Das Kritik-Blog

Kollateralkritik zum Treiben unserer Mitmenschen

Donnerstag, November 10, 2005

"Reich sein ist alles" - oder negative Lohnsteigerungen positiv betrachtet

Ist es nicht merkwürdig, dass Medien und Politikern noch immer von 'Lohnsteigerungen' sprechen, obwohl das durchschnittliche Tarifergebnis des Jahres 2004

  • durch den Abbau übertariflicher Leistungen,
  • durch tariflose Zustände in verschiedenen Wirtschaftszweigen,
  • durch eine zunehmende Anzahl tariflicher Öffnungsklauseln
  • und wachsendem Lohndruck durch die Hartz-Gesetze
mit -1,5 Prozent letztlich negativ war [Quelle: Verdi]. Dieses - beschönigend 'negative Einkommensentwicklung' genannt - verdeckt die seit Beginn der neunziger Jahre stattfindende Umverteilung von unten nach oben, von arm zu reich. Arme werden noch ärmer, Reiche noch reicher. Auch das ist Deutschland. Wenn Sie also nicht reich sind, sind Sie ein Verlierer. Sind Sie jedoch reich, herzlichen Glückwunsch. Sie sind hier genau richtig, können sich wohlig in den Vorzügen des ehemaligen Sozialstaates Deutschland suhlen wie das Ferkel im Schlamm.

Wenn nun in diesem unseren Lande das Geld zur Sanierung der Staatsfinanzen fehlt, woher sollte die Politik es einziehen? Bei den armen oder doch bei den reichen Bürgern? Da wir alle gerne einmal reich wären und - jung und gesund - insgeheim hoffen, es noch zu schaffen, und uns zudem gerne von Armut distanzieren, ist die Antwort klar: Weiter so, Deutschland.
(Diese unsägliche Deutschtümmelei ist übrigens eine Nebenwirkung der ebenfalls unsäglichen "Wir sind Deutschland"-Kampagne)

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