Jugendgewalt
Zwei Fälle: Ein Zwölfjähriger geht in seinem Wohngebiet zum Einkaufen. Unter einer fast menschenleeren Bahn-Unterführung kommen ihm zwei Dreizehn- bis Vierzehnjährige entgegen. Sie sprechen den ihnen Unbekannten an, werden dabei zunehmend aggressiver, spielen das Machtspiel. Sie drängen den Jungen an die Wand der Unterführung, zücken ein Klappmesser und halten es genussvoll an seinen Hals. Bewegen es einen Schnitt simulierend hin- und her. Der Junge bleibt äußerlich völlig ruhig, antwortet auf ihre Fragen nur knapp mit 'Ja' und 'Nein', die Kinder lassen von ihm ab.
Die zweite Geschichte: Ein Siebzehnjähriger steht an einer Bushaltestelle. Zwei etwa Fünfundzwanzigjährige kommen hinzu und haben offensichtlich ein Problem: Sie diskutieren, ob sie den Jugendlichen abziehen sollen oder nicht. Ob es sich denn lohnen würde. Ach, sagt der eine, der hat doch nur ein paar Euro in der Tasche. Aber die Jacke, sagt der andere, kann ich vielleicht für fünfzig Euro verkloppen. Dann kommt der Bus und erlöst die Kontrahenten aus ihrem Dilemma.
In beiden Fällen waren es Deutsche, nicht die im Bevölkerungsanteil häufiger auffälligen Kinder mit Migrationshintergrund. Das betroffene Kind des ersten Beispieles war ich, der Jugendliche des zweiten mein Sohn. Es hat sich in fast vierzig Jahren nicht wirklich etwas geändert. Die Statistiken verschlechtern sich durch die Zunahme von Armut, aber eines blieb gleich: Die Politik hat heute wie gestern kein Konzept, keinen Willen zur effektiven Behebung des Problems, das nur in einer Entlastung der Randgruppen von ihren Problemen bestehen kann - der drückenden Armut einerseits und der Perspektivlosigkeit andererseits. Denn der selbst erfahrene wirtschaftliche und gesellschaftliche Druck macht sich Luft - in Machtspielen mit Gewinnaussicht.
So ist der Politik anzuraten, die Ärmsten der Armen nicht kontinuierlich noch ärmer zu machen und die Zuwendungen für Schulen deutlich zu erhöhen, statt sie wie bisher über Jahre zurückzuschrauben. Denn schon das stetige schulische Einbinden der Kinder in kreative Arbeitsgruppen, Musikgruppen oder darstellendes Spiel an Nachmittagen gibt Problemkindern Anregungen und Betätigungsmöglichkeiten, die deren Elternhäuser nicht zu bieten in der Lage sind. Doch dafür fehlt den Schulen Geld und die politische Vorgabe. Machen wir was mit der Jugend - sie sind unsere Zukunft.
PS. Das obige Buch ist eine erstklassige Hilfe für alle Eltern - auch ohne gestörte Kinder. Es zeigt den besten Umgang mit den verschiedenen Problemen.
Labels: Gesellschaft, Kinder, Soziales


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