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Börsen-Infos

Börse

Börseninfos > Börsianers Jahreskalender

Der Jahreskalender für den US-Markt
Alljährlich wiederkehrende Ereignisse
Er beginnt entgegen unserer üblichen Gewohnheit mit dem Monat August, einem Ferienmonat. Denn die Urlaubszeit der Händler und Anleger stört eine kontinuierliche Börsenentwicklung mehr als ein Jahreswechsel. Die genannten Charakterisierungen der einzelnen Monate verlieren teilweise ihre Gültigkeit in den Schlussphasen einer Hausse oder Baisse. Erläuterungen zu einigen im Kalender verwendeten Begriffen finden sich unter dem Kalender.

Monat

Rating

Details

August

- - -

  • historisch schwächster Monat; viele Kurseinbrüche, Hausse-/Baisse-Wechsel

  • Fait accompli Effekt bei FED-Sitzung

  • Vorsicht: Letzte zwei Wochen Kern-Urlaubszeit (siehe auch September).

September

- - -

  • historisch schwacher Monat

  • 1.Montag im September = Labor day. Vorher nehmen Senior-Analysten und Fondsmanager zwei Wochen Urlaub. In dieser Zeit werden keine großen Positionen angelegt und ungern gehalten. Vor Labor day kaufen und Labor day verkaufen (fait accompli-Effekt)

  • Beginn "confession season": Gewinnwarnungen· Vorsicht: historisch gesehen schlechtester Börsenmonat. Kurse bröckeln wegen enttäuschter Hoffnungen auf ein sensationelles Börsenjahr.

  • 3. Freitag dreifache Hexenstunde

  • Mi, z.B. 27.09.00: End of fiscal year (Käufe von Standardtiteln zur Schönung)

  • Letzter Handelstag: window-dressing

Oktober

- -

  • Vorsicht: gefährlicher Monat. Kurse bröckeln wegen enttäuschter Hoffnungen auf ein sensationelles Börsenjahr

  • Vorsicht: Veröffentlichung von Quartalszahlen, gute Ergebnisse sind im Uptrend im Kurs schon drin, darum Absinken, bei schlechten sowieso Absinken bis 15.10

  • fait accompli Effekt bei FED-Sitzung·

  • Letzter Handelstag: End of fiscal-year on mutural-fonds (tax loss selling von Loosern wegen steuerlich motivierter Verlustmitnahmen)

November

+ +

  • Jahresanfangs-Rally wird vorweggenommen, weil sie keiner verpassen möcht

  • Verstärkte Veröffentlichung stets positiver Prognosen von Banken zur Marktentwicklung im kommenden Jahr

  • Seit 1947 hat S&P500 5,8% zugelegt in Nov+Dez+Jan gegenüber 3,4% im Durchschnitt der elf anderen Dreimonatskombinationen

Dezember

+ + +

  • Positiv: Fondsmanager polieren ihre Bilanzen auf, Ihre Käufe heizen die Börse an zwecks besseren Wertzuwachses ihrer Fonds

  • Jahresanfangs-Rally wird vorweggenommen, weil sie keiner verpassen möchte

  • Beginn "confession season": Gewinnwarnungen

  • 3.Freitag: dreifache Hexenstunde

  • 'fait accompli' Effekt bei FED-Sitzung·

  • Letzter Handelstag: Window-dressing

Januar

+ + +

  • Vorsicht: Veröffentlichung von Quartalszahlen, gute Ergebnisse sind im Kurs schon drin, darum Absinken, bei schlechten sowieso Absinken bis 15.1

  • Positiv: Anleger erhalten die meisten Zinsen aus Staatsanleihen und Sparbriefen u.a., Geld fließt zurück in den Aktienmarkt

  • Privatanleger nutzen die freien Tage zwischen Weihnachten und Sylvester, um neue Anlageentscheidungen zu treffen und sie im Januar zu verwirklichen

  • Positiv: Gelder aus dem steuertechnisch begründeten Verkauf schwacher Aktien vor dem Jahreswechsel werden investiert

  • Positiv: Versicherer investieren die meist am 1.1 eingehenden Prämienzahlungen

Februar

+ +

  • ‚fait accompli' Effekt bei FED-Sitzung

März

+

  • Beginn "confession season": Gewinnwarnungen

  • 3.Freitag: dreifache Hexenstunde

  • Ende März alle Engagements auflösenund bis Oktober verreisen (siehe auch Mai)

  • Letzter Handelstag: Window-dressing

April

-

  • Vorsicht: Veröffentlichung von Quartalszahlen, gute Ergebnisse sind im Kurs schon drin, darum Absinken, bei schlechten sowieso Absinken bis 15.4

  • Vorsicht: 15. April ist der letzte Termin für Jahressteuerzahlungen auf Wertpapiererträge in den USA. Viele tendieren dazu, die hierfür notwendigen Erlöse erst kurz vor Ablauf der Frist zu zahlen

  • Vorsicht: Beginn des Sparens für die Sommerferien

  • ‚Fait accompli' Effekt bei FED-Sitzung

Mai

- - -

  • Vorsicht: Viele machen Kasse, Gewinnmitnahmen, die Kurse fallen. Mai verkaufen, Herbst einsteigen = 17,6% Rendite über die letzten 20 Jahre

Juni

-

  • historisch schwacher Monat

  • Beginn "confession season": Gewinnwarnungen

  • 3.Freitag: dreifache Hexenstunde

  • ‚Fait accompli' Effekt bei FED-Sitzung·

  • Letzter Handelstag: Window-dressing

Juli

-

  • Vorsicht: Im Präsidentschaftswahljahr besonders schwacher Monat

  • Vorsicht: Veröffentlichung von Quartalszahlen, gute Ergebnisse sind im Kurs schon drin, darum Absinken, bei schlechten sowieso Absinken bis 15.7· Nach dem 15.7 ggf. erster Wiedereinstieg sinnvoll

Erläuterungen zu verwendeten Begriffen
Dreifache Hexenstunde (Triple witching day):
Am dritten Freitag des Monats am Quartalsende werden gleichzeitig Terminkontrakte auf Aktienindizes, Optionen auf diese Kontrakte sowie Optionen auf einzelne Aktien fällig. Extreme Kursbewegungen bis zum Mittwoch darauf sind die Folge des Ausgleichs des Open Interest, der Gesamtheit aller offenen Positionen aus Optionen. Verluste aus diesen Kontrakten können nicht länger ausgesessen werden; glattstellen mit Verlust oder Barausgleich zahlen oder Überrollen und auf bessere Zeiten hoffen sind die dem Anleger in dieser Situation noch verbliebene Möglichkeiten. So kann ein Abwärtstrend durch Glattsteller von Verlusten aus Call-Optionen (Options-Wetten auf steigende Kurse) verstärkt werden. In Erwartung weiter fallender Kurse können diese Verkäufe natürlich auch schon wenige Tage vorher beginnen. Wenn Investoren übrigens eventuell geforderte Nachschüsse nicht leisten können, kommt es an diesen Tagen zu trendverstärkenden Verkäufen/ Käufen.

Window dressing:
Institutionelle Anleger kaufen (im Aufwärtstrend) beziehungsweise verkaufen (im Abwärtstrend) zum Quartalsende Aktien, um die Quartalsberichte besser aussehen zu lassen. Zum Beispiel werden in einem Aufwärtstrend Standardtitel zur Schönung dieser Berichte gekauft, obwohl es unter kurzfristigen Aspekten unklug wäre, sie im Depot zu halten.

Fait accompli:
Dieser von Kostolani geprägte Begriff beschreibt eine Form des Herdeneffektes der spekulativ eingestellten Anleger vor wichtigen erwarteten Ereignissen. In Erwartung eines die Aktienkurse drückenden Ereignis (Krieg, Zinsanstieg) verkaufen die Börsianer, weil sie davon ausgehen, dass die Kurse fallen, wenn das Ereignis eintrifft. Aber wenn alle Marktteilnehmer das Gleiche tun, geht es schief. Alle Marktteilnehmer wollen nun so klug sein und schon vorher verkaufen. Dadurch fällt die Börse schon im Vorfeld zusammen. Tritt das schlechte Ereignis dann tatsächlich ein, haben bereits alle ihre Papiere verkauft und es kommt kein Material mehr an die Börse. Die Papiere liegen in den starken Händen, die mit einer Erholung rechneten und die derzeit nicht bereit sind, welche abzugeben. Und so gibt es plötzlich nur noch Käufer und wenig verkaufsbereite Aktienbesitzer. Die Hausse ist da und verstärkt sich durch ihre Anziehungskraft auf das Publikum von selbst. Und andersherum: In Erwartung eines die Aktienkurse fördernden Ereignis (Zinssenkung, Millennium) kaufen die Börsianer, weil sie davon ausgehen, dass die Kurse steigen, wenn das Ereignis eintrifft. Aber wenn alle Marktteilnehmer das Gleiche tun, geht es schief. Alle Marktteilnehmer wollen nun so klug sein und schon vorher kaufen. Dadurch steigt die Börse schon im Vorfeld erheblich an. Tritt das gute Ereignis dann tatsächlich ein, haben bereits alle ihre Papiere gekauft und es kommen keine Käufer mehr an die Börse. Die Papiere liegen teuer in den schwachen Händen, die mit einem weiteren Anstieg rechneten. Und so gibt es plötzlich mehr Verkäufer als kaufbereite Interessenten. Die Baisse ist da und verstärkt sich durch ihre Anziehungskraft auf das Publikum von selbst.