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Wirtschaft

Essay über Spekulanten, Anlage-Betrüger, Abzocker und Anlageberater

Von Analysten und andere Ganoven



Der Online-Händler von Tierutensilien "Pet.com" war im Februar 2000 unter der Regie von Merrill Lynch mit einem Ausgabepreis von 11 Dollar je Aktie an die Börse gekommen. Als Merrill Lynch vier Wochen später eine Kaufempfehlung mit Kursziel 16 Dollar aussprach, war das Papier bereits um 36 Prozent auf 7 Dollar gefallen. Nach der Kaufempfehlung stieg der Kurs noch einmal etwas an, doch erst als die Aktie bis August um 91 Prozent - vom Ausgabekurs - auf einen Dollar gefallen war, stufte die emitierende Bank das Papier auf Akkumulieren (Halten) zurück. Im November wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt, das "Unternehmen" liquidiert.

Das in Deutschland nicht unbekannte Unternehmen Telekom verscherbelte seine Papiere mit einigen der größten Werbefeldzüge der Nachkriegsgeschichte. Es wurde den unbedarften potentiellen Anlegern von Prominenten mit hohem Ansehen suggeriert, dass man nicht ganz richtig im Kopf wäre, diese Papiere nicht zu zeichnen. Zunächst wirkte die Werbung; der Kurs stieg von ursprünglich 14 Euro auf 104 Euro. Doch als die letzte Aktie verkauft, der letzte kaufbereite Deutsche eingestiegen war, war keiner mehr da, der noch als Käufer in Frage käme. Von da an ging es, parallel zur Weltkonjunktur und den Aktienmärkten bergab. Als sich dann im August 2001 ein großer Investor, Hutchison Wampora, von einen nicht unerheblichen Aktienpaket über die Deutsche Bank trennen wollte, sah diese offenbar keine Chance, dieses wie sonst üblich diskret unter Umgehung des gewöhnlichen Marktes direkt an andere finanzstarke Investoren abzugeben. Um einen Teil über die normalen Handelsplattformen abzuwickeln und trotzdem noch einen guten Kurs für seinen Auftraggeber rauszuholen, veröffentlichte die Deutsche Bank am Tag vor dem Verkauf eine Analyse, die der Telekom große Kursgewinne verhieß und sie zum Kauf empfahl. Die Sache kam heraus, und der Kurs brach innerhalb von zwei Tagen von 24 auf 17 Euro ein. Diejenigen, die auf die Deutsche Bank gehört hatten, verloren sehr viel Geld.

Das Neue-Markt Unternehmen Informatec ging nach einer grandiosen Kursentwicklung in Konkurs. Die Vorstände Alexander Häfele und Gerhard Harlos haben von Beginn an durch gefälschte, die Investoren anlockende Ad-hoc-Mitteilungen und den dem Kursanstieg anschließenden Verkauf eigener Aktien einen Vorteil in Höhe von 30 Millionen DM erzielt. Das ist im Verhältnis zum am neuen Markt investierten Kapital nicht viel, was die Betroffenen Aktionäre jedoch nicht trösten wird. Dieser Betrag entspricht der Anzahl von 300 Anlegern mit einem Verlust von je DM 100.000,-.

Wer sich in den Ozean der Aktienanlage hineintraut, hat zwar schon mal etwas von darin lebenden Haien gehört und auch, dass man darin nicht überall Grund unter den Füßen hat. Wie schnell man jedoch tatsächlich absaufen oder gefressen werden kann, steht auf keiner Warntafel. Diese müsste auch schon etwas größer ausfallen, um die Gefahrenbereiche wenigstens grob abzudecken. Aber selbst derjenige, der alles weiß, weiß auch nicht genau, was morgen sein wird. Er hat jedoch eine Schwimmweste umgebunden (das können hier Sicherungsstops sein) und erkennt Gesetzmäßigkeiten in den Auf- und Ab's der Wellen, so dass er wenigstens ansatzweise ahnt, wo er sich gerade befindet, im Wellental oder hoch oben auf der Gischt.

Am sichersten wähnt man sich auf einem soliden Boot, ausgestattet mit Fachpersonal, vom Kapitän bis zum Schiffsjungen. Aber so etwas gibt es nicht umsonst, zudem gehen nahezu alle Fonds in einer Baisse genauso baden wie jeder unbedarfte Privatanleger auch. Zudem gibt es in Qualität und Breite unter ihnen erhebliche Unterschiede, so dass die 'richtige' Auswahl eines Fonds ein Kapitel für sich wäre. Diese Badeanleitung nun, in der Sie gerade lesen, ist ein Sammelsurium aus Erfahrungen, die verschiedene Menschen beim Schwimmen gemacht haben. Und weil eine Erfahrung, die uns vor einem Verlust bewahren soll, auch nur aus einen solchen entstehen kann, sind diese Informationen eigentlich unbezahlbar.

Auf den ersten Blick stimmt übrigens das anfangs Gesagte nicht. Der Strand ist übersät mit Hinweistafeln und offenen Informationsbuden, aus denen heraus die Analysten der großen und kleinen Banken versuchen, reich und arm, Schwimmer und Nichtschwimmer ins Wasser zu locken. Das Meer kann gerade in einen Orkan toben und völlig Haiverseucht sein, sie rufen immer noch Kaufempfehlungen durchs Megafon. Dabei würde es den Anleger schon nach einem Schritt ins Wasser die Füße wegziehen. Denn der an den überreglementierten, mit amtlichen Hinweistafeln versehenen Strassenverkehrsraum gewöhnte Badegast glaubt zunächst einmal das, was er da hört und ließt. Und ist enttäuscht im wahrsten Sinne des Wortes, wenn er reingelegt wurde. Doch mangels Informationen über grundsätzliche Baderegeln lauscht er fortan dem Ausrufer der nächsten Badebude. Und so weiter. Bis er entnervt aufgibt oder versucht, hinter das System zu blicken. Doch alles Wissen ist nur vorläufig, jede Veröffentlichung muss zwangsweise unvollständig und der Betrachtungsgegenstand in seiner Komplexität nicht völlig greifbar sein. So oder so, es bleibt spannend.

Was nun im Liebesspiel durchaus Spaß machen kann, nämlich das Hinauszögern des finalen Höhepunktes einer Entwicklung, bereitet an der Börse eher Frust. In diesem Fall, einem schon lange währenden Abwärtstrend, kostet jede überflüssige Zwischenerholung den unerfahrenen Anleger viel Geld. Er, der nie genau weiß wo er steht und gar nicht weiß, wie ihm geschieht, wenn er dann einen Haufen Geld macht oder verliert, wähnt sich dann als Naturtalent oder im umgekehrten Fall eben nicht.

Unsere tägliche Information gib uns heute, und dann liegen wir trotzdem falsch. Viele Anleger sind davon überzeugt, dass sie stets bereit sein müssen für wichtige kursrelevante Informationen. Doch diese sind äußerst selten. So wird auf den Wirtschaftskanälen in der Regel täglich verfolgt, was zum einen vollkommen unwichtig und zum anderen irreführend ist wie zum Beispiel die Ansichten und Meinungen von Bank-Analysten oder anderer Investoren, die zwar meist mit einem etwas größeren Portfolio ausgestattet sind, jedoch nicht automatisch über eine größere Sachkenntnis verfügen. Zudem gibt es auch dort derart differenzierte Meinungsbilder, so das man getrost konstatieren darf, dass die in der Summe durch die Medien übermittelten Informationen für den long term Investor, dem Anleger mit wenigstens mittelfristigen Anlagehorizont, wertlos sind. Ganz anders verhält es sich mit dem Daytrader, der, angewiesen auf jede noch so kleine Information, auf diese Nachrichten reagieren muss - egal ob sie falsch oder richtig sind. Er muss, weil alle kurzfristig orientierten Anleger es auch auf diese Art tun. So kommen die vielen kleinen Zacken in den Charts zustande, die der längerfristig orientierte getrost als statistisches Rauschen ignorieren kann. "Wat dem einen sien Uul, ist dem andern sien Nachtigall" sagt ein altes norddeutsches Sprichwort, es passt wohl selten so gut wie hier.

Der längerfristig orientierte Anleger täte also gut daran, sein Interesse für den Stand seiner Anlagen zu zügeln und - wie es schon Kostolany vorzuschlagen wusste - sich nur noch einmal wöchentlich, vorzugsweise am Wochenende, wenn die Börsen geschlossen und die Makler zu Hause sind, über den Stand der Dinge zu informieren und sich ein Bild über die künftige Entwicklung zu machen. Das hört sich leichter an als es getan ist; wer in dem Strudel der Medien festhängt, braucht schon einen mehrwöchigen Urlaub fernab der Zivilisation, um sich davon soweit wie beschrieben zu lösen. Denn es ist die Angst vor Verlusten, die den Anleger zu den Medien treibt, die Angst, etwas falsch zu machen oder zu übersehen und dadurch Geld zu verlieren. So können es anders herum auch die Verluste sein, die ihm die Irrlicht-Funktion der Medien vor Augen halten und ihm Lehren, sie mit einer wohldosierten Missachtung zu strafen. Darüber wiederum sollten die Medien-Macher und Gurus der Analystenzunft nicht verärgert sein; sind sie doch noch einmal gut davon gekommen, dadurch, dass es in Deutschland und anderswo keine Grundlage für Schadensersatzforderungen für durch ihre Informationen geschädigte Investoren gibt.

Es ist nicht der Wunschtraum der Charttechniker, dass jede starke Abwärtsbewegung mit einem finalen Ausverkauf unter hohen Umsätzen zu enden habe. Diese Kapitulation ist einfach notwendig, um die Besitzverhältnisse neu zu regeln, die Papiere von der vorsichtig agierenden großen Zahl kleinerer Anleger auf die kleine Zahl finanzstarker erfahrener Vermögensverwalter umzuschichten. Denn solange die Masse nicht kapituliert, die Aktien aus dem Fenster wirft, schwört, nie wieder eine Aktie anzufassen (bis zur nächsten Hausse), solange kann der Kurs nicht kontinuierlich über Jahre steigen, weil keiner da ist, der kontinuierlich über lange Jahre kaufen würde. Die vorgenannten großen Vermögensverwalter tun es sicher nicht, sie wissen, dass jeder Aufschwung ohne ihre Milliarden scheitert, und so nimmt jede neue Runde im Auf- und Ab der Börsen den gleichen Verlauf und endet letztlich mit einem Trauerspiel für die Unerfahrenen.

Doch selbst wer alles weiß, verliert oft, weil er den Zeitfaktor unterschätzt; denn wir sind geneigt, unsere Erkenntnisse nach kurzer Zeit erfüllt sehen zu wollen und verbinden damit eine Erwartungshaltung, die uns nach Überschreiten des gesetzten Zeitlimits an unseren Annahmen zweifeln lässt. Als ich einem guten Freund an einem Februarabend 2001 von meiner Annahme erzählte, das der Dow Jones nicht wie von mehreren bedeutenden Analysten prophezeit, auf 11700 Punkte steigen, sondern eher auf 7000 bis 8000 fallen würde, bedachte ich nicht, dass mein aufmerksamer Zuhörer nun jeden Tag den Dow verfolgen würde. So fragte er mich in der dritten Märzwoche des gleichen Jahres beiläufig, wo den der Niedergang bliebe. Ich hatte einen Zeithorizont von 18 Monaten vor Augen, mein Weggefährte einen von maximal einem Monat.

Selbst diese 18 Monate können zu kurz gefasst sein. Auf einem 12 Jahres-Chart erkennen wir, dass die Auf- und Abtrends immer länger dauern, als wir es an einem beliebigen Punkt bei abgedeckten rechten Teil des Bildes angenommen haben. Was lehrt uns das? Man kann gar nicht genug Geld, Geduld und Gedanken haben, wenn man an der Börse investiert. Die Geduld festigt sich durch einen mit Bedacht eingehaltenem Abstand, den man zu den dortigen Ereignissen annimmt. Es wird einem langfristig orientierten Investor aller Wahrscheinlichkeit nach nicht möglich sein, seinen Annahmen entsprechend zu handeln, wenn er gleichzeitig versucht, mit Daytrading ein paar Dollar extra zu machen. Diese täglich auf ihn einwirkenden Informationen, die täglich Dutzend Mal gestellte Frage der CNBC-Moderatoren an Interviewpartner nach dem Boden der Baisse, sie verbauen ihm den Blick für das Ganze. Andererseits kann jemand durchaus mit Daytrading viel Geld verdienen, auch wenn er von den grundlegenden Marktmechanismen keine blasse Ahnung hat. Nur täte er dann gut daran, von längeren Engagements die Finger zu lassen.

Sowohl zeitlich als auch wertbezogen betrachtet fallen die Kurse - bisher im wesentlichen die der NASDAQ - in einen tiefen Keller. Es scheint dabei auf ewig so weitergehen zu wollen. Doch genau hierin liegt der Trost: Es wird ein Ende haben, und zwar bevor der Wert aller Unternehmen auf Null gesunken ist. Das ist zwar banal, aber zur Zeit in der Planung vieler Investoren noch nicht ausreichend berücksichtigt. Die rührenden Versuche einiger Anleger, im langen Fall den richtigen Einstiegspunkt zu finden, den absoluten Boden zu treffen, haben ihnen sehr viel Geld gekostet. Und nun sitzen sie vor ihren Depotresten und resignieren.

Dabei ist eine Standortbestimmung relativ einfach zu bewerkstelligen. Die klassische Haupt-Bodenbildung verlief stets nach einem ähnlichen Muster, und zwar schon bevor die Tulpenspekulation zusammen gebrochen ist. Diese an anderer Stelle immer wieder ausreichend genannten Symptome gelten auch heute noch, nur werden die Anleger müde, auf sie zu warten. Kommen zwei, drei ihrer Faktoren zusammen kaufen sie. Anstatt alles aufzulösen, sich mit dem Cash-Polster in Kostolany's Sessel zurückzulehnen und vielleicht auch eine oder zwei seiner berühmten Schlaftabletten zu nehmen, um nicht all zu hellwach auf das narrende Tagesgeschehen zu achten. Der Knall, der das Ende der Baisse anzukündigen pflegt, wäre sicher laut genug, um ihn zu wecken, so das er seinen Broker anrufen und sich eindecken könnte.

Es wird sich an der Börse in den kommenden Jahren noch einmal eine Menge Geld mit steigenden Kursen verdienen lassen. Voraussetzung ist, das nach diesem Abschwung noch etwas Cash zum Kauf der solidesten Werte da ist. Der typische Spieler dürfte dann jedoch für einige Zeit vom Markt verschwunden sein. Und wäre er noch da, würde seine Performance in den ersten zwei Dritteln des folgenden Aufschwungs unter der des kontinuierlich engagierten Anlegers liegen. Erst danach böten sich ihm durch wachsende Volatilität neue und im Vergleich bessere Chancen.

Es wird also mit der zu erwartenden Erholung der Weltwirtschaft auch genug freies Geld vorhanden sein, um die Kurse noch einmal bergauf gehen zu lassen. Zumindest bis zum Ende dieses Jahrzehnts, bis die letzten der geburtenstarken Jahrgänge, geboren vor dem Pillenknick, in das Rentenalter eintreten und beginnen, wegen geringerer Einnahmen ihr Aktienvermögen aufzuzehren und weniger zu konsumieren. Diesem Verkaufsdruck auf Aktien kommt eine geringere Kaufnachfrage hinzu, weil dann relativ betrachtet weniger Erwerbstätige Rücklagen in dieser Anlage bilden werden. Dieser weltweite Nachfragerückgang wird dann nicht mehr durch Notenbanken aufzufangen sein, und so ist es sehr wahrscheinlich, dass dem Ende dieses Jahrzehnts ein echtes Tal der Tränen folgen wird, mit ernsten Auswirkungen auf die Volkswirtschaften. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, zu erkennen, dass China in ferner Zeit die besten Chancen hat, in der Rangfolge zur stärksten Wirtschaftsmacht aufzurücken. Unbelastet durch eine Nachfragereduzierung, wirtschaftlich mit ungeheurem Wachstumspotential versehen, wird dieses für europäische und selbst für amerikanische Verhältnisse riesige Land einen wirtschaftlichen Einfluß bekommen, die der derzeitigen US-amerikanischen ebenbürtig sein dürfte. Die wirtschaftlichen Vorteile einer Dereglementierung lassen seine Führer - wie schon bisher im Ansatz zu sehen - offener werden, das große Spiel des Geldes mitzuspielen und freiere Märkte zuzulassen. Die letzten Kriege dieser Erde werden wohl still auf dem Schlachtfeld der Weltwirtschaft entschieden, und es sieht ganz so aus, als ob der weiße Mann mit seiner nachlassenden Finanzkraft das wirtschaftliche Auslaufmodell der künftigen Zeiten, der Afrikaner der Zukunft sein wird.

©2001 Andre Chinnow


 






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