ein solches Ansinnen ignorieren. Je schwächer eine Führung ist und je schlechter ihr Rückhalt in der Bevölkerung, desto aggressiver würde sie gegen solche als Bedrohung zu wertende Handlungen reagieren.

Und damit sind wir beim Thema ?kalter Krieg?. Ich habe mit dem kalten Krieg gelebt und zuletzt ohne ihn ? und glauben Sie mir: Ohne ist es besser. Die Art und Weise, wie unsere Amerika hofierenden Medien wie beispielsweise die 'FAZ' auf Putins milde Kritik in der Sicherheitskonferenz in München reagierten, ist jedoch höchst aggressiv. Dieser wird zudem vom amerikanischen Verteidigungsminister mit den Worten verhöhnt: ?Alte Spione haben eben die Angewohnheit, offen und direkt zu reden? ? und die deutschen Medien applaudieren, indem sie diesen Affront als ?kollegiale Freundlichkeit? bezeichnen, sprechen dann weiter von einer momentan großen ?machtpolitischen Rauflust? des Präsidenten Putin ['FAZ'-?Journalist? ?K.F?] und schreiben nicht zuletzt in einer irrwitzigen, alles verdrehenden Überschrift über den US-Verteidigungsminister Gates: ?Der Neue mag die leisen Töne?. Wenn Putin auch nur halb soviel Selbstbewusstsein besitzt wie die dümmlich überhebliche amerikanische Elite, dann wird er ob dieser undiplomatischen Provokation seinerseits Gegendruck erzeugen. Gates zündet eine neue Lunte an ? und die dem Gipfel beiwohnenden Bundestagsabgeordneten ?applaudierten ihrem Helden besonders enthusiastisch?. Sowohl der Grad der Zustimmung als auch die unsäglichen und unsachlichen Formulierungen sind unfassbar für viele, welche die Geschichte Russlands und der ehemaligen Sowjetunion kennen.

Um es klar zu sagen: Das neue Abwehrsystem bringt Europa ? insbesondere Deutschland - keinen Deut mehr Sicherheit, weil es keine Bedrohung mehr gibt. Diese würde erst mit der Installation dieses Abwehrsystems erneut entstehen, wenn Russland gegenhält. Doch der US-Amerikaner Robert Gates sitzt weit weg im provinziellen Washington ? aber wir sind hier und dürfen einmal mehr die Fehler der derzeit durchgeknallten US-Führung ausbaden.

Putins Rede war übrigens in keiner Weise provokant. Er sprach sich im sachlichen Ton gegen die Schaffung neuer Militärstützpunkte in Bulgarien und Rumänien aus, wandte sich gegen Amerikas Bereitschaft zur uneingeschränkten und übertriebenen Anwendung militärischer Gewalt in der Außenpolitik und gegen ihre Abwendung von demokratischen Prinzipien. So what?

P.S. Die Nato geht in Afghanistan schleichend ihrem völligen Versagen in einem Krieg entgegen, der vom ersten Moment an aussichtslos war: Zitat aus der 'FAZ': ?Ein Scheitern im Kampf gegen Taliban und Al Qaida in Afghanistan sei ?keine Option?, sagten auch in München wieder beschwörend alle, denen etwas an der Nato liegt. Doch rückt diese Möglichkeit stetig näher...? Na also, irgendwann geht jedem ein Licht auf.

Nachtrag: Heute - am folgenden Tag - bejammert Berthold Köhler, dem offensichtlich die oben genannten Initialen 'B.K.' zuzuordnen sind,in einem Kommentar
über einem Viertel der ersten Seite der 'FAZ' die Illoyalität der Deutschen gegenüber der Bush-Regierung und die "mangelnde Verteidigung eines bewährten Bündnisses". Gespickt mit Intellektualität vorgaukelnden Fremdworten, die kaum einer ohne Lexikon versteht (Philippika, Suada etc. ) wähnt er Putin einen Keil in die Nato, "im breitesten und in den tiefsten ihrer Risse" treibend und gibt zu: "Das Geflüster, dass Putin nicht in allem unrecht, vielmehr sogar das Recht habe, sich bedroht zu fühlen, war schon auf dem Münchener Parkett zu hören." Das ist ein Eingeständnis, dass er und damit die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' im gestrigen Artikel sowie Kommentar entgegen der wahren Reaktionen und somit entgegen der Wahrheit an sich Meinungsmache im "Bild"-Zeitungsstil betrieben hat. Attackieren und Diskreditieren von Andersdenkenden ist das täglich Brot nahezu aller deutschen Publikationen - nicht einmal ein selbstlos handelnder Wohltäter wie der Spekulant George Soros, welcher kontinuierlich über Jahrzehnte Milliarden in Wohltätigkeitsorgisationen armer Länder gestiftet hat, findet die Zustimmung der 'Frankfurter Allgemeine Zeitungs'-Redaktion. Dann kann es niemand schaffen, sollte man meinen, aber offenbar reicht es, eine ganz bestimmte politische Linie zu vertreten, um den falschen Segen der Mediengötter zu erheischen. Dieses ist jedoch mit einem selbstlosen Streben nach Wahrheit nicht vereinbar. Das es auch anders geht, macht uns beispielsweise die 'Neue Züricher Zeitung' seit Jahrzehnten Tag für Tag vor. Deren Berichte sind sachlich, ausgewogen und aus einer neutralen Position heraus verfasst.

Nachtrag II vom 21.Februar 2007: Na also, Loyalität zahlt sich doch aus: Die FAZ klopfte sich heute auf die Schulter mit der Notiz, dass sie als "eine der schönsten Zeitungen der Welt" prämiert wurde. Die Zeitung "brülle" nicht, sie "erleuchte". Entweder sind in der prämierenden amerikanischen 'Gesellschaft für Zeitungsdesign' keine Leuchten oder man prämierte die Linientreue zum Bush-Regime. Suchen Sie es sich aus.

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