Das Kritik-Blog

Kollateralkritik zum Treiben unserer Mitmenschen

Freitag, Januar 13, 2006

"Und nun die Nachrichten" - Merkel reist nach Amerika

NDR 4 vermeldete am heutigen Morgen, Bundeskanzlerin Merkel wolle bei ihrem heutigen USA-Besuch vor allem "... Gemeinsamkeiten betonen ... die Wertegemeinschaft mit den USA unterstreichen ... vor allem im Kampf gegen den Terrorismus ..." und noch einmal "... Gemeinsamkeiten betonen ...".

Drei Stunden mit George W. Bush stehen ihr hierzu zur Verfügung. 180 Minuten. Einschließlich der Zeit der Begrüßung, des Verabschiedens mit Foto- und Pressetermin, des Kauens und Schluckens, denn es wird auch gegessen. Die Nachrichtensprecherin hätte auch sagen können: "Der riesige Popo der Bush-Administration steht für Deutschland nach Abzug der Förmlichkeiten etwa 120 Minuten offen". Aber das sagte sie nicht. Und so denkt auch keiner. Dass sich die USA als Folterstaat etabliert und geoutet haben - wen interessiert's. Denn Folter hätte in Deutschland beinahe auch eine eigene Tradition bekommen. Auf gemeinsame Werte wollte sich die Frau Bundeskanzlerin besinnen?

Aber - die Grünen waren seinerzeit auch nicht besser. Guantánamo war schon zu Zeiten der Besuche von Außenminister Fischer ein offenes Buch, und Fischer riskierte damals im Grunde genausowenig Gegenwind wie Merkel heute. Es fehlt unseren politischen Führern aller Couleur seit langem der Blick auf das Wohl und Wehe der Nation, dieser bleibt stets beim eigenen Wohl und Wehe hängen. So entsteht Überanpassung - an das Volk vor den Wahlen, an die Parteienfinanzierer nach den Wahlen, an die Exportziele China und USA.

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