September 26, 2001

Von Schimpansen und anderen Menschen


Neulich sah ich eine Reportage, sie handelte von Schimpansen, eine Beobachtung Ihres Lebensraumes in der freien Natur. Eines Tages verabredeten sich ein paar der männlichen Schimpansen unter ihrem Anführer, das Revier abzugehen. Dabei trafen sie auf einen ihnen fremden Schimpansen, der offenbar keiner sozialen Gruppe angehörig war. Sie lauerten ihm auf und griffen an. Über lange Zeit wurde er "unmenschlich" traktiert, bis er, halb tot, von ihnen ins Wasser geworfen wurde. Die Meute zog ab, der Schwerverletzte schleppte sich an Land, und die Biologin kommentierte, dass er wohl nicht überleben würde

Eine andere Reportage, sie handelte von Menschen. Eines Tages griffen offenbar einige keinem Staatsgefüge angehörige Menschen eine soziale Gruppe an und töteten einen Teil Ihrer Angehörigen. Daraufhin vernachlässigten die in diesem und in befreundeten organisierten Staatsgefügen herrschenden Führer ihre zuvor selbstaufgestellten Regeln und Vereinbarungen und beschlossen, den Feind in Vergeltungsschlägen - so der oberste aller Führer des betroffenen Landes - auszulöschen. Der oberste aller Führer überging dabei die Abstimmungspflicht für militärische Einsätze der Armee in seinem Sozialgefüge und zog damit mehr Macht an sich, als ihm zustand. Zugleich rief er Rache und Vergeltung aus, was die Menschen vor den Anschlägen - als ihr Handeln noch nicht von Trauer und Wut beeinflusst war - in weltweit für jedes Land geltenden Vereinbarungen strickt verboten hatten. Die Unterführer kleinerer Länder bekundeten dem obersten Führer ohne Kenntnis von Art und Umfang seiner geplanten Vergeltung und unter Umgehung eigener, in ihrem Land geltender Abstimmungsregeln, umfassende und uneingeschränkte Unterstützung. Dieser freundliche Akt bot ihre jeweils eigene Herde als zusätzlich nutzbares Kanonenfutter an. Es war erstaunlich zu sehen, wie kopflos die menschliche Art unter Einfluss von gefühlsbedingten Wahrnehmungsstörungen wurde. Von außen betrachtet wurde es sichtbar, dass Druck Gegendruck erzeugt hatte.. Zudem hatte in der Vergangenheit ein jedes Unrecht und jede Gewalt, von welcher der Sozialgefüge auch immer ausgeübt, nur vorübergehenden Einfluss auf die Machtverhältnisse; letztlich - so lehrt es die Geschichte der Menschheit - waren diese zu Frieden und störungsfreiem Zusammenleben mit nicht befreundeten Ländern allein durch das Einhalten von gemeinsam vereinbarten Regeln in der Lage. Da aber auch hin und wieder Rüpel die Führung übernahmen, wurden solche Vereinbarungen unter dem Eindruck von Ereignissen immer wieder ignoriert, was Rückschlüsse auf eine möglicherweise nur begrenzte durchschnittliche Denk- und Reflexionsfähigkeit dieser Art insgesamt zulässt.

Beide Reportagen bedrücken, so zeigen sie doch die in den Genen der Arten liegenden Ursprünge von Gewalt; über Jahrmillionen erlernte und unbewusst ablaufende Handlungsmuster, die sich in einem auf rudimentäres Handeln reduziertes Denken zeigen, sobald die Psyche unter Druck steht. Das verheißt nichts Gutes für die Zukunft, doch wünschen wir uns und ihnen, dass sie trotzdem überleben.