Das Kritik-Blog

Kollateralkritik zum Treiben unserer Mitmenschen

Freitag, Juli 11, 2008

Stehen die USA vor der Pleite?

Das finanzielle Engagement von Fannie Mae und Freddie Mac - den beiden größten und im Status fast staatlichen US-Hypothekenfinanzierern - liegt bei 5200 Milliarden USD. Wenn diese Unternehmen in Konkurs gehen - und danach sieht es derzeit nach Verlusten von gut 11 Milliarden USD in den vergangenen neun Monaten aus - wären damit die Hälfte aller laufenden Immobilienkredite in den Vereinigten Staaten betroffen. Es würden durch die verbleibenden Institute nicht in ausreichender Zahl neue Hypothekendarlehen vergeben werden können, was den Häusermarkt zum Erliegen und die Hauspreise gänzlich zum Einsturz bringen könnte. Denn diese beiden Institute sind quasi die letzten Baufinanzierer, welche nach dem Rückzug vieler Banken aus dem Geschäft die Hypothekenvergabe am Leben erhalten. Über einhundert US-amerikanische Hypothekenbanken sind bereits in Konkurs gegangen oder haben die Hypothekenvergabe eingestellt.

Eine Verknappung von Geldmitteln für Hypotheken führt zu fallenden Hauspreisen, weil dann weniger Menschen zu kaufen in der Lage sind. Fallende Hauspreise wiederum bewirken ein Platzen weiterer bestehender Hypotheken-Kredite wegen Überschuldung durch Wertverfall der Sicherheit und führen in eine Abwärtsspirale. Alleine im letzten Jahr 2007 sind die Hauspreise in den USA durchschnittlich um 15,3 Prozent gefallen, in einigen Regionen bis zu 31,7 Prozent.

Dieser schlechteste Fall (worst-case-szenario) könnte schon bald eintreten, wenn nicht die US-amerikanische Regierung einmal mehr einspringt und diese beiden Unternehmen verstaatlicht oder deren Schulden übernimmt oder für diese Garantien abgibt. Bereits im Frühjahr rettete die US-Notenbank die seinerzeit vor dem Konkurs stehende Investmentbank Bear Stearns vor der Pleite. Es wurde nun vom US-Finanzministerium ein Gesetz angedacht, das staatliche Garantien für die etwa 5000 Milliarden USD Schuldverschreibungen von Fannie Mae und Freddie Mac vorsah, für die die Institute gerade stehen. Dieses wurde verworfen, weil sich die Staatsschulden alleine durch diese Garantien verdoppelt hätten und das Volumen mehr als ein Drittel des US-Bruttoinlandsprodukt entspricht.

So könnte also dieser Brocken selbst für den US-Haushalt zu groß sein und so oder so einen Zusammenbruch des US-amerikanischen Wirtschaftssystems mit ungewissen Folgen für die Weltwirtschaft nach sich ziehen. Und gleich, wie der Staat reagiert - am Ende zahlt der Steuerzahler. Denn die Staatsschulden, die aus staatlichen Übernahmen oder Garantien entstehen, sind letztlich Gelder, welche früher oder später durch den sogenannten Bürger aufgebracht werden müssen.

Wie es aussieht, haben Banker wie Salomon Brothers Ende der 70er-Jahre mit den handelbaren Hypothekenpaketen eine Büchse der Pandora geöffnet, die kaum wieder zu schließen sein wird. Mit diesem handelbaren Finanzinstrument "revolutionierten" sie den Immobilienmarkt, weil es den Hypothekenbanken Kapital zuführte, wenn sie Kredite weiterreichten. Das viele Kapital wollte vergeben sein - und so gab es großzügig Hypotheken, oft über den Hauswert hinaus, weil man angenommene zukünftige Wertsteigerungen des Beleihungsobjekts bereits einrechnete. Nun gibt es in diesem Geschäft nur noch Verlierer.

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Donnerstag, Juni 05, 2008

Der Irrsinn des menschlichen Treibens

Könnte die Welt absurder sein? Still und leise wurden beispielsweise Funk-Telefone von bestimmten, bisher zulässigen Geräteklassen [CT 1+ & CT 2] verboten. Das bekommt fast niemand mit. Werden diese weiter verwendet, drohen Zahlungen von gut eintausend Euro. Es gibt allerorten und zu allen Zeiten nicht verfolgte Verletzungen selbst grundlegender Menschenrechte. CDU-Politiker [u.a. Gottfried Ludewig] fordern nun allen Ernstes, ein Zweiklassenwahlrecht wieder einzuführen. Diesmal nicht in der Unterscheidung Adel/Fußvolk, sondern Leistungsträger/ Sozialleistungsempfänger und Rentner. Was kommt als nächstes? Das Auspeitschen, wenn man zu Unrecht Leistungen bezogen hat? Und im Wiederholungsfalle das Vierteilen?

Schau hin und siehe: "Das Mittelalter geht nicht vorbei". Diese Bemerkung von Reinhard Mey aus den achtziger Jahren ist zeitlos korrekt. Wir können uns, gleich zu welcher Zeit wir leben, um nicht irre zu werden an der Welt und ihrem Treiben, nur abseits halten und um das kümmern, was wir in unserem Leben und Lebensbereich für das Wichtigste halten. Dies kann die Berufsausübung, das Leiten von Kindern ins Leben oder das Studieren der großen Vordenker aller Zeitalter sein. Oder alles zusammen. Aber sicher nicht das Verfolgen des Auf und Ab des Tagesgeschäfts menschlichen Treibens.

Es ist ein zur Ruhe kommen vonnöten. Ein Abstand zu dem manipulierenden Agieren niederer Instinkte folgenden Egomanen. Wie das geschehen kann, habe ich an anderer Stelle einmal ausgeführt. Aber dies kann auch jeder für sich selbst herausfinden.

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Sonntag, Mai 25, 2008

Nur einmal gute Nachrichten hören

Es gibt kaum ein Entkommen. Schalte ich das Radio ein, erfahre ich von aller Negativität der Welt bis hin aus ihren entlegensten Winkeln. Jedenfalls dann, wenn ein Redakteur ein Ereignis für seine Zielgruppe als relevant einstuft. Und da es diese bei rund 6.6 Milliarden Artgenossen unweigerlich in angemessener Zahl gibt, gibt es Tag wie Nacht etwas zu berichten. Nur eben nichts Positives.

Ich habe den Info-Sendern abgeschworen, bin auf inhaltslose Sender umgestiegen - doch es ist sinnlos: Auch diese bringen 'brandaktuell immer die neuesten News' - kippen den Müll der Welt in regelmäßigen Abständen über ihre Hörer aus. Mit dem Fernsehen verhält es sich ebenso. Die Sensationsgier der Macher überträgt sich auf den Zuschauer - oder umgekehrt. So oder so, nur ein gezieltes Auswählen interessierender Sendungen verschafft Linderung.

Nun sind die Menschen bekanntlich verschieden gestrickt. Je dumpfer und gelangweilter ein solcher durchs Leben trottet, desto begieriger saugt er auf, was sich ihm an Sinnes-Reizen bietet. Gibt es draußen auf der Straße eine laute Unterhaltung, wird durch die Scheiben gegiert. Explodiert in Abstrusistan eine Pipeline, kann dieser nicht genug Verstümmelungen in sich aufsaugen. Auch ein Krimi ohne dargestellte Gewalt ist für ihn ohne Reiz - je härter, desto besser. Dieser Intellekt bedarf einer kontinuierlichen Anregung von außen, um nicht in eine lähmende Langeweile zu verfallen. Darum sind diese Zeitgenossen oft auch sonst sehr rührig, fahren hierhin, besichtigen dort und vieles ist beständig in Planung.

Etwas anders verhält es sich mit demjenigen, welcher sensibel auf das Geschehen in seiner Umwelt reagiert. Er ist der Überflutung negativer Reize über die Medien zunächst ausgeliefert, leidet mit den Betroffenen, ohne sich an ihrem Leid zu weiden. Sein Intellekt ist auch ohne äußerliche Anregung aktiv. Dieser muss sich schützen, die einströmende Informationsflut eindämmen, will er nicht irre werden an der Welt. Welchen Wert das Abnabeln von allen Medien für die Seele hat, merkt dieser in einem längeren Urlaub, wenn er abgeschieden in wenig anregender Umgebung verweilt. Geist und Körper erholen sich - und wenigstens retrospektiv wird dieses Idyll als Paradies empfunden.

Zeigen wir den ach so aktuellen Medien die rote Karte. Es geht auch ohne sie, wie wir dereinst ohnehin einmal feststellen werden, gegen Ende unseres Lebens, wenn das Agieren in diesem Lebenssystem immer begrenzter wird bis wir schließlich völlig auf uns selbst zurückgeworfen sind. Wir könnten uns schon einmal daran gewöhnen, mit uns selbst allein zu sein.

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