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blog.Merkwürdigkeiten

Die Rubrik 'Zu guter Letzt: Ist es nicht merkwürdig' der Hauptseite von chinnow.net platzte aus allen Nähten. Hier geht's weiter. Warum ich poste? Meine Bloggerei ist wie Korbflechten im Irrenhaus: Der Patient fühlt sich dabei etwas besser (angelehnt an ein Woody Allen Zitat).

Mein Foto
Name: André
Standort: Hamburg, Germany

Mich interessiert das geschriebene Wort - gleich ob es gedruckt oder am Bildschirm angezeigt ist. Als Ausgleich zur Schreiberei bemühe ich mich, Handwerker in meinem Leben überflüssig zu machen.

Dienstag, April 08, 2008

Unitalienische Verhältnisse

Bei uns in der Straße wird kein Müll mehr abgeholt. Es werden nur noch wertvolle Rohstoffe entsorgt. So reißen sich die Hamburger Stadtreinigung und private Entsorger darum, mein Altpapier abholen zu dürfen und beglücken mich mit einer beliebigen Anzahl 'Papiertonnen'. Die gelben Säcke mit den 'grüne Punkt'-Verpackungen werden schon lange kostenlos entsorgt - der Hintergrund ist allerdings ein ärgerliches Thema für sich [siehe Beitrag aus April 2006: 'Vom grünen Punkt, der "Wert-Wertstoff-Sammlung GMBH" und Glasverpackungen']. Jetzt warte ich nur noch auf 0-Euro-Eimerchen für Glas und Restmüll.

Überhaupt - der Restmüll. Bei strikter Trennung laut Entsorgungsverordnung habe ich kaum noch welchen. Kostenlos entsorgbar sind:
Metalle, Folien, 'grüne Punkt'-Verpackungen, Glas, Papier, Elektro- und Elektronikgeräte, Feuerlöscher, PKW-und Haushaltsbatterien, Altholz, Styropor, Schrott, Korken, Schuhe und Altkleider.
Manches muss allerdings zum Recyclinghof gebracht werden. Noch kann ich das Defizit in der Restmülltonne mit Gartenabfällen ausgleichen, aber irgendwann ist der Garten leer. Und dann? Ich brauche keine "Restmülltonne" und empfinde die Pflicht zur Abnahme derselben für dreizehn Euro sechsundachtzig Cent im Monat als Strafsteuer für die guten Mülltrenner. Doch die Müllentsorger brauchen das Geld, um Verbrennungsanlagen zu bauen und zu unterhalten, in die nun der italienische Restmüll verbracht wird - natürlich umweltfeindlich per Lastkraftwagen von Neapel bis in unsere Nachbarschaft.

Sei's drum. Also, liebe Leute, gebt fein acht, vielleicht haben Euch die Entsorger eine Tonne mitgebracht...

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Sonntag, Februar 03, 2008

Mehr Geringverdiener in Deutschland als offiziell bekannt

Nach Informationen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW in Berlin die offiziellen Zahlen zum Niedriglohnsektor möglicherweise vorsätzlich fehlerhaft berechnet.

Die vom DIW jetzt veröffentlichten Daten seien laut ver.di-Chefvolkswirt Michael Schlecht "schlicht falsch“. Das DIW errechnet 3,7 Millionen Beschäftigte mit einem Bruttoeinkommen unter EUR 7,50 die Stunde. Das Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen dagegen ermittelte 5,5 Millionen Beschäftigte. Die letzte Zahl sei nach Auffassung ver.di's korrekt.

Wodurch kommt die Abweichung zustande? Das DIW unterschlug zum einen alle Beschäftigten, die in einem Nebenjob beschäftigt sind. Zum anderen hat der DIW-Rechnungsmonat grundsätzlich nur 28 Tage, wodurch sich rechnerisch der Durchschnittswert des Stundenlohns erhöht. Tatsächlich ist ein Monat durchschnittlich 30,4 Tage lang.

Das DIW unterstellt in seinen Berechnungen zudem, dass beispielsweise die Armut einer alleinerziehenden Mutter zumutbar sei, wenn sich die Tochter bei Mc. Donalds etwas hinzuverdiene. Denn es bezog offenbar nur 'Familiengesamteinkommen' in die Berechnung ein.

Wenn nun der ehrliche Bürger sieht, auf welche Weise die derzeitige Regierungskoalition und 'ihre' Institute ihn manipulieren, täuschen und ausnehmen, ist es für ihn kaum nachvollziehbar, warum er die amtierenden Parteien auch noch wiederwählen sollte. Jede veröffentlichte Statistik ist ein Politikum, weil sie für oder gegen eine politische Position arbeitet. In diesen Fall arbeiteten die "Daten" des DIW gegen die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes.

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Montag, Januar 21, 2008

Versteckte Vertragsbedingungen oft ungültig

Freenet™ macht es. 1und1™ macht es - viele machen es. Und schämen sich nicht. Sie stellen Ihre Vertragsbedingungen - auch in Anzeigen - so unleserlich dar, dass man oft nur unter Zuhilfenahme einer Lupe und mit heller Ausleuchtung des Blattes etwas entziffern kann. Dem Provider 'Freenet™' - ohnehin nicht selten im Visier der Kritik bei Computerbild - hat nun einen Prozess verloren.

Die kleingedruckten Vertragsbedingungen dienen seit Urzeiten dazu, die auf dem bürgerlichen Gesetzbuch basierenden Rechte des Kunden einzuschränken. Doch glücklicherweise lassen sich nicht alle Verbraucher gesetzeswidrige Bedingungen und andere Tricks gefallen - einige wenige besitzend ausreichend Aggressionspotential und Geld, um derartiges gerichtlich klären zu lassen. Oder sie klären es - wie hier - mit Unterstützung der Verbraucherzentrale - die bekanntlich auch von den armen Rechtsanwalts-Politikern wie dem Hamburger Bürgermeister von Beust gerne genutzt wird [siehe Blogbeitrag: 'Wenn der Computer dreimal klingelt...'].

Ergebnis dieser Auseinandersetzung: Sind die Geschäftsbedingungen derart klein gedruckt, dass sie auch unter Zuhilfenahme einer Lupe kaum zu lesen sind, gelten sie nicht. Und wenn diese ungültig oder nicht existent sind, treten an deren Stelle die Bedingungen des bürgerlichen Gesetzbuches. Und diese sind durchweg kundenfreundlicher als das von Anwälten ausgeklügelte Gedöns der Unternehmen. So geschlossene Verträge können nach Angaben der Verbraucherzentrale jederzeit widerrufen oder gekündigt werden.

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Montag, Dezember 10, 2007

Spendenaufruf: Doppelt gebettelt = Frechheit

Wenn eine soziale Einrichtung meine Sympathien hatte, dann war es neben anderen die SOS-Kinderdörfer des Hermann-Gmeiner-Fonds. Ich halte es auch für völlig legitim, die erhöhte Sentimentalität der Menschen in der Vorweihnachtszeit auszunutzen und die obligatorischen 'Bitte-um-Spende'-Briefe zu verschicken.

Was sich die Marketingabteilung der SOS-Kinderdörfer nun ausgedacht hat, grenzt jedoch an Täuschung vor allem älterer Mitbürger, die ihre Dinge nicht mehr so gut überblicken. Vor der Adventszeit - ungewöhnlich früh - kam der erste Brief dieser Art. Mit Zahlkarte. Diese steckte ich hinter die Sprechanlage an der Wohnungstür, um sie nicht zu vergessen. Ich vergaß sie trotzdem. Und nun kam ein zweiter Brief - gestalterisch und inhaltlich abweichend aufgemacht - vermutlich damit Opa Böhlke nicht gewahr wird, denselben Spendenaufruf schon einmal bekommen und zur Sparkasse getragen zu haben.

Schon meine Eltern hatten gut vierzig Jahre regelmäßig für die SOS-Kinderdörfer gespendet - ich habe dies übernommen. Aber diese Doppelbettelei stößt mir so sauer auf, dass ich den Betrag wenigstens dieses Jahr einer anderen Organisation, dem Verein Dunkelziffer e.V. gegen Kindes-Missbrauch zusätzlich zukommen lassen werde. Denn von diesen bekam ich nur einen Zahlschein.

PS: Sie können auch schnell und einfach für den Verein Dunkelziffer spenden - über die Telefonnummer 0900 - 111 00 85. Für jeden Anruf überweisen Sie über Ihre Telefonrechnung 3 Euro an den Verein. Dieser Aufruf kommt übrigens dieses Jahr nicht noch einmal. Garantiert.

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Sonntag, September 16, 2007

Werbefinanzierte Dienste im Vormarsch

Ich bin immer wieder fasziniert, dass Geschäfte, die mit nichts vergütet werden, so einträglich sind. Unsere virtuelle Scheinwelt ist voll hiervon - nehmen wir beispielsweise Skype, diese hervorragende Internettelephonie. Sie kostet nichts, monetarisiert sich daher aus Werbung. Daran wird auch die derzeitige patentrechtliche Auseinandersetzung nichts ändern, denn mit einem kostenpflichtigen Dienst ist weltweit kein Blumentopf zu gewinnen. So wird sich der Konkurrent Gizmo wohl weiter im Fahrwasser von Skype bewegen. Die einzige Chance selbst für bereits etablierte Marktteilnehmer, etabliert zu bleiben, ist den Preis für die Leistung auf 0 zu senken und auf den hierdurch steigenden Verbreitungsgrad sowie auf das Affilate Marketing zu Vertrauen.

Das gleiche System - sehr erfolgreich, kostenlos und werbefinanziert: Youtube (utube). Es reichte hier gar für teure Zahlungen an die jammernde Musikindustrie, weil etliche Musilclips mit aktuellen Songs aus den Charts unterlegt sind. Interessant wird dieses System aber erst dann, wenn auch Hardwareanbieter wie Apple ihre Produkte kostenlos anbieten, um sich ausschließlich über Werbung zu finanzieren. Es könnte gehen - mit einer regelmäßig zu aktualisierenden werbungsdurchsetzten Software. Wäre doch was - das iPhone zu Fielmann's Konditionen...

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Freitag, Juni 22, 2007

Mehrwert(?) -Telefonnummern

Ist es nicht merkwürdig, wie leicht man heute zu Geld kommen kann?

Den Text
'Sag mal, kennen wir uns? Hab deine Nummer gespeichert, kann sie aber nicht wirklich zuordnen!'

als SMS an beliebig viele Handynutzer versandt - und einige simsen oder rufen garantiert zurück. Und schließen hierüber ein Abonnement über irgendwas ab - beispielsweise über eine wöchentliche Wettervorhersage-SMS für 52 Euro - Vertragsdauer 1 Jahr. Oder über Dating-SMSs. Oder sonst etwas Nutzloses.

Es wird getrommelt, die Nummer 0650/6665040 würde dazugehören. Lt. Telering-Serviceline ist es jedenfalls einer dieser Mehrwertdienste. Und das österreichische Fernsehen 'ORF' warnt auf seiner Internetseite vor Emails mit ähnlichen Test und dieser Telefonnummer. Vielleicht kann der Anbieter hier einmal etwas dazu sagen. Ich verspüre jedenfalls wenig Neigung, diese Annahmen durch einen Anruf zu verifizieren.

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Donnerstag, Mai 31, 2007

Nie mehr Eiersalat?

Sie essen alles, was die Lebensmittelchemie hergibt? Dann werden Sie mich nicht verstehen. Denn seit gesetzliche Regelungen das Zusatzstoffe-in-Lebensmitteln-Chaos über E-Nummern ordneten, hatte ich immer eine kleine Negativ-Liste in meinem Portemonnaie. Zwar selten gebraucht und zudem gelegentlich in Vergessenheit geraten - doch, wenn es hart auf hart kam, die Zutaten beispielsweise eines mir bis dato unbekannten 'Du darfst'®™ Eiersalats gecheckt sein wollten, genügte nach dem Herausfummeln dieses fast unleserlich gewordenen Zettels ein Blick. Und meist blieben bei solchen Nachschauen die Waren im Regal des Supermarktes, einen anderen, weniger pingeligen Kunden als mich erwartend.

Im Jahre 1997 hat jedoch der deutsche Gesetzgeber erneut die Spielregeln geändert - und die Verpflichtung der Lebensmittelindustrie zur E-Nummernangabe aufgeweicht. Die Inhaltsstoffe können nun wahlweise auch in ihrer Namensbezeichnung angegeben werden (wie beispielsweise Ca-diNa-Ethylendiamintetraacetat) - und die Hersteller machen hiervon eifrig Gebrauch. Mein neuer Eiersalat nun war mir aufgefallen, weil er nicht schmeckte. Genauer, weil er darum nicht aufgegessen wurde und nach nunmehr einer Woche innerhalb und außerhalb des Kühlschranks immer noch so frisch aussah und roch wie am ersten Tag. In meinem Handbuch 'Allergiefrei ohne Medikamente' hatte ich seinerzeit im Anhang eine E-Nummernliste eingefügt. Also schaute ich dort selbst hinein und fand über die Suchfunktion meines Textbearbeitungsprogramms tatsächlich Informationen über die Zutaten. Lesen Sie selbst und erahnen Sie die Verfassung meines Magens, als ich diese Einträge fand:
  • Konservierungsstoff Natriumbenzoat: Stark allergieauslösend, stark asthmaauslösend, stark nesselsuchtauslösend, leberbelastend, wachstumsbremsend, gefäßerweiternd, betäubend, geschmacksbeeinträchtigend, epilepsiefördernd. In Hunde und Katzenfutter wegen der geringen tödlichen Dosis von 5 Promille verboten, jedoch z.B. in Fischsalat und Eiersalat oft enthalten
  • Konservierungsstoff Kaliumsorbat: Allergieauslösend
  • Verdickungsmittel Guarkernmehl: Allergieauslösend (fördert Aufnahme größerer Partikel durch die Darmwand), enthält schädliche Stoffe wie u.a. Blausäure, beeinträchtigt die Eiweißverdauung
  • Verdickungsmittel Xanthan: Geringes allergisches Potential

Das war's schon. Guten Appetit! An die Hersteller: Lebensmittel zu produzieren macht nur Sinn, wenn diese das Leben fördern und den physischen Körper nicht schädigen!


PS. Ich habe jetzt die namentlich sortierte Liste der Lebensmittelzusatzstoffe separat veröffentlicht. Ich führe und ergänze diese List bereits seit 1976. Als Schüler habe ich mich erstmals mit der Problematik ungenießbarer Zusatzstoffe befasst. Seitdem habe ich die Einträge kontinuierlich auf dem Laufenden gehalten und ab 1996 auch dem Anhang meines Allergie-Ratgebers beigefügt..

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Dienstag, Mai 22, 2007

Der grosse Ausverkauf

Ist es nicht merkwürdig, dass die "Bürger" dieser Welt, welche nur in Wahlkampfzeiten von Politikern als solche respektiert werden, Regierungen wählen, die ihnen nicht selten Not und Elend bringen?

Die philippinische Regierung privatisierte deren Gesundheitssystem - zuerst wurden Arme auch bei lebensbedrohenden Erkrankungen nicht mehr behandelt, nun dürfen auch Reiche am Leid partizipieren, weil sich das marktwirtschaftlich ausgerichtete Gesundheitssystem in dem armen Land nicht rechnet - Pfleger und Ärzte wandern in Scharen aus und Krankenhäuser werden geschlossen.

Die bolivische Regierung verkaufte die Wasserversorgung der Stadt Cochabamba an einen US-Konzern und stellte in einem Atemzug das Sammeln von Regenwasser durch die Bevölkerung unter Strafe. Trinkwasser ist nun für eine Vielzahl der "Bürger" unbezahlbar, verschlingt gut ein Viertel des durchschnittlichen Monatseinkommens.

Die südafrikanische Regierung verkaufte den Stromversorger von Soweto an ein Privatunternehmen. Auch hier das gleiche Bild - eine Vervielfachung der Strompreise, die besonders die Ärmsten trifft.

Die britische Regierung zerschlug im Jahr 1997 die englische Staatsbahn in 150 Privatunternehmen. Seither verfällt das Schienennetz, es wird kaum noch investiert und die Nutzung der Bahn ist ein logistischer Alptraum.

Was hat das mit uns zu tun? All dies betrifft jeden von uns direkt, weil auch in diesem unseren Lande fast unmerklich ein Krankenhaus nach dem anderen, eine städtische Wasserversorgung nach der anderen, ein Stromversorger nach dem anderen und Weiteres privatisiert wurde oder wird. Es ist der falsche Weg, weil sich der Staat aus der Grundversorgung seiner "Bürger" nicht herausnehmen dürfte. Wenn er sich denn für ihn, den Bürger, den er ja eigentlich vertritt, verantwortlich zeichnen würde. Aber jeder hauptberuflich in der Berufsgruppe als Lobbyist Tätige hat mehr Einfluss auf die Richtung der Politik als der Wahlkampfzeiten-Bürger. Und sie vertreten nicht seine Interessen, um es milde auszudrücken.

Florian Opitzs Dokumentation 'Der große Ausverkauf' führt diese Zusammenhänge vor Augen. Doch was können wir tun? Fallen wir auf die Politikersprüche in Wahlkampfzeiten nicht mehr herein und seien wir lernfähig, merken uns, wenn uns etwas geärgert hat. Und schreiben es in den Kalender: "Im Herbst 2009 nicht die Partei CSD wählen".

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Donnerstag, Mai 10, 2007

Unsichere Online-Überweisungen

Ist es nicht merkwürdig, dass je einfacher die Abwicklung von Überweisungen wird, desto weniger die Banken diese kontrollieren? Es ist unglaublich, welche Benachteiligungen Banken für die Kunden in ihren 'Allgemeinen Geschäftsbedingungen' (AGB) vor Gericht durchsetzen können. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, dass Banken bei beleglosen(!) Überweisungen nicht prüfen müssen, ob Empfängerkontonummer und -name übereinstimmen. Obwohl es ein Klacks wäre, diese Prüfung softwareseitig vorzunehmen.

Das bedeutet, dass jeder, der eine Online-Überweisung an Bankterminals oder am heimischen PC aufgibt, auf einem Minenfeld steht. Denn Banken schieben die Verantwortung für fehlgeleitete Überweisungen unisono auf den Kunden ab. Eine falsch abgelesene oder eingegebene Ziffer bedeutet, das der Betrag mit absoluter Sicherheit dem falschen Konto gutgeschrieben wird - und verloren ist. Und das selbst dann, wenn das Zielkonto schon seit Jahren erloschen ist. Dies alles ist nach dem Urteil des BGH rechtens. [BGH-Urteil vom 15.11.05 - ZI ZR 265/04]

Dabei ist es gerade im beleglosen elektronischen Datenverkehr für die empfangene Bank extrem einfach, den Empfängernamen mit dessen Kontonummer abzugleichen. Sie können jedoch völligen Blödsinn als Empfängernamen eingeben - die Überweisung wird unanfechtbar ausgeführt.

Wer überwacht die Kreditinstitute? Wer überwacht unsere Politiker, welche solche ' im Namen des Volkes' gesprochenen Urteile über die von ihnen beschlossenen Gesetze und Rahmenbedingungen hervorbringen? Warum lassen wir uns das gefallen? Ich überweise jedenfalls nur noch mittels papiernen Vordrucken. Diese muss ich zwar in den Briefkasten der Bank oder Sparkasse einwerfen, doch sichert mir dies eine Überprüfung, einen Abgleich von Empfängernamen und -kontonummer zu. Diesen Luxus leiste ich mir.


PS. Angesichts der sehr verbraucherfreundlichen europäischen Rechtssprechung könnte dieses Urteil in einer solchen Überprüfung zusammenfallen wie ein Kartenhaus. Wer zieht dies durch, hat ausreichend Aggressionspotential, Nerven und Geld?

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Sonntag, September 10, 2006

Die Ballade vom Handwerker

Ist es nicht merkwürdig, dass weder Amerikas Folterpraxis noch die Reform der "Jahrhundert-Reform" der Gesundheitsreform sensible Themen sind? Es ist die Thematisierung des 'Deutschen Handwerks', welche Emotionen hervorruft - beim Handwerker, weil dieser sich unverstanden wähnt und beim Kunden aus dem gleichen Grunde.

Probieren Sie es einmal aus: Sind Ihre Kellerwände feucht und Sie fragen einen Handwerker, woran es liegen könnte, heißt es todsicher: Aufsteigende Feuchtigkeit. Und er rät Ihnen zum Einbringen eines Mittels gegen aufsteigende Feuchtigkeit - beispielsweise Wandinjektionen oder das Einfügen einer Trennschicht in die Kellerwand nahe dem Boden. Ist der Keller danach immer noch feucht, hat der Handwerker - wie bei meinem Freund geschehen - zu weit gebohrt, vom Keller bis hinein in das Erdreich, so dass das Wasser aus vielen kleinen Löchern "wie aus Wasserhähnen" lief. Zudem: Da kann ihr Haus auf einem Hügel stehen oder/und fünfzig Jahre trocken gewesen sein - doch auf wundersame Weise soll sich das Grundwasser um Ihr Haus herum erhöht haben? Nachdem es gebaut wurde, war es doch auch auf Jahre trocken.

Jedes ältere Haus wird jedoch von ebenso alten Steinzeug-Abwasserrohren im Garten umgeben. Und diese sind in keiner Weise flexibel, brechen daher schon nach einigen Jahrzehnten oder werden von einem Rüttler zur Verdichtung des Bodens im wahrsten Sinne des Wortes plattgemacht - wenn Sie beispielsweise jemanden mit der Anlage einer Auffahrt oder eines Weges beauftragen. Ein Handwerker verfügt nur selten über den Weitblick, bei seiner Tätigkeit über den Tellerrand seines Gewerkes hinauszusehen. Und selbst dieses - ihr ureigenes Fachgebiet - beherrschen nur wenige perfekt.

So kann es also sein, dass Sie gegen Feuchtigkeit kämpfen, die dort gar nicht sein müsste. Ein Tipp unter Freunden: Ist der Keller feucht, graben Sie mal die entsprechende Seite auf. Irgendwo ist meist das Steinrohr gebrochen, dann Sand eingedrungen und alles mit Laub und Dreck vom Dach verklebt. Oder der Handwerker hatte schon bei der Verlegung völlig auf Dichtungen zwischen den Rohr-Elementen verzichtet. Und das Wasser sickert heraus und drückt gegen die Außenwand.

Ist diese zudem ohne Nässeschutz, ist das Auftragen desselben ohnehin immer eine erste Maßnahme. Aber Vorsicht: Es gibt auch hier unbegnadete Handwerker, die selbst tiefe Mauerfugen einfach mit Bitumen zukleistern und dann Erde dagegen schaufeln. Was von diesen 'Experten' - in diesem Fall ein selbsternannter Brunnenbauer - zu halten ist, konnte mein hiervon betroffener Bekannter nicht ausdrücken, ohne die Conténance zu verlieren. So ist es besser: Außenwand zunächst verputzen und je nach Belastung durch Nässe mit mehrmaligen Teeranstrich schützen. Achten Sie besonders auf Fugen und den Übergang zur Bodenplatte. Dann können Sie bei hohem Grundwasserstand eine Drainage im Kiesbett davorbauen und sonst einfach nur Styroporplatten zwischen Erdreich und Schutzanstrich legen.

Doch es gibt noch mehr Genies unter den Handwerkern - das folgende sind weitere Beispiele, die ich aus der Nachbarschaft und meinem Bekanntenkreis zusammengetragen habe:

  • Ein Tapezierer verdünnte den Kleister soweit, so dass er nur backte, aber nicht klebte.
  • Ein Tapezierer bekam weder oben die Tapete gerade geschnitten noch ordentliche Übergänge zwischen den Tapetenbahnen hin
  • Ein Maurer, dessen vorgemauerte Fassadenverkleidung mit den Jahren an Halt verlor und sich zu lösen begann.
  • Ein Maurer, der nicht frostfeste Mauersteine verarbeitete.
  • Ein Maurer, der beim Verfliesen eines Kellerbodens die Revisionsöffnung zum Abwasserrohr felsenfest einbetonierte, für die Ewigkeit verschloss.
  • Ein Klempner, der ein gebrochenes Steinzeugrohr mit einer Alditüte und Beton 'reparierte'.
  • Ein Klempner, der einen Hauptwasserhahn nicht vollständig zudrehte, eine Küchenarmatur entfernte und Feierabend machte. Am nächsten Morgen standen vier Wohnungen unter Wasser.
  • Ein Klimaanlagen-Fachmann, der bei Austausch des Kältemittels die falsche Füllmenge - natürlich zuwenig - einfüllte.
  • Ein Glaser, der ein Fenster nach dem Austausch einer blind gewordenen Scheibe nicht dicht bekam.
  • Ein Maurer, dessen gemauerte Steine mit der Hand abgetragen werden konnten- er hatte diese trotz sommerlicher Hitze nicht vorgenässt.
  • Ein Maurer, der die Verputzung einer Reparaturstelle in der Außenwand nicht ebenso glatt bekam, wie es der umgebende Wandputz ist.
  • Ein Handwerker, der - nachdem er dreiviertel des Rechnungsbetrages auf dem Konto hatte - den Termin der Fertigstellung zunächst verlegte, dann vergaß, und noch einmal verlegte und verlegte...

Wir müssen wach sein - oder es selbst machen.

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Montag, August 28, 2006

Fahrräder oder "I love trouble"

Ist es nicht merkwürdig, dass auch nach nunmehr einhundert Jahren Entwicklung der Fahrrad-Technik immer noch Ketten abspringen, dass Räder eierig werden, sich der Lenker mit der Zeit verdreht und immer noch keine Aktentasche auf den Gepäckträger passt, ohne auf jeden Meter Fahrt mehr und mehr seitlich abzurutschen? Von der Qualität der Akkulampen wollen wir gar nicht erst reden.

Wo sind denn auch nur die geringsten technischen Innovationen? Es kann doch nicht so schwierig sein, einen automatischen Kettenspanner zu verwenden, Leichtmetallfelgen mit massiven Stegen zur Achse, eine Lenkstange mit einer Nut zur Führung der exakten Position und - zu guter Letzt - einen Gepäckträger, der seiner Bezeichnung gerecht wird. So jedenfalls ist immer irgendwas an den Fahrrädern zu richten; und wenn sie sich dann mal bewegen, geht manchmal Gepäck verloren.

Aber Nicht-Könner gibt es auch in den kleinen Reparaturwerkstätten, die von dem derzeitigen Stand der Technik gut leben. Ein solcher vergaß nach einem Felgentausch die hintere Radbremse wieder einzustellen. Seitdem fehlen einem meiner Familienmitglieder zwei halbe Schneidezähne. Wer sich an meiner zugegeben verallgemeinernden Ausdrucksweise stört, kann sich ja mal versuchsweise ohne Hinterradbremsen einer Vollbremsung im Verkehr unterziehen. Ich rate jedoch ab.

Offenbar sind wir einfach einhundert Jahre zu früh auf die Welt gekommen. Na denn, im nächsten Leben wird alles anders...

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Donnerstag, November 03, 2005

Schmerzensgeld für Architekten

Sie bauen Sich ein Haus. Das geht nicht ohne einen Architekten. Jahre später bauen Sie etwas an oder verändern die Außenansicht. Das dürfen Sie so nicht einfach tun. Das sind 'Entstellungen' und die tun dem Architekten weh - und wenn er schlecht drauf ist oder finanzielle Not leidet oder noch nicht genug Geld auf dem Konto hat, kann er Sie nun auf Schmerzensgeld(!) verklagen (LG München I, Urteil vom 20.01.2005 - 7 O 6364/04):
"Ein Bauwerk ist nach § 14 UrhG entstellt, wenn aus der Perspektive eines Durchschnittsbetrachters eine besonders schwerwiegende Beeinträchtigung vorliegt, die geeignet ist, die geistigen und persönlichen Interessen des Urhebers an dem Werk zu beeinträchtigen und das Änderungsinteresse des Eigentümers das Bestands- und Integritätsinteresse des Architekten nicht überwiegt."
Aber es kommt noch besser: Es ist nicht möglich, schon im Architektenvertrag zu vereinbaren, daß er hierauf verzichtet.

Wer schon einmal erfahren hat, wie schwer in Deutschland Schmerzensgeld für körperliche Schädigungen - beispielsweise durch ärztliche Kunstfehler oder Körperverletzungen - zu erlangen ist, der wird sich im Anblick dieses Irrsinns an den Kopf fassen. Juristen basteln sich eine eigene Realität, wenn Sie die der Mitmenschen aus den Augen verloren haben.

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