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blog.Merkwürdigkeiten

Die Rubrik 'Zu guter Letzt: Ist es nicht merkwürdig' der Hauptseite von chinnow.net platzte aus allen Nähten. Hier geht's weiter. Warum ich poste? Meine Bloggerei ist wie Korbflechten im Irrenhaus: Der Patient fühlt sich dabei etwas besser (angelehnt an ein Woody Allen Zitat).

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Name: André
Standort: Hamburg, Germany

Mich interessiert das geschriebene Wort - gleich ob es gedruckt oder am Bildschirm angezeigt ist. Als Ausgleich zur Schreiberei bemühe ich mich, Handwerker in meinem Leben überflüssig zu machen.

Mittwoch, April 18, 2007

Vergänglichkeit

Ist es nicht merkwürdig, wie beharrlich wir von einem Nicht-Altern der Menschen ausgehen, so dass wir erschrecken, sehen wir diese erst nach Jahren wieder? Dann erkennen wir, wie die Zeit auch an uns arbeitet, dass wir nicht ausgeschlossen sein können von diesem Verfall, wenngleich unser Innerstes nicht mitzualtern scheint, tatsächlich aushaart und noch das gleiche ist wie in jungen Jahren. Nur unser Gebaren passen wir an unsere Erfahrung an.

Mein alter Deutschlehrer mag damals wohl Anfang Fünfzig gewesen sein - bis zum Schreiben dieser Zeilen ist es mir nie in den Sinn gekommen, dass er zwischenzeitlich gealtert sein müsste. Der Vater eines Freundes, den man nur alle paar Jahre sieht, den zufällig wiedergetroffenen Schulfreund, die Nachbarin, welche uns nur alle paar Jahre über den Weg läuft - sie alle lehren uns mit ihren dann sichtbaren Alterungen Respekt vor der Zeit, welche uns so unmerklich unablässig mitzieht, ohne uns auch nur eine Sekunde des Verweilens zu lassen. Darum müssen wir in diesem Fluss der Zeit von Zeit zu Zeit in unseren Tätigkeiten innehalten, um uns zu besinnen auf das, was um uns herum und mit uns allen geschieht. Damit wir wenigstens gelegentlich einen Überblick über das, was wir leben nennen, bekommen. Damit wir nicht erst am Ende unseres Lebens durch Alter und Krankheit gezwungen innehalten und uns fragen: "War das alles?"

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Samstag, März 03, 2007

Unsere Verantwortung gegen Andere

Ist es nicht merkwürdig, wie Autoren in den Medien durchweg das unüberlegte direkte Eingreifen fordern, wenn in unserer räumlichen Nähe ein Mensch beispielsweise durch aggressive, ggf. bewaffnete oder physisch starke Personen angegriffen wird?

Warum ich das merkwürdig finde, was auf dem ersten Blick doch als absolut richtig erscheint? Ich hole etwas aus:

Neben der selbstauferlegten Verantwortung eines geistigen ‚in die Obhut nehmens’ - beispielsweise eines Kindes, eines Nahestehenden etc. - gibt es eine weitere, ganz konkrete, nicht ablegbare schwerwiegende Verantwortung für andere Lebewesen und Dinge. Beispielsweise für Ressourcen aller Art, die wir verschleudern und deren Ausbeutung wir finanzieren, indem wir unnötige Produkte kaufen. Kauften wir ein Teil, mit dem irgendwo in der dritten Welt oder auch in unseren Landen die Umwelt, Menschen oder andere Lebewesen geschädigt werden, sind wir mit dem Kauf in der Verantwortung. Wir sind mit dem Erwerb für die in der Produktion entstehenden Schädigungen von Mensch, Tier und Umwelt ebenso verantwortlich, wie es der Produzent und die beteiligten Arbeitskräfte sind, die hierüber die Augen verschließen. Es gibt kein Delegieren von Verantwortung, kein Delegieren des Wissens um die Umstände des Entstehens, keine Abgabe der Verantwortung und des Wissens durch den Verbraucher an den Produzenten, durch die Arbeitnehmer an die Geschäftsleitung etc.. Es ist wichtig, diese Verantwortung zu kennen, ihr entsprechend zu handeln und beispielsweise keine unnötigen Ressourcen zu beanspruchen.

Das heißt: Wenn wir beispielsweise dafür zahlen, live oder im Film zu sehen, wie Lebewesen geschunden werden, sind wir deren Peiniger. Und zwar unabhängig davon, ob diese freiwillig mitmachten oder nicht. Wenn wir Fleisch essen, sind wir für die Tötung dieses Lebewesens verantwortlich. Auch wenn wir beispielsweise nur mit Schlachtvieh handeln. Hier wurzelt die eigentliche Verantwortlichkeit des Menschen – und nicht im direkten Eingreifen in Notsituationen, worauf fast alle geführt durch oft tumbe Medien den Begriff der Verantwortung reduzieren. Letzter ist dann abzulehnen beziehungsweise in den Auswirkungen abzuwägen, wenn die eigene Unversehrtheit in Gefahr ist. Denn wir haben eine ebenso große Verantwortung gegen uns selbst wie (die oben beschriebene) gegen andere Menschen und Lebewesen. So ist der Rat der Polizei, bei einem aggressiven Angriff nicht direkt in das Geschehen einzugreifen, sondern Hilfe herbeizuholen, richtig – unabhängig davon, wie sich die Medien hierzu äußern. Denn der Autor, welcher undifferenziert das unbesonnene Eingreifen zu jeder Zeit und Situation propagiert, wird hierdurch ein mitverantwortlicher Täter gegen den Helfenden, macht sich die Sache des Schädigers zu eigen und ist damit in letzter Konsequenz der Schädiger in einer gleichen Weise, wie es der ausführende Täter ist, wenn der Helfer zu schaden kommt.

Zudem käme kein Polizist auf die Idee, unbewaffnet gegen eine ihm überlegene Gruppe anzutreten; er würde stets Verstärkung abwarten. Die seltenen Fälle, in denen dies anders gehandhabt wird, führen häufig zu körperlichen Schädigungen, weil sich Täter - anders als in früheren Zeiten - heute kaum noch vom Status eines Polizisten beeindrucken lassen und gegen ihn vorgehen wie gegen jeden anderen, der ihnen in die Quere kommt.

Wir haben also eine hohe Verantwortung für uns selbst und andere in unserem Handeln. Deshalb will jede auch noch so gering erscheinende Handlung hierauf abgeklopft sein. So bewahren wir Leben, indem wir es auch nicht indirekt töten. So bewahren wir Unversehrtheit, indem wir mit Bedacht agieren.

Anmerkung: Dieser Beitrag basiert auf der journalistischen Arbeit zu dem Buch ‚Hinter den Kulissen unserer Welt – Ein System der Metaphysik’. Ausgewertet wurden Berichte aus Nahtoderfahrungen und Rückführungen, die Schriften von Platon, Kant und Schopenhauer u.a..

Nachtrag vom 18.5.07: Die 'Aktion-tu-was' der Polizei nennt sechs sehr gute Tipps zur Zivilcourage (www.aktion-tu-was.de):
  1. Eingreifen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen
  2. Andere zur Mithilfe auffordern
  3. Genau beobachten und Tätermerkmale einprägen
  4. Hilfe über den Polizeinotruf organisieren
  5. Um das Opfer kümmern
  6. Als Zeuge zur Verfügung stehen

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Montag, September 04, 2006

Das Leben ist gefährlich, oder?

Ist es nicht merkwürdig, dass der Esel immer wieder auf's Eis geht, wenn's ihm zu wohl ist?

Wir sind im Verlaufe unseres Lebens so vielfältigen unwägbaren Risiken ausgesetzt, dass man meinen sollte, jemand hätte genug daran. Das ist jedoch nicht immer so. Vielen wird die oberflächliche Sicherheit ihrer Existenz öde und lässt sie nach Anregungen suchen. Dass das nur in seltenen Ausnahmen glücklich verlaufende Leben dadurch nicht gerade an Qualität gewinnt, liegt auf der Hand. Denn dem Reiz geht das Risiko Hand in Hand wie Bruder und Schwester, und die Krux ist, dass man nicht immer nur gewinnen kann in diesem Glücksspiel, welches wir Leben nennen.

Das Unglück in jedweder Form zu provozieren ist daher eine Form der Raserei. Möglichkeiten gibt es viele – doch je höher der Verstand, desto weniger werden sie genutzt. Als da beispielhaft wären:

  • Bungee-Jumping im Urlaub in exotischen Ländern. Selbst mit Richtlinien entsprechenden Gerät und der bei uns üblichen regelmäßigen technischen Kontrolle durch unabhängige Überwachungsorganisationen geht solches gelegentlich schief. Der kluge Kopf verzichtet.
  • Unangeschnallt Auto fahren: dieses geht nur solange gut, solange es gut geht. Ein kapitaler Unfall zeigt den Unterschied des klugen zum überheblichen Kopf – der erste ist wesentlich geringer oder gar nicht geschädigt, der Zweitgenannte gegebenenfalls tot.
  • Das Rauchen: hier bekommt die alte Lebensweisheit ihre volle Bedeutung, welche besagt, abgerechnet würde zum Schluss. Der kluge Kopf wird einen weniger schweren Abgang vorziehen.
  • Das unvorsichtige Gebaren: hierunter fällt alles, was Not oder Leid provozieren kann, jedoch ohne ein solches Gebaren ausgeblieben wäre. Ein Tourist, welcher ohne Kenntnis der lokalen Gang-Regeln aufgrund der Farbe seines T-Shirts in den Slums von L.A. (Californien/USA) erschossen wird, hatte keine Möglichkeit der Vorsorge oder Vermeidung. Der Fußballfan, welcher in Kenntnis gewaltsuchender Hooligans sein Ego in einer diese provozierenden Aufmachung spazieren trägt, hätte die Möglichkeit der Vermeidung. Ist er ansonsten ein kluger Kopf, war sein Ego – welches Ausdruck seines Willens ist – größer als sein Verstand.

Es ist hierbei wie bei allen anderen genannten Gefahren, denen man sich aussetzt oder nicht: Man geht nicht an den ersten Zigaretten zugrunde, viele Bungee-Sprünge können klappen und Hooligans wollen sich einfach nicht blicken lassen; aber wehe, wenn... Die Unversehrtheit nur wegen der flüchtigen Befriedigung eines ungezügelten Willens wegen zu gefährden, ist – wie Anfangs bemerkt – Raserei. Man muss oft bei seinem Willen auf der Bremse stehen, ihn immer wieder bewusst zügeln, bis „die Aura die Farbe des Handelns und Denkens angenommen hat“ [Meek], bis diese Kontrolle unbewusst ausgeübt wird. Wenn man bis dahin den Fuß von der Bremse nimmt, fährt der in alle Richtungen probierende Wille fort, seine Ziele anzupeilen.

Mit dem Willen ist es wie in der folgenden Metapher beschrieben - er ist hierin der Antrieb des Flugzeugs:

Stellen Sie sich vor, Sie säßen auf dem Flughafengelände im Cockpit eines Flugzeugs. Sie hätten zwar keinerlei Ahnung von diesen Dingern, aber ein Bekannter hat Ihnen das zeigen wollen. Nun ist er kurz gegangen und Sie berühren einen Hebel – und nichts ahnend setzt sich das große Flugzeug in Bewegung, rollt los. Sie kennen nur die Fußbremse und das Lenkrad, bremsen bis zur Erschöpfung gegen die Kraft der Turbinen an und lenken um Hindernisse herum. Aber sobald Sie in Aufmerksamkeit und Widerstand gegen den Verlauf nachlassen, rollt das Flugzeug wieder los und bringt Sie in schwierige, manchesmal gefährliche Situationen.

Hat Ihr Bewusstsein jedoch durch langjährige Übung den Willen unter Kontrolle, müssen Sie sich erst motivieren, um überhaupt einen Willen auszubilden – denn dieser ist in einem solchen Bewusstsein eliminiert, nur auf das Lebensnotwendige begrenzt, und selbst hierfür muss sich so mancher gelegentlich motivieren. Dessen Flugzeug steht – um in der Metapher zu bleiben – wie eine ‚Eins’. Und er rollt nur nach größeren Willensanstrengungen ein paar Meter vor. Deshalb sagt man diesen extrem kontrollierten Menschen nach, dass sie selbst ihre Alltagsgeschäfte nur tändelnd, mit schwankender, aber eher geringer Motivation abwickeln. So kann bei ihnen im Alter selbst die Sexualität einschlafen, wenn sie sich nicht kontinuierlich neu motivieren. Also einen Willen hierzu herausbilden und fördern.

Dieser Trainierte entscheidet also, wo er sich die Mühe macht und mit etwas Willen engagiert, der Untrainierte läuft ungebremst von allein unter Volldampf, und ist damit in den künstlichen Hierarchien dieses Lebenssystems – beispielsweise im Beruf und in der Politik – erfolgreicher. Hieraus kommt es, dass diese Welt in der bekannten miesen Verfassung ist, die menschlichen Verhältnisse derart im Argen liegen, dass auch der annehmlich Ehrenhafteste im besten Anzug und mit dem schönsten Anwesen der Gier folgt. Gerade dieser.

Zu diesem und verwandte Themen suche ich für ein Buchprojekt Korrekturleser und Übersetzer in andere Sprachen. Bei Interesse bitte diesem Link folgen.

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Freitag, Juli 07, 2006

Von Trauer und Verbundenheit

Ist es nicht merkwürdig, dass wir so vieles über das Leben wissen wollen, doch so wenig über das Sterben und über das System, welche das physische Leben einbettet?

Das Sterben ist weniger als ein Schritt – wir nehmen diesen Prozess nicht wahr, wenn wir ihn nicht erwarten oder hierbei abgelenkt sind, beispielsweise durch Kampfhandlungen oder durch einen das Sterben verursachenden Unfall. Dann ist es für den Betroffenen eine Überraschung, festzustellen, verstorben zu sein. Das geboren werden und das Sterben sind also für unser Bewusstsein kaum merkliche Vorgänge – nur das Eingebunden sein in der Falle der Raumzeit unseres Lebenssystems, verbunden mit einem trägen und in vielerlei Hinsicht bedürftigen und anfälligen physischen Körper ist das schwer zu bewältigende. Wir nehmen die uns in einem Lebenszyklus dargebotenen Identität an und leben sie ähnlich versunken, wie der Online-Spieler in die Figur seines Protagonisten schlüpft. Unsere Spielwelt ist natürlich ungleich vielfältiger, doch das Prinzip ist vage ähnlich. In unserem realen Spiel werden wir von höheren Instanzen unseres Bewusstseins vierundzwanzig Stunden am Tag unterstützt und in dem, was wir Schlaf nennen, in Übungsabschnitten geschult und belehrt.

Wenn wir sterben, nehmen wir all die intensiveren Bindungen mit uns. Sie bleiben uns erhalten, wenn wir uns nicht mental von dem anderen abwenden oder der andere von uns. Denn die bei anderen geparkten Anteile unserer Bewusstseinsenergie, welche ein Teil unseres unsterblichen Wesens ist, ziehen wir in einer Art bewussten Entscheidung von anderen ab oder aber wir belassen sie bei denen, die wir einst in unsere ‚geistige Obhut’ genommen haben. Wenn wir diese Anteile nach unserem physischen Ableben abziehen, uns also mental von ihnen abwenden, empfinden die betroffenen Hinterbliebenen diesen Verlust als Trauer. Sie entsteht aus dem Leeregefühl, einem Gefühl der Einsamkeit und des Verlassenseins, wenn die vertrauten Bewusstseinsenergie-Anteile des anderen plötzlich fehlen. Wohl jeder hat diesen Effekt schon einmal bei sich selbst erlebt – wenn man nach einer innigen Beziehung verlassen wird, ist es nicht anders. Umgekehrt kann bei einer besonders intensiven mentalen Beziehung selbst nach dem physischen Ableben eines der Beteiligten dieses Gefühl der Trauer vollkommen ausbleiben - nämlich dann, wenn man sich immer noch sehr nah ist, sich keiner von beiden abwendet und damit dem anderen emotional kündigt.

Wenn wir also einen Nahestehen durch den Tod oder einer Trennung zu Lebzeiten verlieren, trauern wir in zweierlei Weise: Einmal ausgelöst durch dessen mentales Abwenden, dem Abziehen seiner Bewusstseinsenergie aus unserem Bewusstsein und zum anderen durch Selbstmitleid, welches aus der Erkenntnis der bevorstehenden langen Trennung entsteht. Trost dagegen könnten wir beim Verlust eines Menschen durch Versterben in der Gewissheit finden, beim Weiterbestehen einer gefühlsmäßigen Verbindung den anderen nicht aus den Augen zu verlieren und ihn nach unserem eigenen physischen Ableben wiederzusehen – wenn wir denn hiervon überzeugt sind.

Anmerkung: Dieser Beitrag basiert auf der journalistischen Arbeit zu dem Buch ‚Hinter den Kulissen unserer Welt – Ein System der Metaphysik’. Ausgewertet wurden Berichte aus Nahtoderfahrungen und Rückführungen, die Schriften von Platon, Kant und Schopenhauer u.a..

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