Das Kritik-Blog

Kollateralkritik zum Treiben unserer Mitmenschen

Donnerstag, August 19, 2004

Hamburger Bildungspolitik mit Volldampf zurück in die Steinzeit

Ist es nicht merkwürdig, dass ein kleiner piefiger Senator Jörg Dräger in Hamburg - nicht zu verwechseln mit seinem Namensvetter der 'Neun Live' Gameshows ?Geh aufs Ganze? und ?Zonk?- es sich anmaßt, anhand eines einzigen völlig irrsinnigen Kriteriums die Lehre der Geisteswissenschaften um mehr als die Hälfte der Kapazitäten zu reduzieren - somit mal eben ganze Studiengänge abzuschaffen.

Diverse spezielle, nur in Hamburg gelehrte Studiengänge wie die der 'Orchideenfächer' fallen hierdurch ganz weg, in den Kernfächern wird nur noch ein Minimalprogramm möglich sein. So wird bis zum Jahre 2012 die Zahl der Studenten in den geistes-, kultur- und sprachwissenschaftlichen Fächern um fast 60 Prozent reduziert und die Zahl der Professoren halbiert werden. Die Folgen: Außer den Lehramtsfächern müssten alle Fächer der Geisteswissenschaften geschlossen werden.

Sein einziges, der ihm eigenen Ignoranz entsprechendes Kriterium ist es, Hochschulen nach dem Arbeitsmarktbedarf der Region auszurichten. Doch dies in jedem Bundesland angewandt bedeutete, 80 Prozent der derzeit von den Universitäten alternierend angebotenen Fächer im Bereich Kulturwissenschaften vollständig abzuschaffen. Denn für diese gibt es in keinem Bundesland allein einen ausreichenden Bedarf, sondern stets nur bundesweit. Dieses ist - so Konrad Ehlich vom Deutschen Germanistenverband eine abzulehnende "drastische Ökonomisierung des Wissens". Alles, was nicht der unmittelbaren wirtschaftlichen Verwertbarkeit diene, werde "platt gemacht". Die Situation sei "dramatisch". Und alles nur, weil sich Dräger mit seiner Reform offenbar profilieren will, so Knut Hickethier, einer der vier Hamburger Dekane. [Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 30.08.04]

Labels:



-->

0 Kommentar(e):

Link erstellen

Kommentar veröffentlichen

<< Letzte 20 Blog-Eintraege aus verschiedenen Kategorien (Labels) anzeigen