Was mich derzeit an unserer vollständigen Wahlfreiheit auf der imaginären Zeitschiene zweifeln lässt, sind Erkenntnisse britischer Wissenschaftler, die sich mit den Lebensläufen von eineiigen Zwillingen beschäftigt haben. Sie wollten herausfinden, inwieweit unser Verhalten, unser Lebensweg, unser Lebensglück genetisch vorgegeben ist. Interessanterweise hat es sich gezeigt, dass die beobachteten Zwillinge - selbst wenn sie sich erst in einer späten Lebensphase zum erstenmal sahen und voneinander erfuhren - jeweils einen nahezu identischen Lebensweg erfahren und ein ähnliches Lebensgefühl, eine ähnliche Grundhaltung innehatten. Vor allem die wesentlichen Fixpunkte im Leben eines jeden Menschen wie Schwangerschaft, Geburt oder Fehlgeburt und Tod stimmten innerhalb eines flexiblen Zeitrahmens von wenigen Wochen bis zu einigen Monaten meist überein. Daraus lässt sich die Annahme ableiten,
dass diese Menschen und damit auch jedes andere Lebewesen in einem Universum zwar beim täglichen Kleinkram die freie Wahl des Handelns auf der imaginären Zeitschiene hat, der große wesentliche Ablauf einer Existenz und das Lebensgefühl jedoch, mit dem diese Existenz gelebt und erfahren wird, nicht beeinflussbar ist, sondern feststeht. Man könnte es auch so sagen: Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen. Auf das Anfangs gesagte übertragen ließe sich sagen, die Lebensfäden differieren erheblich im Raum und leicht in der Zeit, beinhalten jedoch feststehend die fixen Schlüsselerlebnisse einer Existenz unabhängig von ihrer genauen Position in der Raumzeit.
Auf die gute Erklärbarkeit der Präkognition im Modell der imaginären Zeit hat diese Erkenntnis keine Auswirkungen; Dobbs imaginäre Zeitschiene nutzen wir weiterhin als Gedankenmodell, besser gesagt als mathematisches Modell, um so viele Erscheinungen als möglich zu erklären. Nur lässt sich Feynmans Aussage nicht mehr aufrecht erhalten, dass das Universum und jede Existenz in ihr jede mögliche Geschichte hat. Es hat den Anschein, als wenn es jeweils nur eine determinierte Geschichte mit leicht abweichenden Unterfäden gäbe, die den Existenzen Spielraum lassen und ihnen somit das Gefühl geben, über einen freien Willen zu verfügen. Die fixen Schlüsselerlebnisse und unser Lebensgefühl erfahren wir als unabänderliches Schicksal, und das sind sie in der Tat. Wir können sie bei entsprechender Spiritualität vorhersehen oder erahnen, jedoch nicht aus der Welt schaffen. Wenn es beispielsweise vorgesehen ist, dass ich einen Unfall haben werde (oder auch sterben werde, die wesentlichen Fixpunkte sind vielschichtig),
dann kommt dies Ereignis unausweichlich auf mich zu und wäre ich auch noch so vorsichtig. Ein, zweimal kann ich das Ereignis vielleicht vermeiden, und dann rumst es.
Das vorgegebene determinierte Schicksal ist stärker, wir können uns nur demütig fügen. Doch weil wir unseren Lebensweg, Emersons Faden, nicht genau kennen, sondern ihn mit Hilfe der allgegenwärtigen, doch vom Verstand verdrängten Präkognition nur schemenhaft intuitiv erahnen, ist es interessant ihn zu gehen.
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