Von Trauer und Verbundenheit
Ist es nicht merkwürdig, dass wir so vieles über das Leben wissen wollen, doch so wenig über das Sterben und über das System, welche das physische Leben einbettet?
Das Sterben ist weniger als ein Schritt ? wir nehmen diesen Prozess nicht wahr, wenn wir ihn nicht erwarten oder hierbei abgelenkt sind, beispielsweise durch Kampfhandlungen oder durch einen das Sterben verursachenden Unfall. Dann ist es für den Betroffenen eine Überraschung, festzustellen, verstorben zu sein. Das geboren werden und das Sterben sind also für unser Bewusstsein kaum merkliche Vorgänge ? nur das Eingebunden sein in der Falle der Raumzeit unseres Lebenssystems, verbunden mit einem trägen und in vielerlei Hinsicht bedürftigen und anfälligen physischen Körper ist das schwer zu bewältigende. Wir nehmen die uns in einem Lebenszyklus dargebotenen Identität an und leben sie ähnlich versunken, wie der Online-Spieler in die Figur seines Protagonisten schlüpft. Unsere Spielwelt ist natürlich ungleich vielfältiger, doch das Prinzip ist vage ähnlich. In unserem realen Spiel werden wir von höheren Instanzen unseres Bewusstseins vierundzwanzig Stunden am Tag unterstützt und in dem, was wir Schlaf nennen, in Übungsabschnitten geschult und belehrt.
Wenn wir sterben, nehmen wir all die intensiveren Bindungen mit uns. Sie bleiben uns erhalten, wenn wir uns nicht mental von dem anderen abwenden oder der andere von uns. Denn die bei anderen geparkten Anteile unserer Bewusstseinsenergie, welche ein Teil unseres unsterblichen Wesens ist, ziehen wir in einer Art bewussten Entscheidung von anderen ab oder aber wir belassen sie bei denen, die wir einst in unsere ?geistige Obhut? genommen haben. Wenn wir diese Anteile nach unserem physischen Ableben abziehen, uns also mental von ihnen abwenden, empfinden die betroffenen Hinterbliebenen diesen Verlust als Trauer. Sie entsteht aus dem Leeregefühl, einem Gefühl der Einsamkeit und des Verlassenseins, wenn die vertrauten Bewusstseinsenergie-Anteile des anderen plötzlich fehlen. Wohl jeder hat diesen Effekt schon einmal bei sich selbst erlebt ? wenn man nach einer innigen Beziehung verlassen wird, ist es nicht anders. Umgekehrt kann bei einer besonders intensiven mentalen Beziehung selbst nach dem physischen Ableben eines der Beteiligten dieses Gefühl der Trauer vollkommen ausbleiben - nämlich dann, wenn man sich immer noch sehr nah ist, sich keiner von beiden abwendet und damit dem anderen emotional kündigt.
Wenn wir also einen Nahestehen durch den Tod oder einer Trennung zu Lebzeiten verlieren, trauern wir in zweierlei Weise: Einmal ausgelöst durch dessen mentales Abwenden, dem Abziehen seiner Bewusstseinsenergie aus unserem Bewusstsein und zum anderen durch Selbstmitleid, welches aus der Erkenntnis der bevorstehenden langen Trennung entsteht. Trost dagegen könnten wir beim Verlust eines Menschen durch Versterben in der Gewissheit finden, beim Weiterbestehen einer gefühlsmäßigen Verbindung den anderen nicht aus den Augen zu verlieren und ihn nach unserem eigenen physischen Ableben wiederzusehen ? wenn wir denn hiervon überzeugt sind.
Anmerkung: Dieser Beitrag basiert auf der journalistischen Arbeit zu dem Buch ?Hinter den Kulissen unserer Welt ? Ein System der Metaphysik?. Ausgewertet wurden Berichte aus Nahtoderfahrungen und Rückführungen, die Schriften von Platon, Kant und Schopenhauer u.a..
Labels: Philosophie


0 Kommentar(e):
Link erstellen
Kommentar veröffentlichen
<< Letzte 20 Blog-Eintraege aus verschiedenen Kategorien (Labels) anzeigen